Bosartiger Hirntumor: Definition, Klassifikation, Diagnose und Behandlung

Hirntumoren sind äußerst vielfältig und erfordern daher unterschiedliche Therapieansätze. Selbst nach erfolgreicher Behandlung können Spätfolgen auftreten, was eine individuelle Rehabilitation und Nachsorge unerlässlich macht.

Was sind Hirntumoren?

Der Begriff "Hirntumoren" umfasst nicht nur Tumoren im Gehirn selbst, sondern alle Zellwucherungen des zentralen Nervensystems (ZNS). Zum ZNS gehören:

  • Das Gehirn und seine Häute
  • Das Rückenmark und seine Häute
  • Die Hirnnerven, die aus dem Gehirn stammen, aber in andere Körperregionen ziehen

Am häufigsten entstehen Hirntumoren jedoch im Gehirn und seinen Häuten (Gehirntumoren).

Gutartige und bösartige Hirntumoren

Wie bei anderen Tumoren unterscheidet man bei Hirntumoren gutartige („benigne“) von bösartigen („malignen“) Wucherungen. Ein bösartiger Tumor wird als Krebs bezeichnet. Bösartige Tumoren wachsen schneller als gutartige und können metastasieren, d.h. Teile des Krebses können sich vom Ursprungstumor trennen und an anderer Stelle Tochtertumoren, sogenannte Metastasen, bilden. Wenn ein solcher Krebs metastasiert, können sich Metastasen im Gehirn bilden. Man spricht in diesen Fällen von Hirnmetastasen oder sekundären Hirntumoren.

Klassifikation von Hirntumoren

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) klassifiziert Hirntumoren nach ihrer Gut- oder Bösartigkeit in vier Grade:

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  • WHO-Grad I: gutartiger Hirntumor mit langsamem Wachstum
  • WHO-Grad II: teilweise gutartiger Hirntumor
  • WHO-Grad III: bösartiger Hirntumor
  • WHO-Grad IV: sehr bösartiger Hirntumor mit schnellem Wachstum

Gemäß dieser WHO-Klassifikation wird jedem Tumor zusätzlich zur Artdiagnose ein WHO-"Grad" zugeordnet. Der WHO-Grad I entspricht einem gutartigen, langsam wachsenden Tumor mit günstiger Prognose und guter Heilungschance durch eine operative Tumorentfernung. Die WHO-Gradierung spielt nicht nur zur Beurteilung der individuellen Prognose eine wichtige Rolle, sondern dient auch als Richtschnur für die weitere Behandlung. Während Tumoren der WHO-Grade I und II oft durch eine alleinige Operation behandelt werden, erfolgt bei Tumoren der WHO-Grade III und IV nach der Operation eine zusätzliche Bestrahlung oder Chemotherapie. Das Ansprechen auf diese zusätzliche Therapie kann dabei von Tumor zu Tumor sehr unterschiedlich sein.

Primäre und sekundäre Tumoren

Man unterscheidet primäre und sekundäre Tumoren im zentralen Nervensystem.

Primäre Hirntumoren

Primäre Hirntumoren entstehen aus Zellen des ZNS. Je nachdem, aus welchen der Zellen der Tumor entsteht und welche Eigenschaften er hat, unterscheiden Ärzt*innen beispielsweise:

  • Gliome
  • Meningeome
  • Medulloblastome
  • Neurinome

Gliome

Etwa die Hälfte der primären Gehirntumoren gehören zu den Gliomen. Unter den Gliomen gibt es gutartige und bösartige Tumoren. Entsprechend den verschiedenen glialen Zelltypen im zentralen Nervensystem lassen sich mehrere Untergruppen von Gliomen unterscheiden. Am häufigsten sind die Astrozytome, unter denen sich mit dem Glioblastom der häufigste und zugleich bösartigste primäre Gehirntumor befindet. Weitere Gliomarten sind Oligodendrogliome, Mischgliome (Oligoastrozytome) und Ependymome. Gliome sind eine Gruppe verschiedener Hirntumoren, die aus entarteten Gliazellen entstehen können. Gesunde Gliazellen unterstützen normalerweise die Nervenzellen (Neuronen) im Gehirn.

Ein Glioblastom ist ein bösartiger Hirntumor und ist unter diesen die häufigste Form. Ein Astrozytom Grad 4 ist ebenfalls ein bösartiger Hirntumor, der noch deutlich seltener als ein Glioblastom vorkommt.

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Als Inselgliome werden Gliome bezeichnet, die schwer zu operieren sind, weil sie sich in lebenswichtigen Hirnregionen befinden. Sie können verschiedene WHO-Grade haben.

Meningeome

Meningeome sind meist gutartige Tumoren mit WHO Grad I, die aus den Hirnhäuten stammen, die das Gehirn umgeben. Bei einer bestimmten Lage oder einer größeren Ausbreitung kann es schwierig sein, sie zu behandeln. Die bösartigen Formen des Meningeoms, das atypische Meningeom (WHO-Grad II) und das anaplastische Meningeom (WHO-Grad III), kommen selten vor.

Medulloblastome

Medulloblastome (WHO-Grad IV) sind die häufigsten bösartigen Tumoren bei Kindern, aber insgesamt sehr selten. Nur etwa 5 von 1 Million Kinder erkranken daran pro Jahr. Etwa die Hälfte kann durch eine intensive Behandlung geheilt werden. Der wichtigste bösartige Gehirntumor des Kindesalters ist das Medulloblastom des Kleinhirns.

Neurinome

Neurinome sind gutartig (WHO-Grad I). Im Gehirn handelt es sich in der Regel um ein Akustikusneurinom, das an Hör- und Gleichgewichtsnerven entsteht und zu Hör- und Gleichgewichtsstörungen führen kann. Die häufigsten Tumoren der Hirnnerven und Rückenmarkswurzeln werden als Neurinome oder Schwannome bezeichnet. Sie gehen von den Schwann-Zellen des peripheren Nervensystems aus.

Sekundäre Hirntumoren

Häufig entstehen Tumoren im Gehirn infolge von Krebs in anderen Körperregionen, z. B. den Lungen, der Brust oder der Haut. Wenn ein solcher Krebs metastasiert, können sich Metastasen im Gehirn bilden. Man spricht in diesen Fällen von Hirnmetastasen oder sekundären Hirntumoren. Ein sekundärer Gehirntumor, also eine Hirnmetastase, ist immer bösartig, weil Metastasen von bösartigen Krebserkrankungen abstammen.

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Wie häufig treten Hirntumoren auf?

Im Vergleich zu anderen Tumorkrankheiten kommen primäre Hirntumoren selten vor. Sie machen insgesamt nur ungefähr zwei Prozent aller Krebserkrankungen aus. Für die Bundesrepublik Deutschland wird geschätzt, dass jedes Jahr etwa 7.040 Menschen neu an einem Tumor des Gehirns oder Rückenmarks erkranken. Es wird geschätzt, dass rund 7.000 Menschen in Deutschland jährlich die Diagnose „primärer Hirntumor“ erhalten. Gehirntumoren kommen dabei sehr viel häufiger vor als Tumoren im Rückenmark.

Männer sind insgesamt etwas häufiger betroffen als Frauen. Es gibt jedoch bestimmte Tumoren, wie z.B. die von den Hirnhäuten ausgehenden Meningeome, die bei Frauen deutlich öfter vorkommen. Prinzipiell können Gehirn- und Rückenmarkstumoren in jedem Lebensalter auftreten. Am häufigsten sind Menschen zwischen dem 50. und 70. Lebensjahr betroffen. Ein zweiter, wesentlich kleinerer Häufigkeitsgipfel findet sich im Kindesalter.

Bemerkenswert ist dabei, dass unter den verschiedenen Krebserkrankungen im Kindesalter die Tumoren des Gehirns nach dem Blutkrebs (Leukämie) an zweiter Stelle der Häufigkeitsstatistik stehen. Unter den verschiedenen Arten von Gehirntumoren finden sich im Kindesalter vor allem gutartige Gliome und bösartige Medulloblastome, während beim älteren Menschen bösartige Gliome und gutartige Meningeome dominieren.

Ursachen und Risikofaktoren für Hirntumoren

Ein Tumor kann entstehen, wenn sich das Erbgut in einer Zelle verändert: Die Zelle mutiert. Die Mutation bewirkt, dass diese Zelle zur Tumorzelle wird. Tumorzellen sind darauf programmiert, sich unbegrenzt zu vermehren. Dieses Vermehrungsprogramm gibt die Tumorzelle an alle Nachkommen weiter, die dadurch auch zu Tumorzellen werden. Daher wachsen Tumoren immer weiter. Je nach Tumorart schneller oder langsamer.

Bei vielen Tumoren kennt man die Ursachen und Risikofaktoren. Am besten bekannt ist das Rauchen als Ursache für Lungenkrebs. Bei Hirntumoren sind diese Ursachen unbekannt. Trotz intensiver Forschungsanstrengungen sind die Ursachen für die Entstehung von primären Tumoren des Nervensystems nach wie vor weitgehend unbekannt. Bei den meisten Patienten treten diese Tumoren auf, ohne dass sich auslösende Faktoren finden lassen. Der Arzt spricht in diesem Fall von sporadischen Tumoren und unterscheidet diese von den erblichen Tumoren. Unter den Patienten mit einem primären Gehirn- oder Rückenmarktumor liegt allerdings nur zu einem geringen Prozentsatz ein Erbleiden vor, das die Entstehung von Tumoren im Nervensystem fördert.

Als Risikofaktoren gelten familiäre Veranlagung, bestimmte Erbkrankheiten (Tumor-Syndrome) und eine Strahlentherapie im Kopfbereich. Lediglich die direkte radioaktive Bestrahlung des Nervensystems, wie sie gelegentlich zur Behandlung anderer lebensbedrohender Erkrankungen, z.B. der akuten Leukämie, notwendig ist, geht mit einem leicht erhöhten Risiko für Tumoren des Gehirns und der Hirnhäute einher. Radioaktive Bestrahlung ist nur bei einem Bruchteil der Patienten mit zentralnervösen Tumoren als auslösender Faktor von Bedeutung.

Lebens- und Ernährungsgewohnheiten, die für das Auftreten von anderen Krebserkrankungen von großer Bedeutung sind, wie z.B. Rauchen oder übermäßiger Alkoholkonsum, spielen für die Entwicklung von primären Tumoren des Gehirns und Rückenmarks keine Rolle. Ebenso wenig gibt es überzeugende Beweise dafür, dass Stress oder ungewöhnliche seelische Belastungen diese Tumoren auslösen. Für die in jüngerer Zeit aufgeworfene Vermutung, dass bestimmte Umwelteinflüsse, wie z.B. eine verstärkte Belastung des Gehirns mit elektromagnetischen Feldern im Bereich von Hochspannungsleitungen oder die übermäßige Nutzung von Mobiltelefonen, zu einer Zunahme von Gehirntumoren führt, gibt es bislang ebenfalls keine Belege.

Verlauf und Prognose von Hirntumoren

Wie sich ein Hirntumor entwickelt und die Krankheit verläuft, ist individuell unterschiedlich. Je nach Sitz, Größe und den besonderen Eigenschaften des Tumors kommt es zu neurologischen Ausfällen und Symptomen, eventuell auch zu Durchblutungsstörungen oder Entzündungen. Falls der Tumor weiterwächst, nehmen die Häufigkeit und die Schwere der Symptome zu.

Bei gutartigen Hirntumoren, die sich operativ oder durch Strahlentherapie komplett entfernen lassen und die noch keine bleibenden Schäden verursacht haben, ist die Prognose für eine vollständige Heilung gut. Auch wenn ein Tumor sehr gut auf eine Chemotherapie, zielgerichtete Therapien oder Immuntherapien anspricht, verbessert das die Prognose deutlich. Bei einem fortgeschrittenen, bösartigen Gehirntumor, der nicht mehr auf die möglichen Therapien anspricht, steht die Prognose schlecht. Dazwischen gibt es eine große Bandbreite verschiedener Möglichkeiten.

Die Prognose hängt unter anderem von diesen Faktoren ab:

  • Tumorart (gutartig/bösartig)
  • Tumorgrad
  • Ansprache auf die Therapie
  • Folgeschäden

Je höher der Tumorgrad, desto schlechter ist die Prognose.

Symptome bei einem Gehirntumor

Die Symptome von Hirntumoren sind individuell unterschiedlich und vielfältig:

  • Kopfschmerzen
  • Übelkeit
  • Erbrechen
  • Sehstörungen
  • Lähmungserscheinungen
  • Taubheitsgefühle
  • Epileptische Anfälle
  • Sprachstörungen
  • Schluckstörungen
  • Schwindel
  • Schwerhörigkeit
  • Hormonstörungen
  • Konzentrationsstörungen
  • Vergesslichkeit
  • Depression
  • Persönlichkeitsveränderungen

Besonderheiten einiger Symptome bei einem Hirntumor

Die obengenannten Symptome können bei vielen Krankheiten des zentralen Nervensystems auftreten. Bei einem Hirntumor können einige von ihnen folgende Besonderheiten aufweisen:

  • neu auftretende Kopfschmerzen werden im Laufe der Zeit immer heftiger und treten vor allem nachts oder in den frühen Morgenstunden auf, nehmen beim Liegen zu und können tagsüber besser werden. Übliche Schmerzmittel helfen immer weniger.
  • neu auftretende epileptische Anfälle
  • zu Übelkeit und Erbrechen kommt es häufig am frühen Morgen auf leeren Magen und ohne Magen-Darm-Erkrankung
  • eine neu auftretende Ungeschicklichkeit ohne bekannte Ursache

Diagnostik beim Verdacht auf einen Hirntumor

Bei den oben beschriebenen Symptomen besteht der Verdacht auf eine neurologische Erkrankung. Eine Diagnose kann nur mithilfe medizinischer (neurologischer und onkologischer) Untersuchungen in speziellen Abteilungen von Kliniken gestellt werden. Spätestens bei dem Nachweis einer Lähmung oder ungewöhnlicher psychischer Veränderungen ist eine Schnittbildgebung des Gehirns erforderlich.

Wenn eine Erkrankung des Gehirns vermutet wird, können mithilfe der Computertomographie (CT) und der Kernspin- oder Magnetresonanztomographie (MRT) Schnittbilder des Gehirns angefertigt werden. Mit der CT kann man Tumoren, Verkalkungen und Blutungen gut erkennen. Da die MRT Weichgewebe genauer darstellt als die CT, wird sie bei der Diagnostik von Hirntumoren bevorzugt. Die bildgebenden Untersuchungen können einen Tumor im Gehirn sehr genau darstellen, ermöglichen aber keine ausreichend zuverlässige Diagnose.

Falls erforderlich werden auch ein Elektroenzephalogramm (EEG) und die Untersuchung des Nervenwassers (Liquor) durchgeführt. Das EEG kann Aufschluss darüber geben, ob das Risiko von Anfällen besteht. Mithilfe einer Liquor-Untersuchung wird geprüft, ob sich entzündliche Prozesse im Gehirn abspielen.

Gewebeuntersuchung: onkologische und pathohistologische Untersuchung

Die pathohistologische Untersuchung des verdächtigen Gewebes ist notwendig, um die Diagnose Hirntumor sicher zu bestätigen. Sie ist auch nötig, um die Art des Tumors und den Tumorgrad festzustellen. Dieses Wissen ist unbedingt erforderlich, um die bestmögliche Therapie für dendie Patientin auszuwählen. Die nötigen Gewebeproben werden mittels Biopsie oder im Rahmen einer Operation in einer entsprechenden Klinik gewonnen.

Behandlung von Hirntumoren

Meistens werden Hirntumoren durch Operationen, Strahlentherapie und Chemotherapie behandelt. Seit einigen Jahren werden auch zielgerichtete Therapien und Immuntherapien eingesetzt. Sie zielen auf spezielle Eigenschaften des jeweiligen Tumors ab. Häufig werden verschiedene Therapien kombiniert. Die Behandlung eines Gehirntumors, kann erhebliche Nebenwirkungen haben, insbesondere bei einer Chemotherapie.

Behandelt werden die Patient*innen in onkologischen, neurologischen und neurochirurgischen Abteilungen und Kliniken. Es erfolgt immer eine für die Patientin oder den Patienten individuell passende Behandlung. Jeder einzelne Fall wird in den Kliniken in der interdisziplinären Tumorkonferenz thematisiert - von Experten der Neurologie, der Neurochirurgie, der Radiologie, der Onkologie und der Pathologie.

Die Therapie eines Hirntumors richtet sich danach, aus welchen Ursprungszellen der Tumor entstanden ist (Tumorart), welche genetischen Eigenschaften er hat (zielgerichtete Therapien), wo er im Gehirn sitzt, wie groß er ist und wie seine Prognose ist, welches Alter, welchen Allgemeinzustand und welche Begleiterkrankungen derdie Patientenin hat. Hirnmetastasen müssen mit Medikamenten behandelt werden, die gegen den Ursprungskrebs und im Gehirn wirken.

Kurative und palliative Therapien

Wenn es möglich ist, wird ein Hirntumor per Operation oder Strahlentherapie vollständig entfernt. Die vollständige und dauerhafte Entfernung entspricht einer Heilung des Tumors. Behandlungen, die eine Heilung zum Ziel haben, nennt man kurative Therapien. Palliative Therapien werden eingesetzt, wenn eine Heilung nicht möglich erscheint. Sie haben das Ziel, die Beschwerden zu lindern, das Krebswachstum aufzuhalten und die Lebenserwartung der Patientinnen zu verlängern. Wenn die Patientinnen zuhause nicht versorgt werden können, werden sie in Palliativstationen spezialisierter Kliniken betreut.

Rehabilitation bei Hirntumoren

In der Reha nach der Akuttherapie des Hirntumors werden die Folgen der Tumorerkrankung und der Tumortherapie und - falls der Tumor nicht vollständig entfernt werden konnte - auch der Hirntumor in Kliniken für Rehabilitation behandelt. Patientinnen, die einen Hirntumor hatten oder haben, leiden häufig unter neurologischen Ausfallerscheinungen (bspw. Lähmungen, Sprach- und Sprechstörungen, Beeinträchtigungen von Gedächtnis, Aufmerksamkeit, Konzentration und Orientierung). Daher sollten die Patientinnen während der Rehabilitation nicht nur onkologisch sondern unbedingt auch neurologisch behandelt werden.

Aufgrund der großen Vielfalt der Krankheitsbilder und den unterschiedlichen Verläufen bei einem Hirntumor, muss bei jedemr Patientenin die Nachsorge individuell geplant werden. Grundsätzlich unterscheidet man auch bei der Reha kurative und palliative Therapien:

  • Die kurative Behandlung soll Sie dabei unterstützen, sich wieder in Ihren privaten und beruflichen Alltag einzufinden die Folgen der Tumortherapie behandeln Ihre Lebensqualität verbessern Ihre Selbstständigkeit wiederherstellen
  • Ziele einer palliativen Behandlung: das Fortschreiten der Erkrankung eindämmen Ihre Beschwerden lindern Ihre Lebensqualität verbessern die häusliche Versorgung klären

Diagnostik in der Reha

Mögliche Diagnosemaßnahmen sind:

  • medizinische Untersuchung
  • neurologische Untersuchung (Muskelkraft, Ausdauer, Muskelreflexe)
  • psychiatrische Untersuchung (formales und inhaltliches Denken, Stimmung, Antrieb, Anpassungsvorgänge, Orientierung)
  • neuropsychologische Diagnostik (kognitive Basisfunktionen, Sehstörungen, Orientierungsstörungen)
  • logopädische Diagnostik (Sprach- und Sprechstörungen, Schluckstörungen)
  • Computertomografie
  • Magnetresonanztomografie
  • Elektroenzephalografie
  • Nervenwasseruntersuchung

Therapien in der Reha

An einer onkologischen und neurologischen Rehabilitation sind neben Ärztinnen auch viele andere Fachkräfte, wie Pflegerinnen, Physiotherapeutinnen, Ergotherapeutinnen, Logopädinnen, Psychologinnen und Sozialarbeiterinnen beteiligt. Da die Beschwerden und Funktionsstörungen durch einen Hirntumor oder die Tumortherapie von Patientin zu Patient*in sehr unterschiedlich sind, wird für Sie ein individueller Therapieplan erarbeitet.

Dieser kann je nach Fall folgende Behandlungen und Maßnahmen beinhalten:

  • Ärztliche Therapie: Die Ärztliche Therapie umfasst die Behandlung von Schmerzen, Beschwerden und Begleitkrankheiten während Ihres Aufenthalts in der Reha-Klinik. Wenn Sie eine Chemotherapie bekommen, kann diese fortgeführt werden.
  • Physiotherapie: Die Physiotherapie soll ihre Mobilität und Bewegungsfähigkeit verbessern und Sie dabei unterstützen, Einschränkungen der Bewegungsfähigkeit auszugleichen.
  • Ergotherapie: In der Ergotherapie trainieren Sie Alltagsfähigkeiten und lernen den Umgang mit Hilfsmitteln. Die Ergotherapie bereitet Sie praxisnah auf Ihren Alltag vor und unterstützt Sie dabei, wieder (mehr) Selbstständigkeit und Handlungsspielraum zu erlangen.
  • Physikalische Therapie: In der physikalischen Therapie werden Körperfunktionen angeregt, die durch Schäden im Nervensystem infolge des Hirntumors gestört wurden.
  • Sporttherapie: Die Sporttherapie während einer Rehabilitation wird an Ihre persönlichen körperlichen Möglichkeiten und Fähigkeiten angepasst. Sie dient Ihrer geistigen und körperlichen Erholung. Zusätzlich fördert die Sporttherapie Ihre Ausdauer, Ihre Kraft und Ihre Beweglichkeit.

Das Glioblastom - Ein aggressiver Hirntumor im Fokus

Das Glioblastom (GBM), früher als "Glioblastoma multiforme" bekannt, ist der häufigste aggressive primäre Hirntumor bei Erwachsenen. Es wird von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) als Grad IV eingestuft, was den höchsten Malignitätsgrad für Gliome darstellt. Das Erkrankungsalter liegt meist zwischen 55 und 65 Jahren, wobei Männer etwas häufiger betroffen sind als Frauen.

Ursachen und Risikofaktoren

Die genauen Ursachen oder Risikofaktoren für die Entstehung eines Glioblastoms sind noch nicht ausreichend erforscht. Zu den bekannten Risikofaktoren gehören:

  • Alter: Mit zunehmendem Alter steigt das Risiko, an einem Hirntumor zu erkranken.
  • Strahlenexposition: Menschen, die ionisierender Strahlung ausgesetzt waren, haben ein erhöhtes Risiko für einen Hirntumor.

Symptome

Je nachdem, an welcher Stelle sich der Tumor im Gehirn befindet, können Glioblastome durch unterschiedliche neurologische Beschwerden auffällig werden. Die Symptome können im weiteren Verlauf variieren. Da diese Hirntumoren schnell wachsen, verursacht der Druck auf das Gehirn meist die ersten Symptome:

  • Kopfschmerzen
  • Epileptische Anfälle
  • Lähmungen
  • Übelkeit und Erbrechen
  • Gedächtnisstörungen
  • Gefühlsstörungen
  • Sehstörungen
  • Sprachstörungen
  • Veränderungen der Persönlichkeit

Diagnose

Die Diagnosestellung des Gehirntumors erfolgt zunächst durch eine gründliche Befragung nach ersten Anzeichen und Symptomen. Durch bildgebende Verfahren wird die Lage und Größe des Hirntumors bestimmt. Zu den Tests und Verfahren, die zur Diagnose eines Glioblastoms eingesetzt werden, gehören:

  • Neurologische Untersuchung: Sehvermögen, Gehör, Gleichgewicht, Koordination und Reflexe der Patient:innen werden überprüft.
  • Bildgebende Verfahren: Magnetresonanztomographie (MRT) (dieses Verfahren wird standardmäßig zur Diagnose von Hirntumoren eingesetzt), Computertomographie (CT) und Positronen-Emissions-Tomographie (PET).
  • Biopsie: Die Entnahme einer Gewebeprobe erfolgt in der Regel vor der Operation oder während der Resektion eines Glioblastoms. Die Probe des verdächtigen Gewebes wird im Labor mikroskopisch und molekularpathologisch untersucht, um die Art der Zellen, den WHO-Grad sowie wichtige genetische Marker (z. B. IDH-Status, MGMT-Promotor-Methylierung) zu bestimmen.

Behandlung

Die Behandlung eines Glioblastoms erfordert einen multidisziplinären Ansatz. Die derzeitige Standardtherapie umfasst eine maximal sichere chirurgische Entfernung des Tumors, gefolgt von einer kombinierten Therapie nach dem Stupp-Schema, bestehend aus Bestrahlung und einer begleitenden Chemotherapie mit einem oralen alkylierenden Zytostatikum (Temozolomid). Der MGMT-Promotor-Methylierungsstatus beeinflusst dabei die Wirksamkeit der Chemotherapie.

Weitere Behandlungsmethoden sind:

  • Operation: Die wichtigste Methode in der Therapie von Glioblastomen ist die Operation.
  • Strahlentherapie: Sobald die Operationswunde verheilt ist, folgt die Strahlentherapie.
  • Chemotherapie: Patient:innen erhalten während der Bestrahlung Temozolomid, gefolgt von sechs Erhaltungszyklen.
  • Tumor Treating Fields (TTF): TTF sind elektrische Felder, die die Zellteilung der Tumorzellen stören.
  • Therapie des Rezidivs: Beim Wiederauftreten des Glioblastoms kommen weitere Chemotherapien, erneute Resektion oder Studienprotokolle infrage.
  • Palliativmedizin und supportive Therapie: Hierbei geht es um die Linderung von Beschwerden wie Schmerzen, neurologischen Ausfällen oder Hirndrucksymptomen.

Prognose

In der überwiegenden Mehrheit der Fälle sind Glioblastome durch eine Therapie nicht heilbar. Auch niedriggradige Gliome wie IDH-mutierte Astrozytome entwickeln sich häufig zu hochgradigen Gliomen und führen langfristig fast immer zum Tod der Betroffenen, da sich der Tumorprozess meist diffus ausbreitet und nicht vollständig entfernt werden kann. Die Inzidenz von Glioblastomen liegt bei ca. 3-5 pro 100.000 pro Jahr. Mit einem Anteil von etwa 16% an allen primären Hirntumoren ist es die häufigste bösartige Hirntumorform bei Erwachsenen.

Leben mit einem Glioblastom

Eine Rehabilitation kann stationär oder ambulant sinnvoll sein, insbesondere wenn es darum geht, Symptome und Funktionen wie die muskuläre Beweglichkeit oder die Sprache zu verbessern. Erfahrungsgemäß ist es jedoch bei Hirntumorpatienten besonders wichtig, die familiäre und psychische Situation zu bedenken und diejenigen, die gern in ihrer häuslichen und familiären Umgebung sein möchten, nicht um jeden Preis in eine stationäre Rehabilitation ohne ihr Einverständnis zu zwingen.

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