Blindheit nach Meningitis: Ursachen, Risiken und Prävention

Eine Meningitis, auch Hirnhautentzündung genannt, ist eine Entzündung der Meningen, den Schutzhäuten des Gehirns und des Rückenmarks. Diese Entzündung kann durch verschiedene Erreger verursacht werden, darunter Bakterien, Viren, Pilze und Parasiten. Während eine Meningitis in erster Linie das Nervensystem betrifft, können ihre Auswirkungen weitreichend sein und in einigen Fällen zu schweren Komplikationen wie Hörverlust, Lernschwierigkeiten und sogar Blindheit führen. Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Ursachen von Blindheit nach Meningitis, die Risikofaktoren, Diagnosemethoden, Behandlungsansätze und Präventionsstrategien.

Angeborene und erworbene Ursachen von Sehbehinderungen

Sehbehinderungen können angeboren oder erworben sein. Angeborene Ursachen, die bereits bei der Geburt vorliegen, können auf Frühgeburten, Komplikationen während der Schwangerschaft oder seltene genetische Defekte wie das CHARGE-Syndrom zurückzuführen sein. In diesen Fällen treten oft neben der Sehbehinderung weitere körperliche und geistige Beeinträchtigungen auf. Die Rötelnembryopathie, früher eine häufige Ursache, spielt dank hoher Impfquoten heute kaum noch eine Rolle.

Erworbene Sehbehinderungen entwickeln sich im Laufe des Lebens. Hierzu gehören Menschen, die gehörlos geboren wurden und später erblinden, sowie Menschen, die sehbehindert geboren wurden und später eine Hörschädigung erleiden. Eine häufige Ursache für erworbene Hörsehbehinderung ist das Usher-Syndrom, eine autosomal-rezessiv vererbte Erkrankung, die durch angeborene Innenohrschwerhörigkeit oder Gehörlosigkeit und eine später einsetzende Seheinschränkung durch Retinopathia pigmentosa (RP) gekennzeichnet ist. RP kann auch isoliert auftreten und führt zu einem zunehmend eingeschränkten Sichtfeld, beeinträchtigter Sehschärfe und letztendlich zur Erblindung.

Meningitis als Ursache erworbener Blindheit

Eine Meningitis kann in seltenen Fällen zu einer Schädigung des Sehnervs oder anderer Strukturen im Gehirn führen, die für das Sehen verantwortlich sind, was wiederum Blindheit zur Folge haben kann. Die Mechanismen, die zu dieser Komplikation führen, sind vielfältig und umfassen:

  • Direkte Schädigung des Sehnervs: Die Entzündung im Rahmen der Meningitis kann sich auf den Sehnerv ausbreiten und diesen direkt schädigen. Dies kann zu einer Optikusneuritis (Sehnerventzündung) führen, die die Übertragung visueller Informationen vom Auge zum Gehirn beeinträchtigt.
  • Erhöhter Hirndruck: Die Entzündung kann zu einem erhöhten Druck im Schädelinneren führen (Hirndruck). Dieser Druck kann den Sehnerv komprimieren und seine Funktion beeinträchtigen.
  • Hirninfarkt: In seltenen Fällen kann eine Meningitis zu einem Schlaganfall (Hirninfarkt) führen, der die für das Sehen verantwortlichen Hirnareale betrifft.
  • Entzündung der Hirnrinde: Eine Meningoenzephalitis, bei der sich die Entzündung auf das Gehirn ausweitet, kann die Sehrinde (visueller Kortex) schädigen und zu Blindheit führen.
  • Hydrocephalus: Als Folge einer Meningitis kann sich ein Hydrocephalus entwickeln, eine Ansammlung von Flüssigkeit im Gehirn. Der erhöhte Druck kann den Sehnerv schädigen.

Risikofaktoren für Blindheit nach Meningitis

Bestimmte Faktoren können das Risiko für Blindheit nach Meningitis erhöhen:

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  • Bakterielle Meningitis: Bakterielle Meningitis ist in der Regel schwerwiegender als virale Meningitis und birgt ein höheres Risiko für Komplikationen, einschließlich Blindheit.
  • Verzögerte Behandlung: Eine verzögerte Diagnose und Behandlung der Meningitis erhöht das Risiko für bleibende Schäden, einschließlich Blindheit.
  • Bestimmte Erreger: Einige Bakterienarten, wie z.B. Streptococcus pneumoniae und Neisseria meningitidis, sind eher mit Komplikationen wie Blindheit assoziiert.
  • Schwerer Krankheitsverlauf: Ein schwerer Verlauf der Meningitis mit Bewusstseinsstörungen, Krampfanfällen oder anderen neurologischen Komplikationen erhöht das Risiko für bleibende Schäden.
  • Alter: Säuglinge und ältere Menschen haben ein höheres Risiko für Komplikationen bei Meningitis.
  • Vorerkrankungen: Personen mit einem geschwächten Immunsystem oder bestimmten Vorerkrankungen haben ein höheres Risiko für Komplikationen bei Meningitis.

Diagnose von Sehstörungen nach Meningitis

Die Diagnose von Sehstörungen nach Meningitis umfasst in der Regel eine umfassende augenärztliche Untersuchung, einschließlich:

  • Sehschärfenprüfung: Messung der Sehschärfe mit Sehtafeln.
  • Gesichtsfelduntersuchung: Beurteilung des gesamten Sehbereichs.
  • Funduskopie: Untersuchung des Augenhintergrunds (Netzhaut, Sehnerv).
  • Optische Kohärenztomographie (OCT): Bildgebung des Sehnervs und der Netzhaut zur Beurteilung von Schäden.
  • Elektrophysiologische Untersuchungen: Messung der elektrischen Aktivität des Sehnervs und der Netzhaut (z.B. Visuell evozierte Potentiale, Elektroretinogramm).
  • Neurologische Untersuchung: Beurteilung der neurologischen Funktion, um andere Ursachen für die Sehstörungen auszuschließen.
  • Bildgebung des Gehirns: Magnetresonanztomographie (MRT) oder Computertomographie (CT) des Gehirns, um Schäden im Gehirn, die für das Sehen verantwortlich sind, zu identifizieren.

Behandlung von Sehstörungen nach Meningitis

Die Behandlung von Sehstörungen nach Meningitis hängt von der Ursache und dem Ausmaß der Schädigung ab. Mögliche Behandlungsansätze umfassen:

  • Behandlung der Grunderkrankung: Bei einer aktiven Entzündung wird die Meningitis mit Antibiotika (bei bakterieller Meningitis), antiviralen Medikamenten (bei viraler Meningitis) oder Antimykotika (bei Pilzmeningitis) behandelt.
  • Entzündungshemmende Medikamente: Kortikosteroide können eingesetzt werden, um die Entzündung des Sehnervs oder des Gehirns zu reduzieren.
  • Druckentlastung: Bei erhöhtem Hirndruck können Maßnahmen zur Druckentlastung erforderlich sein, wie z.B. eine Liquorableitung (Ventrikuloperitonealer Shunt).
  • Sehtherapie: Sehtherapie kann helfen, die verbliebene Sehkraft zu optimieren und Strategien zur Kompensation des Sehverlusts zu erlernen.
  • Hilfsmittel: Spezielle Brillen, Lupen, elektronische Hilfsmittel oder Blindenführhunde können die Lebensqualität verbessern.
  • Psychologische Unterstützung: Psychologische Unterstützung kann helfen, mit dem Sehverlust und seinen Auswirkungen auf das Leben umzugehen.

Prävention von Meningitis und ihren Folgen

Die beste Strategie zur Vermeidung von Blindheit nach Meningitis ist die Prävention der Meningitis selbst. Zu den wichtigsten Präventionsmaßnahmen gehören:

  • Impfungen: Impfungen gegen Meningokokken, Pneumokokken und Haemophilus influenzae Typ b (HiB) sind sehr wirksam und werden für Säuglinge, Kinder, Jugendliche und Risikogruppen empfohlen.
  • Hygienemaßnahmen: Regelmäßiges Händewaschen, Vermeidung von engem Kontakt mit erkrankten Personen und Einhaltung von Husten- und Niesetikette können die Ausbreitung von Infektionen reduzieren.
  • Frühe Diagnose und Behandlung: Eine frühzeitige Diagnose und Behandlung der Meningitis ist entscheidend, um Komplikationen zu vermeiden.
  • Aufklärung: Die Bevölkerung sollte über die Symptome der Meningitis und die Bedeutung von Impfungen aufgeklärt werden.

Meningitis durch Krankenhauskeime und Arbeitsunfall

Ein besonderer Fall von Meningitis, der Blindheit verursachen kann, ist die Infektion mit Krankenhauskeimen. Hierbei infiziert sich ein Patient während eines Krankenhausaufenthalts mit Bakterien, die eine Meningitis auslösen können. Ein aktuelles Gerichtsurteil befasst sich mit der Frage, ob eine solche Infektion als Arbeitsunfall anzuerkennen ist, wenn sie im Rahmen einer stationären Behandlung auftritt.

In dem konkreten Fall wurde eine Frau während der 30. Schwangerschaftswoche in einem Krankenwagen geboren und auf der neonatologischen Intensivstation behandelt. Dort entwickelte sie eine Meningitis, die durch den Krankenhauskeim Pseudomonas aeruginosa verursacht wurde. Das Gericht urteilte, dass die Infektion als Arbeitsunfall anzuerkennen ist, da die Patientin zum Zeitpunkt der Infektion eine stationäre Krankenhausbehandlung erhielt und die Infektion während dieser Behandlung erfolgte. Auch Behandlungsfehler aufgrund mangelnder Desinfektion oder fehlender Schutzvorkehrungen durch das Krankenhauspersonal würden die versicherte Tätigkeit der Entgegennahme von Krankenhausbehandlung nicht unterbrechen.

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Altersbedingte Ursachen von Seh- und Hörverlust

Im Alter verschlechtern sich Seh- und Hörfähigkeit in der Regel. Erkrankungen wie Bluthochdruck oder Diabetes können Ursachen für Seheinschränkungen sein. Sehr weit verbreitet ist die altersbedingte Makuladegeneration (AMD), bei der sich Stoffwechselprodukte im Auge ansammeln und allmählich das Zentrum der Netzhaut zerstören. Treffen solche Einschränkungen des Sehvermögens auf bereits bestehende oder im Alter zusätzlich auftretende Einschränkungen des Hörvermögens, entstehen besondere Probleme für Betroffene. Zudem sind bei älteren Menschen oft auch Beweglichkeit oder Tastsinn eingeschränkt, was im Zusammenhang mit einer doppelten Sinnesbehinderung besonders relevant ist. Neue Kommunikationsformen können schwer erlernt werden. Ursachen für Frustration, Rückzug und Isolation werden von der Umwelt oft nicht richtig interpretiert. Alten- und Pflegeeinrichtungen sind oft nicht ausreichend mit der spezifischen Situation der Betroffenen vertraut, alternative Kommunikationsformen meist unbekannt.

Weitere Ursachen für Sehstörungen

Neben Meningitis gibt es zahlreiche weitere Erkrankungen, die zu Sehstörungen und Blindheit führen können. Dazu gehören:

  • Augenerkrankungen: Grüner Star (Glaukom), Grauer Star (Katarakt), Netzhautablösung, Glaskörpertrübung, Gefäßhautentzündung (Uveitis), Sehnerventzündung (Optikusneuritis).
  • Gefäßbedingte Ursachen: Mangeldurchblutungen im Gehirn (z.B. Migräne, TIA), Gefäßverschlüsse in der Netzhaut, Gefäßkrämpfe bei Schwangerschaftsvergiftung (Präklampsie).
  • Raumfordernde Prozesse im Kopf: Augen- und Hirntumoren, Hirnblutung, Abszesse, Gefäßfehlbildungen (Angiome), Gefäßausbuchtungen (Aneurysma).
  • Stoffwechselbedingte Ursachen: Schilddrüsenüberfunktion, Mangel an bestimmten Vitaminen (z.B. Vitamin A, B12), Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus), Leberversagen.
  • Vergiftungen: Alkohol, Tabak, bestimmte Medikamente, Kohlenmonoxid, Blei.
  • Äußere Gewalteinwirkung: Unfälle (traumatisch bedingte Optikopathien).
  • Therapiefolgen: Strahlen- oder Chemotherapie.
  • Genetische Ursachen: Bestimmte Fettstoffwechselstörungen (Lipidosen), Schwund der Sehnerven (Optikusatrophie).
  • Weitere Erkrankungen: Multiple Sklerose (MS), Morbus Basedow, Arteriitis temporalis, Myasthenia gravis.

Retinitis Pigmentosa als Beispiel für genetisch bedingte Blindheit

Retinitis pigmentosa (RP) ist eine Erbkrankheit, die zu einem fortschreitenden Absterben der lichtempfindlichen Zellen der Netzhaut (Photorezeptoren) führt und eine erhebliche Beeinträchtigung der Sehkraft und letztendlich Blindheit zur Folge hat. Weltweit sind schätzungsweise 1,2 Millionen Menschen von RP betroffen. Betroffene kommen meist sehend zur Welt, bemerken aber zunächst einen Verlust der Sehkraft bei Dunkelheit (Nachtblindheit). Im weiteren Verlauf lässt die Sehkraft am Rande des Gesichtsfeldes langsam nach, es kommt zum sogenannten Tunnelblick. Die klinischen Zeichen einer RP sind meist eindeutig, die Diagnose wird jedoch in einer elektrophysiologischen Spezialuntersuchung gestellt (Elektroretinogramm, ERG). Leider ist Retinitis Pigmentosa nicht heilbar.

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