Botox gegen Migräne: Eine umfassende Analyse der Behandlungsmethode

Botox, bekannt für seine Anwendung in der ästhetischen Medizin zur Reduktion von Mimikfalten, hat sich auch als wirksame prophylaktische Therapie bei chronischer Migräne etabliert. Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Aspekte der Botox-Behandlung gegen Migräne, von der Wirkungsweise über die Anwendungsgebiete bis hin zu potenziellen Risiken und Alternativen.

Was ist Migräne und wie unterscheidet sie sich von anderen Kopfschmerzen?

Migräne ist eine neurologische Erkrankung, die sich durch wiederkehrende, starke Kopfschmerzen auszeichnet. Sie unterscheidet sich von Spannungskopfschmerzen in der Art des Schmerzes, in dessen Intensität und den Begleiterscheinungen. Der Migräne-Schmerz ist meist pochend-pulsierend und oft nur in einer Kopfhälfte zu spüren. Hinzu kommen häufig Licht- und Lärmempfindlichkeit, Sehstörungen, Müdigkeit und Übelkeit. Eine Schmerzattacke dauert bei Migräne oft mehrere Stunden oder Tage.

Es gibt verschiedene Arten von Migräne, darunter die Migräne mit Aura, bei der neurologische Symptome wie Sehstörungen oder Taubheitsgefühle auftreten, und die Migräne ohne Aura. Die chronische Migräne ist eine Form, bei der Betroffene an mindestens 15 Tagen im Monat unter Kopfschmerzen leiden, davon an mindestens acht Tagen mit migränetypischen Symptomen.

Typische, verallgemeinerbare Trigger gibt es nicht, Migräne ist immer sehr individuell. Stress ist sicherlich ein sehr häufiger Auslöser. Schlafmangel kann Migräneattacken auslösen, aber auch zu viel Schlafen - das heißt, jedes Abweichen vom normalen Rhythmus kann das Auftreten von Migräneattacken begünstigen. Bei einigen Patienten können auch bestimmte Nahrungsmittel eine Migräneattacke auslösen. Glutamat wird immer als klassisches Beispiel genannt.

Wann kommt Botox bei Migräne zum Einsatz?

Botox ist in Deutschland seit 2011 zur Behandlung von chronischer Migräne zugelassen. Botox ist nur zur Behandlung der chronischen Migräne zugelassen und nur dann, wenn die Patienten auf orale prophylaktische Medikamente nicht ausreichend angesprochen oder diese nicht vertragen haben. Eine Migräne gilt dann als chronisch, wenn ein Patient an mindestens 15 Tagen im Monat unter Kopfschmerzen leidet und davon an mindestens acht unter Migräne. BOTOX® kommt für Erwachsene infrage, bei denen vorbeugende Medikamente nicht ausreichend wirksam waren oder nicht vertragen wurden.

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Die Internationale Kopfschmerzgesellschaft (International Headache Society) hat spezifische Kriterien für die Diagnose der chronischen Migräne festgelegt.

Wie wirkt Botox gegen Migräne?

Botulinumtoxin A, das Gift des Bakteriums Clostridium botulinum, wird in Deutschland vom Pharmaunternehmen Pharm-Allergan GmbH unter dem Markennamen "Botox" vertrieben. Botox ist im Moment als einziges Botulinumtoxin A zur Therapie von Migräne zugelassen. Nach einer Injektion lähmt das Präparat die Muskeln, indem es verhindert, dass der Botenstoff Acetylcholin freigesetzt wird. Der sorgt normalerweise dafür, dass Muskeln aktiviert werden.

Wissenschaftliche Studien deuten darauf hin, dass eine Migräne entsteht, wenn der sogenannte Trigeminusnerv, der unter anderem für die sensorische Wahrnehmung im Gesicht verantwortlich ist, verschiedene Botenstoffe ausschüttet. Dadurch können Schmerzsignale erzeugt oder entzündliche Reaktionen in der Hirnhaut angeregt werden. Zu den beteiligten Botenstoffen gehören Glutamat, Substanz P und Calcitonin-Gene-Related-Peptid (CGRP).

BOTOX® mit dem Wirkstoff Botulinumtoxin Typ A kann dies reduzieren, indem es die Ausschüttung der Botenstoffe hemmt. Ohne diese Botenstoffe kann der Nerv nur eingeschränkt Schmerzsignale weiterleiten und auch die Erweiterung der Blutgefäße in der Hirnhaut und das dortige Entzündungsgeschehen werden gehemmt. Damit kann BOTOX® gegen Kopfschmerzen bei chronischer Migräne helfen.

Bei Migräne-Anfällen kommt es zu einer sehr starken Anspannung der Muskeln in Gesicht, Hals, Nacken und Schulter. Die Muskeln drücken dadurch auf die Gefäße, hemmen die Blutzirkulation und verursachen Sauerstoffmangel. Die Folge sind starke Migräne-Kopfschmerzen sowie zum Teil Übelkeit, Geräusch- und Lichtempfindlichkeit. Bei dieser starken Muskelanspannung setzt die Botox®-Therapie an. Denn Botox® hemmt die Ausschüttung des Botenstoffs im Körper, der für die Muskelaktivierung verantwortlich ist. Dadurch wird bei einem Migräne-Anfall die Muskelanspannung reduziert.

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Die Behandlung mit Botox: Ablauf und PREEMPT-Schema

Bei der Behandlung mit BOTOX® werden geringe Mengen Botulinumtoxin Typ A in bestimmte Punkte in den Muskeln Ihres Kopfes, Nackens und Schulterbereichs gespritzt. In der direkten Umgebung dieser Injektionsstellen liegen unter anderem der Gesichtsnerv und weitere Nerven, die an der Entstehung von Migräne beteiligt sind. Hier entfaltet BOTOX® gegen Migräne seine Wirkung.

Für die Anwendung gibt es ein spezielles Behandlungsschema, das sich PREEMPT-Schema nennt. Hierbei wird BOTOX® mit besonders dünnen Nadeln in 31 festgelegte Punkte injiziert. Die Behandlung selbst dauert meist nur wenige Minuten und kann im Sitzen oder Liegen durchgeführt werden. Je nach Schmerzmuster kann zusätzlich an weiteren Injektionsstellen eine Behandlung erfolgen. Somit sind bis zu 39 Punkte für die Injektion möglich.

Die Wirkung von BOTOX® bei Migräne kann mit der Zeit nachlassen, deshalb ist nach 12 Wochen eine erneute Behandlung empfohlen. Bevor Sie gemeinsam mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt den Therapieerfolg bewerten und über die Therapiefortführung entscheiden, sind drei Behandlungen vorgesehen. Ein Vergleich der Beschwerden der chronischen Migräne vorher und nachher ist also erst nach etwa sechs Monaten sinnvoll. Wenn die Therapie weitergeführt wird, sind pro Jahr vier Behandlungstermine einzuplanen.

Wer führt die Behandlung durch und wo?

Eine BOTOX®-Behandlung sollten nur spezialisierte Ärztinnen und Ärzte aus den Bereichen der Neurologie oder Schmerztherapie durchführen, die über die nötige Erfahrung mit der Migränebehandlung verfügen und Sie umfassend beraten können.

Bei der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG) finden Sie eine: Liste mit Expertinnen und Experten für Kopfschmerzen und Migräne Liste mit Kopfschmerzkliniken und Kopfschmerzambulanzen sowie Liste mit DMKG-zertifizierten Kopfschmerzzentren Auch die Migräneliga e. V. bietet Informationen zu spezialisierten Kliniken und Fachleuten.

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Was ist vor und nach der Behandlung zu beachten?

Vor der Behandlung können Sie einiges tun, damit die Injektion von BOTOX® so angenehm und erfolgreich wie möglich für Sie verläuft. Bei der Behandlung sollten Sie keine Schminke, wie etwa Make-up, tragen Falls Sie BOTOX® selbst zu dem Termin mitbringen, denken Sie daran, das Medikament gekühlt (bei maximal 2 - 8 °C) zu transportieren. Bitte teilen Sie Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt mit, wo die Schmerzen besonders stark sind, um falls nötig weitere Behandlungspunkte festzulegen. Wenn Sie zum Zeitpunkt eines Behandlungstermins eine akute Migräneattacke haben, sollten Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt besprechen, ob der Termin verschoben werden sollte und ob es zeitnahe Alternativen gibt.

Direkt nach der Behandlung können Ihnen folgende Tipps helfen: Bleiben Sie noch ein paar Minuten in der Praxis, um sicherzugehen, dass Sie die Behandlung mit BOTOX® gut vertragen. Mögliche Schwellungen im behandelten Bereich bilden sich meist innerhalb von 30 Minuten von selbst wieder zurück. In den ersten 24 Stunden nach der Behandlung achten Sie bitte auf Folgendes: Vermeiden Sie es, den Bereich der Injektion zu reiben oder zu massieren. Wenden Sie keine Gesichtsmaske oder Peeling an. Lassen Sie keine Physiotherapie und Lymphdrainagen durchführen. Verzichten Sie auf einen Saunabesuch oder ein Sonnenbad.

Mit diesen Maßnahmen können Sie einer Verteilung von BOTOX® an andere Stellen vorbeugen bzw. eine mögliche Verringerung der Wirkung verhindern. Darüber hinaus empfehlen wir Ihnen: Vielleicht sind Sie im Anschluss an die Behandlung etwas erschöpft. Gönnen Sie sich nach einem Behandlungstermin etwas Ruhe. Führen Sie über die Zeit der Behandlung ein Migräne- und Kopfschmerztagebuch.

Die Migräne Therapie verursacht in der Regel keinerlei Ausfallzeiten. Auch eine spezifische Nachsorge ist nicht erforderlich. Sie sollten lediglich darauf achten, dass Sie den Kopf in den folgenden Stunden aufrecht halten und sich nicht hinlegen. So gehen wir sicher, dass das Botox® in der gewünschten Region verbleibt und wirkt. Weiterhin empfehlen wir, sich für 1 - 2 Tage körperlich zu schonen und auf Sonnenbäder, Sauna- und Solariumgänge zu verzichten. Die Behandlungsstellen sollten nicht massiert werden.

Wann darf Botox nicht eingesetzt werden?

In bestimmten Fällen darf Botox nicht eingesetzt werden: beispielsweise, wenn der Patient an einer Erkrankung leidet, die die neuromuskuläre Übertragung beeinflusst, wie z.B. die Myasthenia gravis oder wenn der Patient eine bekannte Unverträglichkeit gegenüber Botulinumtoxinen hat. Beides kommt jedoch im klinischen Alltag nicht häufig vor.

Eine Behandlung mit BOTOX® sollte nicht erfolgen, wenn Sie ● in der Vergangenheit eine Behandlung aufgrund von Nebenwirkungen nicht gut vertragen haben, zum Beispiel aufgrund einer allergischen Reaktion. ● eine Infektion an den vorgesehenen Injektionsstellen haben. ● schwanger sind oder stillen.

Mögliche Nebenwirkungen der Botox-Behandlung

Wie bei jeder Therapie können auch bei Botox Nebenwirkungen auftreten. Grundsätzlich können an der Injektionsstelle kurzfristig Schmerzen auftreten. Botox wird bei der Migräne-Behandlung auch in die Stirn gespritzt. Da das Medikament Muskeln lähmt, kann als Nebenwirkung auch der Muskel betroffen sein, der das Augenlid hebt - und dann hängt das Lid runter. Das ist jetzt etwas überspitzt formuliert. Die Dosis, die zur Migräne-Prophylaxe in die Stirn injiziert wird, ist geringer als die Dosis, die zur kosmetischen Behandlung eingesetzt wird. Häufig beeinträchtigt die Botox-Therapie die Stirnmimik nicht wesentlich, einige Patienten haben jedoch tatsächlich anschließend eine glattere Stirn. Die Lidschwäche dagegen ist in den Zulassungs-Studien bei 3,3 Prozent der Patienten aufgetreten.

BOTOX® ist im Allgemeinen gut verträglich. Wie bei jeder medikamentösen Behandlung ist es jedoch möglich, dass Nebenwirkungen auftreten. Meist sind diese nur leicht bis mittelschwer ausgeprägt und treten vorübergehend auf. Zu den häufigsten Nebenwirkungen, die bei bis zu 1 von 10 behandelten Personen auftreten, zählen: Kopfschmerzen, Migräne und Verschlimmerung der Migräne Schwäche der Gesichtsmuskeln Herabhängen des Augenlids Hautausschlag, Juckreiz Nackenschmerzen, Muskelschmerzen Muskelkrämpfe, Muskelsteifheit Muskelverspannung, Muskelschwäche Schmerzen an der Injektionsstelle

Gelegentliche Nebenwirkungen, die bei bis zu 1 von 100 behandelten Personen auftreten, sind: Schluckbeschwerden Hautschmerzen Kieferschmerzen Eine Nebenwirkung, deren Häufigkeit nicht bekannt ist, ist: seitliche Anhebung der Augenbrauen

Wie lange dauert es, bis die Wirkung eintritt und wie lange hält sie an?

Die erste Wirkung von BOTOX® kann bereits nach zwei bis drei Tagen spürbar sein, wobei sich die volle Wirkung in der Regel fünf bis sechs Wochen nach der ersten Behandlung entfaltet. Das kann jedoch individuell unterschiedlich sein. Bei manchen Menschen tritt die volle Wirkung erst nach der zweiten oder der dritten Behandlung ein. Daher ist es wichtig, von Beginn an drei Behandlungstermine einzuplanen, jeweils im Abstand von 12 Wochen, da die Wirkung mit der Zeit zunimmt.

Nach drei Behandlungszyklen lag die Ansprechrate der mit BOTOX® behandelten Patientinnen und Patienten bei 70,9 %. Ein Ansprechen war definiert als eine Verringerung der Kopfschmerztage um mehr als die Hälfte.

Genau, auch die Wirksamkeit von Botox in der Migräne-Therapie hält ungefähr drei Monate. Wenn man versucht, die Intervalle zu strecken, treten bei vielen Patienten wieder häufiger Kopfschmerzen auf. Die Wirkung von Botox® gegen Migräne hält normalerweise etwa 3-4 Monate an.

Kosten und Kostenübernahme durch die Krankenkasse

Die Kosten für eine Behandlung mit Botox® gegen Migräne hängen von der Menge der Injektionspunkte ab. Der behandelnde Arzt erstellt einen Kostenvoranschlag, den die Patienten bei ihrer Krankenkasse einreichen.

Damit die Krankenkasse die Kosten für eine Behandlung mit BOTOX® gegen chronische Migräne übernimmt, müssen verschiedene Kriterien erfüllt sein: Es muss eine chronische Migräne diagnostiziert werden nach den Kriterien der Internationalen Kopfschmerzgesellschaft (International Headache Society), das bedeutet: Seit 3 Monaten oder länger bestehende Kopfschmerzen an mindestens 15 Tagen im Monat, davon 8 oder mehr Tage mit migränetypischen Symptomen. Eine in der Vergangenheit durchgeführte vorbeugende Behandlung der chronischen Migräne mit Medikamenten unter anderem aus der Gruppe der Blutdrucksenker, Antiepileptika, Antidepressiva oder CGRP-Antagonisten zeigten keine Wirkung oder wurden nicht vertragen. Am besten ist es, Sie nehmen vor dem Beginn der Therapie mit BOTOX® gegen Migräne Kontakt zu Ihrer Krankenkasse auf und reichen dort einen Behandlungsplan ein, den Ihnen Ihre behandelnde Ärztin bzw. Ihr behandelnder Arzt erstellen und aushändigen kann.

Alternativen zur Botox-Behandlung

Welche anderen Möglichkeiten gibt es, um der Migräne vorzubeugen? Es gibt medikamentöse und nicht-medikamentöse Verfahren. Bei Patienten, bei denen die Migräne noch nicht sehr stark ausgeprägt ist, sollten zunächst die nicht-medikamentösen Verfahren ausgeschöpft werden. Dazu gehören zum Beispiel Entspannungs-Übungen und / oder ein regelmäßiger Ausdauersport. Oft helfen auch gewisse Lebensstil-Modifikationen, wie regelmäßig zu essen, regelmäßig zu schlafen und ein gutes Stress-Management. Wenn trotzdem noch häufig Attacken vorkommen, die die Lebensqualität eines Patienten deutlich beeinträchtigen, sollte eine medikamentöse Therapie, optimalerweise in Kombination mit nicht-medikamentösen Verfahren, begonnen werden.

Kontroverse um Botox bei Migräne

Botox hilft gegen Falten. Aber wie gut es gegen chronische Migräne wirkt, ist umstritten. Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) schreibt auf Anfrage von NDR und SZ, dass die Zulassung kontrovers diskutiert worden sei. Die Stiftung Warentest meint, Botox helfe gegen chronische Migräne "nur ein bisschen". Der Herausgeber des pharma-unabhängigen Arznei-Telegramms, Wolfgang Becker-Brüser, meint sogar: Botox bei Migräne sei "überflüssig, da es schlecht untersucht ist und zu viele Risiken hat." Es sei zudem "extrem teuer". In Schottland hat sich die zuständige Behörde geweigert, Botox zuzulassen.

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