Migräne kann das Leben stark beeinträchtigen. Starke Kopfschmerzen, Lichtempfindlichkeit und Schwierigkeiten, sich zu konzentrieren, sind typische Symptome. Viele Menschen suchen nach wirksamen Behandlungsmethoden, wenn Schmerzmittel nicht helfen. Eine Option, die sich in den letzten Jahren etabliert hat, ist die Behandlung mit Botox. Dieser Artikel bietet einen umfassenden Überblick über die Anwendung von Botox gegen Migräne in Deutschland, einschließlich der Kosten, des Verfahrens und der Gebührenordnungsposition (GOÄ).
Was ist Migräne und wann spricht man von chronischer Migräne?
Migräne ist mehr als nur ein starker Kopfschmerz. Es handelt sich um eine neurologische Erkrankung, die von verschiedenen Symptomen begleitet sein kann. Chronische Migräne liegt vor, wenn jemand über einen Zeitraum von mehr als drei Monaten an mindestens 15 Tagen im Monat unter Kopfschmerzen leidet, wobei an mindestens acht dieser Tage migräneartige Symptome auftreten. Etwa 1-2 % der Bevölkerung leiden an chronischer Migräne.
Botox: Mehr als nur Faltenbehandlung
Botox ist den meisten Menschen als Mittel zur Faltenbehandlung bekannt. Das Medikament enthält Botulinumtoxin, ein Nervengift, das in geringen Dosen jedoch sicher und wirksam ist. Botox wird seit vielen Jahren in verschiedenen medizinischen Bereichen eingesetzt, beispielsweise zur Behandlung von Zähneknirschen (Bruxismus) und übermäßigem Schwitzen (Hyperhidrose). Seit 2011 ist Botox in Deutschland auch zur Vorbeugung von Kopfschmerzen bei Erwachsenen mit chronischer Migräne zugelassen.
Wie wirkt Botox gegen Migräne?
Der genaue Wirkmechanismus von Botox bei Migräne ist noch nicht vollständig geklärt. Früher ging man davon aus, dass Migräne durch eine Fehlsteuerung der Blutgefäße im Gehirn entsteht. Aktuelle Forschungsergebnisse deuten jedoch darauf hin, dass eine Überaktivität von Nervenzellen im Hirnstamm eine Rolle spielt.
Botox hemmt die Freisetzung von Neurotransmittern wie Acetylcholin, Glutamat, Substanz P, CGRP und Neurokinin A. Diese Hemmung kann die Schmerzempfindlichkeit senken und zur Linderung von Migräne beitragen. Es unterbricht die Reizübertragung zwischen Nerv und Muskel. Studien belegen, dass Botox zusätzlich zum Botenstoff Acetylcholin auch noch andere Neuropeptide und Neurotransmitter hemmt, die an der Schmerzreizung beteiligt sind.
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Für wen ist die Botox-Behandlung geeignet?
Botox kann eine geeignete Option für Menschen sein, die unter chronischer Migräne leiden und bei denen andere Medikamente keine ausreichende Wirkung gezeigt haben. Es ist wichtig zu beachten, dass Botox ausschließlich bei chronischer Migräne eingesetzt wird. Bei episodischer Migräne ist Botox zur Vorbeugung nicht zugelassen. Es gibt aber auch Ausnahmen, bei denen Ärzte gelegentlich betroffene Patienten mit starken Migräneattacken auch damit behandeln dürfen. Unerlässlich dabei ist jedoch eine sehr sorgfältige Risikoaufklärung.
Ablauf der Botox-Behandlung gegen Migräne
Die Behandlung mit Botox gegen Migräne umfasst mehrere Schritte:
- Erstberatung: Ein ausführliches Gespräch mit einem Arzt ist wichtig, um die Krankengeschichte zu erheben, Kontraindikationen auszuschließen und realistische Erwartungen zu besprechen.
- Vorbereitung: Vor der Behandlung sollte das Gesicht ungeschminkt und nicht eingecremt sein. Blutverdünnende Medikamente sollten nach Rücksprache mit dem Arzt pausiert werden.
- Behandlung: Botox wird mit einer feinen Nadel in die verspannte Muskulatur im Schläfenbereich, Nacken und Hinterkopf injiziert. Die Injektionen erfolgen nach einem festgelegten Schema in die Kopf- und Nackenmuskulatur. Die Behandlung dauert in der Regel nur wenige Minuten. Eine Betäubung mit einer Salbe ist bei Bedarf möglich.
- Nachsorge: Nach der Behandlung sollten Patienten den Kopf für vier Stunden aufrecht halten und für 48 Stunden auf Alkohol, Sport, Sauna und Solarium verzichten.
Dosierung und Behandlungsprotokoll
Die Dosierung von Botox bei Migräne liegt in der Regel zwischen 155 und 195 Einheiten. Wenn sich nach der ersten Botox-Behandlung mit einer Dosis von 155 Einheiten kein ausreichender Effekt zeigt, kann bei der zweiten Sitzung die Dosis auf 195 Einheiten erhöht werden. Die zusätzlichen Einheiten werden gezielt in die Kopf- oder Nackenbereiche injiziert, in denen der Patient die stärksten Migräneschmerzen verspürt.
Die Behandlung wird in der Regel alle 12 Wochen wiederholt, um eine anhaltende Wirkung zu erzielen. Zeigt sich nach der dritten Behandlung kein Effekt, sollte die Botox-Therapie beendet werden.
Wie schnell wirkt Botox bei Migräne?
Die Wirkung von Botox setzt in der Regel innerhalb von 5-10 Tagen nach der Injektion ein. Der maximale Effekt wird meist nach 2-4 Wochen erreicht. Es kann also einige Wochen dauern, bis die Anzahl und die Stärke der Migräneanfälle reduziert werden kann.
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Mögliche Nebenwirkungen
Nach der Botox-Behandlung können kurzfristig Rötungen und kleine Schwellungen auftreten. Gelegentlich können Spannungskopfschmerzen, Nacken- und Kopfschmerzen, Übelkeit, Schwindel sowie Sehstörungen auftreten. In seltenen Fällen kann es zu einem Absinken der Augenbrauen (Brauen-Ptosis) oder zu Doppeltsehen (Diplopie) kommen.
Schwangere und stillende Frauen sollten keine Botox-Injektionen erhalten.
Kosten der Botox-Behandlung gegen Migräne
Die Kosten für eine Botox-Behandlung gegen Migräne variieren je nach Arzt und der benötigten Menge an Botox. Grundsätzlich kann man mit einem Preis von ca. 550 Euro rechnen. Die tatsächlichen Leistungen werden nach der GOÄ abgerechnet.
Es empfiehlt sich, vor Therapiebeginn die Kostenübernahme mit der Krankenkasse abzuklären. Eine Kostenerstattung durch die Krankenkasse ist nur bei chronischem Verlauf möglich.
Gebührenordnungsposition (GOÄ)
Die Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ) regelt die Abrechnung ärztlicher Leistungen in Deutschland. Die Kosten für eine Botox-Behandlung gegen Migräne werden individuell nach GOÄ abgerechnet, abhängig von der Menge des verwendeten Wirkstoffs und dem Aufwand der Behandlung.
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Alternativen zur Botox-Behandlung
Neben Botox gibt es auch andere Möglichkeiten zur Vorbeugung von Migräne, darunter:
- Medikamente: Betablocker, Topiramat und Flunarizin sind Medikamente, die zur Vorbeugung von Migräne eingesetzt werden können.
- Monoklonale Antikörper: Erenumab, Fremanezumab, Galcanezumab und Eptinezumab sind monoklonale Antikörper, die gezielt den CGRP-Rezeptor blockieren und so Migräneattacken reduzieren können.
- Nichtmedikamentöse Behandlungen: Regelmäßiger Ausdauersport, Entspannungsübungen und Stressbewältigungsstrategien können ebenfalls helfen, Migräne vorzubeugen.
- Akupunktur: Akupunktur kann bei der Behandlung von Migräne und Spannungskopfschmerzen helfen.
Botox und Zähneknirschen (Bruxismus)
Nächtliches Zähneknirschen kann die Lebensqualität deutlich beeinträchtigen. Schlafstörungen, nervliche Anspannung und generelle Unruhe sind typisch für diese Erkrankung. Botulinumtoxin wird in den Masseter-Muskel injiziert, um ihn zu entspannen und die Überaktivität zu reduzieren. Die Wirkung ist zeitlich begrenzt und hält ca. 4-6 Monate an.
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