Ein Schlaganfall, der in Deutschland etwa alle zwei bis drei Minuten auftritt, ist die dritthäufigste Todesursache und Hauptverursacher bleibender Hirnschäden. Bei einem Schlaganfall ist schnelles Handeln entscheidend, um die Überlebenschancen zu erhöhen und Folgeschäden zu minimieren. Im Jahr 2019 erlitt Henrik Blankenberg mehrere Schlaganfälle und wurde in die Uniklinik Düsseldorf eingeliefert. Dort wurde bei ihm eine Basilaristhrombose festgestellt.
Was ist ein Schlaganfall?
Ein Schlaganfall ist eine plötzliche Durchblutungsstörung im Gehirn, die entweder durch ein Blutgerinnsel (Thrombus) oder eine Hirnblutung verursacht werden kann. Ein Blutgerinnsel verstopft ein Hirngefäß, während bei einer Hirnblutung ein Hirngefäß platzt. In beiden Fällen werden die Hirnareale nicht mehr ausreichend mit Blut, Sauerstoff und Nährstoffen versorgt, was zu einer Beeinträchtigung der Hirnfunktion führt. Symptome können plötzliche Sprachprobleme, ein hängender Mundwinkel, Sehstörungen oder Lähmungen sein. Bei solchen Symptomen sollte sofort der Notruf 112 gewählt werden.
Behandlung eines Schlaganfalls
Die Behandlung zielt darauf ab, die Ursache des Schlaganfalls zu beseitigen, beispielsweise durch die medikamentöse Auflösung des Blutgerinnsels oder dessen Entfernung mit einem Katheter. Im Fall von Henrik Blankenberg wurde zunächst versucht, das Blutgerinnsel medikamentös aufzulösen. Da dies nicht ausreichte, kam ein Stent zum Einsatz.
Was ist ein Stent?
Ein Stent ist eine Gefäßstütze aus Kunstfasern oder Metall, meist in Form eines kleinen Röhrchens. Er wird verwendet, um Gefäße oder Hohlorgane offen zu halten. Stents werden häufig zur Vorbeugung von Herzinfarkten eingesetzt, können aber überall dort eingesetzt werden, wo Gefäße verschlossen oder stark verengt sind. Der Stent stabilisiert verengte Gefäße nach deren Erweiterung und sorgt dafür, dass das Blut ungehindert fließen kann. Die Stentimplantation zählt zu den wichtigsten Behandlungsmethoden von Gefäßerkrankungen.
Die Stentimplantation: Ein minimalinvasiver Eingriff
Die Stentimplantation ist ein minimalinvasiver Eingriff, der in der Regel in örtlicher Betäubung durchgeführt wird. Nach einer Punktion der Leistenarterie wird ein spezielles Kathetersystem über die Hauptschlagader bis zu den Halsgefäßen eingeführt. Über dieses Führungskathetersystem wird der Stent mithilfe spezieller Führungsdrähte und Steuerungsinstrumente an die verengte Stelle gebracht und freigesetzt. In vielen Fällen muss der Stent dann mit einem speziellen Ballon anmodelliert und nachgedehnt werden. In einzelnen Fällen kann hierbei das Risiko eines Schlaganfalls durch Ablösung von Kalk oder Gerinnselteilchen entstehen, sodass man in diesen Fällen ein Schutzfiltersystem verwendet (Protektion). Nach Kontrolle des Befundes wird die Punktionsstelle an der Leistenarterie mit einem speziellen Nahtsystem verschlossen, und der Patient muss 12 Stunden Bettruhe einhalten. Um Gerinnselbildungen am Stent zu vermeiden, wird in den ersten Stunden eine Blutgerinnungshemmung mit Heparin durchgeführt. In der Nachbehandlung werden Plättchenhemmer verwendet.
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Ablauf einer Stentimplantation
- Vorbereitung: Vor dem Eingriff finden Routineuntersuchungen wie eine Blutanalyse und ein EKG statt. Bei einem verschlossenen Herzkranzgefäß werden zusätzlich ein Belastungs-EKG, ein Myokard-Szintigramm sowie Röntgenuntersuchungen von Herz und Lunge durchgeführt.
- Zugang: Der Arzt legt eine Kanüle in ein oberflächennahes Blutgefäß ein, meist die Arm- oder Leistenarterie.
- Katheterisierung: Unter Röntgenkontrolle wird ein Führungskatheter in Richtung der Engstelle des betroffenen Gefäßes vorgeschoben.
- Ballondilatation (PTA): An der Spitze des Katheters befindet sich ein zusammengefalteter Ballon. Nach der Ankunft an der Engstelle wird der Ballon aufgedehnt, wodurch die Verkalkungen an die Gefäßwand gedrückt werden, sodass sich das Gefäß öffnet.
- Stentimplantation: Der Stent wird über einen Katheter an die Engstelle gebracht und entweder selbstentfaltend freigesetzt oder durch Aufblasen eines Ballons expandiert.
- Abschluss: Nach der Entleerung des Ballons zieht der Arzt den Katheter wieder aus dem Körper heraus und legt einen Druckverband an.
Arten von Stents
Es gibt verschiedene Arten von Stents, die sich in Material und Funktionsweise unterscheiden:
- Metallstents: Sie bestehen aus einem Metallgittergerüst und halten das Gefäß mechanisch offen. Ein Nachteil ist, dass es bei etwa 25 Prozent der Patienten zum Einwachsen von Narbengewebe in den Stent kommen kann (In-Stent-Restenose).
- Medikamentenbeschichtete Stents (DES): Diese Stents setzen Medikamente frei, die das Einwachsen von Narbengewebe verhindern und so das Risiko einer erneuten Verengung reduzieren.
- Bioresorbierbare Stents (BRS): Diese Stents bestehen aus Materialien, die sich nach einer gewissen Zeit (z. B. ein bis vier Jahre) im Körper auflösen. Sie sollen das Risiko von Spätkomplikationen reduzieren, sind aber noch nicht vollständig etabliert.
Risiken und Komplikationen
Obwohl die Stentimplantation ein Routineeingriff ist, gibt es wie bei jedem medizinischen Eingriff Risiken und mögliche Komplikationen:
- Allgemeine Operationsrisiken: Infektionen, Wundheilungsstörungen, Blutungen
- Herzrhythmusstörungen: Während des Eingriffs
- Gefäßverschluss: Akuter Verschluss des behandelten Gefäßes
- Gefäßperforation: Durchbohrung des Gefäßes mit Blutverlust
- Herzinfarkt oder Schlaganfall: Seltene, aber schwerwiegende Komplikationen
- Stentthrombose: Verstopfung des Stents durch ein Blutgerinnsel
Nachsorge und Leben mit einem Stent
Nach der Stentimplantation ist eine sorgfältige Nachsorge wichtig, um Komplikationen zu vermeiden und den Behandlungserfolg zu sichern. Dazu gehören:
- Medikamentöse Therapie: Die Einnahme von gerinnungshemmenden Medikamenten (Thrombozytenaggregationshemmern) ist essenziell, um eine Stentthrombose zu verhindern. In der Regel werden zwei Medikamente für sechs bis zwölf Monate eingenommen, danach reicht meist ein Medikament (in der Regel ASS).
- Regelmäßige Kontrolluntersuchungen: In den ersten Wochen nach dem Eingriff erfolgen Kontrolluntersuchungen beim Arzt, einschließlich EKG, Blutdruckmessung und Laboruntersuchungen.
- Lebensstiländerungen: Ein gesunder Lebensstil mit ausgewogener Ernährung, regelmäßiger Bewegung und dem Verzicht auf Rauchen ist wichtig, um das Risiko von erneuten Gefäßverengungen zu reduzieren.
Ein Stent schränkt das alltägliche Leben in der Regel nicht ein. Auch MRT-Untersuchungen sind in der Regel problemlos möglich.
Sport mit Stent
Sportliche Aktivität ist nach einer Stentimplantation grundsätzlich möglich und sogar empfehlenswert. Regelmäßiges Training kann die Fitness verbessern, den Blutdruck senken, die Blutzuckerwerte regulieren und das Körpergewicht positiv beeinflussen. Geeignet sind vor allem moderate Ausdauersportarten wie Spazierengehen, Wandern, Walking, Joggen, Radfahren oder Schwimmen. Vor Beginn eines Trainingsprogramms sollte jedoch immer Rücksprache mit dem behandelnden Arzt gehalten werden.
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Stent im Gehirn: Besonderheiten und Kontroversen
Während Stents in der Behandlung von Herzerkrankungen weit verbreitet und etabliert sind, ist der Einsatz von Stents im Gehirn komplexer und umstrittener. Studien wie VISSIT und SAMMPRIS haben gezeigt, dass die Stentimplantation bei intrakraniellen Stenosen (Verengungen der Hirngefäße) nicht immer von Vorteil ist und sogar das Risiko von Schlaganfällen erhöhen kann. Dies liegt unter anderem an periprozeduralen Komplikationen, also Komplikationen, die während oder kurz nach dem Eingriff auftreten.
Stent-Retriever: Eine innovative Methode zur Entfernung von Blutgerinnseln
Eine vielversprechende Weiterentwicklung in der Behandlung von Schlaganfällen ist der Einsatz von Stent-Retrievern. Dabei handelt es sich um spezielle Katheter, die unter Röntgenkontrolle zu dem verschlossenen Gefäß vorgeschoben werden. Der Stent-Retriever entfaltet sich dann im Blutgerinnsel, nimmt es auf und kann es anschließend komplett herausziehen. Diese Methode hat sich als besonders effektiv bei der Entfernung großer Blutgerinnsel erwiesen und kann die Prognose von Patienten mit ischämischem Schlaganfall verbessern.
Ultraschalluntersuchung zur Schlaganfallprophylaxe
Die Deutsche Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin (DEGUM) weist auf die Bedeutung der Ultraschalluntersuchung bei der Schlaganfallprophylaxe hin. Mittels Ultraschall können Ärzte den drohenden Verschluss einer in der Halsschlagader implantierten Gefäßprothese rechtzeitig erkennen. Stent-Patienten sollten daher regelmäßige Kontrolluntersuchungen wahrnehmen, um ihr Risiko zu senken.
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