Die Rolle von Synapsen und des Nervensystems im menschlichen Körper

Die Neurobiologie ist ein faszinierendes Gebiet der Biologie, das sich mit dem Aufbau und der Funktion des Nervensystems befasst. In der 8. Klasse lernen Schüler, wie Nervenzellen (Neuronen) Reize aufnehmen, weiterleiten und verarbeiten. Wichtige Themen sind der Aufbau eines Neurons, die Reizweiterleitung, das zentrale Nervensystem (Gehirn und Rückenmark) sowie die Synapsen. Auch die Bedeutung von Reflexen und die Rolle von Neurotransmittern werden behandelt.

Das Nervensystem: Eine Einführung

Das Nervensystem ist ein komplexes Netzwerk von Nervenzellen, die im Körper für die Aufnahme, Weiterleitung und Verarbeitung von Reizen verantwortlich sind. Es besteht aus dem zentralen Nervensystem (ZNS), das Gehirn und Rückenmark umfasst, und dem peripheren Nervensystem (PNS), das alle Nerven außerhalb des ZNS beinhaltet. Das Nervensystem ermöglicht es uns, auf unsere Umwelt zu reagieren, zu denken, zu fühlen und uns zu bewegen.

Aufbau und Funktion von Nervenzellen (Neuronen)

Nervenzellen, auch Neuronen genannt, sind die grundlegenden Bausteine des Nervensystems. Sie sind hochspezialisierte Zellen, die Reize aus der Umwelt aufnehmen, weiterleiten und verarbeiten können. Jedes Neuron besteht aus mehreren Hauptbestandteilen:

  • Zellkörper (Soma): Enthält den Zellkern und die meisten Zellorganellen.
  • Dendriten: Verzweigte Fortsätze, die Signale von anderen Neuronen empfangen und zum Zellkörper weiterleiten. Die Dendriten der Nervenzelle leiten den Reiz zum Zellkörper weiter.
  • Axon: Ein langer, schlanker Fortsatz, der Signale vom Zellkörper weg zu anderen Neuronen oder Zielzellen transportiert. Der lange Fortsatz der Nervenzelle, der aus dem Axonhügel hervorgeht, heißt Axon oder Neurit. Die Aufgabe des Axons ist die Weiterleitung der Aktionspotentiale zu Nerven- oder Muskelzellen.
  • Axonhügel: Der Bereich, in dem das Axon aus dem Zellkörper entspringt. Hier werden elektrische Signale gesammelt und summiert, bis ein Schwellenpotential überschritten wird, woraufhin ein Signal an das Axon weitergeleitet wird. Der Axonhügel bildet den Übergang vom Soma zum Axon. Die elektrischen Signale werden hier solange gesammelt und summiert, bis eine bestimmte Schwelle oder ein Schwellenpotential überschritten wird. Erst dann wird ein Signal an das Axon weitergeleitet. Diese Signale nennst du Aktionspotentiale. Das verhindert, dass unser Körper jedes kleinste Signal weiterleitet.
  • Myelinscheide: Eine isolierende Schicht um das Axon, die die Geschwindigkeit der Signalübertragung erhöht. Damit die Weiterleitung der elektrischen Signale möglichst schnell und ohne Verluste funktioniert, ist das Axon sozusagen wie ein elektrisches Kabel isoliert. Dazu wird der Fortsatz durch Stütz- oder Hüllzellen umhüllt. (außerhalb von Gehirn und Rückenmark) nennst du sie auch Schwann’sche Zellen. um die Axone.
  • Ranviersche Schnürringe: Unterbrechungen in der Myelinscheide, die die saltatorische Erregungsleitung ermöglichen. Die Umhüllung ist immer wieder durch freiliegende Axonbereiche unterbrochen. . Den nicht-umhüllten Bereich eines Axons nennst du Ranvierschen Schnürring. erhöht wird. Denn die Erregung kann auch von einem Schnürring zum nächsten „springend“ weitergeleitet werden.
  • Synaptische Endknöpfchen: Verdickte Enden des Axons, die Neurotransmitter freisetzen, um Signale an andere Neuronen oder Zielzellen zu übertragen. Die synaptischen Endknöpfchen bilden das Ende eines Neurons. Das elektrische Signal wird hier auf die nächste Nervenzelle oder zum Beispiel auf eine Sinnes- oder Muskelzelle übertragen. Dazu wird das elektrische Signal meist in ein chemisches Signal umgewandelt.

Die Synapse: Schaltstelle der Informationsübertragung

Die Synapse ist die Verbindungsstelle zwischen zwei Neuronen oder zwischen einem Neuron und einer anderen Zelle (z. B. Muskelzelle). Hier findet die Übertragung von Signalen statt. Es gibt zwei Arten von Synapsen:

  • Chemische Synapsen: Die häufigste Art von Synapsen. Hier wird das elektrische Signal in ein chemisches Signal umgewandelt. Das Endknöpfchen setzt chemische Moleküle in den synaptischen Spalt - die Lücke zwischen den zwei Zellen - frei. Dort binden sie an Rezeptoren und geben die Erregung weiter.
  • Elektrische Synapsen: Hier wird das elektrische Signal direkt von einer Zelle zur nächsten übertragen.

Die chemische Synapse im Detail

  1. Aktionspotential erreicht das synaptische Endknöpfchen: Ein elektrisches Signal, das Aktionspotential, erreicht das Ende des Axons.
  2. Freisetzung von Neurotransmittern: Das Aktionspotential führt zur Öffnung von Calciumkanälen in der präsynaptischen Membran. Der Einstrom von Calciumionen löst die Freisetzung von Neurotransmittern aus Vesikeln in den synaptischen Spalt aus. An der chemischen Synapse wird das elektrische Signal in ein chemisches Signal umgewandelt. Dazu setzen die synaptischen Endknöpfchen chemische Moleküle (Neurotransmitter) in den synaptischen Spalt frei.
  3. Bindung an Rezeptoren: Die Neurotransmitter diffundieren über den synaptischen Spalt und binden an spezifische Rezeptoren auf der postsynaptischen Membran der Zielzelle. Die Moleküle binden an Rezeptoren auf der anderen Seite des Spalts.
  4. ** postsynaptisches Potenzial:** Die Bindung der Neurotransmitter an die Rezeptoren löst ein postsynaptisches Potenzial (PSP) in der Zielzelle aus. Es gibt zwei Arten von PSPs:
    • Exzitatorisches postsynaptisches Potenzial (EPSP): Erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass die Zielzelle ein Aktionspotential auslöst. Das führt zur Entstehung eines elektrischen Signals in der nächsten Zelle.
    • Inhibitorisches postsynaptisches Potenzial (IPSP): Verringert die Wahrscheinlichkeit, dass die Zielzelle ein Aktionspotential auslöst.
  5. Beendigung des Signals: Die Neurotransmitter werden entweder durch Enzyme abgebaut, von der präsynaptischen Zelle wieder aufgenommen (Reuptake) oder diffundieren aus dem synaptischen Spalt.

Neurotransmitter: Die Botenstoffe des Nervensystems

Neurotransmitter sind chemische Botenstoffe, die an den Synapsen freigesetzt werden und Signale zwischen Nervenzellen übertragen. Es gibt viele verschiedene Arten von Neurotransmittern, die jeweils spezifische Wirkungen auf die Zielzelle haben. Einige wichtige Neurotransmitter sind:

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  • Acetylcholin (ACh): Spielt eine Rolle bei Muskelkontraktion, Gedächtnis und Lernen.
  • Glutamat: Der wichtigste exzitatorische Neurotransmitter im Gehirn.
  • GABA (Gamma-Aminobuttersäure): Der wichtigste inhibitorische Neurotransmitter im Gehirn.
  • Dopamin: Spielt eine Rolle bei Bewegung, Motivation und Belohnung.
  • Serotonin: Spielt eine Rolle bei Stimmung, Schlaf und Appetit.
  • Noradrenalin: Spielt eine Rolle bei Aufmerksamkeit, Erregung und Stressreaktion.

Synapsengifte: Störung der Informationsübertragung

Synapsengifte sind Substanzen, die die Informationsübertragung an den Synapsen beeinflussen und schwerwiegende Auswirkungen auf den Organismus haben können. Sie können die Freisetzung, Bindung oder den Abbau von Neurotransmittern beeinflussen und so die Funktion des Nervensystems stören. Einige Beispiele für Synapsengifte sind:

  • Curare: Bindet an postsynaptische Rezeptoren und verhindert den Natriumeinstrom. Dies führt dazu, dass kein exzitatorisches postsynaptisches Potenzial (EPSP) ausgebildet wird und keine neuen Aktionspotenziale entstehen können. Curare blockiert postsynaptische Rezeptoren und…
  • Parathion: Hemmt die Cholinesterase, ein Enzym, das für den Abbau des Neurotransmitters Acetylcholin (ACh) im synaptischen Spalt verantwortlich ist. Durch diese Hemmung wird ACh nicht mehr abgebaut, was zu einer erhöhten Konzentration des Neurotransmitters führt. Die Folge einer Parathion-Vergiftung ist die Ausbildung eines großen exzitatorischen postsynaptischen Potenzials (EPSP) und eine Dauererregung.
  • Atropin: Bindet an postsynaptische Rezeptoren und verändert deren Struktur. Diese Strukturveränderung verhindert die Öffnung der Natriumkanäle, selbst wenn Neurotransmitter vorhanden sind. Atropin eignet sich zur Behandlung einer Latrotoxin-Vergiftung. Eine Atropin-Vergiftung führt zu einer Lähmung und kann ebenfalls zum Erstickungstod führen.
  • Latrotoxin: Bindet an der präsynaptischen Membran und verursacht einen dauerhaften Calciumeinstrom. Dies führt zu einer erhöhten Konzentration von Neurotransmittern im synaptischen Spalt und einem übermäßigen Natriumeinstrom in die postsynaptische Zelle.
  • Botulinum: Bindet an die Vesikel in der Präsynapse und verhindert deren Ausschüttung durch die Spaltung von Proteinen des Vesikel-Fusionsapparates. Die Folge ist, dass weder EPSPs noch Aktionspotenziale ausgebildet werden können und keine Erregungsweiterleitung stattfindet. Eine Botulinum-Vergiftung führt zu einer Lähmung und kann ebenfalls zum Erstickungstod führen.

Das Nervensystem im Überblick

Das Nervensystem lässt sich in verschiedene funktionelle und anatomische Einheiten unterteilen:

Zentrales Nervensystem (ZNS)

Das ZNS besteht aus dem Gehirn und dem Rückenmark. Es ist das Kontrollzentrum des Körpers und für die Verarbeitung von Informationen, die Entscheidungsfindung und die Steuerung von Bewegungen zuständig.

  • Gehirn: Das Gehirn ist das komplexeste Organ des Körpers und für höhere kognitive Funktionen wie Denken, Lernen, Gedächtnis und Sprache verantwortlich.
  • Rückenmark: Das Rückenmark verbindet das Gehirn mit dem peripheren Nervensystem und ist für die Reflexe und die Weiterleitung von sensorischen und motorischen Signalen zuständig.

Peripheres Nervensystem (PNS)

Das PNS besteht aus allen Nerven, die außerhalb des ZNS liegen. Es ist für die Übertragung von Informationen zwischen dem ZNS und den Organen, Muskeln und Sinnesorganen des Körpers zuständig. Zum peripheren Nervensystem gehören alle neuronalen Strukturen, die außerhalb des Zentralnervensystems liegen.

Das PNS lässt sich weiter unterteilen in:

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  • Somatisches Nervensystem: Steuert die willkürlichen Bewegungen der Skelettmuskulatur.
  • Autonomes Nervensystem: Steuert die unwillkürlichen Funktionen der inneren Organe wie Herzschlag, Atmung, Verdauung und Stoffwechsel. Das vegetative Nervensystem, auch autonomes Nervensystem genannt, steuert die unbewusst ablaufenden Körperfunktionen, zum Beispiel den Herzschlag.

Das autonome Nervensystem lässt sich weiter unterteilen in:

  • Sympathikus: Bereitet den Körper auf Stresssituationen vor ("Kampf oder Flucht"-Reaktion). Der Sympathikus steuert lebenswichtige Vorgänge, zum Beispiel Herzschlag oder Blutdruck.
  • Parasympathikus: Fördert Entspannung und Regeneration. Als Gegenspieler fungiert der Parasympathikus, der alle unbewussten Reaktionen steuert, wenn wir uns wieder entspannen.

Nervensystem und Sinne

Die Sinnesorgane nehmen Reize aus der Umwelt auf und wandeln sie in elektrische Signale um, die von den Nervenzellen zum Gehirn geleitet werden. Das Gehirn verarbeitet diese Signale und erzeugt so unsere Wahrnehmung der Welt.

  • Sehsinn: Lichtreize werden von den Augen aufgenommen und in elektrische Signale umgewandelt, die zum Gehirn geleitet werden.
  • Gehörsinn: Schallwellen werden von den Ohren aufgenommen und in elektrische Signale umgewandelt, die zum Gehirn geleitet werden.
  • Geruchssinn: Chemische Substanzen in der Luft werden von der Nase aufgenommen und in elektrische Signale umgewandelt, die zum Gehirn geleitet werden.
  • Geschmackssinn: Chemische Substanzen in der Nahrung werden von der Zunge aufgenommen und in elektrische Signale umgewandelt, die zum Gehirn geleitet werden.
  • Tastsinn: Druck, Temperatur und Schmerz werden von der Haut aufgenommen und in elektrische Signale umgewandelt, die zum Gehirn geleitet werden.

Das Nervensystem und seine Bedeutung für den Körper

Das Nervensystem ist für viele lebenswichtige Funktionen im Körper verantwortlich, darunter:

  • Steuerung von Bewegungen: Das Nervensystem steuert die willkürlichen und unwillkürlichen Bewegungen des Körpers.
  • Regulation der Körperfunktionen: Das Nervensystem reguliert die Atmung, den Herzschlag, die Verdauung, den Stoffwechsel und andere wichtige Körperfunktionen.
  • Wahrnehmung der Umwelt: Das Nervensystem ermöglicht es uns, die Welt um uns herum wahrzunehmen und auf Reize zu reagieren.
  • Denken, Lernen und Gedächtnis: Das Nervensystem ist für höhere kognitive Funktionen wie Denken, Lernen und Gedächtnis verantwortlich.
  • Emotionen: Das Nervensystem spielt eine wichtige Rolle bei der Entstehung und Verarbeitung von Emotionen.

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