Blutdruckmittel, Cholesterinsenker und Muskelkrämpfe: Ein umfassender Überblick

Die Behandlung von Bluthochdruck und hohen Cholesterinwerten ist entscheidend für die Prävention von Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Allerdings können die eingesetzten Medikamente, insbesondere Statine, mit Nebenwirkungen wie Muskelkrämpfen und Muskelschmerzen verbunden sein. Dieser Artikel beleuchtet die Zusammenhänge zwischen Bluthochdruckmitteln, Cholesterinsenkern und Muskelbeschwerden, um ein besseres Verständnis für Patienten und Ärzte zu schaffen.

Einführung

Hohe Cholesterinwerte, insbesondere das LDL-Cholesterin, sind ein wesentlicher Risikofaktor für Arteriosklerose, Herzinfarkt und Schlaganfall. Statine sind verschreibungspflichtige Medikamente, die zur Senkung des Cholesterinspiegels eingesetzt werden. In Deutschland werden Statine laut Arzneiverordnungsreport für Millionen Menschen verschrieben. Es ist wichtig, Nutzen und Risiken einer Statintherapie sorgfältig abzuwägen.

Wie Statine wirken

Statine wirken entzündungshemmend, stabilisieren gefährliche Ablagerungen (Plaques) in Gefäßwänden und senken den Cholesterinspiegel im Blut. Sie hemmen ein Enzym (HMG-CoA-Reduktase), das für den Cholesterinaufbau in den Zellen verantwortlich ist. Die Wirkung von Statinen wird nach etwa sechs Wochen bei einer Blutwertkontrolle sichtbar. Hochdosierte Statine können die Menge an LDL-Cholesterin im Blut halbieren.

Mögliche Nebenwirkungen von Statinen

Die häufigste Nebenwirkung von Statinen sind Muskelbeschwerden, insbesondere Muskelschmerzen (Statin-Myopathie) und Muskelkrämpfe. Beobachtungsstudien zeigen, dass fast jeder dritte Patient nach der Einnahme von Statinen über muskuläre Beschwerden klagt. Es gibt derzeit auf dem deutschen Markt sieben verschiedene Statine.

Der Nocebo-Effekt

Wissenschaftler haben herausgefunden, dass im Zusammenhang mit Statinen auch ein gewisser Nocebo-Effekt eine Rolle spielt: Allein die Erwartung, dass es zu Muskelschmerzen als Nebenwirkung kommen könnte, führt zu Beschwerden am Bewegungsapparat. Eine Studie der ASCOT-LLA (Anglo-Scandinavian Cardiac Outcomes Trial - Lipid Lowering Arm) zeigte, dass Patienten vor allem dann über Muskelbeschwerden klagen, wenn sie wissen, dass sie Statine einnehmen. Haben sie keine Ahnung davon, leiden sie nicht häufiger an Muskelschmerzen als bei Placebo-Einnahme.

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Weitere mögliche Nebenwirkungen

Eine Therapie mit Statinen kann das Risiko erhöhen, an Diabetes Typ 2 zu erkranken, weil Statine die Wirksamkeit des körpereigenen Insulins herabsetzen. Dieses Risiko wird aber als relativ klein angesehen und kann zum Beispiel durch entsprechende Lebensstilveränderungen wie gesunde Ernährung und Bewegung reduziert werden. Eine Studie aus den Niederlanden ergab, dass Probanden zwischen 55 und 75 Jahren, die Statine einnahmen, ein um 38 Prozent höheres Diabetes-Risiko hatten. Eine extrem seltene Nebenwirkung von Statinen ist die Rhabdomyolyse: ein Verfall von Muskelzellen und Muskelfasern.

Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten und Lebensmitteln

Die gleichzeitige Einnahme von Statinen mit anderen Arzneimitteln, aber auch mit bestimmten Lebensmitteln, kann zu unerwünschten Wechselwirkungen führen. Insbesondere für Simvastatin, Atorvastatin und Lovastatin gilt Vorsicht bei der gleichzeitigen Gabe von Calciumantagonisten (Verapamil, Diltiazem, Amlodipin), die zur Blutdrucksenkung eingesetzt werden. Auf den Verzehr von Grapefruitsaft sollte bei Einnahme einiger Statine verzichtet werden, weil das Medikament dann nicht richtig abgebaut werden und es öfter zu Muskelschmerzen und anderen Nebenwirkungen kommen kann. Alkohol und Statine vertragen sich ebenfalls nicht gut, weil Statine den Leberstoffwechsel ungünstig beeinflussen können und dadurch die Gefahr von Muskelschäden steigt.

Umgang mit Muskelbeschwerden unter Statintherapie

Wenn Patienten unter der Einnahme eines Cholesterinsenkers Beschwerden bemerken, ist es wichtig, dies mit dem Arzt zu besprechen. Die Frage, die es gemeinsam mit Patientinnen und Patienten zu klären gelte, sei jedoch, ob die Statine tatsächlich die Beschwerden verursachen oder ob eine andere Ursache vorliegt. Bei Beschwerden könne man zum Beispiel die medikamentöse cholesterinsenkende Therapie für zwei bis vier Wochen pausieren, um zu prüfen, wie es dem Patienten dann geht. Eventuell kann man anschließend das Präparat wechseln, zum Beispiel von Simvastatin zu Atorvastatin. Man beginnt zunächst niedrig dosiert und erhöht dann die Dosis.

Mögliche Maßnahmen bei Muskelbeschwerden

  • Dosisreduktion: Eine mögliche Ursache muskulärer Beschwerden ist, dass das Statin individuell zu hoch dosiert ist, also zu viel Wirkstoff im Körper vorhanden ist.
  • Präparatewechsel: Bei Beschwerden kann man das Präparat wechseln, zum Beispiel von Simvastatin zu Atorvastatin.
  • Pausieren der Therapie: Bei Beschwerden kann die medikamentöse cholesterinsenkende Therapie für zwei bis vier Wochen pausiert werden, um zu prüfen, wie es dem Patienten dann geht.
  • Kombinationstherapie: Reicht die Statin-Dosierung, die ein Patient beschwerdefrei verträgt, für eine cholesterinsenkende Wirkung nicht aus, ist eine Kombinationstherapie möglich. Zum Beispiel kann das Präparat Ezetimib zusätzlich zum Statin gegeben werden, um bei geringerer Statindosis dennoch den LDL-C-Wert ausreichend zu reduzieren. Alternativ zu einem Statin steht als lipidsenkendes Therapeutikum auch Bempedoinsäure zur Verfügung, die ebenfalls mit Ezitimib kombiniert werden kann.
  • Nahrungsergänzungsmittel: Auch das Nahrungsergänzungsmittel Coenzym Q10 konnte in kleineren Studien gegen Muskelschmerzen helfen, ohne dass ein Wechsel des Statins in der Therapie nötig wurde. Hintergrund: Statine stören die Energieversorgung in Muskelzellen, reduzieren so auch Q10 und bewirken Muskelbeschwerden. Eine große wissenschaftliche Studie über die Wirksamkeit von Q10 gibt es aber bisher nicht.

Eine systematische Vorgehensweise

Besteht aber der Verdacht, dass Statine Muskelbeschwerden hervorrufen, muss dem systematisch nachgegangen werden. Ein Beschwerdetagebuch kann dabei helfen. Nur schrittweise lässt sich ergründen, wo die Ursachen stecken und was zu tun ist.

Alternativen zu Statinen

Reicht die Statin-Dosierung, die ein Patient beschwerdefrei verträgt, für eine cholesterinsenkende Wirkung nicht aus, ist eine Kombinationstherapie möglich. Zum Beispiel kann das Präparat Ezetimib zusätzlich zum Statin gegeben werden, um bei geringerer Statindosis dennoch den LDL-C-Wert ausreichend zu reduzieren. Alternativ zu einem Statin steht als lipidsenkendes Therapeutikum auch Bempedoinsäure zur Verfügung, die ebenfalls mit Ezitimib kombiniert werden kann. Schließlich sind noch die PCSK9-Hemmer eine Option, insbesondere für Patienten, bei denen trotz einer optimalen cholesterinsenkenden Therapie mit Tabletten der LDL-C-Zielwert nicht zu erreichen ist. PCSK9-Inhibitoren sind seit 2015 auf dem Markt, sie gelten bislang aber nur als Mittel der Wahl bei Hochrisiko-Patienten. Die neue Untersuchung zeige, dass auch weitere Patientengruppen von den neuen Medikamenten profitieren könnten, so die Forscher. PCSK9-Inhibitoren könnten daher eine Option für Patienten sein, die intolerant gegenüber Statinen sind.

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Bedeutung eines gesunden Lebensstils

Unabhängig von der medikamentösen Therapie ist ein gesunder Lebensstil entscheidend für die Senkung des Cholesterinspiegels und die Vorbeugung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Herzexperten und die Deutsche Herzstiftung empfehlen für die tägliche Bewegung 30 bis 45 Minuten Ausdaueraktivitäten wie Radfahren, Laufen, flottes Spazierengehen, Joggen oder Schwimmen. Für eine ausgewogene herzgesunde Ernährung raten manche Herzspezialisten zur Mittelmeerküche.

Ernährungsempfehlungen

  • Viel Obst, Gemüse und Vollkorngetreide essen.
  • Eine vegane Lebensweise kann das schlechte LDL-Cholesterin um bis zu 25 Prozent senken.
  • Auf eine ausgewogene herzgesunde Ernährung achten, wie die Mittelmeerküche.

Die Rolle der Aufklärung

Ärzte sollten ihre Patienten über das Ausmaß potenzieller Nebenwirkungen einer Statintherapie richtig aufklären. Dabei sollten sie auch auf das Vorwissen der Patienten und die damit womöglich einhergehenden Ängste eingehen. Es sei dringend notwendig, dass alle Akteure zusammenarbeiten und effektive Aufklärungskampagnen für Patienten und die Öffentlichkeit (beginnend in der Schule) produzieren, führte er aus. Ebenso sei es wichtig, dass andere Ärzte fortwährend weitergebildet werden.

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