Epileptische Anfälle bei Katzen: Ursachen, Symptome und Behandlungsmöglichkeiten

Epilepsie, eine neurologische Erkrankung, die durch wiederholte Anfälle gekennzeichnet ist, tritt bei Katzen seltener auf als bei Hunden. Da epileptische Anfälle bei Katzen oft untypisch verlaufen und sich Katzen häufig unbeobachtet aufhalten, wird Epilepsie bei Katzen nicht immer sofort erkannt. Einen epileptischen Anfall bei Ihrer Katze zu erleben, kann sehr beängstigend sein, da man sich hilflos fühlt. Dieser Artikel soll Ihnen helfen, Epilepsie bei Ihrer Katze zu erkennen, die Ursachen zu verstehen und die verschiedenen Behandlungsmöglichkeiten kennenzulernen.

Was ist Epilepsie?

Epilepsie ist eine Funktionsstörung des Gehirns, bei der es zu einer unkontrollierten elektrischen Entladung kommt, die zu einem "Kurzschluss" im Gehirn führt. Im gesunden Gehirn gibt es tagtäglich immer wieder zu „Kurzschlüssen“, die aber nur vereinzelt und ganz leicht stattfinden. Bei Epilepsie kommt es zu einer unkontrollierten Entladung von sehr vielen Nervenzellen gleichzeitig, was als Domino-Effekt beschrieben werden kann.

Epileptische Anfälle treten in unregelmäßigen Abständen auf und können viele Gesichter haben. Ein leichter Krampfanfall wird oft nicht erkannt und für die üblichen "verrückten fünf Minuten" gehalten, die viele Katzenbesitzer bei ihrem Liebling beobachten. Ein unbändiger Hunger nach diesen "verrückten fünf Minuten" kann ebenfalls ein Anzeichen für einen schwachen Anfall sein.

Ursachen von Epilepsie bei Katzen

Bei Katzen kann oft eine zugrundeliegende Ursache für die epileptischen Anfälle gefunden werden. Es wird zwischen zwei Arten von Epilepsie unterschieden:

  • Sekundäre oder strukturelle Epilepsie: Hier liegt eine klare Ursache vor, wie z.B. ein Hirntumor, ein zu niedriger Blutzuckerspiegel, eine Leber- oder Nierenerkrankung oder eine Vergiftung. Eine häufige Vergiftung, die epileptische Anfälle verursachen kann, ist eine Vergiftung mit Permethrin, beispielsweise durch die Verwendung eines Flohmittels für Hunde. Auch verschiedene Pflanzen in der Wohnung oder am Haus (z. B. Weihnachtsstern, Buchsbaum) können zur Vergiftung führen. Ebenso können Umweltgifte bzw. toxisch wirksamen Metalle, z.B. Aluminium und Quecksilber, eine Rolle spielen.
  • Primäre oder idiopathische Epilepsie: Hier kann keine klare Ursache gefunden werden. Diese Form ist oft erblich bedingt. Experten vermuten, dass die Veranlagung eine große Rolle spielt, weshalb sie manchmal auch als "genetische Epilepsie" bezeichnet wird.

Im Unterschied zu Hunden werden epileptische Anfälle bei Katzen meistens von anderen Krankheiten bedingt. Bei Katzen mit Epilepsie handelt es sich also häufig um eine "unechte" Epilepsie.

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Detaillierte Betrachtung der Ursachen

Um die Ursachen von Epilepsie bei Katzen besser zu verstehen, ist es hilfreich, diese in intrakranielle (innerhalb des Schädels) und extrakranielle (außerhalb des Schädels) Ursachen zu unterteilen:

Intrakranielle Ursachen:

  • Hirntumore: Diese können das normale Funktionieren des Gehirns stören und Anfälle auslösen. Leider sind Hirntumore eine der häufigsten Ursachen für Krampfanfälle bei älteren Katzen.
  • Entzündungen des Gehirns (Enzephalitis): Verschiedene Infektionen können zu Entzündungen im Gehirn führen, was wiederum Anfälle verursachen kann.
  • Schädel-Hirn-Trauma: Verletzungen des Kopfes können das Gehirn schädigen und Epilepsie auslösen, auch wenn die Verletzung schon länger zurückliegt.
  • Anomalien im Gehirn: Angeborene Fehlbildungen oder andere Anomalien im Gehirn können ebenfalls zu Anfällen führen.
  • Feline Hippocampus-Nekrose: Absterben von Zellen im Ammonshorn (Cornu ammonis), einer Gehirnwindung im Großhirn (Telencephalons), die für die Verhaltenssteuerung zuständig ist. Die Nekrosen der Zellen des Ammonshorns sind die häufigste Ursache für epileptische Anfälle bei Katzen.

Extrakranielle Ursachen:

  • Stoffwechselstörungen: Erkrankungen wie Diabetes mellitus, Lebererkrankungen, Niereninsuffizienz oder Schilddrüsenüberfunktion können den Stoffwechsel des Körpers beeinträchtigen und Anfälle auslösen.
  • Vergiftungen: Wie bereits erwähnt, können verschiedene Substanzen, wie z.B. Permethrin in Flohmitteln für Hunde, aber auch bestimmte Pflanzen, zu Vergiftungen und Anfällen führen.
  • Elektrolytstörungen: Ein Ungleichgewicht der Elektrolyte im Körper kann ebenfalls Anfälle verursachen.

Es ist wichtig zu beachten, dass ein Krampfanfall nicht automatisch bedeutet, dass Ihre Katze an Epilepsie leidet. Viele andere Erkrankungen können einen epileptischen Anfall auslösen.

Symptome von Epilepsie bei Katzen

Die Symptome eines epileptischen Anfalls können stark variieren. Es gibt zwei Arten von epileptischen Anfällen:

  • Generalisierte Anfälle: Dies sind die bekanntesten epileptischen Anfälle mit Krämpfen, Verlust von Urin und Kot und Schaum vor dem Mund. Die Katze ist bewusstlos.
  • Partielle oder fokale Anfälle: Hier ist sich die Katze ihrer Umgebung noch bewusst und hat Krämpfe nur in einem Teil ihres Körpers. Zum Beispiel zittert das Ohr oder die Pfote unkontrolliert. Auch das "Fliegenfangen", bei dem eine Katze versucht, eine imaginäre Fliege zu fangen, kann eine Form der partiellen Epilepsie sein.

Weitere mögliche Symptome sind:

  • Abwesenheit/ wie weggetreten wirken
  • Zittern
  • Zucken
  • Winseln
  • Schreien
  • "Klappern" mit den Zähnen
  • Sabbern
  • Verlust von Urin oder Kot
  • Nicht mehr stehen können
  • Starren an einen willkürlichen Punkt
  • Erbrechen
  • Blind- und Taubheit
  • Desorientierung

Phasen eines epileptischen Anfalls

Ein epileptischer Anfall kann in drei Phasen unterteilt werden:

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  • Phase vor dem Anfall (Prodromi, Aura, Vorzeichen): Diese Phase kann einige Sekunden dauern, aber auch Stunden oder sogar Tage. Die Katze kann ihr Verhalten ändern (z. B. ängstlich oder anhänglich sein) oder die Mimik nicht unter Kontrolle haben (Zucken).
  • Der Anfall selbst (Anfall, Iktus): Der Anfall selbst dauert meistens kurz, von Sekunden bis Minuten.
  • Phase nach dem Anfall (postiktale Phase): Diese Phase kann einige Sekunden bis zu mehreren Tagen andauern. Ihre Katze hat keine Krämpfe mehr, verhält sich aber anders als normal. Sie kann unruhig sein oder extrem schläfrig, legt sich an seltsame Orte, hat viel Hunger und Durst und erkennt Sie vielleicht nicht.

Wann sollte man einen Tierarzt aufsuchen?

Sie sollten nicht zögern, einen Tierarzt aufzusuchen, wenn Ihre Katze einen Krampfanfall hat und Sie vermuten, dass sie an Epilepsie leidet. Langanhaltende Krampfanfälle können lebensgefährlich sein. Tierärzte gehen davon aus, dass jeder Anfall einen weiteren begünstigt, das Gehirn einer Epilepsie-Katze also anfälliger wird. Epileptische Anfälle bei Katzen werden zudem häufig von behandelbaren Erkrankungen ausgelöst. Je früher man also eingreift, desto besser. Ein Anfall, der nach 5 Minuten noch nicht aufgehört hat, ist besorgniserregend, und Sie sollten einen tierärztlichen Notdienst hinzuziehen.

Was tun während eines epileptischen Anfalls?

Ein epileptischer Anfall lässt sich nicht stoppen. Ihre Katze ist während eines generalisierten Anfalls bewusstlos und kann sich später an den Anfall und die Phase danach nicht erinnern. Trotzdem können Sie einige Vorkehrungen treffen, damit ein Anfall möglichst glimpflich verläuft:

  • Sicherheit gewährleisten: Räumen Sie alles aus dem Weg, woran sich Ihr Tier während eines Anfalls verletzen könnte. Versehe gefährliche Möbelkanten mit einem Kantenschutz.
  • Abstand halten: Bleiben Sie fern von Maul und Krallen Ihrer Katze. Die Kiefer klappern unkontrolliert, und Sie könnten gebissen werden. Stecken Sie nichts, auch keine Medikamente, in das Maul Ihrer Katze. Halten Sie Ihr Tier nicht fest.
  • Reize reduzieren: Schalten Sie das Licht aus, aber stellen Sie sicher, dass Sie noch sicher sehen können. Alles, was laut ist, wie z. B. Fernseher oder Radio, sollte ausgeschaltet werden.
  • Beruhigend wirken (nach dem Anfall): Nähern Sie sich Ihrer Katze nach dem Anfall sehr ruhig und vermeiden Sie starke Reize (Licht, Geräusche, Berührung). Ihre Katze hat immer noch ein reduziertes Bewusstsein und kann ängstlich oder aggressiv reagieren. Sprechen Sie leise mit ihr und streicheln Sie sie vorsichtig, wenn sie es zulässt.
  • Video aufnehmen: Machen Sie ein Video, wenn Sie einen epileptischen Anfall bei Ihrer Katze vermuten. Die Aufnahme hilft Ihrem Tierarzt, den Anfall einzuschätzen und seinem Ursprung auf die Schliche zu kommen.
  • Zeit notieren: Notieren Sie sich den Beginn und das Ende des Anfalls. Die Dauer kann von wenigen Sekunden bis zu 10 Minuten oder mehr variieren, und diese Information ist für den Tierarzt sehr nützlich.
  • Tagebuch führen: Führen Sie eine Art Tagebuch, in das Sie die Anfälle Ihrer Katze eintragen. Für Ihren Tierarzt sind diese Angaben Gold wert. Schreiben Sie deshalb auf, wann der Anfall war, wie lange er gedauert hat, was Sie beobachtet haben, ob es davor irgendwas gab, das Ihnen aufgefallen ist.

Diagnose von Epilepsie bei Katzen

Leider gibt es keinen allgemeinen Test, der besagt, dass Ihre Katze Epilepsie hat. Die Wahrscheinlichkeitsdiagnose wird auf der Grundlage Ihrer Erzählung und eventueller Videos gestellt. Die körperliche Untersuchung und Bluttests dienen vor allem dazu, zugrundeliegende Ursachen wie einen zu niedrigen Blutzuckerspiegel, Herzerkrankungen oder einen Lebershunt auszuschließen oder nachzuweisen. Bei Katzen mit primärer Epilepsie oder Epilepsie aufgrund einer Anomalie im Gehirn werden normalerweise keine Auffälligkeiten aus dieser Untersuchung hervorgehen.

Um eine "echte" Epilepsie bei Katzen zu diagnostizieren, muss alles andere ausgeschlossen sein. Deshalb sprechen Tierärzte von einer Ausschlussdiagnose. Im Prinzip muss der Tierarzt alles abklopfen, was geht. Jede Information ist wichtig. Standards sind:

  • Vor- und Familiengeschichte
  • Allgemeinzustand
  • Blutuntersuchung
  • Urin-/Kotuntersuchung
  • Nervensystem inklusive Hirnströme und Liquor (Gehirn- und Rückenmarksflüssigkeit)
  • Bildgebende Verfahren (Röntgen, MRT, CT) zur Untersuchung des Körperinneren

Die Erfahrung zeigt, dass epileptische Anfälle bei Katzen in den allermeisten Fällen eine nachweisbare Ursache haben. Deshalb sollten alle Untersuchungsmöglichkeiten durchgezogen werden.

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Behandlung von Epilepsie bei Katzen

Epilepsie muss nicht immer behandelt werden. Es hängt von der Ursache der Epilepsie und der Häufigkeit, Art und Schwere der Anfälle ab, ob dies notwendig ist. Wenn eine zugrundeliegende Ursache gefunden wird, wird diese, wenn möglich, behandelt, wodurch die Anfälle in den meisten Fällen verschwinden. Wenn die Anfälle sehr mild und/oder partiell sind oder nur sehr sporadisch auftreten, wird oft entschieden, keine Behandlung durchzuführen. Die Medikation gegen Epilepsie hat nämlich auch Nebenwirkungen, und der Nutzen muss immer gegen die Nachteile abgewogen werden.

Das Ziel der Behandlung gegen Epilepsie ist idealerweise das vollständige Stoppen der Anfälle. Sehr oft wird dieses Ziel nicht erreicht, aber die Frequenz und Intensität der Anfälle nehmen derart ab, dass eine sehr lebbare Situation sowohl für die Katze als auch für den Besitzer entsteht.

Medikamentöse Behandlung

Bei der Katze kommen vor allem Phenobarbital, Kaliumbromid und im Akutfall Diazepam zum Einsatz. Phenobarbital ist eines der am häufigsten verschriebenen Medikamente zur Behandlung von Epilepsie bei Katzen. Es wirkt, indem es die Aktivität bestimmter Teile des Gehirns dämpft.

Wichtig: Diese Mittel haben schwere Nebenwirkungen, die vor allem die Leber belasten.

Weitere unterstützende Maßnahmen

  • CBD-Öl: Manchmal wird ein positiver Effekt von CBD-Öl beobachtet. Nahrungsergänzungsmittel mit CBD, wie Anibidiol Plus, können Medikamente meistens nicht ersetzen, und deren Einsatz bei Epilepsie sollte immer mit Ihrem Tierarzt besprochen werden.
  • Homöopathie: In der Homöopathie kommen bei einer Epilepsie u. a. Ihre Anwendung sollte unbedingt mit einem Tierheilpraktiker oder Tierarzt mit homöopathischer Erfahrung besprochen werden. Die Antiepileptika bitte weiter verabreichen. Durch die homöopathischen Mittel können die Medikamente langsam reduziert werden, somit minimiert sich das Risiko der krankmachenden Nebenwirkungen.
  • Ernährung: Das Tierfutter muss getreidefrei sein, da das im Getreide enthaltene Gluten die Blut-Hirnschranke überwinden kann. Getreide steht im Verdacht, entzündliche Prozesse auszulösen. Genauso kann Zucker zu einem Anfall führen, da er den Stoffwechsel erheblich stört. Das Futter sollte also keinen Reis, Mais, Weizen, keine Kartoffeln oder Erbsen enthalten, da die darin enthaltene Stärke zu Zucker umgebaut wird. Achten Sie bei einer Katze mit Epilepsie auf möglichst naturnahe und ausgewogene Fütterung mit Fleisch ohne synthetische Zusätze.
  • Stressreduktion: Die Umgebung einer an Epilepsie erkrankten Katze sollte strukturiert und reizarm sein, denn Katzen sind Gewohnheitstiere, jede Veränderung bereitet ihnen Stress. Ebenso sollte auf den Einsatz parfümierter Raumsprays oder Kerzen verzichtet werden. Ein geregelter Tagesablauf und Maßnahmen zur Stressreduktion können ebenfalls helfen.

Prognose

Glücklicherweise ist die Prognose der primären Epilepsie relativ günstig. Bei 50-80% der Katzen mit primärer Epilepsie kann mit Medikamenten eine gute Anfallskontrolle erreicht werden, wodurch diese Katzen ein relativ normales Leben führen können. Bei sekundärer Epilepsie richtet sich die Prognose danach, wie gut die Grunderkrankung behandelt werden kann.

Es gibt kein klares Ja oder Nein auf die Frage, ob eine Epilepsie-Katze früher stirbt. Epileptische Anfälle verkürzen nicht automatisch die Lebenserwartung einer Katze. Wie alt Ihre Epilepsie-Katze wird, hängt vor allem davon ab, woher die Anfälle kommen, wie stark sie sind und wie gut sie behandelt werden können.

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