Fast jeder kennt jemanden, der einen Schlaganfall erlitten hat. Tatsächlich leiden fast eine Million Menschen in Deutschland unter den Folgen. Insbesondere neurologische Folgestörungen können bei ihnen zu weitreichenden körperlichen Einschränkungen führen, da Funktionen in bestimmten Bereichen des Gehirns verloren gehen. Störungen von Muskulatur, Gleichgewicht und dem Ausführen von Bewegungen bis hin zu Lähmungen sind die Folge. Die Lebensqualität der Betroffenen wird stark eingeschränkt. Das Bobath-Konzept nimmt sich solcher Patient:innen an. Mithilfe des Bobath-Konzepts können sie heutzutage erfolgreich behandelt und rehabilitiert werden.
Was ist das Bobath-Konzept?
Das Bobath-Konzept ist ein umfassender Pflege- und Therapieansatz bei Erkrankungen des zentralen Nervensystems. Es wurde im Jahr 1943 von der Physiotherapeutin Berta Bobath und ihrem Mann Dr. Karl Bobath entwickelt. Es ist ein umfassendes Bewegungskonzept zur Rehabilitation von Patienten mit Erkrankungen des zentralen Nervensystems und ein anerkanntes Bewegungs- und Rehabilitationskonzept, das speziell für Menschen mit Störungen des zentralen Nervensystems entwickelt wurde. Gegenstand einer Bobath Behandlung sind gezielte Pflege- und Therapiemaßnahmen, die gemeinsam mit den Patient:innen erarbeitet werden. Es sieht sich jedoch nicht als explizite Methode oder Technik, sondern als problemlösenden Ansatz. Motorische Einschränkungen, eine Spastizität oder Störungen des Gleichgewichts sollen dabei alltagsintegriert in Zusammenarbeit zwischen Betroffenen und Therapeuten verbessert werden.
Das Konzept beruht auf der Fähigkeit des Nervensystems, ein Leben lang zu lernen, der sogenannten „Plastizität des Gehirns“. Wenn bestimmte Hirnareale geschädigt werden, müssen dessen Funktionen nicht verloren gehen. Stattdessen können intakte Hirnregionen so trainiert werden, dass sie diese Aufgaben übernehmen. Neue Verbindungen, sogenannte Synapsen, bilden sich aus. Für den Patienten bedeutet das eine Verbesserung der neurologischen Leistung, die sich in Verbesserungen der motorischen Fähigkeiten äußert. Auf diese Weise übernehmen intakte Hirnareale die Funktionen der geschädigten Bereiche. Die betroffene Person gewinnt motorische Fähigkeiten zurück und wird wieder selbstständiger in ihrem Alltag. Das geschieht beim Bobath-Konzept durch immer wiederkehrende Bewegungsmuster. Dabei berücksichtigt es stets die individuellen Möglichkeiten und Grenzen jedes einzelnen Patienten, fordert aber auch seine aktive Mitarbeit. Diese stetigen Wiederholungen programmieren die Nervenbahnen um. Der Patient studiert Bewegungen neu ein und wird wieder mobiler.
Definition des Bobath-Konzeptes
Das Bobath-Konzept, benannt nach seinen Gründern Berta Bobath und Dr. Karl Bobath, ist ein umfassender Pflege- und Therapieansatz bei Erkrankungen des zentralen Nervensystems. Mithilfe der neurologischen Rehabilitation des Gehirns wird die Neuroplastizität gefördert. Sie beschreibt die Lernfähigkeit des Gehirns, sich durch neue Erfahrungen, Lernen oder nach Verletzungen strukturell und funktionell zu verändern bzw. zu optimieren. Diese Anpassungsfähigkeit äußert sich in der Bildung neuer neuronaler Verbindungen und der Modifikation bestehender Netzwerke. Die Behandlung beinhaltet ständige Wiederholung von Bewegungsabläufe, manuelle Therapie und die Förderung von Alltagsaktivitäten. Das Bobath-Konzept sollte als ein problemlösender Ansatz verstanden werden, der motorische Einschränkungen, Spastiken oder Störungen des Gleichgewichts entgegenwirken bzw. therapieren kann.
Interdisziplinäre Zusammenarbeit
Zur Umsetzung des Konzepts wird die Patientin von einem geschulten Team aus Ärzt:innen, Physiotherapeut:innen, Logopäd:innen, Ergotherapeut:innen, Neurophysiolog:innen und Pflegekräften begleitet. In Zusammenarbeit entwickelt das Team mit der Patientin eine individuelle Behandlungsstrategie, die sich eng an ihren Fähigkeiten und Beeinträchtigungen orientiert und die Rehabilitation fördert. Damit das Bobath-Konzept funktioniert, müssen alle an der Pflege beteiligten Personen an einem Strang ziehen. Zusammen müssen Sie Ihren pflegebedürftigen Angehörigen während des gesamten Tagesablaufs an die Übungen heranführen. Beraten Sie sich am besten mit einem Physiotherapeuten, der auf Bobath spezialisiert ist. "Nur wenn eine Zusammenarbeit aller Bereiche gewährleistet ist - angefangen von der Pflegefachkraft über Therapeuten und Ärzte bis zu den Angehörigen - kann die Bobath-Methode zum Erfolg führen.", mahnt Florian Seybecke, Fachbereichsleiter für die neurologische Langzeitrehabilitation in der ZBI Gruppe.
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Die Rolle des Patienten
Im Behandlungsprozess interagieren Patientin und Therapeuten oder Betreuer aktiv miteinander. Der Therapeut unterstützt die Patientin nur soweit es nötig ist, denn die Eigenaktivität steht bei der Bobath Behandlung stets im Vordergrund. Durch Fordern und Fördern kann die Patientin allmählich ihre Bewegungskontrolle und Haltungsfähigkeit verbessern. Die Patienten sind nicht nur Ausführende eines vom Therapeuten angefertigten Behandlungsplans, sondern werden darin unterstützt, sich mit ihren vorhandenen Fähigkeiten und Defiziten auseinanderzusetzen.
Ziele des Bobath-Konzeptes
Das Bobath Konzept Ziele liegen in erster Linie darin, der Patientin die Bewältigung ihres Alltags zu erleichtern. Dabei stehen die individuellen Bedürfnisse der Patientin, die sich aus ihrer bisherigen Lebensweise und ihrem Umfeld ergeben, im Mittelpunkt. Ihre Selbstständigkeit und Handlungsfähigkeit sollen erhöht werden, um eine eigenverantwortliche Lebensqualität wieder zu erlangen. Folgeschäden, wie zum Beispiel Gelenkeinschränkungen, eine Spastizität und Schmerzen, sollen mithilfe der Bobath Behandlung möglichst vermieden werden. Das Bobath-Konzept ist ein ganzheitlicher und evidenzbasierender Ansatz, der das Zusammenspiel von Körper und Geist betont. Die Rehabilitation und Förderung der Beweglichkeit darf dabei nicht nur auf die Therapiesitzungen beschränkt sein. Daher müssen im sogenannten 24-Stunden-Konzept Pflegefachkräfte, Ergotherapeuten, Physiotherapeuten sowie Ärzte transdisziplinär zusammenarbeiten, um die Ziele des Bobath-Konzeptes zu erreichen:
- Wiedererlernen bzw. Verbesserung der motorischen Funktionen
- Förderung der Selbstständigkeit
- Schmerzlinderung und Verhinderung von Kontrakturen
- Verbesserung der Lebensqualität
- Förderung der sozialen Integration
Übergeordnetes Ziel des Bobath-Konzepts ist, dass die betroffenen Personen die Beweglichkeit der beeinträchtigten Körperregionen verbessern und damit ihre Unabhängigkeit wieder erlangen. Übergeordnetes Ziel des Bobath-Konzepts ist, dass die betroffenen Personen ihre Selbstständigkeit und damit Lebensqualität zurückgewinnen.
Anwendungsbereiche der Bobath-Therapie
Die Bobath Therapie richtet sich an Menschen mit Erkrankungen des zentralen Nervensystems und solche Patienten, die Schädigungen im Gehirn oder im Rückenmark erlitten haben. Es ist ein weithin anerkannter Ansatz bei Menschen mit Lähmungen durch Erkrankungen des zentralen Nervensystems oder einer Schädigung im Gehirn oder im Rückenmark. Vorrangig wird diese Therapieform bei Patienten mit Schlaganfall oder Menschen im Wachkoma angewendet.
Häufige Ursachen sind Rückenmarksverletzungen, Hirnblutungen, Gehirntumore, Schädel-Hirn-Trauma, Enzephalitis oder Krankheiten wie Multiple Sklerose (MS) und Morbus Parkinson. Insbesondere für Schlaganfall-Patienten wird die Bobath-Therapie häufig angewendet. Viele Patient:innen erleiden nach einem Schlaganfall eine halbseitige Lähmung, weil Teile des Gehirns zu wenig mit Sauerstoff versorgt wurden. Ist diese Lähmung vollständig, spricht man in der Medizin von einer „Hemiplegie“. Von einer „Hemiparese“ spricht man, wenn die Körperhälfte nicht vollständig gelähmt, sondern nur beeinträchtigt ist. Die Bobath-Übungen werden in der Regel angewendet, wenn Patienten neurologische Erkrankungen oder Verletzungen haben, die ihre Bewegungsfähigkeiten, Muskelkontrolle und Koordination beeinträchtigen. Zu den häufigsten Ursachen, die die Anwendung des Bobath-Konzepts rechtfertigen, gehören:
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- Hirnverletzungen, wie Apoplex (Schlaganfall), Schädel-Hirn-Trauma oder Wachkoma
- Zerebrale Bewegungsstörungen
- Multiple Sklerose
- Parkinson-Krankheit
- Rückenmarksverletzungen, wie Querschnittslähmung
- Neurologische Erkrankungen im Kindesalter, wie zerebrale Kinderlähmung
Wenn Sie sich oder einen Menschen aus Ihrem Umfeld in einer der genannten Gruppen wiedererkennen, könnte zur Verbesserung der Lebensqualität eine Therapie nach Bobath erwogen werden. Sprechen Sie Ihren Arzt oder Ihre Ärztin darauf an.
Bobath-Konzept in der Pflege
Beim Bobath-Konzept liegt der Fokus auf der Umsetzung eines individuell angepassten Therapieplans, der sich an den spezifischen Fähigkeiten und Bedürfnissen des Patienten orientiert. Bei den Übungen sollten die Anwendungsbereiche Lagerung, Mobilisation, Körperwaschung, Raumgestaltung und Selbsthilfetraining mit eingebunden werden.
Lagerung
Die Lagerung nach Bobath ist ein wichtiger Bestandteil der Therapie und dient primär dazu, eine optimale Ausgangsposition für die Patienten/-innen zu schaffen, um eine bessere Kontrolle über die eigenen Bewegungen zu ermöglichen. Je nach Bedürfnis der betroffenen Person, können die Therapeuten/-innen den Fokus dabei auf eine symmetrische Ausrichtung des Körpers, eine Entlastung oder die Neutralstellung der Gelenke achten. Hierzu stehen ihnen verschiedene Stützen und Hilfen zur Verfügung, welche eine stabile und komfortable Position für die Patienten/-innen gewährleisten sollen.
Die Lagerung von Patienten mit Erkrankungen des zentralen Nervensystems wird sowohl auf der betroffenen als auch auf der nicht betroffenen Seite durchgeführt. Diese differenzierte Herangehensweise stellt sicher, dass im Gehirn sowohl die sensorischen als auch die motorischen Fähigkeiten auf beiden Seiten des Körpers stimuliert und unterstützt werden.
Die Lagerung auf der betroffenen Seite ermöglicht es, durch den Auflagedruck die Eigenwahrnehmung und die Körperkontrolle zu stimulieren. Dadurch wird gleichzeitig die nicht betroffene Seite aktiviert und in die Bewegungsabläufe integriert, was die motorischen Fähigkeiten und die Bewegungsfreiheit fördert. Besonders effektiv ist die 90-Grad-Lagerung. Diese Seitenlagerung auf der betroffenen Seite fördert die Muskeltonusregulation und steigert die Sinneswahrnehmung. Durch die Zuhilfenahme von Lagerungskissen und Decken wird die Unterstützungsfläche des Betroffenen maximal genutzt. Damit werden zugleich Dekubitus vorgebeugt.
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Alternativ bietet die Lagerung auf der nicht betroffenen Seite dem Patienten die Möglichkeit, sich wohler zu fühlen. Obwohl der Aktionsspielraum durch die oben liegende beeinträchtigte Seite eingeschränkt ist, kann der Betroffene in dieser Position seine Lage aktiv mitgestalten. Das Sitzen im Stuhl am Tisch stabilisiert Muskeltonus und Kreislauf. Außerdem ist es ein wichtiger Schritt zurück in ein soziales Leben.
Zusätzlich unterstützen Positionen wie das stabile Sitzen im Bett oder am Tisch die Rumpfstabilität und den Kreislauf, was wesentliche Schritte zurück in das soziale Leben darstellen. Das stabile Sitzen im Bett hilft Menschen mit geringer Rumpfstabilität, wieder ein Gefühl für den eigenen Körper zu bekommen und den Kreislauf zu trainieren. Bei jeder Lagerung sollte die Unterlage relativ hart sein, weil dann der Auflagedruck stärker stimuliert. Für Ihre Angehörigen ist es außerdem wichtig, dass sie möglichst stabil liegen oder sitzen. Bei jeder Lagerungsform wird eine relativ harte Unterlage empfohlen, um den notwendigen Auflagedruck zur Muskeltonusregulation zu erhöhen.
Mobilisation
Auch der Transfer und die Mobilisation nach Bobath sind entscheidende Grundpfeiler des Konzeptes. Dabei ist es wichtig, die Betroffenen so aktiv wie möglich in den Positionswechsel mit einzubeziehen. Je nach physischem Zustand der Person kann man zunächst mit einfachen unterstützenden Übungen, wie beispielsweise dem Aufsetzen im Bett, beginnen und sich daraufhin steigern.
Die Mobilisation nach Bobath zielt darauf, die Patienten aktiv in sämtliche Positionswechsel mit einzubeziehen. So lassen sich die Bewegungsfähigkeiten spürbar verbessern. Der Prozess beginnt mit einfachen, unterstützenden Bewegungsabläufen, zu denen das Aufsetzen im Bett gehört. Von dort aus entwickelt sich der Ablauf weiter bis zum Wechseln in einen Rollstuhl oder auf einen Stuhl. Dieser Wechsel wird entweder als tiefer oder als hoher Transfer klassifiziert, abhängig von der bereits erreichten Stabilität des Patienten. Für den Erfolg dieser Mobilisation ist das korrekte Handling der Betroffenen von größter Bedeutung. Dabei führen geschulte Pflegekräfte und/oder Therapeuten die Bewegungen des Patienten mit speziellen Techniken durch. Diese ermöglichen eine sichere und effektive Bewegung und fördern gleichzeitig die Lernprozesse durch wiederholtes Ausführen.
Der Einsatz von Hilfsmitteln wie Hebe- oder Umsetzhilfen kann dabei unterstützen, die Sicherheit zu erhöhen und die Unabhängigkeit des Patienten zu fördern. Mobilisation nach Bobath wird auch Transfer nach Bobath genannt. Danach sollen Sie Ihre Angehörigen aktiv in sämtliche Positionswechsel mit einbeziehen. Es beginnt mit einfachen unterstützenden Bewegungsabläufen, zum Beispiel dem Aufsetzen im Bett.
Waschung
Eine weitere Technik dieser Behandlungsmethode ist die Waschung nach Bobath. Diese soll dabei helfen, die sensorische Wahrnehmung sowie die Durchblutung der Haut zu verbessern. Hierzu wendet man bei der Waschung der Patienten/-innen sanfte Berührungen und Massagebewegungen an, welche die Haut stimulieren sollen. Die Waschung nach Bobath ist in der Regel Bestandteil einer umfassenden Behandlungssitzung und sollte immer auf die individuellen Bedürfnisse und Ziele der Betroffenen angepasst werden.
Pflegekräfte können auch bei der Reinigung von Betroffenen positiv Einfluss auf die sensorische Integration und die motorische Wiederherstellung nehmen. Dabei stehen sie bewusst an der betroffenen Seite des Patienten, um direkte Unterstützung und Feedback zu geben. Bei dem Ablauf der Pflege ist es wichtig, dass die Pflegefachkraft die Waschung von der weniger betroffenen Seite zur stärker betroffenen Seite durchführt. Dies fördert die Übertragung der „Spür“-Informationen und hilft dem Patienten, ein besseres Bewusstsein und eine erhöhte Sensibilität für die betroffene Seite zu entwickeln. Darüber hinaus wird die Wassertemperatur nach den Wünschen des Betroffenen eingestellt, um maximalen Komfort zu gewährleisten und die sensorische Erfahrung zu optimieren. Eine gute Möglichkeit, die Körperwahrnehmung von Patienten mit starken körperlichen Einschränkungen zu fördern, ist das Waschen nach Bobath. Beim Waschen nach Bobath arbeiten Sie stets von der gesunden zur kranken Seite hin.
Raumgestaltung
Ein zentraler Aspekt der Raumgestaltung nach dem Bobath-Konzept ist die strategische Positionierung des betroffenen Patienten, sodass er möglichst alles im Raum wahrnehmen kann. Diese Ausrichtung trägt nicht nur zur sensorischen Stimulation bei, sondern fördert auch eine erhöhte kognitive und emotionale Beteiligung. Indem der Patient den gesamten Raum überblicken kann, wird seine räumliche Orientierung unterstützt, was wiederum essenziell für das Erkennen von Raum und Zeit ist. Diese umfassende Wahrnehmung stimuliert die sensorische Integration: Das Gehirn erhält kontinuierlich visuelle, akustische und räumliche Reize, die es verarbeiten und in sinnvolle Informationen umwandeln muss. Schließlich fördert die Einbindung des Patienten in das Umgebungsgeschehen seine aktive Teilnahme am sozialen Leben und trägt zur Verbesserung seines psychologischen Wohlbefindens bei.
Selbsthilfetraining
Im Rahmen des Bobath-Prinzips wenden Therapeuten eine Vielzahl von Übungen an. Diese Übungen zielen darauf ab, die Bewegungsfähigkeiten, die Koordination und die Muskelkontrolle der Patienten zu verbessern.
Die Übungen vermitteln den Patienten Fähigkeiten, um Aktivitäten des täglichen Lebens selbstständig bewältigen zu können. Sie umfassen eine breite Palette von Aktivitäten, die von der Körperpflege bis zur Nahrungsaufnahme und Mobilität reichen. Diese Aktivitäten unterteilen sich in:
- Aktive Bewegungsübungen
- Passive Bewegungsübungen
- Gleichgewichtsübungen
- Koordinationsübungen
- Alltagsnahe Übungen
Spezifische Techniken und Bewegungsstrategien verbessern die motorischen und kognitiven Fähigkeiten der Patienten. Ziel ist es, die Selbstständigkeit in der Durchführung dieser Aktivitäten zu erhöhen und dadurch das Selbstvertrauen und die Lebensqualität der Betroffenen zu steigern.
Der Einbezug von Angehörigen und dem Pflegepersonal in die Bewegungsabläufe beim Bobath-Konzept ist ebenfalls von großer Bedeutung. Sie unterstützen die Patienten im täglichen Leben und tragen dazu bei, das Gelernte zu festigen und anzuwenden. Geeignet für die Gestaltung des ADL-Trainings sind neben der Körperpflege, das An- und Ausziehen, die Nahrungsaufnahme, aber je nach Mobilität auch der eigenständige Toilettengang.
Beispiele für Bobath-Übungen
Grundsätzlich gibt es eine Vielzahl an Übungen, die im Zusammenhang mit dem Bobath-Konzept bei betroffenen Personen durchgeführt werden können. Dabei sollte man sich jedoch stets an den Möglichkeiten und Wünschen der jeweiligen Patienten/-innen orientieren und nicht blind an Bewegungsabläufen festhalten. Als Folge einer neurologischen Erkrankung verlieren betroffene Patient:innen oft das Gefühl für ihre Körperlage. Durch die Physiotherapie nach Bobath soll diese Fähigkeit wiedergewonnen werden. Der Patient wird dabei gefördert, seine Muskelgruppen und die Lage seines Körpers im Raum besser wahrzunehmen und zu kontrollieren. Mögliche Bobath Schlaganfall Übungen sind zum Beispiel:
- Klavierspieler: Ausgehend von einer sitzenden Position hat der Patient oder die Patientin den Auftrag, ein imaginäres, sehr breites Klavier zu spielen. Kommt er bzw. sie zu den äußersten Seiten, hebt er oder sie die Hälfte des Gesäßes an und verkleinert dadurch die Anzahl der Haltepunkte auf dem Stuhl oder der Liege. So wird gelernt, mit weniger unterstützenden Fläche das Gleichgewicht zu halten.
- Eine weitere Übung trainiert den Stand. Der oder die Patient:in geht dabei vom Sitz in den Stand, während ein:e Physiotherapeut:in an seiner oder ihrer schwächeren Seite daneben sitzt. Der Patient oder die Patientin stützt den betroffenen Arm auf der Hand der Physiotherapeutin bzw. des Physiotherapeuten ab und steht dabei langsam auf.
Im Zentrum stehen jedoch Übungen, die das Gleichgewicht trainieren. Nur so kann der Patient in allen Lagen stabil und sicher sein.
Vojta und Bobath in der Pflege
In der Altenpflege kann die Krankengymnastik nach Vojta eine gute Ergänzung zum Bobath-Konzept sein. Hierbei aktivieren Physiotherapeuten die natürlichen menschlichen Bewegungsmuster über verschiedene Druckpunkte. Dadurch lassen sich Symptome wie beispielsweise Spastizität lindern und Bewegungsniveaus verbessern. Der Unterschied zu Bobath: Vojta soll angeborene Bewegungsmuster aktivieren, Bobath schafft neue Verknüpfungen im Gehirn.
Wer führt die Bobath-Therapie durch?
Speziell ausgebildete und zertifizierte Physiotherapeuten dürfen eine Bobath-Therapie durchführen. Sie verfügen über eine aufwändige, zwei bis dreijährige Ausbildung und bilden sich kontinuierlich weiter. Die IBITA („International Bobath Instructors Training Association”) ist eine offizielle Vereinigung zur Ausbildung von Therapeuten im Bobath-Konzept. Sie wurde mit der Zustimmung der Konzeptbegründer Berta und Karl Bobath gegründet, um das Konzept kontrolliert und fachlich korrekt zu verbreiten.
Verschiedene medizinische und therapeutische Fachkräfte des Gesundheitswesens können das Bobath-Konzept verwenden. Voraussetzung ist hierbei jedoch eine spezielle Ausbildung und Zertifizierung in dieser Therapiemethode. Physiotherapeuten erwerben Grundwissen der Bobath-Therapie in ihrer Ausbildung. Zudem setzt ein optimales Behandlungsergebnis eine spezielle Fortbildung voraus.
Dauer der Bobath-Therapie
Die Dauer einer Rehabilitation ist sehr stark abhängig von der Schwere der Erkrankung. Die erste Phase, in der motorische Fähigkeiten und Gleichgewichtssinn wiederhergestellt und anschließend gestärkt werden, kann einige Wochen bis Monate in Anspruch nehmen. Eine anschließende Phase, in der die wieder erlernten Fähigkeiten weiter gefestigt werden, kann weitere Wochen in Anspruch nehmen.
Die Dauer einer Bobath-Therapie kann von Fall zu Fall variieren und hängt von verschiedenen Faktoren ab. Dazu gehören der Gesundheitszustand des Patienten, die Art und Schwere der neurologischen Erkrankung, die individuellen Zielen und Bedürfnissen des Patienten sowie die verfügbaren Ressourcen. Im Allgemeinen kann die Dauer einer Bobath-Therapie wie folgt zusammengefasst werden:
- Akute Phase: In der akuten Phase nach einem Schlaganfall oder einer neurologischen Verletzung kann die Bobath-Therapie täglich oder mehrmals pro Woche stattfinden. Das Hauptziel besteht darin, lebenswichtige Funktionen zu stabilisieren und den Patienten auf die Rehabilitationsphase vorzubereiten.
- Rehabilitationsphase: In der Rehabilitation kann die Bobath-Therapie über mehrere Wochen oder Monate hinweg fortgesetzt werden. Die Therapiedauer und -häufigkeit wird an die spezifischen Bedürfnisse des Patienten angepasst. In dieser Phase steht die Wiederherstellung motorischer Fähigkeiten und die Verbesserung der Selbstständigkeit im Vordergrund.
- Langzeitpflege und Erhaltung: Bei einigen Patienten kann die Bobath-Therapie langfristig in Form von regelmäßigen Sitzungen fortgesetzt werden, um die erreichten Fortschritte aufrechtzuerhalten und die Lebensqualität zu verbessern. Dies kann insbesondere bei chronischen neurologischen Erkrankungen oder langfristiger Pflege erforderlich sein.
- Individuelle Anpassung: Die Dauer der Bobath-Therapie wird individuell auf die Bedürfnisse jedes Patienten abgestimmt. In enger Zusammenarbeit von Ärzten, Therapeuten, Patienten und seinen Angehörigen wird die optimale Therapiedauer festgelegt und damit sichergestellt, dass die Therapieziele erreicht werden.
Aktuelle Trends und Entwicklungen des Bobath-Konzeptes
Basierend auf aktuellen Forschungsergebnissen wird das Bobath-Konzept laufend angepasst und verbessert. Mit den Fortschritten in der Technologie entwickelt sich auch das Bobath-Konzept weiter, um innovative Werkzeuge und Geräte in Therapiesitzungen zu integrieren. Virtuelle Realität, Robotik und andere Technologien werden in Behandlungsprogramme integriert, um den Rehabilitationsprozess zu verbessern und Patienten auf neue und aufregende Weise einzubeziehen. Diese technologischen Fortschritte haben das Potenzial, die Neurorehabilitation zu revolutionieren und die Möglichkeiten des Bobath-Konzepts zu erweitern.
In der Bobath-Gemeinschaft liegt der Schwerpunkt zunehmend auf Forschung und evidenzbasierter Praxis. Forscher führen Studien durch, um die zugrunde liegenden Mechanismen des Bobath-Konzepts besser zu verstehen und belastbarere Beweise für seine Wirksamkeit zu sammeln. Diese Fortschritte in der Forschung tragen zum wachsenden Wissensschatz rund um die neurologische Rehabilitation bei und bilden die Grundlage für weitere Weiterentwicklungen und Verfeinerungen des Bobath-Ansatzes.
Das Bobath-Konzept erfreut sich weltweit zunehmender Anerkennung als wertvoller Ansatz in der Neurorehabilitation. Therapeuten aus verschiedenen Ländern übernehmen diesen Ansatz, setzen ihn um und tragen so zu seiner weltweiten Akzeptanz bei. Es werden internationale Kooperationen und Netzwerke aufgebaut, um den Wissensaustausch zu erleichtern und höchste Versorgungsstandards für Menschen mit neurologischen Erkrankungen sicherzustellen. Diese weltweite Anerkennung ist ein Beweis für die Wirkung und das Potenzial des Bobath-Konzepts.
Bobath-Therapie und Vojta-Therapie im Vergleich
Das Bobath-Konzept und die Vojta-Therapie sind zwei verschiedene Ansätze in der Physiotherapie und Rehabilitation, die auf die Behandlung von neurologischen und muskulären Problemen abzielen. Der Unterschied von Bobath zu Vojta ist, dass Vojta darauf ausgerichtet ist, das Gehirn so anzuregen, dass angeborene Bewegungsmuster wieder aktiviert werden, während beim Bobath-Konzept darauf ausgerichtet ist, neue Verknüpfungen im Gehirn zu schaffen (Neuroplastizität).
Organisationen und Verbände zum Bobath-Konzept
- Die BIKA®, Bobath Initiative für Kranken und Altenpflege, ist der Verband der Pflege-Instruktorinnen in Deutschland.
- Bobath Zukunft! ist die Gemeinschaft der Lehrenden des Bobath-Konzeptes in der Neuropädiatrie.
- VeBID - Verein der Bobath InstruktorInnen (IBITA) Deutschland und Österreich e.V.
- Die Vereinigung der Bobath-Therapeuten Deutschlands e.V.
Zusammenfassung
Das Bobath-Konzept ist ein umfassendes Bewegungskonzept zur Therapie von Patienten mit Erkrankungen des zentralen Nervensystems. Durch immer wiederkehrende Übungen können betroffene Personen neue Verknüpfungen im Gehirn schaffen und damit ihre motorischen Fähigkeiten und Selbstständigkeit im Alltag zurückgewinnen. Es wird ausdrücklich erwähnt, dass durch Bobath Übungen nicht die zentrale Ursache der Krankheit beseitigt werden kann. Stattdessen steht der Patient mit seinen Zielen und vorhandenen Möglichkeiten im Vordergrund, nach denen er optimal gefördert wird. Das Bobath-Konzept setzt sich zum Ziel, dass durch ständige Wiederholungen von Übungen und Muskeltonusregulation neue Verknüpfungen im Gehirn entstehen. Das Konzept nach Bobath setzt sich zum Ziel, dass durch ständige Wiederholungen von Übungen und Muskeltonusregulation neue Verknüpfungen im Gehirn entstehen.
Das Bobath-Konzept kann nicht die Ursachen der neurologischen Erkrankungen beheben. Es setzt ausschließlich darauf, neue Bewegungsmuster zu erlernen, damit der Patient seine Mobilität und damit Selbstständigkeit zurückgewinnt.
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