Bobath Konzept in der ambulanten neurologischen Rehabilitation

Einleitung

Die ambulante neurologische Rehabilitation spielt eine entscheidende Rolle bei der Wiederherstellung von Fähigkeiten und der Förderung der Selbstständigkeit nach neurologischen Erkrankungen. Das Bobath-Konzept ist ein wichtiger Bestandteil dieser Rehabilitation und bietet einen interdisziplinären Ansatz zur Verbesserung der Lebensqualität von Patienten.

Phasen der neurologischen Rehabilitation

Die Neurologie ist in mehrere Behandlungsphasen gegliedert, um eine optimale Versorgung der Patienten zu gewährleisten. Die neurologische Rehabilitation schließt an die Akutbehandlung und die Frührehabilitation der Phase B an. Die Neurologie gliedert sich in sechs Behandlungsphasen:

  • Phase A: Akutbehandlung (im Krankenhaus, z. B. auf einer Stroke Unit oder der Intensivstation)
  • Phase B: Entspricht der klassischen neurologischen Frührehabilitation. Patienten der Phase B sind Schwerst-Schädel-Hirn geschädigt. Die Akutbehandlung ist prinzipiell abgeschlossen. Trotzdem beinhaltet diese Phase neben den rehabilitativen Aspekten häufig akutmedizinische Behandlungsbedürftigkeit.
  • Phase C: Patienten können bereits in der Therapie mitarbeiten, medizinischer und pflegerischer Aufwand hoch
  • Phase D: Rehabilitation nach Abschluss der Frühmobilisation
  • Phase E: Nachgehende Reha-Leistungen, berufliche Rehabilitation
  • Phase F: Dauerhaft unterstützende Leistungen

In der neurologischen Rehabilitation werden Patienten der Phase C und D mit nahezu allen neurologischen Erkrankungen wie Verletzungen und Erkrankungen des Gehirns, des Rückenmarks oder der peripheren Nerven und Muskelerkrankungen behandelt. Häufig treten internistische Begleiterkrankungen (Hypertonie, Diabetes mellitus, Herzerkrankungen, Übergewicht, etc.) oder psychischen und psychiatrischen Begleitsymptome (Depression, Verwirrtheit, etc.) auf, die in der Rehabilitation mitbehandelt werden.

Was ist ambulante neurologische Rehabilitation?

Die ambulante neurologische Rehabilitation richtet sich an Patient:innen, die nach einer Erkrankung des Nervensystems oder nach einer neurologischen Operation eine intensive Therapie benötigen. Im Gegensatz zur stationären Rehabilitation können Sie dabei weiterhin in Ihrem vertrauten Umfeld leben und Ihren Alltag aktiv gestalten. Ziel ist es, Ihnen durch gezielte Therapien zu helfen, Ihre Mobilität, Ihre kognitiven Fähigkeiten und Ihre Lebensfreude wiederzuerlangen.

Bei der ambulanten neurologischen Reha können Patientinnen und Patienten die Abende und Wochenenden zu Hause verbringen und halten sich nur während der Therapie und Behandlung in der Rehaklinik bzw. Einrichtung auf. Die Behandlung in einer ambulanten Reha mit dem Fachbereich Neurologie schließt sich entweder an einen stationären Aufenthalt oder an eine stationäre Reha an. Die Patientinnen und Patienten in einer ambulanten neurologischen Reha befinden sich im Normalfall in Phase D der Rehabilitation.

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Darüber hinaus finden auch Patientinnen und Patienten mit neurologischen Erkrankungen eine umfassende Versorgung, bei denen ambulante Maßnahmen im Heilmittelbereich nicht ausreichend sind. In der ambulanten neurologischen Reha werden alle neurologischen Erkrankungen in der Phase D sowie die daraus entstandenen Beeinträchtigungen therapiert.

Indikationen für ambulante neurologische Rehabilitation

Zu den typischen Krankheitsbildern, die eine neurologische Rehabilitation notwendig machen, gehören:

  • Schlaganfall: Beim Schlaganfall (auch Hirnschlag oder Apoplex genannt) kommt es zu einer plötzlichen Durchblutungsstörung im Gehirn. Diese muss schnellstmöglich behandelt werden, um Hirnschädigungen zu vermeiden. In Folge eines Schlaganfalls kann es zum Absterben von Gehirnzellen kommen, was z. B. zu Lähmungen oder Sprachstörungen führen kann.
  • Verletzungen oder Schädigungen an Gehirn, Rückenmark oder an peripheren Nerven: Bei Verletzungen an Gehirn, Rückenmark oder den peripheren Nerven, z. B. durch einen Unfall, kann es zu neurologischen Einschränkungen wie Lähmungen oder Gefühlsstörungen kommen.
  • Erkrankungen des Nervensystems: Zu den Erkrankungen des Nervensystems gehören z. B. chronische Schmerzzustände, Multiple Sklerose, Polyneuropathien oder das Guillan-Barré-Syndrom.
  • Anschlussbehandlung nach Operationen an Gehirn oder Rückenmark: Eine Operation an Gehirn oder Rückenmark, z. B. aufgrund von Bandscheibenvorfällen oder Tumoren, kann zu neurologischen Einschränkungen wie Gefühlsstörungen, Lähmungen oder Sprachstörungen führen.
  • Neurodegenerative Erkrankungen: Bei neurodegenerativen Erkrankungen handelt es sich um Erkrankungen des Nervensystems, die zu einem fortschreitenden Verlust von Nervenzellen führen. Zu den neurodegenerativen Erkrankungen gehören z. B. Morbus Parkinson oder Myopathien.
  • Hypoxische Hirnschädigung: Eine hypoxische Hirnschädigung bezeichnet eine Schädigung, die als Folge eines massiven Sauerstoffmangels im Gehirn entsteht. Die Unterversorgung mit Sauerstoff kann zu schweren Störungen der Hirnfunktion führen.
  • Weitere Krankheitsbilder von A-Z: Alzheimer, anoxische Hirnschädigung, Hydrozephalus, Hypoxische Hirnschädigung, Parkinson-Syndrome, Polyneuropathie-Syndrome, Bewegungsstörungen, wie Morbus Parkinson, Critical-illness-Polyneuropathie (CIP), Entzündliche Erkrankung des Nervensystems, entzündliche Erkrankungen, z. B. Mutiple Sklerose, Enzephalitis, Enzephalopathien, Epilepsie, Epileptische Syndrome, Erkrankung oder Verletzung des Rückenmarks, Erkrankungen des Rückenmarks und seiner Wurzeln, z. B. nach Bandscheibenoperationen, Folgen nach Schlaganfall wie Hirninfarkt oder Hirnblutung (insbesondere auch Subarachnoidalblutung), Guillain-Barré-Syndrom, Hirnblutung, Hirnerkrankungen, Intrazerebrale Blutung, Ischämischer Schlaganfall, Krankheiten des autonomen Nervensystems, Lähmungen, Meningitis, Mitochondropathien, Motoneuronerkrankungen, Multiple Sklerose (MS), Multisystemerkrankung/Multisystematrophie (MSA), Muskelerkrankungen, Muskelkrankheiten, Neurodegenerative Erkrankungen, Neurodegenerative Systemerkrankung, Neurogene/neuropathische Schmerzsyndrome, Polyneuropathien, Polyradikulitiden, Schädel-Hirn-Trauma mit oder ohne Polytrauma, Schlaganfall, Schluckstörungen, Spinalkanalstenose, spinozerebelläre Ataxien (SCA), Tumorerkrankung des zentralen und/oder peripheren Nervensystems, Tumorerkrankungen des zentralen Nervensystems, Verengung des Wirbelkanals, Zerebrale und sonstige Lähmungssyndrome, zerebrales Anfallsleiden, Zustand nach Schädel-Hirn-Trauma mit und ohne Hirnblutung.

Ziel der ambulanten neurologischen Reha ist es, Funktionsstörungen als Folge neurologischer Erkrankungen zu mindern, damit Patientinnen und Patienten eine bestmögliche Teilhabe am Leben und ihrem Alltag wiedererlangen können. Die neurologische Reha kann sich auch ambulant außerhalb einer Rehaklinik an eine stationäre Behandlung anschließen. Das Ziel dabei ist unter anderem die Wiedereingliederung in das alltägliche Umfeld. Durch eine zielgerichtete Therapie sollen Patientinnen und Patienten Aufgaben und Aktivitäten im Alltag wieder aufnehmen können und ihre Selbstständigkeit zurückgewinnen.

Das Bobath-Konzept

Das Bobath-Konzept ist ein interdisziplinärer Ansatz in der Physio- und Ergotherapie, der vor allem für die Behandlung von Menschen mit neurologischen Erkrankungen entwickelt wurde. Es wurde in den 1940er Jahren von Berta und Karel Bobath entwickelt. Es konzentriert sich hauptsächlich auf die Behandlung von Patienten mit neurologischen Erkrankungen. Der Fokus liegt dabei auf der individuellen Anpassung der Therapie, der Förderung der Eigeninitiative des Patienten und der Verbesserung der motorischen Funktionen.

Das Bobath-Konzept ist ein umfassendes Bewegungskonzept zur Rehabilitation von Patienten mit Erkrankungen des zentralen Nervensystems. Durch immer wiederkehrende Übungen können betroffene Personen neue Verknüpfungen im Gehirn schaffen und damit ihre motorischen Fähigkeiten und Selbstständigkeit im Alltag zurückgewinnen.

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Kernprinzipien des Bobath-Konzepts

  • Individuelle Anpassung: Jeder Patient ist einzigartig, und die Therapiepläne werden entsprechend individuell gestaltet.
  • Ganzheitlicher Ansatz: Der Fokus liegt nicht nur auf der gestörten Funktion oder dem betroffenen Körperteil, sondern auf dem Patienten als Ganzes.
  • Förderung der Eigeninitiative: Die aktive Beteiligung des Patienten ist entscheidend für den Therapieerfolg. Der Patient wird ermutigt, Eigenverantwortung für seine Rehabilitation zu übernehmen.
  • Interdisziplinäre Zusammenarbeit: Physiotherapeuten, Ergotherapeuten und Logopäden arbeiten zusammen, um ein umfassendes Behandlungskonzept zu bieten.
  • Kontinuierliche Anpassung: Die Therapie wird regelmäßig überprüft und angepasst.
  • Anwendung im Alltag: Die Therapie soll so gestaltet sein, dass die erworbenen Fähigkeiten in den Alltag des Patienten integriert werden können.
  • Bewegungsanalyse: Durch genaue Beobachtung und Analyse der Bewegungen werden Fehlmuster identifiziert und korrigiert.

Ziele der Bobath-Therapie

  • Verbesserung der Motorik: Eines der Hauptziele der Bobath-Therapie ist die Verbesserung der motorischen Fähigkeiten. Dies umfasst sowohl die Grobmotorik, wie Laufen und Greifen, als auch die Feinmotorik, wie beispielsweise das Halten eines Stifts.
  • Förderung der Selbstständigkeit: Die Therapie zielt darauf ab, den Patienten so unabhängig wie möglich zu machen. Durch gezielte Übungen und Anwendungen sollen Alltagsaktivitäten wie Ankleiden, Essen und persönliche Hygiene erleichtert werden.
  • Reduzierung von Schmerzen: Die Bobath-Therapie hat auch das Ziel, Schmerzen zu reduzieren. Dies wird oft durch eine verbesserte Haltung und effizientere Bewegungsmuster erreicht.
  • Optimierung der Kommunikation: Nicht nur motorische Fähigkeiten werden verbessert; die Therapie zielt auch darauf ab, die nonverbale und verbale Kommunikation zu fördern. Dies ist besonders wichtig bei Patienten mit Beeinträchtigungen der Sprachfähigkeit.
  • Verbesserung der Lebensqualität: Insgesamt zielt die Bobath-Therapie darauf ab, die Lebensqualität der Patienten zu steigern. Dies wird durch die Verbesserung der motorischen Fähigkeiten, die Steigerung der Selbstständigkeit und die Reduzierung von Schmerzen erreicht.

Therapeutische Methoden im Bobath-Konzept

Bevor das Bobath-Konzept angewendet wird, ist eine gründliche individuelle Anamnese unerlässlich, um einen maßgeschneiderten Therapieplan zu erstellen. Dieser Plan basiert auf einer Reihe von Methoden und Techniken, die im Laufe der Therapie kontinuierlich adjustiert werden, um den Rehabilitationsfortschritt optimal zu unterstützen. Die wichtigsten Methoden des Bobath-Konzepts:

  • Bewegungsanalyse: Durch genaue Beobachtung der Bewegungen des Patienten können ineffiziente oder schädliche Bewegungsmuster identifiziert und korrigiert werden.
  • Facilitation: Hierbei handelt es sich um Techniken, die dem Therapeuten helfen, bestimmte Bewegungen oder Bewegungsmuster im Patienten zu erleichtern oder zu fördern.
  • Inhibition: Das Ziel ist, unerwünschte Bewegungen oder Reflexe zu hemmen, um effizientere Bewegungsmuster zu ermöglichen.
  • Funktionstraining: Spezifische Übungen werden entwickelt, um bestimmte Funktionen wie Gehen, Greifen oder Sprechen zu trainieren.
  • Sensomotorisches Training: Dieses Training zielt darauf ab, die Wahrnehmung des Patienten für seinen eigenen Körper und seine Bewegungen zu schärfen.
  • Aktive Beteiligung des Patienten: Der Patient wird aktiv in die Therapie eingebunden, indem er Aufgaben und Übungen erhält, die seine Selbstständigkeit fördern.

Bobath-Therapie in der ambulanten neurologischen Rehabilitation

In der ambulanten neurologischen Reha kommen physiotherapeutische Behandlungen zur Verbesserung der motorischen Fähigkeiten der Patientinnen und Patienten zum Einsatz. Die Therapie umfasst sowohl Massagen, Lymphdrainagen und Elektrotherapie als auch Behandlungsverfahren nach Bobath oder PNF.

Leistungen in der ambulanten neurologischen Rehabilitation

Das Leistungsspektrum umfasst eine Vielzahl an Therapien, die speziell auf die Bedürfnisse neurologischer Patienten abgestimmt sind:

  • Physiotherapeutische Behandlung in der ambulanten neurologischen Rehabilitation
    • spezielle Schlaganfallbehandlung
    • Anbahnung von physiologischen Bewegungen unter Hemmung pathologischer (veränderter) Bewegungsmuster
    • Anwendung von speziellen Techniken mit verschiedenen Reizen
    • Techniken zur gezielten Rumpfstabilität
    • Erarbeitung von physiologischen Haltungs- und Bewegungsmustern
    • Erarbeitung von Bewegunsübergängen und Transfers mit Einbindung/Bezug in den Alltag
    • Koordinations- und Kraftübungen
    • Wiederherstellung der intermuskulären Koordination
    • Faszitilation (Anbahnung) in diagonalen Anordnungen unter Einbezug aller drei Bewegungsebenen (frontal, saggital und transversal)
    • Faszitilationstechniken von Dehnungs- und Druckrezeptoren
    • auf reduzierten und labiler Unterstützungsfläche, unter Einsatz verschiedener Kleingeräte (z.B. Balancepad, Weichbodenmatten, etc.) und in unterschiedlichen Ausgangsstellungen.
    • im Innen- und Außenbereich
    • Gangvariationen: isoliertes Training der einzelnen Gangphasen, Spiel- und Schwungbeinphase, diagonale Armbewegung
    • Gehen mit und ohne Hilfsmittel
    • Gehtraining im Straßenverkehr unter besonderer Berücksichtigung der Sicherheit
    • Gehen auf nicht befestigtem Untergrund
    • frühe Rehabilitation der Patient:innen durch Gewichtsentlastung mit Abnahme des Körpergewichtes
    • Entwicklung eines physiologischen Gangbildes durch Simulation verschiedener Alltagssituationen
    • Gleichgewichtsanalyse und -training durch drucksensible Bodenplatte
    • Motivierende und abwechslungsreiche Therapie durch augmented Realitiy
    • Vorbereitung des Gangbildes auf die normalen alltäglichen Anforderungen
    • Ergebnisse werden gespeichert und können zur Visualisierung des Therapieerfolges verglichen werden
    • z.B. Rollstuhl, Rollator, Gehilfen
    • Rollstuhltraining (meist mit dem Ziel der unabhängigen Fortbewegung, ggf. Rollstuhlvorbereitung)
    • Selbstständiger Umgang mit Hilfsmitteln
    • Sicherheit beim Positionswechsel
    • Alltagsorientierte Thrapie
    • Physiologischer Körpereinsatz und Kompensationsstrategien für Funktionseinschränkungen von Körperabschnitten
    • z.B. zur Kontrakturporphylaxe
    • Thermotherapie (Wärme- und Kälteanwendungen)
    • Elektrotherapie (TENS, EMS, Lähmungstherapie)
    • z.B. bei Polyneuropathien
    • z.B. Laufbandtraining, Ergometertraining und Kraftgeräte
    • zur Kräftigung, Förderung der Beweglichkeit, Reaktionsschulung und Koordination der Arme
    • zur Förderung der Wahrnehmung der betroffenen Körperhälfte
  • Neuropsychologie
    • Die Neuropsychologie als Spezialgebiet der Psychologie befasst sich mit allen Phänomen der Informationsverarbeitung und der psychischen Leistungsfähigkeit. Dazu gehören Wahrnehmung, Sprache, Gedächtnis, Emotion, Handlungssteuerung und Verhalten. Neuropsycholog:innen versuchen dabei zu erklären wie das Gehirn die psychische Leistungsfähigkeit moderiert, welche Auswirkungen von Schädigungen des Gehirns zu erwarten sind und wie diese Beeinträchtigungen behandelt werden kann.
    • Hirnschädigungen können durch vielfältige Gründe verursacht werden bspw. durch Zustände nach Durchblutungsstörungen des Gehirns (Schlaganfälle), posthypoxischen Hirnschäden, entzündliche Prozesse und Autoimmunkrankheiten (Multiple Sklerose, metabolischen Encephalopathien), neurodegenerative Erkrankungen und Bewegungsstörungen (Parkinsonkrankheit), Zustände nach neurochirurgischen Operationen und Zustände nach Schädelhirntraumen.

Der Ablauf der Bobath-Behandlung

Vor Beginn Ihrer Bobath-Behandlung erstellt Ihr Therapeut eine umfassende Bewegungsanalyse (Befund). Hierbei achtet er besonders darauf, wie Sie Reize aufnehmen und verarbeiten. Dabei werden Ihre:

  • akustischen (Ihre Hörfähigkeit betreffend)
  • optischen (Ihre Sehfähigkeit betreffend)
  • taktil-kinästhetischen (Ihre Fähigkeit durch Tasten zu erkennen) und
  • verbalen (Ihre Ausdrucksfähigkeit betreffend)

Stärken und Schwächen berücksichtigt.

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In der Therapie sollen Sie lernen, Ihren spastischen Muskeltonus zu hemmen. So erhalten Sie die Möglichkeit, Selbstkontrolle auszuüben und Ihre Muskelspannung willkürlich zu beeinflussen. Dazu gehören Anbahnungen physiologischer Bewegungen sowie spezielle Lagerungstechniken, die wir Ihnen zeigen. Bei der Mobilisation werden Sie von Ihrem Therapeuten unterstützt, der Ihre Bewegungen führt, sofern Sie nicht selbst dazu in der Lage sind.

Das Bobath-Konzept ist ein 24-Stunden Konzept: Wichtig sind regelmäßige Wiederholungen Ihrer Übungen in Ihren Tagesablauf aufzunehmen. Daher werden nach Möglichkeit Ihre Angehörigen mit in die Therapie einbezogen.

Bei einer ärztlichen Verordnung über KG-ZNS (Krankengymnastik bei Erkrankungen des zentralen Nervensystems/Rückenmarks) ist die neurologische Krankengymnastik nach Bobath (neben der PNF- und Vojtatherapie) eine der möglichen Therapieformen.

Voraussetzungen für die ambulante neurologische Rehabilitation

Um eine neurologische Rehabilitation in ambulanter Form absolvieren zu können, müssen beim Patienten bestimmte Voraussetzungen erfüllt sein. Die Patienten sind bei den Aktivitäten des täglichen Lebens (Waschen, Anziehen etc.) weitgehend selbstständig, wenn auch evtl. unter Benutzung entsprechender Hilfsmittel (Barthel-Index 80). Dies entspricht nach dem Phasenmodell der neurologischen Rehabilitation der Phase D - im Sinne der Anschlussheilbehandlung (AHB) bzw. medizinischen Rehabilitation. Auf Anfrage ist auch eine Rehabilitation der Phase C möglich, z.B. wenn eine Begleitperson für die notwendigen Hilfeleistungen vorhanden ist. Die Antragstellung erfolgt im Rahmen einer akut-stationären Krankenhausbehandlung oder über niedergelassene Fachärzte.

Wie wir in Leipzig behandeln

Die ambulante neurologische Rehabilitation ermöglicht eine wohnortnahe Rehabilitation, die hinsichtlich Qualität und Umfang der stationären Rehabilitation entspricht. Sie bezieht die Lebenswirklichkeit des Rehabilitanden ein und bietet Patienten, die während der Rehabilitationsphase ihre familiären und beruflichen Bezüge nicht aufgeben möchten, eine Alternative zur stationären Rehabilitation. Durch die Nähe zum sozialen und beruflichen Umfeld kann der/die Patient/in frühzeitig in die familiäre und gesellschaftliche Umgebung reintegriert und damit seine/ihre soziale Kompetenz sowie Selbstständigkeit im individuellen Lebensumfeld aufgebaut, erprobt und gefördert werden. Die Patienten lernen im Rahmen der ambulanten neurologischen Reha, ihren Tagesablauf aktiv zu gestalten. Vorrangiges Therapieziel ist es, die funktionellen Beeinträchtigungen der Patienten abzubauen und eine möglichst weitgehende Selbstständigkeit bei allen Aktivitäten des täglichen Lebens zu erzielen, um ihnen damit die Möglichkeit zu geben, wieder am privaten, gesellschaftlichen und beruflichen Leben teilzunehmen.

Behandlungsinhalte der ambulanten neurologischen Reha

Das ganzheitliche Behandlungskonzept entspricht modernsten Anforderungen und umfasst u.a.:

  • Fachärztlich-neurologische Behandlung und Betreuung, Planung und Überwachung des Rehabilitationsprogrammes - eine fachärztlich-psychiatrische Mitbehandlung ist bei Bedarf jederzeit möglich
  • Neuropsychologische Diagnostik und Therapie (Hirnleistungstraining), Überprüfung der Fahrtauglichkeit
  • Physiotherapie, Krankengymnastik, physikalische Therapie, Bewegungs- und Sporttherapie
  • Internistische und orthopädische Mitbehandlung von Begleiterkrankungen
  • Krankengymnastik in Gruppentherapie (Rollstuhltraining, Terraintraining, Konditionsgruppe, Rückenschule, Atemgymnastik, Gleichgewichts- und Koordinationsschulung, Hockergruppe, Wassergymnastik, spezielle Gruppen für multiple Sklerose und Morbus Parkinson)
  • Krankengymnastische Einzelbehandlung auf neurophysiologischer Grundlage (z.B. Krankengymnastik nach Vojta und Bobath, PNF-Propriozeptive Neuromuskuläre Fazilitation, Brunnstrom-Methode, Rood-Methode)
  • Stabilisations- und Haltetraining des Rumpfes (Sitz-, Stand- und Gangstabilisierung), Training von Transfer und Lagewechsel, Gleichgewichtstraining, Kontrakturbehandlung (achsengerechte passive Gelenkmobilisation), Redcord-Therapie, Gangschulung und Treppensteigtraining, monitorüberwachtes Ergometertraining zur allgemeinen Konditionierung etc.
  • Ergo- und Gestaltungstherapie (Feinmotorik, ADL-Training, Arbeitstraining)
  • Logopädie (Sprach-, Sprech- und Schlucktherapie) und Kinderlogopädie inkl. Heidelberger Elterntraining
  • Sozialtherapeutische Betreuung und Beratung der Patienten und ihrer Angehörigen (auch in Fragen der beruflichen Rehabilitation)
  • Hilfsmittelanpassung, Training im Umgang mit dem Hilfsmittel
  • Manuelle Therapie, EMG-Biofeedback, Therapie zur motorischen Reedukation
  • Hydrotherapie
  • Aktivierungs- und Freizeitgruppe, Entspannungstherapien (PMR, autogenes Training)
  • Ernährungsberatung, Lehrküche
  • Gesundheitsbildung, Gesundheitstraining
  • Komplementäre Therapien: Akupunktur, Neuraltherapie, Osteopathie

Aufgrund des umfassenden Leistungsspektrums ist eine übergreifende Behandlung von Erkrankungen des Bewegungsapparates, des Herz-Kreislauf-Systems und der Psychosomatik bei Bedarf möglich.

Reha-Formen und Ablauf der ambulanten neurologischen Rehabilitation

Genauso vielfältig wie die individuelle Krankengeschichte und die persönlichen Lebensumstände sind auch die von den unterschiedlichen Kostenträgern angebotenen Leistungen der ambulanten Rehabilitation.

Leistungen der Deutschen Rentenversicherung (DRV)

  • Anschlussheilbehandlung (AHB): Die Anschlussheilbehandlung ist eine intensive Nachbehandlung im Anschluss an einen Krankenhausaufenthalt mit oder ohne Operation. Diese Leistung kann bis zu sechs Wochen nach Entlassung aus dem Krankenhaus begonnen werden. Die neurologische Anschlussheilbehandlung umfasst 15 Behandlungstage und wird an fünf Tagen pro Woche (Montag bis Freitag) mit einer täglichen Therapiezeit von vier bis sechs Stunden durchgeführt. Eine Zuzahlung ist für eine ambulante Anschlussheilbehandlung nicht zu leisten.
  • Heilverfahren (HV): Das Heilverfahren richtet sich an Personen, die wegen gesundheitlicher Probleme den Belastungen am Arbeitsplatz oder des Alltags nicht mehr gewachsen sind und wenn eine längere Krankschreibung erfolgt oder droht. Das Rehabilitationsziel besteht darin, den Patienten nach einer akuten oder chronischen Erkrankung für die Belastungen am Arbeitsplatz und des Alltags zu stärken. Ein neurologisches Heilverfahren umfasst 15 Behandlungstage und wird an fünf Tagen pro Woche (Montag bis Freitag) mit einer täglichen Therapiezeit von 4 bis 6 Stunden durchgeführt. Eine Zuzahlung ist für ein ambulantes Heilverfahren nicht zu leisten.

Leistungen der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV)

  • Anschlussrehabilitation (AR): Die Anschlussheilbehandlung ist eine intensive Nachbehandlung im Anschluss an einen Krankenhausaufenthalt mit oder ohne Operation. Diese Leistung kann bis zu sechs Wochen nach Entlassung aus dem Krankenhaus begonnen werden. Der Therapieumfang für die ambulante Anschlussrehabilitation ist von der Genehmigung der Krankenkasse abhängig. Die AR wird an drei bis fünf Tagen, abhängig von der körperlichen Belastbarkeit, und einer Therapiezeit von drei bis sechs Stunden je Behandlungstag durchgeführt. Eine Zuzahlung ist nicht zu leisten. Für eine ambulante Anschlussrehabilitation ist eine Zuzahlung in Höhe von zehn Euro pro Behandlungstag für maximal 28 Tage im Kalenderjahr zu leisten. Die Patienten werden gebeten, zu Beginn der AR Rechnungen über bereits geleistete Zuzahlungen im Krankenhaus oder den Befreiungsausweis der Krankenkasse vorzulegen. Die Zuzahlung muss nur für die Tage geleistet werden, die der Patient tatsächlich im Haus ist.
  • Ambulante Rehabilitation: Die ambulante Rehabilitation richtet sich an Personen, die wegen gesundheitlicher Probleme den Belastungen des Alltags nicht mehr gewachsen sind und wenn eine längere Krankschreibung erfolgt oder droht. Das Rehabilitationsziel besteht darin, die Patienten nach einer neurologischen Erkrankung für den Alltag und die Belastungen am Arbeitsplatz zu stärken. Eine ambulante neurologische Rehabilitation kann flexibel gestaltet und in Ihr gesellschaftliches Leben integriert werden. Für eine ambulante Anschlussrehabilitation ist eine Zuzahlung in Höhe von zehn Euro pro Behandlungstag für längstens 28 Tage im Kalenderjahr zu leisten. Die Patienten werden gebeten, zu Beginn der Reha-Maßnahme ggf. den Befreiungsausweis der Krankenkasse vorzulegen. Die Zuzahlung muss nur für die Tage geleistet werden, die der Patient tatsächlich im Haus ist.

Leistungen der privaten Krankenversicherung (PKV)

Bei neurologischen Erkrankungen kann durch den Arzt eine intensivierte Behandlung in Form einer ambulanten Rehabilitation verordnet werden. Die Kostenübernahme für die ambulante Rehabilitation beantragt entweder das Krankenhaus oder das MEDIAN Ambulante Gesundheitszentrum Leipzig bei der privaten Krankenversicherung. Dafür wird ein ärztliches Aufnahmegespräch vereinbart und bei diesem werden der Therapieplan und der Kostenübernahmeantrag fertiggestellt. Dabei werden individuell den medizinischen Notwendigkeiten entsprechend verschiedene Elemente der ambulanten Rehabilitation unter Mitwirkung des interdisziplinären Reha-Teams (Ärzte, Physio-/Ergo-/Sporttherapeuten, Psychologen, Ernährungsberater u.w.) umgesetzt. Die Privat-Reha wird zwischen drei- und fünfmal wöchentlich mit einer Therapiezeit von vier Stunden durchgeführt. Die Gesamtzahl der notwendigen Therapietage wird durch den persönlichen Heilverlauf und die Notwendigkeit zur komplexen Behandlung bestimmt.

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