Die Polyneuropathie (PNP) ist ein häufiges Krankheitsbild, das durch Schädigung mehrerer peripherer Nerven gekennzeichnet ist. Diese Nerven, die sich außerhalb von Gehirn und Rückenmark befinden, sind für die Übertragung von sensorischen, motorischen und vegetativen Signalen verantwortlich. Eine Schädigung dieser Nerven kann zu einer Vielzahl von Symptomen führen, die die Lebensqualität der Betroffenen erheblich beeinträchtigen können. Helmut spürt seit einiger Zeit häufiger ein merkwürdiges schmerzhaftes Kribbeln in den Füßen. Manchmal fühlen sie sich aber auch fast taub, irgendwie gefühllos an. Neulich ist er schon völlig überrascht über die Teppichkante gestolpert.
Was ist Polyneuropathie?
Eine Polyneuropathie ist eine nicht verletzungsbedingte Erkrankung mehrerer peripherer Nerven (Nervenfasern außerhalb von Gehirn und Rückenmark), die mit einer Reizleitungsstörung der erkrankten Nerven einhergeht und viele Ursachen haben kann. Betroffen sein können sensible, motorische oder vegetative Nerven, im Extremfall das ganze periphere Nervensystem.
Arten von Nerven
- Sensible Nerven: Verantwortlich für die Übertragung von Empfindungen wie Berührung, Temperatur, Schmerz und Vibration.
- Motorische Nerven: Steuern die Muskelbewegungen.
- Vegetative Nerven: Regulieren unwillkürliche Körperfunktionen wie Herzfrequenz, Blutdruck, Verdauung und Schweißproduktion.
Symptome der Polyneuropathie
Die Symptome einer Polyneuropathie können je nach Art der betroffenen Nerven und dem Ausmaß der Schädigung variieren.
Sensible Symptome
Kommt es durch eine Polyneuropathie zur Schädigung sensibler Nerven, zählen zu den typischen Symptomen u.a. Sensibilitätsstörungen („Empfindungsstörungen“ wie Taubheit, Überempfindlichkeit etc.) und Missempfindungen (z.B. „Ameisenkribbeln“, Brennen, Stechen etc.). Häufig sind zunächst die Füße bzw. Beine betroffen, teilweise auch die Hände. Die Beschwerden an den Händen und Füßen treten üblicherweise beidseitig (symmetrisch) und gerne „handschuh“- oder „sockenförmig“ auf.
- Taubheit
- Kribbeln ("Ameisenlaufen")
- Brennen
- Stechen
- Überempfindlichkeit gegenüber Berührungen
- Schmerzen (brennend, stechend, bohrend)
Motorische Symptome
Ein (Mit-)Befall von motorischen Nerven kann zu Störungen des Bewegungsablaufs und der Koordination sowie (schlaffen) Lähmungen und Muskelabbau führen, ebenfalls meistens symmetrisch.
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- Muskelschwäche
- Koordinationsstörungen
- Muskelkrämpfe
- Muskelabbau (Atrophie)
- Lähmungen
Vegetative Symptome
- Störungen der Herzfrequenz und des Blutdrucks
- Verdauungsprobleme (Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Verstopfung)
- Blasen- und Darmfunktionsstörungen
- Sexuelle Funktionsstörungen
- Vermindertes Schwitzen oder übermäßiges Schwitzen
- Trockene Augen und Mund
Verlauf
Die Polyneuropathie kann sowohl akut (Krankheitsdauer bis 4 Wochen), subakut (4 bis 8 Wochen) als auch chronisch (länger als 8 Wochen) verlaufen.
Ursachen der Polyneuropathie
Über die Hälfte aller Polyneuropathien in Deutschland sind durch Diabetes mellitus oder dauerhaft erhöhten Alkoholkonsum bzw. Alkoholabhängigkeit verursacht. Die genauen Vorgänge bei der Entstehung sind noch nicht abschließend geklärt.
Die Liste möglicher Gründe für eine PNP ist lang: Ein gestörter Zuckerstoffwechsel, Infektionen, Mangelernährung oder Alkoholismus gehören genauso dazu wie Chemotherapien, Autoimmunerkrankungen oder genetische Veränderungen. Um mehr Erkenntnisse über die Krankheit und Ansätze zu ihrer Behandlung zu gewinnen, konzentriert sich das neue Projekt mit dem Kurztitel LINC („Lipid Immune Neuropathy Consortium“) auf die fettreiche Schutzhülle, die jede Nervenfaser umgibt: die Myelinscheide. Sie steht im Zentrum eines möglichen „zerstörerischen Teufelskreises“, wie Prof. Dr. Gerd Meyer zu Hörste, Oberarzt der neurologischen Uniklinik in Münster und Koordinator des Projekts, die komplexen Vorgänge der PNP beschreibt.
Die Ursachen für Polyneuropathien sind vielfältig und können in folgende Kategorien eingeteilt werden:
- Metabolische Ursachen: Diabetes mellitus (diabetische Neuropathie), chronischer Alkoholkonsum (alkoholische Neuropathie), Nierenerkrankungen (urämische Neuropathie), Schilddrüsenerkrankungen (Hypothyreose). Die diabetische Polyneuropathie ist die häufigste Polyneuropathie-Form. Sie kann sowohl bei Typ-1- als auch bei Typ-2-Diabetes auftreten. Ein dauerhaft erhöhter Blutzucker greift die Nervenzellen an und schädigt diese mit der Zeit unwiderruflich. Andererseits vermuten Experten, dass ein dauerhaft hoher Blutzuckerspiegel die winzigen Blutgefäße im Körper (Mikroangiopathie) negativ beeinflusst. Das kann in einer verschlechterten Durchblutung münden, sodass betroffene Nerven nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt werden. Darunter leidet zunächst ihre Funktion, nach einer gewissen Zeit können die unterversorgten Nerven sogar absterben. Meist setzt die diabetische Polyneuropathie schleichend ein. Am zweithäufigsten ist Alkohol der Auslöser einer Polyneuropathie - insbesondere der chronische Alkoholkonsum. Auch hier gilt: Die genauen Mechanismen, die zu den Nervenschäden führen, sind noch nicht restlos geklärt, allerdings ist bekannt, dass bestimmte Alkoholabbauprodukte (u.a. Ethanal) die Nerven direkt schädigen. Erschwerend kommt möglicherweise noch ein zweiter Faktor hinzu: Alkoholismus ist oft mit Mangelernährung verbunden. Viele Alkoholiker ernähren sich mangelhaft und einseitig. So kann unter anderem ein Mangel an Vitamin B12 entstehen. Dieses Vitamin ist aber sehr wichtig für die Funktion des Nervensystems. Ein Vitamin-B12-Mangel könnte also Nervenstörungen bei Alkoholikern zusätzlich begünstigen. Denn auch für sich allein genommen kann er eine Polyneuropathie auslösen.
- Toxische Ursachen: Alkohol, Schwermetalle (Blei, Arsen), Lösungsmittel, Medikamente (Chemotherapeutika, Amiodaron). Ein Sonderfall stellt die Polyneuropathie als typische Nebenwirkung bei der Krebsbehandlung dar. Sie wird auch Chemotherapie-induzierte Neuropathie (CIN) genannt. Besonders betroffene sind jene Nerven für das Tast- und Temperaturempfinden wie auch für die Schmerzweiterleitung. Die Krebsmedikamente (Zytostatika) zerstören zwar insbesondere schnellwachsende Krebszellen - doch auch Nervenenden, Nervenzellen oder deren isolierende Hülle nehmen im Verlauf der Behandlung nachhaltig Schaden. Dadurch wird der Informationsaustausch zwischen Nervenzellen und Gewebe gestört. Dies führt zu Parästhesien, brennenden Schmerzen aber auch zu Muskelschwäche. Folgende Wirkstoffgruppen können eine Polyneuropathie begünstigen: Platinabkömmlinge (bspw.: Cisplatin, Oxaliplatin, etc.), Vincaalkaloide (bspw.: Vinblastin, Vincristin, etc.), Taxane (bspw.: Cabazitaxel, Docetaxel, etc.), Tyrosinkinase-Hemmer (bspw.: Sunitinib, Sorafenib, etc.), Checkpoint-Inhibitoren (bspw. : Pembrolizumab, Nivolumab, etc.) und Proteasom-Inhibitoren (bspw.: Bortezomib, Thalidomid, etc.). Die Häufigkeit einer Chemotherapie-bedingten Polyneuropathie schwankt. Das Risiko hängt vom Alter der Patienten, der Zahl an benötigten Therapiezyklen, der erhaltenen Gesamtbehandlungsdosis sowie von den zugrundeliegenden Begleiterkrankungen ab. Man schätzt, dass bei kurzen chemotherapeutischen Behandlungszeiten rund drei Prozent der Krebspatienten betroffen sind, bei mehrfachen Behandlungszyklen können bis zu 30 Prozent betroffen sein. Von jenen Betroffenen, die eine solche Chemotherapie-bedingte Polyneuropathie entwickelt haben, leiden acht von zehn behandelten Krebspatienten auch zwei Jahre nach der Behandlung an Nerveneinschränkungen. Wird die periphere Neuropathie als Folge einer Krebsbehandlung jedoch im Frühstadium erkannt und gezielt behandelt, bildet sie sich häufig auch wieder zurück.
- Infektiöse Ursachen: Borreliose, HIV, Herpes Zoster, Diphtherie.
- Autoimmunerkrankungen: Guillain-Barré-Syndrom, chronisch-inflammatorische demyelinisierende Polyneuropathie (CIDP), Vaskulitis. Für die große Gruppe der Neuropathien, die auf eine Autoimmunreaktion des Organismus gegen Bestandteile der peripheren Nerven zurückgehen, gibt es gute Behandlungsmöglichkeiten. Eine schwere immunvermittelte Neuropathie ist z.B. das Guillain-Barré Syndrom. Es entwickelt sich innerhalb kürzester Zeit und schreitet fort bis zur Lähmung aller Extremitäten und bedarf der Beatmung erkrankter Personen. Guillain-Barré hat immer noch eine Sterblichkeit von zwei bis drei Prozent aller Erkrankten zur Folge.
- Genetische Ursachen: Hereditäre motorisch-sensible Neuropathie (HMSN), Charcot-Marie-Tooth-Krankheit, Morbus Fabry.
- Mangelernährung: Vitamin-B12-Mangel, Folsäuremangel, Vitamin-E-Mangel. Mangel an Vitamin B12 (etwa bei Veganern oder nach einer Magenoperation).
- Krebserkrankungen: Polyneuropathie kann hier das erste Anzeichen sein.
- Idiopathische Polyneuropathie: In etwa 20 % der Fälle kann keine Ursache gefunden werden.
Weitere Ursachen
Weitere mögliche Ursachen sind:
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- Lebererkrankungen
- Gicht
- Gifte (wie Arsen, Blei)
- Chemische Lösungsmittel (bspw.: Kohlenwasserstoffe wie Benzol oder Trichlorethen, Alkohole wie Methanol; daher ist die toxische Polyneuropathie bei bestimmten Berufsgruppen wie Lackierern oder Bodenlegern - nach entsprechender Prüfung - als Berufskrankheit anerkannt)
- Bestimmte akute Infektionskrankheiten wie Lyme-Borreliose, Diphtherie, HIV etc.
- Morbus Fabry (eine angeborene Stoffwechselstörung)
Stress als möglicher Faktor
Auch Stress kann bei der Bildung einer Polyneuropathie eine gewisse Rolle spielen. Zwar verursacht ein dauerhaft hoher Stresspegel keine Nervenschädigungen selbst, jedoch kann dieser das Risiko für weitere stressbedingte Folgeerkrankungen erhöhen, die dann als Auslöser (Trigger) wirken. Ein Beispiel dafür sind etwa ruhende Viren, die unter Stress erneut ausbrechen - beispielsweise das Epstein-Barr-Virus (Auslöser des Pfeifferschen Drüsenfiebers), das Varizella-Zoster-Virus (Auslöser von Gürtelrose) oder auch Herpes-simplex (möglicher Auslöser für entzündlich-bedingte Nervenschmerzen).
Der "zerstörerische Teufelskreis"
Bei der Neuropathie kann ein solcher Teufelskreis aus zwei Richtungen beginnen. Einerseits kann die Zusammensetzung der die Nerven umhüllenden Fettschicht geschädigt werden - zum Beispiel aus genetischen Gründen. Dieser Schaden aktiviert Immunzellen, die das „falsche“ Fett im Nerven ins Visier nehmen, die Schutzhülle von außen angreifen und einen entzündlichen Prozess auslösen. Dadurch schädigen sie die schützende Hülle weiter - was ihnen wiederum mehr Angriffsfläche verschafft. Umgekehrt können aber auch aus unbekannten Gründen die Fett erkennenden Immunzellen den Anfang machen und die eigentlich intakte Schutzhülle direkt angreifen. Entzündliche und erbliche Faktoren verstärken sich dann gegenseitig.
Diagnose der Polyneuropathie
Die Diagnose der Polyneuropathie selbst wird aufgrund verschiedener neurologischer Untersuchungsergebnisse gestellt, für die u.a. Sensibilität, Muskelreflexe, Nervenleitgeschwindigkeit u.v.m. getestet werden. Eine weitere Diagnostik wie z.B. Blutuntersuchungen (auf Entzündungsparameter, Blutzuckerwerte, Antikörper etc.) dienen vor allem dazu, mögliche Ursachen der Nervenschädigung zu erkennen.
Anamnese und körperliche Untersuchung
Patienten wenden sich mit ihren Beschwerden meistens zunächst an den Hausarzt. Sie klagen über Missempfindungen wie Kribbeln und Taubheit oder Bewegungsschwäche und auch Störungen der Darm- und Sexualfunktionen. "Hier ist eine frühzeitige Abklärung der charakteristischen Symptome immens wichtig", sagt Prof. Dr. Hans-Peter Hartung, Direktor der Klinik für Neurologie des Universitätsklinikums Düsseldorf.
Zunächst wird der Arzt eine ausführliche Anamnese erheben, um die Krankengeschichte des Patienten zu erfassen. Dabei werden Fragen zu den genauen Beschwerden, deren Beginn und Verlauf, Vorerkrankungen, Medikamenteneinnahme, Alkoholkonsum und möglichen Risikofaktoren gestellt.
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Bei der körperlichen Untersuchung werden verschiedene neurologische Tests durchgeführt, um die Funktion der Nerven zu überprüfen. Dazu gehören die Prüfung der Sensibilität (Berührung, Schmerz, Temperatur, Vibration), der Muskelkraft, der Reflexe und der Koordination.
Technische Untersuchungen
- Elektroneurographie (ENG): Misst die Nervenleitgeschwindigkeit, um Schädigungen der Nerven festzustellen.
- Elektromyographie (EMG): Untersucht die elektrische Aktivität der Muskeln, um festzustellen, ob die Muskelschwäche durch eine Nervenschädigung verursacht wird.
- Quantitative sensorische Testung (QST): Untersucht die Reaktion der Nerven auf verschiedene Reize wie Druck, Temperatur und Vibration.
- Nervenbiopsie: In seltenen Fällen wird eine Gewebeprobe eines Nervs entnommen und unter dem Mikroskop untersucht, um die Ursache der Polyneuropathie zu bestimmen.
- Hautbiopsie: Hierbei wird ein winziges Stück Haut ausgestanzt (etwa am Unterschenkel) und genau untersucht.
Laboruntersuchungen
- Blutuntersuchungen: Dienen dazu, mögliche Ursachen der Nervenschädigung zu erkennen, wie z.B. Diabetes mellitus, Vitaminmangel, Entzündungen, Nierenerkrankungen, Lebererkrankungen oder Autoimmunerkrankungen.
- Urinuntersuchungen: Können Hinweise auf Nierenerkrankungen oder andere Stoffwechselstörungen liefern.
- Liquoruntersuchung: In seltenen Fällen wird eine Probe des Nervenwassers (Liquor) entnommen und untersucht, um Entzündungen oder Infektionen des Nervensystems auszuschließen.
- Genetische Untersuchungen: Sind angezeigt, wenn es in einer Familie mehrere Fälle von Polyneuropathie gibt. Dann liegt der Verdacht nahe, dass es sich um eine erblich bedingte Nervenschädigung handelt. Das Gleiche gilt, wenn der Patient bestimmte Fehlstellungen des Fußes (Krallenzehen, Hohlfuß) oder andere Fehlbildungen des Skeletts (wie Skoliose) aufweist. Sie sind typisch für eine erblich bedingte Polyneuropathie. Der Arzt kann dann das Erbgut des Patienten auf entsprechende Veränderungen (Mutationen) untersuchen lassen.
Behandlung der Polyneuropathie
Therapiert wird - soweit möglich - ursachenspezifisch nach der Grunderkrankung und/oder symptomatisch. Eine gezielte Behandlung ist nur dann möglich, wenn die Ursache der Polyneuropathie gefunden werden konnte. Diese Grunderkrankungen bzw. die damit verbundenen Beschwerden können dann behandelt werden. Dabei kann nicht pauschal vorhergesagt werden, ob durch die Therapie die polyneuropathiebedingten Beschwerden komplett verschwinden, etwas nachlassen oder sich trotzdem verschlechtern, da dieses von zahlreichen Faktoren abhängig ist. Auch hier stehen die Diagnose und Behandlung der ursächlichen Faktoren bzw. die Behandlung der Symptome im Vordergrund.
Die Behandlungsmöglichkeiten der Neuropathien hängen ganz entscheidend von ihrer spezifischen Ursache ab. Die Diagnosestellung ist jedoch oft nicht leicht. Die Düsseldorfer Klinik verfügt über einen klinischen-wissenschaftlichen Schwerpunkt im Bereich der Immunneuropathien. Sie ist auch eines von drei europäischen Centers of Excellence der US-amerikanischen GBSCIDP International Foundation.
Ursachenbezogene Therapie
- Diabetes mellitus: Optimale Blutzuckereinstellung, Gewichtsreduktion, regelmäßige Bewegung. Da es keine endgültige Heilung gibt, konzentriert sich die Therapie auf eine engmaschige Überwachung und Aufrechterhaltung des Blutzuckerspiegels.
- Alkoholische Neuropathie: Alkoholkarenz, Vitamin-B-Substitution, ausgewogene Ernährung. Eine Alkoholkonsumstörung wird zuerst durch absolute Alkoholkarenz und Vitamin-B-Substitution therapiert, ggf. Psychotherapie und Medikamente. Die Prognose ist jedoch in der Regel schlecht, mit hohen Rückfallraten und Komplikationen.
- Vitaminmangel: Ausgleich des Mangels durch entsprechende Nahrungsergänzungsmittel oder Injektionen.
- Autoimmunerkrankungen: Immunsuppressiva, Kortikosteroide, Immunglobuline, Plasmapherese.
- Infektionen: Antibiotika, Virostatika.
Symptomatische Therapie
Die symptomatische Therapie zielt darauf ab, die Beschwerden der Polyneuropathie zu lindern.
- Schmerztherapie: Schmerzmittel (nicht-steroidale Antirheumatika, Opioide), Antidepressiva (Amitriptylin, Duloxetin), Antikonvulsiva (Gabapentin, Pregabalin), Capsaicin-Creme. Weitere Antikonvulsiva möglich (z.B.
- Physiotherapie: Kräftigung der Muskulatur, Verbesserung der Koordination, Erhaltung der Beweglichkeit.
- Ergotherapie: Anpassung des Wohnraums und der Arbeitsumgebung, Hilfsmittelversorgung.
- Psychotherapie: Unterstützung bei der Krankheitsverarbeitung, Stressbewältigung, Entspannungstechniken.
- Alpha-Liponsäure (Thioctsäure): Durch die Zufuhr von Alpha-Liponsäure lassen sich Neuropathien günstig beeinflussen. Alpha-Liponsäure ist ein Metallchelator und sollte daher nicht gleichzeitig mit Metallverbindungen (Eisen-, Magnesium- und Calciumprodukten, auch nicht mit Milch) eingenommen werden.
- Neurotrope Nährstoffe (Benfotiamin): Benfotiamin hemmt die Kumulation von Lactat, Pyruvat und Alpha-Ketoglutarat. Mangelerscheinungen zeigen sich schnell in Glucose-abhängigen Organen, insbesondere im zentralen und peripheren Nervensystem. Das Vollbild des Thiaminmangels zeigt sich als Schädigungen der peripheren Nerven mit Hyperästhesien, Anästhesien, Abschwächung des Muskeltonus und mögliche Lähmung der Extremitäten.
- Neurotrope Nährstoffe (Uridinmonophosphat): Das Uridinmonophosphat (UMP) fördert die Proteinbiosynthese und trägt damit zu einer ausreichenden Enzymausstattung geschädigter Neuronen bei. Außerdem begünstigt es den schnellen Wiederaufbau wichtiger Membranbestandteile.
- B-Vitamine und Folsäure: Folsäure-Therapie führte bei den betroffenen Patienten zu einer Besserung der neurologischen Symptome.
Naturheilkundliche Therapieoptionen
Einem ganzheitlichen Ansatz folgend, nimmt sich Ihre Heilpraktikerin oder Ihr Heilpraktiker Zeit, das gesamte Krankheitsgeschehen im Kontext Ihrer allgemeinen Konstitution und Ihrer Persönlichkeit zu erfassen und einzuordnen, geeignete individuelle Therapien zur Linderung der Symptome sowie mögliche auslösende Faktoren zu finden und so möglichst auch ein weiteres Fortschreiten der Erkrankung zu verhindern. Mit einer Therapie sollte so früh wie möglich begonnen werden, da sich bereits stärker geschädigte Nerven i.d.R. Kann der Auslöser der Erkrankung gefunden werden, steht die Behandlung dieser Erkrankung im Vordergrund. Dafür können z.B. Ab- und Ausleitungsverfahren zum Einsatz kommen. Bei Mangelernährung oder Resorptionsstörungen kommt evtl. Ernährungstherapien zum Einsatz. Nach entsprechender Diagnostik kann auch eine gezielte Zufuhr bestimmter Stoffe sinnvoll sein. Liegt z.B. ein Mangel an B-Vitaminen vor, können spezielle Vitamin-B-Präparate z.B. aus der Orthomolekularen Medizin eingesetzt werden. B-Vitamine wirken indirekt schmerzstillend (analgetisch), durchblutungsfördernd und lindernd bei nervenbedingten Schmerzen, sollten allerdings unbedingt nur nach entsprechender Diagnostik und unter fachlicher Begleitung eingesetzt werden! Auch Mittel der Psychotherapie können z.B. die Durchblutung verbessern und damit die Symptome positiv beeinflussen. Alle o. g. therapeutischen Maßnahmen stehen hier nur beispielhaft und keineswegs erschöpfend für die vielen Möglichkeiten, die Ihrer Heilpraktikerin oder Ihrem Heilpraktiker zur Verfügung stehen. Die verschiedenen Therapieverfahren stehen entweder als in sich geschlossene Behandlungssysteme oder als Kombinationen einzelner Verfahren zur Verfügung. u. Wenn Sie unter Polyneuropathie leiden, sprechen Sie mit Ihrer Heilpraktikerin oder Ihrem Heilpraktiker - sie beraten Sie gerne. Verzichten Sie auf Alkohol und Nikotin, berücksichtigen Sie ggf. die Empfehlungen hinsichtlich Ihrer Grunderkrankung (achten Sie z.B. bei Diabetes mellitus unbedingt auf möglichst stabile, optimal eingestellte Blutzucker-Werte) und versuchen Sie sich vollwertig (gegebenenfalls auch auf Ihre Grunderkrankung abgestimmt) zu ernähren. Probieren Sie darüber hinaus aus, was Ihnen ganz persönlich gut tut. Wenn sich Ihre Probleme bei kaltem Wetter verschlechtern, passen Sie Ihre Bekleidung entsprechend an, z.B. mit warmem Schuhen, Socken oder Handschuhen. Bei verringertem Schmerzempfinden ist es wichtig, auf Verletzungen oder Wunden in den von der Polyneuropathie betroffenen Bereichen zu achten und ggf. z.B. Manche Patienten mit Polyneuropathie können aufgrund ihrer Beschwerden schlecht schlafen. Das kann körperlich und seelisch sehr belastend sein.
In der Naturheilkunde existieren gute und vor allem nebenwirkungsarme bzw. -freie Therapiemöglichkeiten, um eine Polyneuropathie erfolgreich ganzheitlich zu behandeln. Dazu gehören insbesondere die Zufuhr von Alpha-Liponsäure, neurotrope Nährstoffe, B-Vitamine und Folsäure.
Präventive Maßnahmen
- Vermeidung von Risikofaktoren: Reduktion des Alkoholkonsums, ausgewogene Ernährung, Vermeidung von Kontakt mit Giftstoffen.
- Regelmäßige Kontrolluntersuchungen: Bei Vorliegen von Risikofaktoren (Diabetes mellitus, Alkoholismus) sollten regelmäßige Kontrolluntersuchungen durchgeführt werden, um eine Polyneuropathie frühzeitig zu erkennen.
- Achten Sie auf Ihre Füsse: Bei verringertem Schmerzempfinden ist es wichtig, auf Verletzungen oder Wunden in den von der Polyneuropathie betroffenen Bereichen zu achten und ggf. z.B.
Forschungsprojekte
Ein Konsortium von Forschenden der Universitäten Münster, Essen, Heidelberg und Leipzig will diese daher nun mit neuesten Techniken untersuchen, um die Situation zu verbessern. Dafür erhält der Verbund in den kommenden drei Jahren vom Bundesforschungsministerium insgesamt 3,9 Mio. Euro. Rund 700.000 Euro davon gehen an die Westfälische Wilhelms-Universität (WWU) Münster. Die interdisziplinäre Herangehensweise von LINC ist bisher einmalig bei dieser sehr häufigen neurologischen Erkrankung. „Unser Konsortium verfügt somit über ein großes Potenzial für eine deutlich verbesserte Diagnostik und neue Therapieansätze bei bisher unzureichend behandelbaren Polyneuropathien“, zeigt sich Meyer zu Hörste optimistisch.
Umweltfaktoren als Risikofaktoren
Düsseldorf (DDZ) - Typ-2-Diabetes gehört zu den häufigsten Ursachen für eine Polyneuropathie. Es gibt jedoch zahlreiche Hinweise aus präklinischen, klinischen und epidemiologischen Studien, die darauf hindeuten, dass Entzündungen und oxidativer Stress ebenfalls auslösende Mechanismen darstellen. „Angesichts der Tatsache, dass eben diese Mechanismen auch durch Umweltrisikofaktoren ausgelöst werden, war der Mangel an Daten zu Umweltbelastungen als potenziellen Determinanten einer DSPN überraschend“, sagt Professor Dr. Christian Herder vom Deutschen Diabetes-Zentrum (DDZ), der gemeinsam mit seiner Münchener Kollegin Professor Dr. Annette Peters die Studie koordinierte. Die Studie fügt die sensomotorische Neuropathie der wachsenden Liste an Krankheiten hinzu, deren Auftreten durch Umweltrisikofaktoren, insbesondere durch Luftverschmutzung, erhöht wird. Dies unterstreicht die Notwendigkeit koordinierter gesellschaftlicher und politischer Interventionen, um Umweltgefahren für alle zu reduzieren und einen ganzheitlicheren Ansatz zur Krankheitsprävention zu verfolgen, indem Lebensstil, sozioökonomische und Umweltfaktoren gleichzeitig angegangen werden.
Unter den gemessenen Umweltfaktoren der Studie zeigten Luftverschmutzung und insbesondere ultrafeine Partikel die stärkste Assoziation mit der Entwicklung einer DSPN. Die gemeinsame Analyse aller Expositionen zeige additive Effekte mit einem 1,4-fach erhöhten DSPN-Risiko, basierend auf einer niedrigeren Lufttemperatur in der warmen Jahreszeit, weniger Grün in der Nähe der Wohnorte der Teilnehmer und höheren Geräuschpegeln und ultrafeinen Partikelkonzentrationen - unabhängig davon, ob es Menschen mit oder ohne Adipositas betraf.
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