Herzrasen, auch Tachykardie genannt, und Bluthochdruck sind weit verbreitete Gesundheitsprobleme, die oft miteinander in Verbindung stehen und durch verschiedene Faktoren ausgelöst werden können. Neurologische Ursachen können ebenfalls eine Rolle spielen und die Komplexität dieser Zustände erhöhen. Dieser Artikel beleuchtet die Zusammenhänge zwischen Bluthochdruck, Herzrasen und neurologischen Ursachen, um ein umfassendes Verständnis dieser Thematik zu ermöglichen.
Was ist Herzrasen?
Herzrasen (Tachykardie) liegt vor, wenn das Herz ohne körperliche Anstrengung mehr als 100 Mal pro Minute schlägt. Normalerweise schlägt das Herz eines Erwachsenen etwa 70 Mal pro Minute. Beim Sport kann die Frequenz auf 120 Schläge oder mehr ansteigen. Der Herzrhythmus wird vom Sinusknoten gesteuert, einem Areal aus Muskelzellen, das elektrische Impulse abgibt und so die Kontraktion des Herzmuskels steuert.
Herzrasen kann beängstigend sein und von Symptomen wie einem schnellen, rasenden oder pochenden Puls, Herzklopfen bis in Hals oder Ohren, Schwindel, Schwitzen, Zittern und innerer Unruhe begleitet sein. Trotzdem ist Herzrasen nicht immer gefährlich. Es wird dann behandlungsbedürftig, wenn es von Ohnmachtsanfällen begleitet ist oder langfristige Komplikationen zu befürchten sind.
Ursachen von Herzrasen
Herzrasen kann vielfältige Ursachen haben. Es ist wichtig zu unterscheiden, ob es sich um gutartiges oder bösartiges Herzrasen handelt. Gutartiges Herzrasen ist oft nicht lebensbedrohlich und kann plötzlich beginnen und enden. In der Schwangerschaft beispielsweise ist Herzrasen normal, da die Blutmenge um bis zu 50 Prozent zunimmt.
Die Ursache des Herzrasens ist entscheidend für die Beurteilung des Risikos. Herzrasen, das vom Vorhof des Herzens ausgeht, ist in der Regel weniger gefährlich als solches, das von den Herzkammern ausgelöst wird, da letzteres akut lebensbedrohlich sein kann.
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WPW-Syndrom
Eine spezielle Ursache für Herzrasen ist das Wolff-Parkinson-White-Syndrom (WPW-Syndrom), eine angeborene Anomalie des Reizleitungssystems. Dabei existiert eine zusätzliche Leitungsbahn für die Weiterleitung von elektrischen Impulsen von den Vorhöfen zu den Hauptkammern. Dies kann zu einem stark beschleunigten Puls führen.
Typische Symptome des WPW-Syndroms sind plötzliches Herzrasen, das oft aus völliger Ruhe heraus auftritt und nur kurz anhält. Manchmal können Schwindel und in seltenen Fällen auch Ohnmachtsanfälle auftreten. Viele Patienten empfinden während des Herzrasens ein unangenehmes Pochen im Halsbereich.
Die Diagnose des WPW-Syndroms erfolgt oft durch ein EKG, bei dem sogenannte Delta-Wellen sichtbar sein können. Die Behandlung kann durch Valsalva-Manöver (starkes Pressen in den Bauch) oder Medikamente (Adenosin) erfolgen. Eine interventionelle Behandlungsmöglichkeit ist die elektrophysiologische Untersuchung mit Verödung der zusätzlichen Leitungsbahn.
Bluthochdruck: Ein stiller Killer
Bluthochdruck (Hypertonie) ist eine chronische Erkrankung, bei der der Blutdruck in den Arterien dauerhaft erhöht ist. Er wird oft als "stiller Killer" bezeichnet, da er lange Zeit unbemerkt bleiben kann, aber das Risiko für schwere Komplikationen wie Herzinfarkt, Schlaganfall und Nierenversagen erhöht.
Symptome von Bluthochdruck
Viele Menschen mit Bluthochdruck haben keine Symptome. Alarmsignale können jedoch sein:
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- Ein- und Durchschlafstörungen
- Unruhiger Schlaf
- Leichte Erregbarkeit und innere Unruhe
- Vermehrte Kopfschmerzen oder Schwindel unter psychischer oder körperlicher Belastung
- Atemnot, Brustschmerzen bzw. Engegefühl in der Brust bei Anstrengung
- Herzrhythmusstörungen
Hypertensive Krise und Notfall
Sehr stark erhöhte Blutdruckwerte müssen sofort behandelt werden. Ein hypertensiver Notfall liegt vor, wenn Symptome wie Kopfschmerzen, Sehstörungen, Schwindel, Bewusstseinsstörungen, neurologische Ausfallerscheinungen, Einblutungen der Augen, Übelkeit, Brechreiz, Kollapsneigung, Lungenödem, Atemnot und Brustschmerzen auftreten. In solchen Fällen muss sofort die Rettungsleitstelle über die 112 alarmiert werden.
Eine hypertensive Krise liegt vor, wenn der Blutdruck merklich erhöht ist (über 200/100 mmHg), aber keine oder nur leichte Symptome wie unspezifische Kopfschmerzen und Schwindel vorhanden sind. In diesem Fall sollte man sich hinlegen, Ruhe bewahren und den Blutdruck nach 15 bis 30 Minuten erneut messen. Bleibt der Blutdruck hoch, ist eine sofortige Behandlung beim Arzt oder in der Ambulanz einer Klinik notwendig.
Ursachen für plötzlichen Blutdruckanstieg
Auslöser eines deutlichen Blutdruckanstiegs sind häufig Stress oder ein abruptes Absetzen der gewohnten Blutdruckmedikamente. Weitere Ursachen können sein:
- Unzureichende Medikamentendosierung
- Interaktion mit anderen Medikamenten (z.B. Schmerzmittel wie Diclofenac oder Ibuprofen)
- Nicht konsequente Medikamenteneinnahme
- Psychische Stresssituationen
- Nierenerkrankungen
- Einnahme von Drogen
Diagnose und Behandlung von Bluthochdruck
Bluthochdruckpatienten, aber auch gesunde Menschen, sollten regelmäßig Ihre Blutdruckwerte kontrollieren. Für Patienten, die selbst ihren Blutdruck messen, ist es wichtig zu wissen, dass leichte Schwankungen des Blutdrucks grundsätzlich normal sind. Sehr wichtig ist auch das korrekte Blutdruckmessen.
Neben dem regelmäßigen Messen sind konsequente nichtmedikamentöse Maßnahmen - also Lebensstiländerungen - wichtig, um Entgleisungen des Blutdrucks zu verhindern. Bei schwankendem Blutdruck sollten Sie die Blutdruck-Medikamente nie ohne ärztliche Absprache selbst anpassen. Eine stabile Blutdruckeinstellung baut auf einer kontinuierlichen (regelmäßigen) Einnahme einer fest angesetzten Medikation auf.
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Entsprechend den aktuellen europäischen Blutdruckleitlinien aus dem Jahr 2018 wird für die meisten Hochdruckpatienten im Alter unter 65 Jahren ein Blutdruckzielkorridor von 120 bis 130 mmHg systolisch und von 70 bis 80 mmHg diastolisch bei Praxisblutdruckwerten gefordert. Bei Patienten im Alter über 65 Jahren liegt das Blutdruckziel bei 130 bis 139 mmHg systolisch und 70 bis 80 mmHg diastolisch.
Neurologische Ursachen von Bluthochdruck und Herzrasen
Die Verbindung zwischen neurologischen Erkrankungen und Herz-Kreislauf-Problemen ist komplex und vielfältig. Neurologische Erkrankungen können direkt oder indirekt zu Bluthochdruck und Herzrasen führen.
Das vegetative Nervensystem
Das vegetative Nervensystem spielt eine zentrale Rolle bei der Regulation von Herzfrequenz und Blutdruck. Störungen in diesem System können zu Herzrhythmusstörungen und Blutdruckschwankungen führen.
Posturales Tachykardiesyndrom (POTS)
Das Posturale Tachykardiesyndrom (POTS) ist eine Erkrankung, bei der der Puls nach dem Aufstehen stark ansteigt, was zu Schwindel und Benommenheit führen kann. Fachleute sprechen von POTS, wenn innerhalb von maximal 10 Minuten nach dem Aufstehen der Puls um 30 Schläge pro Minute gegenüber der Normalfrequenz oder auf über 120 Schläge pro Minute ansteigt. Charakteristisch für POTS ist außerdem, dass sich der Blutdruck dabei nicht oder nur geringfügig verändert.
Die Ursachen von POTS sind nicht genau geklärt, aber es wird vermutet, dass Störungen in der Hormonproduktion und -aufnahme, des autonomen Nervensystems oder Autoimmunerkrankungen eine Rolle spielen. Auch eine COVID-19-Infektion kann ein POTS auslösen.
Neurologische Symptome bei Herzerkrankungen
Neurologische Symptome können auch bei primär kardialen Erkrankungen auftreten. Die Aufgabe des Neurologen ist es, diese von primär neurologischen Erkrankungen zu differenzieren.
Synkopen
Die Abklärung einer Synkope (plötzlich einsetzender, spontan reversibler Bewusstseins- und Tonusverlust infolge einer vorübergehenden, globalen, zerebralen Minderperfusion) ist eine interdisziplinäre Aufgabe. Differenziert werden Reflexsynkopen, orthostatische Synkopen und kardiale Synkopen. Kardiale Synkopen können neben rhythmogenen Ursachen auch strukturelle Erkrankungen wie eine hochgradige Aortenklappenstenose als Ursache haben.
ME/CFS
Chronische Müdigkeit und Erschöpfung (ME/CFS) kann zu neurologischen Symptomen wie Konzentrations-, Merk- und Wortfindungsstörungen (oft als „Brain Fog“ bezeichnet) sowie die Überempfindlichkeit auf Sinnesreize führen.
Herzrasen in der Nacht
Nächtliches Herzrasen kann verschiedene Ursachen haben, von harmlosen Auslösern wie Stress und Träumen bis hin zu ernsthaften Erkrankungen wie Herzrhythmusstörungen oder Schilddrüsenüberfunktion.
Mögliche Ursachen für nächtliches Herzrasen
- Stress und Anspannung: Innere Anspannung, Sorgen, Stress oder unausgesprochene Konflikte können über das vegetative Nervensystem den Puls erhöhen.
- Panikattacken: Wer mit rasendem Herzen, Kurzatmigkeit und Schweiß aufwacht, erlebt möglicherweise eine Panikattacke.
- Hormonelle Veränderungen: Während der Wechseljahre verändern sich Hormonspiegel stark, was zu Unruhe, Hitzewallungen und nächtlichem Herzrasen führen kann.
- Schilddrüsenüberfunktion: Eine überaktive Schilddrüse beeinflusst den Stoffwechsel und damit auch die Herzfrequenz.
- Medikamente und Substanzen: Asthmasprays, Schilddrüsenpräparate, Koffein, Nikotin oder Alkohol können über Stunden wirken und das Herz verspätet reagieren lassen.
- Herzrhythmusstörungen: Einige Formen wie Extrasystolen, Vorhofflimmern oder eine Vorhoftachykardie treten bevorzugt im Liegen auf.
Was tun bei nächtlichem Herzrasen?
- Ruhe bewahren: Versuchen Sie, ruhig zu bleiben und sich zu entspannen.
- Regelmäßiger Schlaf: Achten Sie auf einen regelmäßigen Schlafrhythmus.
- Vermeiden Sie Stimulanzien: Verzichten Sie auf Kaffee, Alkohol und große Mahlzeiten kurz vor dem Zubettgehen.
- Ärztliche Untersuchung: Wenn Sie wiederholt unter nächtlichem Herzrasen leiden, sollten Sie sich ärztlich beraten lassen, um die Ursache abzuklären und gegebenenfalls behandeln zu lassen.
Behandlungsmöglichkeiten
Die Behandlung von Bluthochdruck und Herzrasen hängt von der jeweiligen Ursache und Schwere der Erkrankung ab.
Medikamentöse Therapie
- Blutdrucksenkende Medikamente: Es gibt verschiedene Klassen von Medikamenten zur Behandlung von Bluthochdruck, wie z.B. ACE-Hemmer, Angiotensin-Rezeptorblocker, Betablocker, Kalziumkanalblocker und Diuretika.
- Antiarrhythmika: Diese Medikamente normalisieren den Herzrhythmus.
- Betablocker und Kalziumantagonisten: Diese Medikamente senken die Herzfrequenz und verlangsamen so den Herzschlag.
Nicht-medikamentöse Maßnahmen
- Lebensstiländerungen: Regelmäßige Bewegung, gesunde Ernährung, Gewichtsreduktion, Stressabbau und der Verzicht auf Rauchen und übermäßigen Alkoholkonsum können helfen, den Blutdruck und die Herzfrequenz zu senken.
- Patientenschulungen: Diese Schulungen informieren über die korrekte Blutdruckmessung, die medikamentöse Therapie und geben Tipps zum Umgang mit Blutdruckschwankungen.
Interventionelle Verfahren
- Katheter-Ablation: Bei dieser Methode werden Herzrhythmusstörungen, die durch Medikamente nicht ausreichend kontrolliert werden können, durch Verödung des verantwortlichen Gewebes behandelt.
- Elektrophysiologische Untersuchung mit Verödung der zusätzlichen Leitungsbahn: Diese Methode wird bei WPW-Syndrom angewendet, um die überzählige Leitungsbahn zu veröden.
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