Ein bösartiger Hirntumor stellt eine schwerwiegende Erkrankung dar, die sowohl das Gehirn direkt betreffen als auch von anderen Krebsarten im Körper herrühren kann. Dieser Artikel bietet einen umfassenden Überblick über die verschiedenen Aspekte von bösartigen Hirntumoren, einschließlich ihrer Entstehung, Diagnose, Behandlungsmöglichkeiten und Heilungschancen.
Einführung
Hirntumoren können direkt im Gehirngewebe entstehen oder als Metastasen von Tumoren außerhalb des Gehirns auftreten. Die Beschwerden variieren je nach Größe und Lage des Tumors. Die Behandlung umfasst Operation, Bestrahlung, Chemotherapie und zielgerichtete Medikamente. Neue Therapien werden im Rahmen klinischer Studien erprobt.
Arten von Hirntumoren
Es ist wichtig zu beachten, dass nicht jeder Tumor im Gehirn ein Gehirntumor ist. Hypophysen-Adenome werden den Tumoren des Hormonsystems zugeordnet, während Sarkome oder Lymphome des zentralen Nervensystems keine Gehirntumoren darstellen.
Primäre Hirntumoren
Primäre Hirntumoren entstehen direkt im Gehirn und können sich aus verschiedenen Zellen entwickeln, am häufigsten aus Gliazellen. Diese Tumoren werden als Gliome bezeichnet. Zu den verschiedenen Arten von Gliomen gehören Astrozytome, Oligodendrogliome und Ependymome. Das Glioblastom ist ein besonders aggressives Astrozytom. Andere häufige primäre Hirntumoren sind Meningeome, Neurinome/Schwannome und Medulloblastome.
Sekundäre Hirntumoren (Hirnmetastasen)
Sekundäre Hirntumoren, auch Hirnmetastasen genannt, bilden sich aus Krebszellen, die von einem Tumor außerhalb des Gehirns stammen und sich im Gehirn angesiedelt haben. Die Behandlung von Hirnmetastasen orientiert sich an der ursprünglichen Krebsart.
Lesen Sie auch: Ganglion – Ursachen, Symptome und Behandlungsmöglichkeiten.
Häufigkeit von Hirntumoren
Hirntumoren, die direkt im Gehirngewebe entstehen, sind selten, können aber in jedem Lebensalter auftreten. Im Jahr 2020 erkrankten etwa 7.300 Erwachsene an einem bösartigen Hirntumor. Das mittlere Erkrankungsalter liegt bei Frauen bei 66 Jahren und bei Männern bei 63 Jahren. Das Glioblastom ist der häufigste bösartige primäre Hirntumor. Bei Kindern machen Hirntumoren etwa ein Viertel aller Tumorerkrankungen aus, wobei Astrozytome am häufigsten vorkommen. Im Jahr 2020 erhielten ungefähr 2.250 Kinder unter 18 Jahren die Diagnose Krebs. Etwa 1 von 4 Kindern mit Krebs hat einen Hirntumor. Hirntumoren machen also etwa ein Viertel aller Tumorerkrankungen im Kindesalter aus. Am häufigsten erkranken Kinder an Astrozytomen.
Ursachen und Risikofaktoren
Über Risikofaktoren für Hirntumoren ist bisher wenig bekannt. Einige identifizierte Risikofaktoren sind:
- Erbliche Krankheitsbilder: Tumor-Syndrome wie das Lynch- oder Li-Fraumeni-Syndrom, Neurofibromatose oder Tuberöse Sklerose.
- Strahlentherapie: Hirntumoren können viele Jahre nach einer Bestrahlung im Kopf-Hals-Bereich oder des Schädels auftreten.
- Familiäre Vorbelastung: Das Risiko für Verwandte ersten Grades kann leicht erhöht sein, ist aber insgesamt gering.
- Computertomografie (CT) im Kindesalter: Das Risiko kann sich geringfügig erhöhen.
Früherkennung
Es gibt kein gesetzliches Programm zur Früherkennung von Hirntumoren, da sie insgesamt eher selten sind und es keine einfachen, regelmäßig durchführbaren Tests gibt. Eine Ausnahme gilt für Personen mit einem erblichen Tumorsyndrom, bei denen regelmäßige Kontrollen mit bildgebenden Verfahren wie MRT zur Früherkennung beitragen können. Die Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN) empfiehlt Personen, bei denen der Verdacht auf ein erbliches Tumorsyndrom besteht, zunächst eine humangenetische Beratung und gegebenenfalls eine genetische Testung.
Symptome
Die Symptome von Hirntumoren hängen von der Größe, Lage und Wachstumsgeschwindigkeit des Tumors ab. Häufige Symptome sind:
- Kopfschmerzen, besonders nachts und morgens
- Übelkeit und Erbrechen
- Sehstörungen
- Sprachstörungen
- Epileptische Anfälle
- Wesensveränderungen
- Koordinationsstörungen
- Lähmungen
Diagnose
Die Diagnose von Hirntumoren umfasst in der Regel:
Lesen Sie auch: Therapie bei maligner MS
- Neurologische Untersuchung: Prüfung der Muskelreflexe, Muskelkraft, Koordination und Hirnnervenfunktion.
- Bildgebende Verfahren: Magnetresonanztomographie (MRT) und Computertomographie (CT) zur Darstellung des Tumors.
- Biopsie: Entnahme einer Gewebeprobe zurBestimmung des Tumortyps und möglicher Erbgutveränderungen.
Therapie
Die Therapie von Hirntumoren ist komplex und hängt von verschiedenen Faktoren ab, darunter der Tumortyp, die Größe, die Lage, das Alter und der allgemeine Gesundheitszustand des Patienten. Die wichtigsten Therapieoptionen sind:
- Operation: Ziel ist die möglichst vollständige Entfernung des Tumors unter Schonung der neurologischen Funktionen.
- Strahlentherapie: Einsatz von hochenergetischer Strahlung zur Zerstörung von Tumorzellen.
- Chemotherapie: Einsatz von Medikamenten zur Abtötung von Tumorzellen oder zur Hemmung ihres Wachstums.
- Zielgerichtete Therapien: Einsatz von Medikamenten, die spezifisch auf bestimmte Eigenschaften der Tumorzellen abzielen.
- Tumortherapiefelder (TTF): Eine nicht-invasive Behandlung, die elektrische Felder nutzt, um das Wachstum von Tumorzellen zu stören.
- Immuntherapien: Diese Behandlungsformen können im Rahmen kontrollierter Studien eingesetzt werden, mit dem Ziel, die Prognose und damit das Überleben zu verbessern.
Supportive Therapie
Eine supportive Therapie zielt darauf ab, Beschwerden zu lindern, die durch den Tumor selbst oder durch die Behandlung verursacht werden. Dazu können Medikamente gegen Übelkeit, Schmerzen oder Krampfanfälle gehören.
Glioblastom: Eine besondere Herausforderung
Das Glioblastom ist ein besonders aggressiver und bösartiger Hirntumor, der zu den Gliomen gehört. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) ordnet das Glioblastom dem Grad 4 zu, dem höchsten Schweregrad. Eine Heilung ist nach derzeitigem Stand der Medizin nicht möglich.
Symptome des Glioblastoms
Die Symptome eines Glioblastoms nehmen ungewöhnlich rasch zu, da der Tumor innerhalb weniger Wochen entsteht und sehr schnell wächst. Die Beschwerden hängen von der genauen Lokalisation des wuchernden Gewebes ab. Typische Symptome sind:
- Kopfschmerzen, vor allem nachts und in den frühen Morgenstunden
- Übelkeit und Erbrechen
- Sprachstörungen
- Epileptische Anfälle
- Wesensveränderungen
- Erhöhter Hirndruck, der zu Müdigkeit oder Schläfrigkeit führen kann
Diagnose des Glioblastoms
Die Diagnose eines Glioblastoms umfasst in der Regel eine neurologische Untersuchung, bildgebende Verfahren (MRT, CT, PET) und eine Biopsie zurBestätigung der Diagnose und zur Bestimmung der Tumoreigenschaften. Die MGMT-Promotor-Methylierung spielt eine besondere Rolle bei der Einschätzung der Wirksamkeit einer bestimmten Therapie.
Lesen Sie auch: Diagnose und Behandlung von bösartigen Hirntumoren
Behandlung des Glioblastoms
Die Therapie der Wahl bei einem Glioblastom ist eine radikale Operation (Resektion), gefolgt von Bestrahlung und Chemotherapie. Unter Umständen werden auch Tumortherapiefelder (TTF) angewendet. Die genaue Behandlung richtet sich nach der Tumorlokalisation, Größe und Ausdehnung, dem Zustand des Patienten, der Verträglichkeit bisheriger Therapien und dem Patientenwunsch.
Lebenserwartung bei einem Glioblastom
Selbst unter maximaler Therapie ist ein Glioblastom in der Regel nicht heilbar. Personen, die sich einer Operation, Strahlen- und Chemotherapie unterzogen haben, haben eine mittlere Überlebenszeit von ungefähr 15 Monaten beziehungsweise von wenigen Jahren (etwa zwei bis vier) bei einem Glioblastom mit MGMT-Promotor-Methylierung. Etwa fünf bis sieben Prozent der Betroffenen überlebt durchschnittlich fünf Jahre. Ohne Therapie stirbt eine erkrankte Person unter Umständen bereits nach circa zwei Monaten.
Nachsorge und Rehabilitation
Nach Abschluss der Krebstherapie und der medizinischen Rehabilitation sind regelmäßige Nachsorgeuntersuchungen wichtig, um einen Rückfall frühzeitig zu erkennen und zu behandeln, die Tumorkontrolle zu gewährleisten und Beschwerden durch den Tumor oder die Therapie zu erkennen und zu behandeln. Eine Rehabilitation kann stationär oder ambulant sinnvoll sein, um Symptome und Funktionen wie die muskuläre Beweglichkeit oder die Sprache zu verbessern.
Forschung und neue Therapieansätze
Die Forschung im Bereich der Hirntumoren schreitet stetig voran. Neue Therapieansätze wie Immuntherapien, zielgerichtete Therapien und innovative chirurgische Verfahren werden kontinuierlich entwickelt und in klinischen Studien erprobt. Ziel ist es, die Überlebenszeit und die Lebensqualität von Patienten mit bösartigen Hirntumoren zu verbessern.
Leben mit einem Hirntumor
Die Diagnose eines Hirntumors ist für die Betroffenen und ihre Familien eine große Belastung. Psychoonkologische Unterstützung kann helfen, mit den Ängsten, Sorgen und Belastungen umzugehen. Wichtig ist ein offener Umgang mit der Krankheit und dieInanspruchnahme vonHilfsangeboten.
tags: #bosartiger #hirntumor #geheilt