Blauer Punkt im Gehirn: Nucleus Funktion

Der blaue Kern, auch Locus coeruleus genannt, ist eine winzige Region im Hirnstamm. Als Hauptquelle des Neurotransmitters Noradrenalin hat er einen großen Einfluss darauf, ob unser Gedächtnis auch im Alter noch gut funktioniert.

Einführung

Der Artikel beleuchtet die Funktion des blauen Kerns (Locus coeruleus) im Gehirn, insbesondere seine Rolle bei der visuellen Informationsverarbeitung und Gedächtnisleistung. Es werden die neuronalen Netzwerke und Signalwege, die mit dieser Struktur verbunden sind, sowie die Auswirkungen von altersbedingten Veränderungen und Erkrankungen auf den Locus coeruleus untersucht.

Visuelle Informationsverarbeitung im Gehirn

Die visuelle Informationsverarbeitung im Gehirn ist ein komplexer Prozess, der mehrere Stufen und Hirnareale umfasst. Dieser Prozess beginnt mit der Erfassung von Lichtreizen durch die Retina und setzt sich über verschiedene kortikale und subkortikale Regionen fort, bis hin zur Interpretation und Integration der visuellen Informationen.

Von der Retina zum visuellen Kortex

Die Verarbeitung visueller Informationen beginnt in der Retina, wo Lichtreize von Photorezeptoren (Stäbchen und Zapfen) in neuronale Signale umgewandelt werden. Diese Signale werden dann von verschiedenen Zelltypen in der Retina verarbeitet, einschließlich Bipolarzellen, Amakrinzellen und Ganglienzellen. Die Axone der Ganglienzellen bilden den Sehnerv (Nervus opticus), der die visuellen Informationen zum Gehirn leitet.

Der Sehnerv projiziert zunächst zum Corpus geniculatum laterale (CGL), einer wichtigen subkortikalen Schaltstation im Thalamus. Das CGL empfängt Eingangssignale von der Retina und leitet diese zum primären visuellen Kortex (V1) im Okzipitallappen weiter. V1 ist das erste kortikale Areal, in dem visuelle Informationen verarbeitet werden.

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Verarbeitung in V1

In V1 werden die visuellen Informationen weiter analysiert und in ihre elementaren Bestandteile zerlegt. Neurone in V1 sind selektiv für bestimmte Aspekte der Bildanalyse, wie z. B. Orientierung, räumliche Frequenz und Farbe. Hubel und Wiesel (1959) zeigten, dass Neurone in V1 auf Lichtstreifen einer bestimmten Orientierung reagieren. Sie identifizierten drei Neuronentypen: einfache Zellen, komplexe Zellen und Endinhibierte Zellen. Einfache Zellen reagieren auf Lichtstreifen einer bestimmten Orientierung an einer bestimmten Position im rezeptiven Feld. Komplexe Zellen reagieren auf Lichtstreifen einer bestimmten Orientierung, unabhängig von ihrer Position im rezeptiven Feld. Endinhibierte Zellen reagieren auf Lichtstreifen einer bestimmten Orientierung und Länge.

Die Neurone in V1 sind in Säulen organisiert, die jeweils auf ein bestimmtes Merkmal der visuellen Information spezialisiert sind. Es gibt Orientierungssäulen, die auf verschiedene Reizorientierungen reagieren, und Augendominanzsäulen, die Input von einem Auge bevorzugen. Innerhalb der Säulen gibt es auch "Blobs", die selektiv auf Reize verschiedener Wellenlänge und Farbe antworten (Zeki, 1980). Außerhalb der Blobs, in den Interblobs, sind Forminformationen konzentriert.

Weiterverarbeitung in höheren visuellen Arealen

Nach V1 werden die visuellen Informationen zu höheren visuellen Arealen weitergeleitet, wo sie weiter verarbeitet und integriert werden. Es gibt zwei Hauptverarbeitungsströme: den ventralen "Was"-Pfad und den dorsalen "Wo"-Pfad (Ungerleider & Mishkin, 1982). Der ventrale Pfad zieht in den Temporallappen und ist für die Objekterkennung zuständig. Der dorsale Pfad zieht in den Parietallappen und ist für die Steuerung von Handlungen zuständig.

In höheren visuellen Arealen gibt es Neurone, die selektiv auf bestimmte Objektkategorien antworten, wie z. B. Gesichter oder Hände (Gross, 1981). Diese Neurone können komplexe Antworteigenschaften besitzen und an der Bildung von Objektkategorien beteiligt sein (Logothetis & Charles, 1990).

Der blaue Kern (Locus coeruleus)

Der blaue Kern (Locus coeruleus) ist eine kleine Struktur im Hirnstamm, die eine wichtige Rolle bei der Regulation von Aufmerksamkeit, Erregung und Gedächtnis spielt. Er ist die Hauptquelle des Neurotransmitters Noradrenalin im Gehirn.

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Anatomie und Funktion

Der Locus coeruleus ist nur etwa 15 Millimeter groß und befindet sich tief im Hirnstamm. Er ist über ein weitverzweigtes Netz von Nervenfasern mit nahezu dem gesamten Gehirn verbunden. Die Neurone im Locus coeruleus produzieren Noradrenalin, das als Neuromodulator die Kommunikation zwischen Nervenzellen reguliert. Noradrenalin beeinflusst eine Vielzahl von Funktionen, darunter Stressreaktionen, Emotionen, Aufmerksamkeit und Gedächtnis.

Tierstudien haben gezeigt, dass Noradrenalin Umbauvorgänge auf zellulärer Ebene unterstützt, die die langfristige Speicherung neuer Erinnerungen, Fähigkeiten und Kenntnisse ermöglichen.

Altersbedingte Veränderungen und Erkrankungen

Mit fortschreitendem Alter zeigt der Locus coeruleus zunehmend Verfallserscheinungen, die wahrscheinlich auf die Ansammlung von Giftstoffen zurückzuführen sind. Studien haben gezeigt, dass einer der wesentlichen Krankheitsindikatoren der Alzheimer-Demenz bei den meisten Menschen mittleren Alters im Locus coeruleus festgestellt werden kann.

Eine Studie von Dahl et al. (2019) zeigte, dass die Integrität des rostralen Locus coeruleus mit besseren Gedächtnisleistungen im späteren Erwachsenenalter einhergeht. Die Studie untersuchte den Locus coeruleus von jüngeren und älteren Menschen mithilfe von MRT-Bildgebung und neuropsychologischen Gedächtnistests. Die Ergebnisse zeigten, dass jüngere Probanden die Aufgaben im Mittel besser lösten als die älteren, und dass alterungsbedingte Beeinträchtigungen der Struktur und Funktion des Locus coeruleus weitreichende Folgen für Aufmerksamkeit und Gedächtnis haben.

Rolle bei der Aufmerksamkeitsregulation

Der Locus coeruleus spielt auch eine wichtige Rolle bei der Regulation der Aufmerksamkeit. Wissenschaftler haben argumentiert, dass der blaue Kern die Sensitivität unseres Gehirns in Situationen reguliert, die unsere Aufmerksamkeit erfordern. Während Phasen der Unachtsamkeit ist unser Gehirn von rhythmischen Fluktuationen neuronaler Aktivität geprägt, insbesondere von Alpha-Oszillationen, die die aktive Verarbeitung von eingehenden Sinnesinformationen hemmen. Der Locus coeruleus kann diese Alpha-Oszillationen modulieren und so die Filterfunktion im Gehirn ein- und ausschalten.

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Studien haben gezeigt, dass eine Abnahme von Alpha-Oszillationen in Momenten beobachtet wird, in denen die Pupillen geweitet sind, was auf eine erhöhte Aktivität des Locus coeruleus hindeutet. Außerdem konnten diejenigen Personen, die stärkere Pupillen- und Alpha-Antworten aufwiesen, Aufmerksamkeitsaufgaben besser lösen.

Klinische Relevanz

Die Erkenntnisse über die Funktion des Locus coeruleus haben wichtige klinische Implikationen. Da alterungsbedingte Veränderungen und Erkrankungen wie Alzheimer-Demenz den Locus coeruleus beeinträchtigen können, ist es wichtig, diese Struktur genauer zu untersuchen und Strategien zu entwickeln, um ihre Funktion zu erhalten oder zu verbessern.

Tiefe Hirnstimulation

Eine vielversprechende Behandlungsoption für bestimmte Bewegungs- und Gangstörungen ist die tiefe Hirnstimulation (THS). Bei der THS werden Elektroden in tiefe Hirnareale implantiert, um die Aktivität dieser Areale zu modulieren. Die Stimulation des Nucleus pedunculopontinus (PPN), der in der Nähe des Locus coeruleus liegt, kann bei Patienten mit Gangstörungen und Sturzattacken hilfreich sein.

Suprachiasmatischer Nukleus (SCN)

Der suprachiasmatische Nukleus (SCN) des Hypothalamus reguliert als sogenannter zentraler zirkadianer Schrittmacher oder „master-clock“ die gesamte innere Rhythmik des Organismus.

Der SCN integriert zeitliche Informationen der Umwelt einerseits und die endogenen biologischen Rhythmen neurohormoneller Achsen - (Hypothalamus-Hypophyse-Nebennieren-Achse (HPA-Achse), Hypothalamus-Hypophyse-Gonaden-Achse (HPG-Achse), thyreotroper Regelkreis etc. - andererseits. Über diese und weitere komplexe Wechselwirkungspfade reguliert SCN das Neurovegetativum sowie Funktionen des Metabolismus, des Immunsystems und des Verhaltens.

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