Hirnblutung: Symptome, Ursachen und Behandlung

Eine Hirnblutung ist ein medizinischer Notfall, der sofortige Aufmerksamkeit erfordert. Sie entsteht, wenn ein Blutgefäß im Schädelinneren reißt, platzt oder verletzt wird. Dies kann zu einer Schädigung des Hirngewebes durch die Blutung selbst oder durch den resultierenden Bluterguss führen. Je nach Art, Lage und Ausmaß der Blutung können die Symptome variieren, aber es ist wichtig, die Anzeichen zu erkennen und schnell zu handeln.

Arten von Hirnblutungen

Je nach Lage der Blutung im Kopf (intrakranielle Blutung) werden verschiedene Formen unterschieden:

  • Intrazerebrale Blutung (ICB): Die Blutung tritt direkt im Hirngewebe (Hirnparenchym) auf. Je nach Größe der Blutung können große Teile des funktionsfähigen Hirngewebes zerstört werden. Sie macht einen Anteil von 9 bis 27% aller Hirnblutungen aus.
  • Extrazerebrale Blutungen (ECB): Diese Blutungen betreffen die Hirnhäute (Meningen), die das Gehirn umgeben. Zu den extrazerebralen Blutungen gehören:
    • Epiduralhämatom (EDH): Die Blutung tritt zwischen dem Schädelknochen und der harten Hirnhaut (Dura mater) auf.
    • Subduralhämatom (SDH): Die Blutung tritt zwischen der Dura mater und der Spinnengewebshaut (Arachnoidea) auf.
    • Subarachnoidalblutung (SAB): Die Blutung tritt im Subarachnoidalraum unterhalb der Arachnoidea auf. Sie hat unter allen spontanen Hirnblutungen einen Anteil von 1 bis 10%.

Ursachen und Risikofaktoren

Hirnblutungen können spontan auftreten oder die Folge einer anderen Erkrankung sein. Häufig sind sie die Folge von Schädel-Hirn-Verletzungen (SHT), die beispielsweise durch Stürze, Unfälle oder Gewalteinwirkung verursacht werden. Blutgerinnungsstörungen und Gefäßerkrankungen können Hirnblutungen jeder Art begünstigen.

Ursachen intrazerebraler Blutungen:

  • Arterielle Hypertonie (Bluthochdruck): Ein über Jahre bestehender, schlecht eingestellter Blutdruck kann die Blutgefäßwände schädigen und zu spontanen Blutungen führen.
  • Erkrankungen von Arterien und Arteriolen: Genetisch bedingte oder erworbene Erkrankungen der kleinen und großen Gefäße, zerebrale Amyloidangiopathie, zerebrale Aneurysmen, Moya-Moya-Erkrankung, Vaskulitiden und reversible Vasokonstriktionssyndrome können intrazerebrale Blutungen verursachen.
  • Venöse Erkrankungen: Venen- oder Sinusthrombosen können ebenfalls zu Blutungen führen.
  • Gefäßfehlbildungen: Arteriovenöse Malformationen, durale arteriovenöse Fisteln und zerebrale kavernöse Malformationen können Blutungen verursachen.
  • Tumoren und Ischämie: Hirntumore und Mangeldurchblutung (Ischämie) können ebenfalls zu Blutungen führen.
  • Blutgerinnungsstörungen: Angeborene oder erworbene Gerinnungsstörungen, einschließlich der Einnahme von blutverdünnenden Medikamenten (Antikoagulanzien), können das Risiko einer Hirnblutung erhöhen.
  • Intoxikation: Drogenkonsum (z. B. Kokain) kann ebenfalls eine Ursache sein.

Ursachen Subarachnoidalblutung:

  • Traumatische Ursachen: Schädel-Hirn-Traumata sind häufig mit einer SAB assoziiert.
  • Atraumatische Ursachen: In bis zu 80 Prozent der Fälle ist ein gerissenes Aneurysma die Ursache einer nicht-traumatischen SAB. Weitere Ursachen können Gefäßfehlbildungen, Gefäßentzündungen, Tumore oder Drogenkonsum sein.

Ursachen Subduralhämatom:

  • Brückenvenen-Ruptur: Meist geht der Ruptur ein Unfall bzw. Trauma voraus. Mitunter entstehen Blutungen auch spontan, insbesondere während einer Therapie mit Antikoagulantien.

Ursachen Epiduralhämatom:

  • Traumatische Ursache: Nach äußerer Gewalteinwirkung rupturiert in der Regel die Arteria meningea media oder seltener ein venöser Sinus. Mitunter sind Epiduralhämatome auch Folge hirnchirurgischer Eingriffe.

Risikofaktoren für Hirnblutungen:

  • Bluthochdruck: Eine arterielle Hypertonie ist der häufigste Risikofaktor für Hirnblutungen.
  • Antikoagulantien und Thrombozytenaggregationshemmer: Die Einnahme von blutverdünnenden Medikamenten erhöht das Risiko einer Hirnblutung.
  • Nikotin- und Alkoholabusus: Diese Faktoren können die Gefäße schädigen und das Risiko einer Blutung erhöhen.
  • Erhöhte Blutfettwerte: Hohe Cholesterinwerte können zu Gefäßablagerungen (Arteriosklerose) führen und das Risiko einer Blutung erhöhen.
  • Alter: Das Risiko für Hirnblutungen steigt mit zunehmendem Alter.

Symptome einer Hirnblutung

Die Symptome einer Hirnblutung können je nach Art, Lage und Ausmaß der Blutung variieren. Einige häufige Symptome sind:

  • Plötzlich auftretende, sehr starke Kopfschmerzen: Oft als "vernichtend" beschrieben, insbesondere bei einer Subarachnoidalblutung.
  • Nackensteifigkeit (Meningismus): Vor allem bei Subarachnoidalblutungen.
  • Übelkeit und Erbrechen:
  • Plötzlich auftretende Schwäche oder Lähmung: Betrifft meist eine Körperseite (Hemiparese oder Hemiplegie), insbesondere Arm, Bein oder Gesicht.
  • Taubheitsgefühle (Hypästhesie): Betrifft meist eine Körperseite.
  • Sprachstörungen (Aphasie) oder Sprechstörungen (Dysarthrie):
  • Schluckstörungen (Dysphagie):
  • Sehstörungen: Sehen von Doppelbildern (Diplopie), verschwommenes Sehen, vorübergehender Sehverlust auf einem Auge, halbseitiger Gesichtsfeldausfall.
  • Pupillenerweiterung (Mydriasis): Unterschiedlich große Pupillen (Anisokorie) können ebenfalls auftreten.
  • Schwindel mit Gangunsicherheit, Gleichgewichts- oder Koordinationsprobleme:
  • Plötzliche Bewusstseinsstörung: Verwirrtheit, Benommenheit bis hin zu Bewusstlosigkeit und Koma.
  • Krampfanfälle:

Es ist wichtig zu beachten, dass nicht alle Symptome gleichzeitig auftreten müssen. Bei Auftreten eines oder mehrerer dieser Symptome sollte umgehend ein Notarzt gerufen werden.

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Spezifische Symptome je nach Art der Blutung:

  • Intrazerebrale Blutung: Plötzlich beginnende Kopfschmerzen, verminderte Vigilanz, Übelkeit, Erbrechen, Krampfanfälle, kontralaterale Hemiparesen, konjugierte Blickdeviation, Ophthalmoplegie, homonyme Hemianopsie, Aphasie, komatöse Eintrübung.
  • Subarachnoidalblutung: Plötzlich einsetzende, extreme Kopfschmerzen, Bewusstseinsverlust, vegetative Störungen, fokal-neurologische Ausfälle, Meningismus, Hydrozephalus, beidseitig positives Babinski-Zeichen.
  • Akutes Subduralhämatom: Kopfschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Vigilanzminderung, ipsilaterale Mydriasis, kontralaterale Herdsymptomatik, Bewusstseinsverlust.
  • Chronisches Subduralhämatom: Druckgefühl im Kopf, Schwindel, psychomotorische Einschränkungen, Konzentrationsschwäche, Orientierungsverlust, Lähmungen, sensible Störungen, Krampfanfälle.
  • Epiduralhämatom: Kopfschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Unruhe, Latenzintervall nach initialer Bewusstlosigkeit, Anisokorie, kontralaterale Fokaldefizite.

Diagnose

Bei Verdacht auf eine Hirnblutung ist eine sofortige Diagnose entscheidend. Zu den diagnostischen Maßnahmen gehören:

  • Klinische Untersuchung: Beurteilung des Bewusstseinszustands, der neurologischen Funktionen und der Vitalzeichen.
  • Anamnese: Erhebung der Krankengeschichte, einschließlich Risikofaktoren und möglicher Auslöser.
  • Computertomographie (CT): Die CT ist die Methode der Wahl zur schnellen und zuverlässigen Darstellung von Hirnblutungen.
  • Magnetresonanztomographie (MRT): Die MRT kann in einigen Fällen zusätzliche Informationen liefern, ist aber aufgrund der längeren Untersuchungsdauer und der eingeschränkten Patientenüberwachung nicht immer geeignet.
  • Laboruntersuchungen: Blutbild, Gerinnungsstatus und andere Parameter werden untersucht, um mögliche Ursachen oder Risikofaktoren zu identifizieren.

Behandlung

Die Behandlung von Hirnblutungen zielt darauf ab, die Blutung zu stoppen, den Hirndruck zu senken und weitere Schäden zu verhindern. Die spezifische Behandlung hängt von der Art, Lage und Größe der Blutung sowie vom Zustand des Patienten ab.

Allgemeine Maßnahmen:

  • Stabilisierung der Vitalfunktionen: Sicherstellung einer ausreichenden Sauerstoffversorgung und Stabilisierung des Blutdrucks.
  • Blutdruckkontrolle: Senkung eines erhöhten Blutdrucks, um weitere Blutungen zu verhindern.
  • Gerinnungsmanagement: Korrektur von Gerinnungsstörungen, falls vorhanden.
  • Hirndrucksenkung: Maßnahmen zur Senkung des Hirndrucks, wie z. B. die Gabe von Medikamenten (z. B. Mannitol) oder eine Lagerung mit leicht erhöhtem Oberkörper.

Spezifische Behandlungen:

  • Operative Entfernung des Hämatoms: Bei großen Hämatomen, die den Hirndruck erheblich erhöhen, kann eine Operation erforderlich sein, um das Blut zu entfernen und das Gehirn zu entlasten.
  • Kraniektomie: In einigen Fällen kann es notwendig sein, einen Teil des Schädels zu entfernen (Kraniektomie), um dem Gehirn mehr Raum zu geben und den Hirndruck zu senken.
  • Endovaskuläre Therapie: Bei Subarachnoidalblutungen, die durch Aneurysmen verursacht werden, kann eine endovaskuläre Therapie (z. B. Coiling) eingesetzt werden, um das Aneurysma zu verschließen und weitere Blutungen zu verhindern.
  • Konservative Therapie: Bei kleinen Blutungen oder bei Patienten, die nicht operiert werden können, kann eine konservative Therapie mit Medikamenten und Überwachung ausreichend sein.

Prognose

Die Prognose von Hirnblutungen hängt von verschiedenen Faktoren ab, darunter:

  • Art und Lage der Blutung:
  • Größe des Hämatoms:
  • Alter und Gesundheitszustand des Patienten:
  • Schnelligkeit der Diagnose und Behandlung:

Einige Hirnblutungen können zu bleibenden Schäden oder zum Tod führen, während andere mit einer guten Rehabilitation und Genesung verbunden sind. Eine frühzeitige Diagnose und Behandlung sind entscheidend, um die bestmögliche Prognose zu erzielen.

Vorbeugung

Einige Risikofaktoren für Hirnblutungen können durch einen gesunden Lebensstil beeinflusst werden:

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  • Blutdruckkontrolle: Regelmäßige Blutdruckmessungen und eine konsequente Behandlung von Bluthochdruck sind wichtig.
  • Gesunde Ernährung: Eine ausgewogene Ernährung mit wenig Salz und gesättigten Fetten kann helfen, den Blutdruck und die Blutfettwerte zu senken.
  • Regelmäßige Bewegung: Sportliche Aktivität kann den Blutdruck senken und die allgemeine Gesundheit verbessern.
  • Nichtrauchen: Rauchen schädigt die Gefäße und erhöht das Risiko für Hirnblutungen.
  • Moderater Alkoholkonsum: Übermäßiger Alkoholkonsum kann den Blutdruck erhöhen und das Risiko für Hirnblutungen steigern.
  • Vermeidung von Drogen: Drogenkonsum kann zu Gefäßschäden und Hirnblutungen führen.
  • Sichere Einnahme von Medikamenten: Patienten, die blutverdünnende Medikamente einnehmen, sollten sich regelmäßig von ihrem Arzt untersuchen lassen und die Medikamente genau nach Anweisung einnehmen.
  • Schutz vor Kopfverletzungen: Tragen Sie beim Sport oder bei anderen Aktivitäten, bei denen ein Risiko für Kopfverletzungen besteht, einen Helm.

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