Anatomie des Nervensystems und seine Blutversorgung

Jede unserer Bewegungen - ein unbewusstes Zwinkern mit dem Auge oder das Steuern eines Autos - hängt vom Funktionieren des Nervensystems ab. Dieses hochkomplizierte Netzwerk von Nervenverbindungen erstreckt sich durch den ganzen Körper. Es nimmt ständig Informationen auf und leitet Befehle weiter, sodass Muskeln und Organe in Aktion treten können.

Überblick über das Nervensystem

Im Gegensatz zum Blut- oder Lymphsystem bilden die Nerven kein einheitliches System. Es handelt sich vielmehr um verschiedene, in Verbindung stehende Systeme. Das übergeordnete Kontrollzentrum (Gehirn) und seine wichtigsten Leitungsbahnen (Rückenmark) bilden das zentrale Nervensystem (ZNS). Höhere Funktionen, Gedächtnisleistungen etwa, Vergleiche und Entschlüsse, werden im Gehirn vollzogen.

Die peripheren Nerven bilden ein weitverzweigtes Netzwerk, dessen Fasern ins Rückenmark hinein- und hinausführen. Wird ein Tastkörperchen oder ein Temperaturfühler am Finger, eine Sinneszelle an Augen, Ohren, Nasen oder Zunge durch Reize aus der Umwelt erregt, so pflanzt sich der Reiz in Form einer elektrischen Erregung auf Zellfortsätze der Nervenzellen (Dendriten) fort.

Für jene Körperfunktionen, die nicht der bewussten Steuerung unterliegen, ist das autonome Nervensystem verantwortlich. Eingeweide, Blutgefäße und Drüsen werden vom autonomen Teil des Nervensystems innerviert. Es gliedert sich wiederum in zwei Teile: Die Gegenspieler Sympathikus und Parasympathikus kontrollieren sich gegenseitig. Der Sympathikus wird wirksam, wenn es zu gesteigerter körperlicher Aktivität kommt, um mit Stress und Notsituationen fertig zu werden. Er bewirkt den Anstieg der Herzfrequenz und des Blutdrucks. Der Parasympathikus blendet Aktivitäten aus, seine Nerven neigen dazu, für Entspannung zu sorgen. Er senkt die Herzfrequenz und regt in Phasen der körperlichen Ruhe die Verdauung an. So wird die Arbeit der Organsysteme des Körpers ausgewogen reguliert.

Zentrales und peripheres Nervensystem

Das menschliche Nervensystem besteht aus einem zentralen und einem peripheren Anteil. Zum zentralen Nervensystem (ZNS) zählen Gehirn und Rückenmark; von letzterem ziehen Nervenbahnen in alle Regionen des Körpers - sie bilden das periphere Nervensystem (PNS). Dieses lässt sich in funktioneller Hinsicht in zwei Bereiche untergliedern, das vegetative (autonome) und das somatische Nervensystem.

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Das vegetative Nervensystem arbeitet unabhängig vom menschlichen Willen, also autonom. Es sorgt zum Beispiel dafür, dass Mahlzeiten verdaut und Hormone ausgeschüttet werden. Über das somatische Nervensystem dagegen lässt sich der Körper willentlich steuern. So kann der Mensch beispielsweise bewusst ein Bein vor das andere setzen oder die Stirn runzeln.

Gehirn: Zwei Hirnhälften im Team

Es gibt zwei Gehirnhälften, die gemeinsam arbeiten: Rechts steuert links und umgekehrt - die beiden Teile des Gehirns arbeiten gewissermaßen spiegelverkehrt. Die linke Hemisphäre ist für die rechte Körperhälfte zuständig, der rechte Hirnabschnitt für die linke Seite. Die beiden Hemisphären sind über eine Brücke (Corpus callosum) miteinander verbunden, über die Informationen ausgetauscht werden können. Dies ist absolut notwendig, denn keine Hirnhälfte kann vollkommen für sich allein agieren. Teamwork ist ein Muss!

Reizweiterleitung

Alle Reize, die von außen kommen (z. B. Kälte) oder im Körper selbst entstehen (z. B. Zahnschmerzen), werden von Nerven registriert und in Form von elektrischen Impulsen ans Gehirn weitergeleitet. In der Zentrale im Kopf können die Informationen ausgewertet und bei Bedarf miteinander verknüpft werden. Ein Beispiel: Aus einem Hitzeempfinden in der Hand, die - wie die Augen melden - eine Tasse hält, kombiniert das Gehirn, dass der Kaffee im Becher noch sehr heiß ist.

Das Gehirn sendet schließlich auch seinerseits elektrische Signale aus, etwa um Körperbewegungen auszulösen (z. B. Augenzwinkern, Handheben) oder die Funktion der inneren Organe zu regulieren (wie die Ausschüttung von Magensaft). Und nicht zu vergessen: Denken, lachen, lesen, lernen - all das und noch viel mehr hält das Gehirn ebenfalls permanent auf Trab und bringt die Neuronen dazu, in jeder Millisekunde unzählige Impulse durchs Netzwerk zu schießen - ein endloses Feuerwerk.

Neuronen: Bausteine des Nervensystems

Das Gehirn besteht aus etwa 100 Milliarden Neuronen, manche Experten schätzen die Zahl auch auf bis zu 1 Billion! Platzprobleme gibt es deshalb im Kopf aber nicht, die einzelnen Nervenzellkörper sind schließlich nur maximal 150 Mikrometer (µm) groß. Zum Vergleich: 1 µm ist ein Millionstel Meter.

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  • Zellkörper mit Fortsätzen: Vom Zellkörper (Soma) einer Nervenzelle gehen in der Regel verschiedene Fortsätze aus: mehrere kurze Dendriten und ein mehr oder weniger langes Axon. Die Dendriten sind vergleichbar mit Empfangsantennen - sie nehmen elektrische Signale von Nachbarzellen auf. Umgekehrt können über das Axon Impulse an andere Zellen weitergeleitet werden - es fungiert gewissermaßen als Sendemast und kann über einen Meter lang sein.

  • Myelinscheide: Damit die Informationen bei dieser Länge nicht zu langsam übermittelt werden, ist das Axon abschnittsweise von sogenannten Myelinscheiden umschlossen - speziellen Zellen, die sich mehrfach um das Axon herumwickeln und es elektrisch isolieren. Axon und Hülle zusammen bilden eine (markhaltige) Nervenfaser.

    Die nicht isolierten schmalen Lücken zwischen den einzelnen Myelinscheiden eines Axons werden Ranviersche Schnürringe genannt. Bei der Reizweiterleitung entlang des Axons „springen“ die elektrischen Impulse von Schnürring zu Schnürring (die Bereiche dazwischen sind, wie erwähnt, durch die Myelinscheiden elektrisch isoliert). Die Erregungsleitung wird dadurch deutlich beschleunigt, sie liegt bei etwa 100 Metern pro Sekunde - im Vergleich zu 10 Metern pro Sekunde bei Nervenzellen ohne Myelinschicht.

    Aufgrund verschiedener Erkrankungen kann die Isolierung der Axone defekt sein: So greift bei der Autoimmunerkrankung Multiple Sklerose (MS) das fehlgeleitete Immunsystem die Myelinscheiden an und zerstört sie stellenweise. In der Folge klappt die Informationsweiterleitung entlang des betroffenen Axons nicht mehr reibungslos - es kommt zu Symptomen wie Lähmungen, Gefühls- und Sehstörungen.

  • Synapsen: Als Neugeborener hat der Mensch etwa ebenso viele Nervenzellen wie im Erwachsenenalter. Während des Heranwachsens werden die Neuronen aber immer stärker miteinander verschaltet - aus gutem Grund: Je engmaschiger das Nervenzell-Netzwerk, desto leistungsfähiger ist das Gehirn. Die Kontaktstellen zwischen den einzelnen Neuronen nennt man Synapsen. Sie übertragen die Informationsreize von einer Zelle auf die nächste. Synapsen gibt es übrigens auch zwischen Nervenzellen und Muskelzellen. So können Nervenimpulse beispielsweise dem Bizeps im Oberarm „befehlen“, sich zu kontrahieren - damit die Hand den Kaffeebecher zum Mund führen kann.

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Aufbau eines Nervs

Jeder einzelne Nerv besteht aus Bündeln von Nervenzellen (Neuronen). Eine Nervenzelle besteht, wie jede andere Zelle des Körpers, aus einer Zellmembran, die einen Kern und Zellflüssigkeit (Zytoplasma) umschließt. Das Nervensystem bedient sich schwacher Reize, die über die Nervenzellen und ihre Fortsätze (Dendriten und Axone) weitergeleitet werden. Reize in Form von elektrischen Impulsen werden in Bruchteilen von Sekunden mit hoher Geschwindigkeit (400 km/Stunde) weitergeleitet.

Rund um die Nervenzelle herum münden Zellfortsätze in die Nervenzelle (Dendriten). Sie dienen als Eintrittspforten für elektrische Reize. Jedes Neuron besitzt allerdings nur einen Zellfortsatz (Axon), der Informationen von der Zelle wegleitet. Das Axon dient als Ausgang für elektrische Reize und kann sich wiederum bis zu 150 Mal verzweigen, um mit anderen Nervenzellen in Kontakt zu treten. Der „lange Arm“ der Nervenzelle (Axon) kann eine Länge von mehr als einem Meter erreichen. Axone der peripheren Nerven sind von einer Isolationsschicht umgeben, die aus den sog. Schwannschen Zellen besteht.

Die Übertragung der Reize von einer auf die andere Nervenzelle geschieht mit Hilfe chemischer Botenstoffe an den sog. Synapsen. Dies sind kleine knotige Verdickungen am Ende der Axone. Sobald ein elektrisches Nervensignal die Synapse erreicht hat, wird aus kleinen Depotbläschen eine chemische Substanz (Neurotransmitter) freigesetzt, die sich rasch über den Zwischenraum zwischen den beiden Zellen (Synapsenspalt) verteilt und an den Dendriten der nächsten Zelle ein erneutes elektrisches Signal erzeugt.

Synapsen haben wichtige Kontroll- und Filterfunktionen über die Impulsverteilung in unserem Nervensystem. Sie erlauben den Erregungsfluss in nur eine Richtung. Außerdem werden schwache Reize, die eine bestimmte Impulsstärke unterschreiten, gar nicht erst weitergeleitet. Mit Hilfe dieser Kontrollfunktionen kann das Nervensystem schnell und präzise funktionieren.

Hirnnerven und Rumpfnerven

Die Hirnnerven sind 12 Paare von peripheren Nerven, deren Nervenzellleiber/Nervenzellen im Stammhirn liegen. Ihr Ursprung liegt also im zentralen Nervensystem, nach ihrem Austritt durch die Schädelbasis und durch ihren weiteren peripheren Verlauf zählen sie allerdings zum peripheren Nervensystem. Zu den Hirnnerven, die jeweils paarig angelegt sind, zählen u. a. der Riechnerv (N. olfactorius), der Sehnerv (N. opticus), die Augenmuskelnerven (N. occulomotorius, N. trochlearis und N. abducens), der Gesichtsnerv (N. Trigeminus), der Nerv für die mimische Muskulatur (N. facialis) und der Hör- und Gleichgewichtsnerv (N. vestibulocochlearis).

Auch die Rumpfnerven gehören dem peripheren Nervensystem an. Jeder der zwölf paarig angelegten Nerven entspringt als Spinalnerv aus dem Rückenmark und verzweigt sich nach ca. 2-3cm in einen vorderen und einen hinteren Ast, um jeweils die Rumpfvorder- und Rückseite zu versorgen. Jeder Nerv kann einem bestimmten Wirbelsäulenabschnitt zugeordnet werden und versorgt ganz klar definierte Abschnitte der Bauch- und Rückenwand (Haut und Muskulatur) und der inneren Organe.

Blutversorgung des Gehirns

Das Gehirn hat einen hohen Energiebedarf bei einer sehr beschränkten Speicherkapazität, wodurch der CBF entscheidend für seine Arbeitsfähigkeit wird. Aus diesem Grund findet zwischen 50 und 180 mmHg des peripheren Blutdrucks eine zerebrale Autoregulation durch das vegetative Nervensystem und lokale Signalmoleküle statt. Die zuführenden Gefäße sind durch ein Geflecht aus noradrenergen, cholinergen, peptidergen und sensorischen Fasern umgeben, wodurch der Blutzufluss über den Gefäßtonus reguliert wird. Darüber hinaus kann die Durchblutung an die Aktivität einzelner Hirnbereiche mittels vasoaktiver Substanzen wie Stickstoffmonoxid (NO) angepasst werden. Zusätzlich erlaubt der Circulus arteriosus cerebri (siehe Abbildung unten) durch Kurzschlüsse der Stromgebiete untereinander eine Umverteilung des Blutflusses zwischen den Hemisphären.

Circulus arteriosus cerebri:

Die A. carotis interna ist beidseits im terminalen Segment (C7) durchtrennt. Die A. cerebri anterior (ACA) geht jeweils nach rostral ab und ist über die A. communicans anterior (grauer Pfeil) mit der Gegenseite verbunden. Die A. cerebri media verläuft jeweils nach lateral zur Insula. Direkt aus der A. carotis interna geht beidseits die A. communicans posterior (weiße Pfeile) ab und verbindet diese mit der A. cerebri posterior (PCA). Daraus resultiert eine Verbindung des Karotisstromgebiets mit dem vertebrobasilären Stromgebiet.

Klinische Bedeutung

Angewendet wird das Wissen zur Autoregulation bei der funktionellen Magnetresonanztomografie (fMRT). Die Gefäßnamen sind meist schon sehr alt und orientieren sich nur an auffallenden topografischen Merkmalen, sodass nur ein Teilversorgungsgebiet daraus abgeleitet werden kann. Die sog. Kleinhirnarterien versorgen beispielsweise ebenfalls Anteile des Hirnstamms, weshalb ein proximaler Verschluss durchaus zu Hirnstammsyndromen führen kann. Die Abkürzungen der Gefäßnamen stammen häufig aus dem Englischen, z. B. steht PICA für „posterior inferior cerebellar artery“.

Für die Lokalisation von Gefäßveränderungen ist es wichtig, den betroffenen Abschnitt genau anzugeben. In der internationalen Einteilung beschreibt 0 den Abgangsbereich der Gefäße und die höchste Zahl den am weitesten distal gelegenen Abschnitt eines Gefäßes. Die zuführenden Gefäße werden in Segmente unterteilt, wohingegen deren Äste üblicherweise in Partes gegliedert werden.

Versorgung durch die A. carotis interna (ACI)

Die ACI versorgt den gesamten Frontal- und Parietallappen, den anterolateralen Temporallappen, die Hypophyse und das Auge. In ca. 30 % treten anatomische Variationen der ACI auf, welche meist zufällig diagnostiziert werden. Die Karotisbifurkation liegt in den meisten Fällen (ca. 60 %) am oberen Schilddrüsenpol auf Höhe von Halswirbelkörper (HWK) 4. Im Verlauf des Gefäßes kann es zu ausgedehnten Windungen und/oder Schleifenbildungen kommen. Bei der Einteilung der Gefäßabschnitte ist die klinische Einteilung nach Bouthillier mit 7 Segmenten (C1-C7) wesentlich detaillierter als die Terminologia anatomica mit 4 Abschnitten (Partes cervicalis, petrosa, cavernosa et cerebralis).

Segmente der A. carotis interna:

C1 zervikales Segment, C2 petröses Segment, C3 Foramen-lacerum-Segment, C4 kavernöses Segment, C5 Klinoid-Segment, C6 ophthalmisches Segment, C7 terminales Segment.

Segmente der A. carotis interna im Detail

  • C1 (zervikales Segment): Äste zur Hypophyse (A. hypophysialis inferior), zum Ganglion trigeminale (Rr. ganglionares trigeminales) und zur Dura mater (R. meningeus).
  • C2 (petröses Segment): Durchbruch durch die Dura mater mediodorsal des Proc. clinoideus anterior.
  • C3 (Foramen-lacerum-Segment): Abgang der A. ophthalmica (gemeinsamer Eintritt mit dem N. opticus in den Canalis opticus).
  • C4 (kavernöses Segment): Abgang der A. hypophysialis superior.
  • C5 (Klinoid-Segment): Abgang der A. tentorii.
  • C6 (ophthalmisches Segment): Abgang der A. communicans posterior (PCoA).
  • C7 (terminales Segment): T-förmige Verzweigung lateral des Chiasma opticum in die A. cerebri anterior und A. cerebri media.

Versorgung durch die A. cerebri anterior (ACA)

Die A. cerebri posterior geht entwicklungsgeschichtlich aus der ACI hervor und die PCoA ist ursprünglich der Anfangsteil der A. cerebri posterior. Die ACA versorgt den medialen Frontal- und medialen Parietallappen sowie die basalen Vorderhirnstrukturen. Die ACA verläuft als dünnerer Ast der ACI medial über dem N. opticus nach rostral und tritt in die Fissura longitudinalis ein, wo beide ACA über die A. communicans anterior (ACoA) miteinander verbunden sind. Die ACoA ist eine häufige Prädilektionsstelle für Aneurysmen und die Grenze zur klinischen Einteilung in das A1- und A2-Segement.

Äste der ACA

Aa. centrales breves für die Versorgung des Chiasma opticum, des N. opticus, der Lamina terminalis und der Area praeoptica. Abgang der rückläufigen A. recurrens Heubner zur Versorgung der Capsula interna und des Caput nuclei caudati. Fortsetzung als A. pericallosa.

Bei einem Verschluss der ACA sind die Gyri prae- und postcentralis mit ihren medialen Anteilen betroffen, was überwiegend eine beinbetonte Parese und Hypästhesie bedingt. Das Caput nuclei caudati wird meist von der A. recurrens Heubner versorgt.

Versorgung durch die A. cerebri media (MCA)

Die MCA versorgt die Basalganglien (ohne Caput nuclei caudati), das Knie der Capsula interna, die Inselrinde, große laterale Anteile des Frontal-, Parietal- und Temporallappens. Sie setzt als stärkstes Gefäß die Verlaufsrichtung der ACI fort, indem sie nach lateral in den Sulcus lateralis (Sylvische Fissur) zieht. Es werden anatomisch und klinisch 4, teilweise 5 Gefäßabschnitte (M1-M4) unterschieden, wobei das M5-Segment eine unklar abgegrenzte Unterteilung der Pars terminalis darstellt.

Verlauf der A. cerebri media:

Der Temporalpol wurde entfernt, um den Verlauf der A. cerebri media in die Tiefe des Sulcus lateralis darzustellen. Hierbei wird der Blick in das Cornu temporale des linken Seitenventrikels frei. Der Bildausschnitt zeigt die Substantia perforata anterior.

Infarkte und ischämische Attacken betreffen wesentlich häufiger die MCA als die ACA und PCA. Ein M1-Verschluss hat durch die Beteiligung der Capsula interna eine kontralaterale Hemiparese zur Folge. Die M4-Äste versorgen den Gyrus praecentralis und den Gyrus postcentralis fast bis zur Mantelkante, was bei einer Schädigung eine kontralaterale brachiofazial betonte Parese bzw. Hypästhesie verursacht.

Versorgung durch die A. vertebralis (VA)

Die VAs besitzen häufig anlagebedingt einseitige Hypoplasien ohne krankhaften Wert. Abgang aus der A. subclavia. Verlauf nach dorsal in Richtung auf den Proc. transversus des 6. Halswirbelkörpers (HWK 6). Aufsteigen durch die Foramina transversaria der HWK 6-1. Subarachnoidaler Verlauf mit Abgang der A. cerebelli inferior posterior und A. spinalis anterior. Vereinigung der paarigen VA zur A. basilaris. In der Sonografie wird die A. vertebralis abgangsnah häufig mit der A. thyroidea inferior verwechselt.

Versorgung durch die A. basilaris

Die VAs vereinigen sich zur A. basilaris überwiegend am Ponsunterrand, selten schon auf Höhe der Medulla oblongata. Klinisch und anatomisch werden keine Segmente unterschieden. In ihrem Verlauf gibt sie die paarige A. cerebelli inferior anterior (AICA), die Aa. pontis und die paarige A. cerebelli superior (SUCA) ab. Die A. labyrinthi zur Versorgung des Innenohrs kann direkt aus der A. basilaris oder aus der AICA hervorgehen. Am pontomesenzephalen Übergang erfolgt die Aufteilung der A. basilaris in die paarige A. cerebri posterior.

Versorgung durch die A. cerebri posterior (PCA)

Die PCA versorgt den Okzipitallappen und den basalen Teil des Temporallappens sowie kaudale Abschnitte von Striatum und Thalamus. Sie verzweigt sich an der medialen Fläche des Okzipitallappens und an der mediobasalen Fläche des Temporallappens. Der Thalamus wird vollständig aus dem vertebrobasilären Stromgebiet durch Äste der PCoA (vordere Anteile) und der PCA (P1-P2, mittlere und hintere Anteile) versorgt. Durchblutungsstörungen des Thalamus und der Capsula interna können zu kontralateralen Hemihypästhesien und Hemiparesen führen.

In ca. 90 % der Fälle ist die PCA nur über eine dünne PCoA mit der ACI verbunden. Eine häufige Gefäßvariation ist der entwicklungsgeschichtlich bedingte Abgang der PCA aus der ACI.

Es werden drei Abschnitte (P1-P3) der PCA unterschieden:

Abschnitte der A. cerebri posterior:

P1 Pars praecommunicalis, P2 Pars postcommunicalis, P3 Pars quadrigemina, P4 Bifurkation, ggf. Fortsetzung als A. temporalis posterior. Bogenförmiger Verlauf durch die Cisterna ambiens in Begleitung der V. basalis (Rosenthal). Bifurkation in meist 2 gleich große Hauptäste, A. occipitalis medialis (A. parietooccipitalis und A. calcarina) und A. occipitalis lateralis (A. temporalis posterior).

Ein ischämischer Schlaganfall im Posteriorstromgebiet kann zu einer kontralateralen homonymen Hemianopsie führen, da die A. calcarina die Area striata in 25 % allein versorgt.

Versorgung von Medulla oblongata, Pons und Mesencephalon

Die Medulla oblongata wird hauptsächlich aus Seitenästen der A. spinalis anterior, Aa. spinales posteriores, VA und A. cerebelli inferior posterior (PICA) versorgt. Kurz vor dem pontomedullären Übergang kommen Äste der A. basilaris und A. cerebelli inferior anterior (AICA) hinzu. Für den Pons sind im Wesentlichen Äste der A. basilaris, AICA und A. cerebelli superior (SUCA) von Bedeutung. Das Mesencephalon wird hingegen überwiegend von proximalen Ästen aus der PCA versorgt. Weiterhin beteiligen sich die A. cerebelli superior und die A. communicans posterior an der Versorgung.

Versorgung des Cerebellums

Das Cerebellum wird von seinen drei paarigen Arterien mit hoher interindividueller Variabilität versorgt:

Kleinhirnversorgung durch die 3 Kleinhirnarterien:

A. cerebelli superior (gelb), A. cerebelli inferior anterior (grün), A. cerebelli inferior posterior (violett). Die rechte Kleinhirnhemisphäre besitzt eine Normalversorgung und die linke eine unterentwickelte AICA mit Übernahme des Versorgungsgebietes durch die SUCA.

  • A. cerebelli inferior posterior (PICA) ← A. vertebralis
  • A. cerebelli inferior anterior (AICA) ← A. basilaris
  • A. cerebelli superior (SUCA) ← A. basilaris

Die PICA teilt sich in einen medialen und einen lateralen Ast, um den inferioren Vermis cerebelli, die laterale Medulla oblongata und die posteroinferioren Kleinhirnhemisphären zu versorgen. Die AICA vaskularisiert den Pedunculus cerebellaris medius und inferior, den unteren lateralen Pons und Teile des ventralen Cerebellums mit dem paarigen Flocculus. Die SUCA besitzt einen medialen und einen lateralen Ast. Ihre Versorgungsgebiete sind der obere laterale Pons, der obere Vermis cerebelli, der Pedunculus cerebellaris superior und die obere Kleinhirnhemisphäre.

Varianten der Blutversorgung

Die PICA kann in geringen Prozentsätzen auch einseitig oder beidseitig fehlen. Als „PICA ending“ wird eine meist hypoplastische VA bezeichnet, die als PICA endet und keine Verbindung zur A. basilaris aufweist. Während der Fetalperiode gibt es sog. Primitivarterien, die das Stromgebiet der späteren ACI und VA (karotidobasiläre Anastomosen) miteinander verbinden. Sie obliterieren der Reihe nach, wenn sich die PCoA ausbildet: A. otica → A. hypoglossica → A. proatlantica → A. trigemina.

Venöser Abfluss des Gehirns

Das Blut verlässt passiv ohne spezielle Regulation das Gehirn vorwiegend über Venen, welche in venöse Sinus münden und letztlich das Blut in die paarige V. jugularis interna überleiten. Hirnvenen und die venösen Sinus besitzen keine Klappen. Kleinere Venen aus dem Parenchym speisen zwei Systeme. Das oberflächliche System im Subarachnoidalraum auf der Hirnoberfläche (Vv. cerebri superficiales) nimmt das Blut hauptsächlich aus den Rindengebieten des Cerebrums und Cerebellums auf. Von diesen Venen gehen kleine „Brückenvenen“ ab, die in Sinusnähe die Arachnoidea mater durchbrechen, kurzzeitig im Subduralraum verlaufen und in die Sinus durae matris einmünden. Das tiefe System hingegen sammelt das Blut aus den tiefen medullären und nukleären Hirnanteilen in die paarige V. cerebri interna und die paarige V. basalis (Rosenthal). Diese 4 Venen fließen in der V. magna cerebri (Galeni) zusammen, welche nach kurzem Verlauf in den Sinus rectus mündet. Hirnvenen verlaufen räumlich unabhängig von den Hirnarterien.

Oberflächliches System

  • Bildung der V. cerebri media superficialis: V. frontalis → V. V. media superficialis cerebri → V. transversa faciei.
  • Die Vv. emissariae verbinden durch Öffnungen im Schädel die Sinus durae matris mit Diploevenen und äußeren Kopfvenen. Durch fehlende Klappen ist ein Blutfluss in beide Richtungen möglich, sodass sie intrakranielle Druckschwankungen ausgleichen können.

Blutversorgung des Rückenmarks

Das Rückenmark wird durch 3 längs orientierte Gefäße (A. spinalis anterior und Aa. spinales posteriores) und ein quer verlaufendes Gefäßnetz versorgt, die aus segmentalen Zuflüssen gespeist werden. Die A. spinalis anterior verläuft in der Fissura mediana anterior als unpaarer Stamm. Zum Stromgebiet der A. spinalis anterior zählen das motorische Vorderhorn, die Basis der Hinterhörner und der Vorderseitenstrang. Die Aa. spinales posteriores versorgen die dorsalen Anteile der grauen Substanz und den Hinterstrang.

Segmentale Zuflüsse

  • Zervikal: A. subclavia → Aa. vertebrales, A. cervicalis ascendens, A. cervicalis profunda.
  • Thorakal: Aorta thoracica → Aa. intercostales posteriores.
  • Lumbal: Aorta abdominalis → Aa. lumbales.
  • Sakral: A. iliaca interna → A. iliolumbalis, A. sacralis lateralis.

Ursprünglich existieren 31 paarige Aa. intercostales bzw. lumbales, von denen jedoch nur wenige das Rückenmark tatsächlich erreichen. Der Lumbosakralbereich wird durch die bis zu 2 mm starke A. radicularis magna (Adamkiewicz) gespeist, welche in variabler Höhe BWK 9-LWK 1 das Rückenmark erreicht.

Venöser Abfluss des Rückenmarks

Über intramedulläre Venen gelangt das Blut in Vv. perimedullares auf die piale Oberfläche des Rückenmarks. Es bilden sich zwei durchgehende venöse Längsstämme, die V. spinalis anterior in der Fissura mediana anterior und die V. spinalis posterior im Sulcus medianus posterior. Aus dem pialen Venengeflecht wird das Blut durch Vv. radiculares in den Plexus venosus vertebralis internus und anschließend über Vv. intervertebrales in den Plexus venosus vertebralis externus weitergeleitet. Die Vv. intervertebrales münden in die V. lumbalis ascendens, V. azygos bzw. V. hemiazygos. Die Vv. radiculares verlassen in enger topografischer Beziehung zu den Nervenwurzeln den Durasack.

Zelltypen im Nervengewebe

Nervengewebe besteht aus 2 Haupttypen von Zellen: Neuronen und Stützzellen. Ein Neuron ist die strukturelle und funktionelle/elektrisch erregbare Einheit des Nervensystems, die elektrische Signale empfängt, verarbeitet und über ihre Zellfortsätze zu und von anderen Teilen des Nervensystems weiterleitet. Es gibt mehrere Arten von Neuronen, die aufgrund ihrer anatomischen Struktur und Funktion als sensorische Neuronen, Motoneuronen und Interneuronen klassifiziert werden können.

Funktionelle Komponenten eines Neurons

Zu den funktionellen Komponenten eines Neurons gehören:

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