Ein Taubheitsgefühl nach einer Blutabnahme kann beunruhigend sein. Dieser Artikel beleuchtet mögliche Ursachen für dieses Gefühl, die Diagnostik von Nervenschädigungen und die Behandlungsmöglichkeiten.
Ursachen für Taubheitsgefühl nach Blutabnahme
Ein Taubheitsgefühl im Arm nach einer Blutentnahme kann verschiedene Ursachen haben. Häufig ist es harmlos und verschwindet von selbst. Einige mögliche Gründe sind:
- Schwellung: Eine Schwellung an der Einstichstelle kann auf die Nerven drücken und ein Kältegefühl oder Taubheit verursachen.
- Schonhaltung: Unbewusstes Schonen des Arms nach der Blutentnahme kann die Blutzirkulation beeinflussen und zu einem Kältegefühl führen.
- Druckverband: Ein zu fester oder zu lange angelegter Druckverband kann die Nerven einklemmen und Taubheitsgefühle verursachen.
- Reizung des Nervs: Gelegentlich kann es bei der Blutentnahme zu einer Reizung eines Nervs kommen, was zu vorübergehenden Beschwerden wie Schmerzen, Kribbeln oder Taubheitsgefühl führen kann.
- Hämatom: Ein blauer Fleck (Hämatom) kann entstehen, wenn Blut ins Gewebe austritt. Dies kann ebenfalls auf die Nerven drücken und Beschwerden verursachen.
In den meisten Fällen sind diese Beschwerden vorübergehend und verschwinden innerhalb weniger Tage oder Wochen von selbst. Sollten die Symptome jedoch anhalten oder sich verschlimmern, ist es wichtig, einen Arzt aufzusuchen, um andere Ursachen auszuschließen.
Diagnostik bei Nervenschädigungen
Um die Ursache von Taubheitsgefühlen und anderen neurologischen Beschwerden abzuklären, stehen verschiedene diagnostische Verfahren zur Verfügung. Diese helfen dem Arzt, festzustellen, ob eine Nervenschädigung vorliegt, wo sie lokalisiert ist und welches Ausmaß sie hat.
Anamnese und körperliche Untersuchung
Der erste Schritt ist ein ausführliches Gespräch mit dem Arzt (Anamnese), in dem die Beschwerden, Vorerkrankungen, Medikamenteneinnahme und Lebensgewohnheiten erfragt werden. Anschließend erfolgt eine körperliche und neurologische Untersuchung, die verschiedene Tests umfasst:
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- Sensibilitätsprüfung: Überprüfung des Tast-, Schmerz-, Temperatur- und Vibrationsempfindens.
- Prüfung der motorischen Funktion: Beurteilung der Muskelkraft, Koordination und Reflexe.
- Gleichgewichtsprüfung: Test des Gleichgewichtssinns.
- Koordinationsprüfung: Untersuchung der Koordination von Bewegungen.
- Prüfung der Reflexe: Auslösen von Reflexen, z.B. des Kniesehnenreflexes.
Neurophysiologische Untersuchungen
Diese Untersuchungen messen die Funktion der Nerven und Muskeln:
- Elektroneurographie (ENG): Misst die Nervenleitgeschwindigkeit, also die Fähigkeit eines Nervs, elektrische Impulse zu leiten. Dabei werden Elektroden auf die Haut geklebt und der Nerv durch einen sanften elektrischen Impuls stimuliert. Die Messwerte geben Aufschluss über Art und Ausmaß von Nervenschädigungen.
- Elektromyographie (EMG): Misst die elektrische Muskelaktivität. Dabei werden dünne Nadelelektroden in den Muskel eingeführt. Die Elektroden leiten die Muskelaktivität ab und stellen sie auf einem Bildschirm dar. Veränderungen in der elektrischen Aktivität können auf eine Schädigung des Muskels oder des versorgenden Nervs hinweisen.
Laboruntersuchungen
Blutuntersuchungen können Hinweise auf mögliche Ursachen von Nervenschädigungen liefern:
- Blutbild: Überprüfung der Blutzellen.
- Entzündungsparameter: Messung von Entzündungszeichen im Blut.
- Blutzuckerwerte: Bestimmung des Blutzuckerspiegels, einschließlich des Langzeitblutzuckers (HbA1c).
- Vitamin-Spiegel: Messung der Konzentration von Vitaminen wie B12 und Folsäure.
- Schilddrüsenwerte: Überprüfung der Schilddrüsenfunktion.
- Elektrolyte: Messung der Elektrolyte im Blut.
- Differenzierte Eiweißbestimmung (Eiweißelektrophorese): Untersuchung der Eiweißzusammensetzung im Blut.
- Rheumafaktoren und Antikörper: Suche nach Hinweisen auf Autoimmunerkrankungen.
- Giftstoffe: Bestimmung von Schwermetallen oder anderen Giftstoffen im Blut.
Weitere Untersuchungen
In einigen Fällen können weitere Untersuchungen erforderlich sein, um die Ursache der Beschwerden zu klären:
- Liquoruntersuchung: Untersuchung des Nervenwassers (Liquor), das durch eine Lumbalpunktion gewonnen wird. Diese Untersuchung kann bei Verdacht auf entzündliche Erkrankungen des Nervensystems sinnvoll sein.
- Nervenbiopsie: Entnahme einer Gewebeprobe aus einem Nerv zur mikroskopischen Untersuchung.
- Hautbiopsie: Entnahme einer Hautprobe zur Untersuchung der kleinen Nervenendigungen (Small-Fiber-Neuropathie).
- Magnetresonanztomographie (MRT): Bildgebendes Verfahren zur Darstellung von Nerven und umliegendem Gewebe.
- Ultraschalluntersuchung: Bildgebendes Verfahren zur Darstellung von Nerven und Blutgefäßen.
- Molekulargenetische Tests: Untersuchung auf genetische Ursachen von Nervenschädigungen.
Polyneuropathie als mögliche Ursache
Eine Polyneuropathie (PNP) ist eine Erkrankung, bei der mehrere periphere Nerven geschädigt sind. Die peripheren Nerven verbinden das Gehirn und das Rückenmark mit den Muskeln, der Haut und den Organen. Eine PNP kann verschiedene Ursachen haben, darunter:
- Diabetes mellitus: Chronisch erhöhte Blutzuckerwerte können die Nerven schädigen.
- Alkoholmissbrauch: Chronischer Alkoholmissbrauch kann zu Nervenschäden führen, insbesondere in Kombination mit einer Mangelernährung.
- Vitaminmangel: Ein Mangel an Vitaminen wie B12 oder Folsäure kann Nervenschäden verursachen.
- Medikamente: Einige Medikamente, insbesondere Chemotherapeutika, können als Nebenwirkung Nervenschäden verursachen.
- Umweltgifte: Schwermetalle wie Blei, Arsen oder Quecksilber können die Nerven schädigen.
- Genetische Veranlagung: Einige Formen der PNP sind erblich bedingt.
- Autoimmunerkrankungen: Erkrankungen, bei denen das Immunsystem körpereigene Zellen angreift, können auch die Nerven schädigen.
- Infektionen: Einige Infektionen, wie Borreliose oder HIV, können Nervenschäden verursachen.
- Nierenerkrankungen: Nierenerkrankungen können zu einer Ansammlung von Giftstoffen im Körper führen, die die Nerven schädigen können.
- Schilddrüsenunterfunktion: Eine Schilddrüsenunterfunktion kann Nervenschäden verursachen.
Symptome der Polyneuropathie
Die Symptome einer PNP können vielfältig sein und hängen davon ab, welche Nervenfasern betroffen sind. Häufige Symptome sind:
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- Sensible Beschwerden: Taubheitsgefühl, Kribbeln, Brennen, Schmerzen oderTemperaturempfindungsstörungen in den Füßen und Händen. Viele Patienten berichten von einem Gefühl, wie auf Watte zu gehen.
- Motorische Beschwerden: Muskelschwäche, Muskelkrämpfe, Muskelzuckungen oder Lähmungen.
- Autonome Beschwerden: Störungen der Schweißsekretion, Herzrasen, Schwindel, Verdauungsprobleme oder Erektionsstörungen.
Diagnose der Polyneuropathie
Die Diagnose einer PNP basiert auf der Anamnese, der körperlichen und neurologischen Untersuchung sowie neurophysiologischen Untersuchungen (ENG und EMG). Zusätzlich werden in der Regel Blutuntersuchungen durchgeführt, um mögliche Ursachen der PNP zu identifizieren.
Therapie der Polyneuropathie
Die Therapie der PNP richtet sich nach der Ursache der Erkrankung. Ziel ist es, die Grunderkrankung zu behandeln und die Symptome zu lindern. Mögliche Therapieansätze sind:
- Behandlung der Grunderkrankung: Bei Diabetes mellitus ist eine optimale Blutzuckereinstellung wichtig. Bei Alkoholmissbrauch ist ein Alkoholentzug erforderlich. Bei Vitaminmangel werden entsprechende Vitaminpräparate verabreicht.
- Schmerztherapie: Gegen neuropathische Schmerzen können verschiedene Medikamente eingesetzt werden, wie Antikonvulsiva, Antidepressiva oder Opioide.
- Physiotherapie: Physiotherapie kann helfen, die Muskelkraft und Koordination zu verbessern.
- Ergotherapie: Ergotherapie kann helfen, alltägliche Handgriffe zu erlernen oder anzupassen.
- Medizinische Fußpflege: Regelmäßige Fußpflege ist wichtig, um Verletzungen und Infektionen vorzubeugen.
- Transkutane elektrische Nervenstimulation (TENS): Bei diesem Verfahren werden Elektroden auf die Haut aufgebracht, um die Nerven zu stimulieren und Schmerzen zu lindern.
Was tun bei Taubheitsgefühl nach Blutabnahme?
In den meisten Fällen ist ein Taubheitsgefühl nach einer Blutabnahme harmlos und verschwindet von selbst. Folgende Maßnahmen können helfen, die Beschwerden zu lindern:
- Kühlen: Kühlen der Einstichstelle kann helfen, Schwellungen und Schmerzen zu reduzieren.
- Schonen: Schonen Sie den Arm und vermeiden Sie schwere körperliche Anstrengung.
- Bewegung: Leichte Bewegungen des Arms können die Durchblutung fördern.
- Wärme: Warme Umschläge oder ein warmes Bad können entspannend wirken und die Durchblutung fördern.
- Schmerzmittel: Bei Bedarf können SieSchmerzmittel einnehmen.
Sollten die Beschwerden jedoch anhalten oder sich verschlimmern, ist es wichtig, einen Arzt aufzusuchen, um andere Ursachen auszuschließen.
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