Bioimpedanzanalyse in der Neurologie: Anwendungsgebiete und Potential

Die Bioimpedanzanalyse (BIA) ist eine nicht-invasive Methode zur Bestimmung der Körperzusammensetzung, die in den letzten Jahren auch in der Neurologie zunehmend an Bedeutung gewonnen hat. Ursprünglich vor allem in der Sportmedizin und Ernährungsberatung eingesetzt, bietet die BIA nun auch in der Diagnose und Behandlung neurologischer Erkrankungen vielversprechende Anwendungsgebiete.

Grundlagen der Bioimpedanzanalyse

Die BIA basiert auf der Messung des elektrischen Widerstands (Impedanz) des Körpers gegenüber einem schwachen, nicht spürbaren Wechselstrom. Da verschiedene Gewebearten unterschiedliche elektrische Eigenschaften aufweisen, kann die BIA Informationen über die Zusammensetzung des Körpers liefern, insbesondere über:

  • Körperwasser: Unterscheidung zwischen intra- und extrazellulärem Wasser
  • Fettfreie Masse (FFM): Muskelmasse, Organe, Knochen
  • Fettmasse (FM)

Die Messung erfolgt in der Regel über Elektroden, die an Händen und Füßen angebracht werden. Moderne BIA-Geräte, wie sie beispielsweise von der Firma Data-Input angeboten werden, nutzen die 4-Punkt-Bioimpedanzanalyse, um eine besonders exakte Messung zu gewährleisten.

Anwendungsgebiete in der Neurologie

Die BIA kann in der Neurologie in verschiedenen Bereichen eingesetzt werden:

1. Ernährungszustand und Sarkopenie

Neurologische Erkrankungen, insbesondere im höheren Lebensalter, gehen häufig mit Mangelernährung und Sarkopenie (Muskelabbau) einher. Schluckstörungen (Dysphagie), die bei neurologischen Erkrankungen wie Schlaganfall, Parkinson oder Demenz auftreten können, verstärken dieses Problem zusätzlich.

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Die BIA ermöglicht eine objektive Beurteilung des Ernährungszustands und der Muskelmasse und kann somit helfen, Mangelernährung und Sarkopenie frühzeitig zu erkennen und gezielte Ernährungsinterventionen einzuleiten. Im Rahmen eines umfassenden geriatrischen Assessments kann die BIA wertvolle Informationen liefern, um den Therapieplan individuell anzupassen.

2. Flüssigkeitshaushalt

Gerade bei älteren Menschen mit neurologischen Erkrankungen ist die Beurteilung des Flüssigkeitshaushalts oft schwierig. Klassische Anzeichen wie trockene Haut oder Schleimhäute sind oft unzuverlässig. Die BIA kann hier eine objektive Methode zur Bestimmung des Flüssigkeitsstatus darstellen und helfen, eine Dehydration oder Überwässerung zu erkennen. Eine aktuelle Studie hat gezeigt, dass die BIA in Kombination mit anderen Methoden wie der Beurteilung der Achseltrockenheit und dem Ultraschall der Vena cava inferior eine zuverlässige Beurteilung des Flüssigkeitshaushalts ermöglicht.

3. Neurodegenerative Erkrankungen und Demenz

Es gibt Hinweise darauf, dass Veränderungen der Körperzusammensetzung, insbesondere ein Verlust an Muskelmasse und eine Zunahme an Fettmasse, mit einem erhöhten Risiko für neurodegenerative Erkrankungen wie Demenz verbunden sein könnten. Die BIA könnte daher in der Früherkennung und Risikostratifizierung von Demenzerkrankungen eine Rolle spielen.

4. Multiple Sklerose (MS)

Bei Patienten mit Multipler Sklerose kann die BIA zur Beurteilung der Körperzusammensetzung und des Ernährungszustands eingesetzt werden. Studien haben gezeigt, dass MS-Patienten häufiger von Mangelernährung und Sarkopenie betroffen sind. Die BIA kann helfen, diese Probleme zu identifizieren und geeignete Ernährungsstrategien zu entwickeln.

5. Schlaganfall

Nach einem Schlaganfall kann es zu einer Halbseitenlähmung (Hemiparese) kommen, die zu einer Inaktivität und einem Muskelabbau auf der betroffenen Seite führen kann. Die BIA kann helfen, den Muskelabbau zu quantifizieren und den Erfolg von Rehabilitationsmaßnahmen zu überwachen.

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6. Neuromuskuläre Erkrankungen

Bei neuromuskulären Erkrankungen wie Muskeldystrophie oder Amyotropher Lateralsklerose (ALS) kommt es zu einem fortschreitenden Muskelschwund. Die BIA kann hier als Verlaufsparameter dienen, um den Fortschritt der Erkrankung zu dokumentieren und den Effekt von therapeutischen Interventionen zu beurteilen.

7. Psychische Erkrankungen

Auch bei der Vorbeugung und Behandlung psychischer Erkrankungen gewinnt regelmäßiges körperliches Training eine zunehmende Relevanz. Die BIA kann hier eingesetzt werden, um die Auswirkungen des Trainings auf die Körperzusammensetzung zu überwachen und den Trainingsplan entsprechend anzupassen.

Vorteile der Bioimpedanzanalyse

  • Nicht-invasiv: Die Messung ist schmerzfrei und ohne Risiko für den Patienten.
  • Schnell und einfach: Die Messung dauert nur wenige Minuten und ist leicht durchzuführen.
  • Objektiv: Die BIA liefert objektive Daten zur Körperzusammensetzung, die unabhängig von der subjektiven Einschätzung des Untersuchers sind.
  • Kostengünstig: Die BIA ist im Vergleich zu anderen Methoden zur Bestimmung der Körperzusammensetzung relativ kostengünstig.

Grenzen der Bioimpedanzanalyse

  • Beeinflussbarkeit: Die BIA kann durch verschiedene Faktoren beeinflusst werden, wie z.B. den Hydratationszustand, die Körpertemperatur oder die Einnahme von Medikamenten.
  • Geräteabhängigkeit: Die Ergebnisse der BIA können je nach verwendetem Gerät variieren.
  • Keine Diagnose: Die BIA ist kein diagnostisches Verfahren im eigentlichen Sinne, sondern liefert lediglich Informationen zur Körperzusammensetzung.

Fazit

Die Bioimpedanzanalyse ist eine wertvolle Ergänzung in der neurologischen Diagnostik und Therapie. Sie ermöglicht eine objektive Beurteilung des Ernährungszustands, des Flüssigkeitshaushalts und der Muskelmasse und kann somit helfen, neurologische Erkrankungen besser zu verstehen und gezielte Interventionen einzuleiten. Insbesondere bei älteren Patienten mit neurologischen Erkrankungen kann die BIA dazu beitragen, die Lebensqualität zu verbessern und die Selbstständigkeit zu erhalten.

Leistungsdiagnostik und individuelle Trainingsplanung

Über die neurologischen Anwendungsgebiete hinaus ist die Bioimpedanzanalyse auch ein wichtiger Bestandteil der sportmedizinischen Leistungsdiagnostik. In Kombination mit anderen Verfahren wie der Spiroergometrie und der Laktatmessung ermöglicht sie eine umfassende Analyse der körperlichen Leistungsfähigkeit und eine individuelle Trainingsplanung.

Spiroergometrie und Laktatmessung

Die Spiroergometrie untersucht die Herz-, Lungenfunktion und Ausdauerleistungsfähigkeit mittels Atemgasanalyse auf Laufband oder Fahrradergometer. Dabei werden die Sauerstoffaufnahme und Kohlendioxidabgabe gemessen, um die ventilatorischen Schwellen (VT1 und VT2) zu bestimmen. Diese Schwellen markieren die Laktatzunahme im Muskel und im Blut und sind die Grundlage für die Festlegung individueller Trainingszonen.

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Die Laktatmessung unter stufenförmig ansteigender Belastung ergänzt die Spiroergometrie und ermöglicht die Ermittlung laktatbasierter Schwellen. Die Kombination aus Spiroergometrie und Laktatmessung gilt als "Goldstandard" in der sportmedizinischen Leistungsdiagnostik.

Individuelle Trainingsplanung

Auf Basis der Ergebnisse der Leistungsdiagnostik kann ein individueller Trainingsplan erstellt werden, der auf die spezifischen Bedürfnisse und Ziele des Sportlers zugeschnitten ist. Dabei werden die Trainingszonen, die Trainingsintensität und die Trainingshäufigkeit festgelegt, um eine optimale Verbesserung der Ausdauerleistungsfähigkeit zu erreichen.

DoctorsGym® im ZfS-Zentrum für Sportmedizin

Das DoctorsGym® im ZfS-Zentrum für Sportmedizin bietet Leistungsdiagnostik für Einzelpersonen, Vereine und Firmenkunden an. Die Dienstleistungen sind auch als Teilpakete individuell nach Wunsch buchbar und werden in den Räumen von DoctorsGym® in Münster durchgeführt. Auf Wunsch können Dienstleistungen für Firmenkunden auch "inhouse" erbracht werden.

Bedeutung der Komplementärmedizin

Neben der Schulmedizin spielt auch die Komplementärmedizin eine wichtige Rolle bei der Behandlung neurologischer Erkrankungen. Unser Ansatz ist: So wenig Schulmedizin wie nötig, so viel Naturheilkunde wie möglich. Dadurch möchten wir gute Ergebnisse mit möglichst wenigen Nebenwirkungen erzielen.

Integrative Medizin

Die integrative Medizin kombiniert schulmedizinische Behandlungen mit naturheilkundlichen Verfahren, um eine ganzheitliche Behandlung des Patienten zu erreichen. Dazu gehören beispielsweise die Phytotherapie (Pflanzenheilkunde), die Orthomolekularmedizin (Behandlung mit Mikronährstoffen) und die funktionelle Medizin.

Applied Kinesiology

Die angewandte Kinesiologie betrachtet den Körper als ein vernetztes System, in dem Körper, Geist und Seele zusammenwirken. Durch gezielte Muskeltests können mögliche Ungleichgewichte und Blockaden aufgespürt werden, die die physische und psychische Gesundheit beeinträchtigen können.

Ernährungstherapie

Eine ausgewogene Ernährung, die Nähr- und Vitalstoffe in ausreichender Menge und in einem ausgewogenen Verhältnis enthält, ist für unsere Gesundheit von entscheidender Bedeutung. Viele chronische Erkrankungen sind ernährungsbedingt oder verschlechtern sich, wenn Ernährungsfehler vorliegen. Wir bieten in unserer Praxis individuelle Ernährungsberatungen an. Die Beratung wird durch unsere staatlich geprüfte Ökotrophologin durchgeführt. Eine Standarduntersuchung ist die Bestimmung des Körperfettanteils mittels Bio-Impedanz-Analyse.

Selbstoptimierung und Neuroenhancement

In der modernen Gesellschaft spielt die Selbstoptimierung eine immer größere Rolle. Unter Selbstoptimierung versteht man den permanenten Prozess der Verbesserung der eigenen körperlichen, psychischen, geistigen oder sozialen Fertigkeiten und Eigenschaften.

Neuroenhancement

Eine Sonderform der Selbstoptimierung ist das Neuroenhancement ("Hirndoping"), bei dem versucht wird, die geistige Leistungsfähigkeit zu steigern. Dies kann durch die Einnahme psychoaktiver Substanzen oder durch den Einsatz von Neurotechnologien erfolgen.

Risiken und Nebenwirkungen

Der Einsatz von Neuroenhancern ist jedoch nicht ohne Risiken und Nebenwirkungen. Stimulanzien wie Methylphenidat bergen gesundheitliche Risiken, möglicherweise bereits bei einmaliger Einnahme: Kopfschmerzen, Schwindel, Zittern, übermäßige Nervosität, Schweißausbrüche, Schlafstörungen, Herzrhythmusstörungen, Organschäden, Krampf- und epileptische Anfälle. Sogar psychische Erkrankungen wie Manien oder Psychosen sind durch Ritalin oder Amphetaminen möglich.

Alternative Strategien

Alternativ zum Neuroenhancement gibt es viele andere Strategien zur Verbesserung der Leistungsfähigkeit, wie z.B. eine ausgewogene Ernährung, ausreichend Schlaf, regelmäßige Bewegung und Stressmanagement.

Warnhinweis zu Wearables mit Bioimpedanz-Messung

Es ist wichtig zu beachten, dass "Wearables" wie Smartwatches oder Smart Rings, die mittels Bioimpedanz-Messung Herzfrequenz, Blutdruck und andere Vitalparameter ermitteln, möglicherweise die Funktion von Herzschrittmachern und anderen kardialen implantierbaren "electronic devices" (CIED) stören können. Menschen mit CIED sollten daher solche Geräte nicht auf der Brust über dem Herzen tragen.

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