Bösartiger Hirntumor: Behandlungsoptionen ohne Operation

Ein bösartiger Hirntumor stellt eine ernste Diagnose dar, die viele Fragen und Sorgen aufwirft. Glücklicherweise gibt es verschiedene Behandlungsansätze, die auch ohne Operation zum Einsatz kommen können. Dieser Artikel bietet einen umfassenden Überblick über Hirntumoren, ihre Diagnose und die verfügbaren Therapieoptionen, insbesondere solche, die ohne Operation auskommen.

Was sind Hirntumoren?

Hirntumoren sind Wucherungen von Zellen im Gehirn. Es ist wichtig zu verstehen, dass nicht jeder Tumor im Gehirn ein Gehirntumor im eigentlichen Sinne ist. Fachleute unterscheiden zwischen:

  • Primären Hirntumoren: Diese entstehen direkt im Gehirngewebe. Sie können sich aus verschiedenen Zelltypen entwickeln, am häufigsten aus den Gliazellen (Stützzellen). Tumoren, die aus Gliazellen entstehen, werden als Gliome bezeichnet.
  • Sekundären Hirntumoren (Hirnmetastasen): Diese entstehen, wenn sich Krebszellen von einem Tumor außerhalb des Gehirns lösen und sich im Gehirn ansiedeln.

Hypophysen-Adenome werden den endokrinen Tumoren zugeordnet. Auch Sarkome oder Lymphome können im zentralen Nervensystem auftreten, sind aber keine primären Hirntumoren.

Häufige Arten von Hirntumoren

Zu den häufigsten Arten von primären Hirntumoren gehören:

  • Gliome: Diese Tumoren entstehen aus Gliazellen. Es gibt verschiedene Arten von Gliomen, darunter Astrozytome, Oligodendrogliome und Ependymome. Das Glioblastom ist eine besonders aggressive Form des Astrozytoms.
  • Meningeome: Diese Tumoren entstehen aus den Zellen der Hirnhaut.
  • Neurinome/Schwannome: Diese Tumoren entstehen aus den Zellen, die die Hirnnerven umhüllen.
  • Medulloblastome: Diese Tumoren entstehen aus unreifen Zellen im Kleinhirn und treten vor allem bei Kindern auf.

Wie häufig sind Hirntumoren?

Hirntumoren, die direkt im Gehirngewebe entstehen, sind relativ selten. Im Jahr 2020 erkrankten in Deutschland etwa 7.300 Erwachsene an einem bösartigen Hirntumor. Das Glioblastom ist der häufigste bösartige primäre Hirntumor bei Erwachsenen. Bei Kindern machen Hirntumoren etwa ein Viertel aller Krebserkrankungen aus.

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Ursachen und Risikofaktoren

Die Ursachen von Hirntumoren sind bisher nicht vollständig geklärt. Einige Risikofaktoren, die mit einem erhöhten Risiko für Hirntumoren in Verbindung gebracht werden, sind:

  • Erbliche Krankheitsbilder: Bestimmte Tumor-Syndrome wie das Lynch- oder Li-Fraumeni-Syndrom, Neurofibromatose oder Tuberöse Sklerose können das Risiko erhöhen.
  • Strahlentherapie: Eine Strahlentherapie im Kopf-Hals-Bereich oder des Schädels, insbesondere in der Kindheit oder Jugend, kann das Risiko für Hirntumoren erhöhen.
  • Familiäre Vorbelastung: Wenn близкие родственники an einem Hirntumor erkrankt sind, ist das Risiko ebenfalls leicht erhöht.
  • Computertomografie (CT) im Kindesalter: Solche Untersuchungen können das Risiko geringfügig erhöhen.

Es gibt kein allgemeines Früherkennungsprogramm für Hirntumoren, da sie insgesamt selten sind und es keine einfachen, regelmäßig durchführbaren Tests gibt. Bei Personen mit einem erblichen Tumorsyndrom können jedoch regelmäßige Kontrollen mit bildgebenden Verfahren sinnvoll sein.

Symptome von Hirntumoren

Die Symptome eines Hirntumors hängen von der Größe, Lage und Wachstumsgeschwindigkeit des Tumors ab. Einige häufige Symptome sind:

  • Kopfschmerzen, besonders morgens
  • Übelkeit und Erbrechen
  • Sehstörungen
  • Sprachstörungen
  • Gleichgewichtsstörungen
  • Gedächtnisstörungen
  • Persönlichkeitsveränderungen
  • Epileptische Anfälle
  • Lähmungen oder Schwäche in Armen oder Beinen

Diagnose von Hirntumoren

Wenn aufgrund von Symptomen der Verdacht auf einen Hirntumor besteht, wird der Arzt verschiedene Untersuchungen durchführen, um die Diagnose zu sichern. Dazu gehören:

  • Neurologische Untersuchung: Hierbei werden unter anderem Sehvermögen, Gehör, Gleichgewicht, Koordination und Reflexe überprüft.
  • Bildgebende Verfahren: Magnetresonanztomographie (MRT) ist das Standardverfahren zur Diagnose von Hirntumoren. Auch Computertomographie (CT) und Positronen-Emissions-Tomographie (PET) können eingesetzt werden.
  • Biopsie: Um den genauen Tumortyp zu bestimmen, wird in der Regel eine Gewebeprobe (Biopsie) entnommen und unter dem Mikroskop untersucht.

Behandlungsoptionen ohne Operation

Die Behandlung eines bösartigen Hirntumors zielt darauf ab, das Wachstum des Tumors zu kontrollieren, Symptome zu lindern und die Lebensqualität des Patienten zu verbessern. Während die Operation oft ein wichtiger Bestandteil der Behandlung ist, gibt es auch verschiedene Optionen, die ohne Operation eingesetzt werden können:

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Strahlentherapie

Die Strahlentherapie nutzt hochenergetische Strahlen, um Tumorzellen abzutöten oder ihr Wachstum zu verlangsamen. Sie kann als primäre Behandlung eingesetzt werden, wenn eine Operation nicht möglich ist, oder nach einer Operation, um verbleibende Tumorzellen zu zerstören. Es gibt verschiedene Arten der Strahlentherapie, darunter:

  • Externe Strahlentherapie: Die Strahlung wird von einer Maschine außerhalb des Körpers auf den Tumor gerichtet.
  • Stereotaktische Strahlentherapie: Diese präzisere Form der Strahlentherapie ermöglicht es, hohe Strahlendosen auf kleine Bereiche des Gehirns zu konzentrieren, wodurch das umliegende gesunde Gewebe geschont wird.
  • Brachytherapie (interstitielle Strahlentherapie): Hierbei werden kleine, radioaktive "Seeds" direkt in den Tumor implantiert, die diesen langsam von innen heraus bestrahlen.

ZAP-X: Das ZAP-X ist ein Hightech-Bestrahlungsgerät, das eine besonders präzise und schonende Strahlentherapie ermöglicht. Es wird in einigen Kliniken eingesetzt, um Hirntumoren und Metastasen zu behandeln, ohne dass eine Operation am geöffneten Schädel erforderlich ist.

Chemotherapie

Die Chemotherapie verwendet Medikamente, um Krebszellen im ganzen Körper abzutöten. Sie kann in Tablettenform eingenommen oder als Infusion verabreicht werden. Die Chemotherapie wird oft in Kombination mit der Strahlentherapie eingesetzt, um deren Wirkung zu verstärken.

  • Temozolomid: Dies ist ein häufig verwendetes Chemotherapeutikum zur Behandlung von Glioblastomen. Der MGMT-Promotor-Methylierungsstatus des Tumors kann beeinflussen, wie gut Temozolomid wirkt.
  • Neuere, gut verträgliche Substanzen stehen zur Chemotherapie von Gehirntumoren zur Verfügung, für die eine Wirksamkeit bei verschiedenen Tumoren des Gehirns gezeigt werden konnte.

Tumor Treating Fields (TTF)

TTF sind elektrische Felder, die die Zellteilung der Tumorzellen stören. Über Klebepads auf der Kopfhaut wird ein elektrisches Feld erzeugt. TTF werden meist mit Chemotherapie kombiniert und können nach der Strahlentherapie angewendet werden.

Zielgerichtete Therapien

Zielgerichtete Therapien wirken auf spezifische Moleküle oder Signalwege in den Krebszellen, um deren Wachstum und Ausbreitung zu blockieren. Diese Therapien sind oft weniger schädlich für gesunde Zellen als herkömmliche Chemotherapien.

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Supportive Therapie

Die supportive Therapie zielt darauf ab, die Symptome und Nebenwirkungen der Behandlung zu lindern und die Lebensqualität des Patienten zu verbessern. Dazu gehören:

  • Schmerzmittel: Zur Linderung von Kopfschmerzen und anderen Schmerzen.
  • Antiemetika: Zur Vorbeugung und Behandlung von Übelkeit und Erbrechen.
  • Kortikosteroide: Zur Reduzierung von Hirnödemen (Schwellungen im Gehirn).
  • Antiepileptika: Zur Vorbeugung und Behandlung von epileptischen Anfällen.
  • Palliativmedizin: Palliativmediziner begleiten Patient:innen, Angehörige und das Behandlungsteam, um die Lebensqualität zu erhalten und die Behandlung bestmöglich zu unterstützen.

Teilnahme an klinischen Studien

Die Teilnahme an klinischen Studien kann Patienten Zugang zu neuen und vielversprechenden Behandlungen ermöglichen, die noch nicht allgemein verfügbar sind.

Glioblastom: Eine besondere Herausforderung

Das Glioblastom ist der häufigste und aggressivste primäre Hirntumor bei Erwachsenen. Die Behandlung eines Glioblastoms ist eine besondere Herausforderung, da der Tumor oft schwer zu entfernen ist und schnell wieder nachwachsen kann. Die Standardbehandlung umfasst eine Operation zur Entfernung des Tumors, gefolgt von einer kombinierten Strahlen- und Chemotherapie.

Neue Therapieansätze beim Glioblastom

Forscher arbeiten kontinuierlich an neuen Therapieansätzen, um die Behandlungsergebnisse beim Glioblastom zu verbessern. Einige vielversprechende Ansätze sind:

  • Immuntherapie: Diese Therapieform nutzt das körpereigene Immunsystem, um Krebszellen zu bekämpfen.
  • Gentherapie: Hierbei werden Gene in die Krebszellen eingeschleust, um deren Wachstum zu stoppen oder sie anfälliger für andere Therapien zu machen.
  • Extrazelluläre Matrix: Forscher untersuchen die Rolle der extrazellulären Matrix (ein Proteingerüst, das die Zellen umgibt) beim Wachstum von Glioblastomen. Die Hemmung des Oberflächenproteins Integrin α2 hat gezeigt, dass die Überlebensfähigkeit der Tumorzellen bei einer kombinierten Strahlen- und Chemotherapie deutlich herabgesetzt wird.

Wachoperation: Eine spezielle Operationsmethode

In bestimmten Fällen, insbesondere wenn der Tumor in der Nähe wichtiger Hirnstrukturen wie dem Sprachzentrum liegt, kann eine Wachoperation durchgeführt werden. Bei dieser Operation ist der Patient während des Eingriffs wach und kann mit dem OP-Team sprechen. Dies ermöglicht es den Chirurgen, die Funktion der Hirnstrukturen in Echtzeit zu überwachen und das Risiko von bleibenden Schäden zu minimieren.

Reha und Nachsorge

Nach der Behandlung eines Hirntumors ist eine umfassende Rehabilitation und Nachsorge wichtig, um die Lebensqualität des Patienten zu verbessern und mögliche Rückfälle frühzeitig zu erkennen. Die Nachsorge umfasst regelmäßige Untersuchungen, um den Zustand des Patienten zu überwachen und eventuelle Komplikationen oder Rückfälle frühzeitig zu erkennen und zu behandeln.

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