Hirnkartierung in der Neurologie: Kostenübernahme durch Krankenkassen

Die Hirnkartierung, insbesondere in Form von Neurofeedback und repetitiver transkranieller Magnetstimulation (rTMS), gewinnt in der Neurologie zunehmend an Bedeutung. Diese innovativen Verfahren zielen darauf ab, Hirnaktivitäten zu beeinflussen und somit neurologische und psychiatrische Erkrankungen zu behandeln. Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Aspekte der Hirnkartierung, ihre Anwendungsbereiche und die Möglichkeiten der Kostenübernahme durch Krankenkassen in Deutschland.

Einführung in die Hirnkartierung

Die Hirnkartierung umfasst verschiedene Techniken, die es ermöglichen, die Aktivität des Gehirns zu messen und zu beeinflussen. Dazu gehören unter anderem das Elektroenzephalogramm (EEG), Neurofeedback, die transkranielle Gleichstromstimulation (tDCS) und die repetitive transkranielle Magnetstimulation (rTMS). Diese Verfahren bieten neue Ansätze zur Behandlung von neurologischen und psychischen Erkrankungen, indem sie gezielt auf die Hirnaktivität einwirken.

Neurofeedback: Selbstregulation der Hirnaktivität

Neurofeedback ist eine spezielle Richtung des Biofeedbacks, die in der Ergotherapie eingesetzt wird. Dabei werden Informationen über die Hirnaktivität, die mittels EEG gewonnen werden, in Echtzeit an den Patienten zurückgemeldet. Diese Informationen geben Aufschluss über mentale Zustände wie Aufmerksamkeit, Müdigkeit, Gereiztheit oder Impulsivität.

Funktionsweise des Neurofeedbacks

Durch die Rückmeldung der eigenen Hirnaktivität wird es dem Patienten ermöglicht, eine Selbstregulation zu erreichen. Mit Hilfe von Neurofeedback trainieren Patienten, insbesondere Kinder, gezielt, ihre Hirnaktivität zu regulieren und damit auch ihr Verhalten besser zu steuern. Das EEG erlaubt es, Wachheit, Schlaf und unterschiedliche Konzentrationsstadien zu unterscheiden, was sich in unterschiedlichen EEG-Frequenzen widerspiegelt. Durch die Verstärkung bestimmter Frequenzen (sog. positive Konditionierung) können Verhaltensmuster positiv verändert werden. In der Praxis erfolgt dies über Computer-Animationen und TV-Bildschirme.

Anwendungsbereiche des Neurofeedbacks

Neurofeedback wird international erfolgreich bei verschiedenen Erkrankungen eingesetzt, darunter ADHS (Hyperaktivitätssyndrom), Migräne, Depression, Angststörungen und Autismus. Auch bei TIC-Störungen wird Neurofeedback eingesetzt und wissenschaftlich begleitet.

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Kostenübernahme durch Krankenkassen

Bislang ist die Neurofeedback-Therapie keine Regelleistung der gesetzlichen Krankenkassen. Es lohnt sich jedoch, mit der Krankenkasse zu sprechen, da viele die Kosten erstatten, wenn das Training im Rahmen einer Verhaltenstherapie von einem Psychologen, Psychotherapeuten oder Psychiater mit verhaltenstherapeutischer Ausbildung durchgeführt wird. In diesem Fall muss vor Beginn der Behandlung ein entsprechender Antrag gestellt werden. Auf ärztliches Rezept kann die Therapie auch von Ergotherapeuten durchgeführt werden, wobei der Arzt eine Verordnung für eine "psychisch-funktionelle Behandlung" oder eine "sensomotorisch-perzeptive Behandlung" ausstellen kann. In unserer Praxis führen wir sie jedoch im Rahmen einer psychisch-funktionellen Behandlung innerhalb der Ergotherapie durch. Die Kosten werden - abgesehen von der gesetzlichen Zuzahlung - von den Krankenkassen übernommen, sofern eine Heilmittelverordnung für Ergotherapie vorliegt. Diese kann von deinem Hausarzt oder einem Facharzt für Neurologie oder Psychiatrie ausgestellt werden.

Repetitive Transkranielle Magnetstimulation (rTMS): Gezielte Beeinflussung der Hirnaktivität

Die repetitive transkranielle Magnetstimulation (rTMS) ist ein innovatives Behandlungsverfahren, das insbesondere bei Depressionen eingesetzt wird. Es bewirkt gezielt den Ausgleich der aus der Balance geratenen Hirnaktivität.

Funktionsweise der rTMS

Bei der rTMS wird eine Magnetspule am Kopf angelegt, die Nervenzellen des Gehirns durch Magnetimpulse stimuliert. Die Impulsserien führen zu einer anhaltenden Anregung der Nervenzellaktivität oder können eine Überaktivität regulieren. So wirkt die Behandlung mit rTMS durch eine Normalisierung der Hirnaktivität, die bei Depressionen ins Ungleichgewicht geraten ist. Die rTMS zielt vor allem auf den präfrontalen Cortex, einen Bereich des Gehirns, der mit Stimmung und Emotionen in Verbindung steht.

Anwendungsbereiche der rTMS

Das Anwendungsspektrum der rTMS reicht von der Behandlung psychischer Erkrankungen wie Depressionen und Angststörungen bis hin zur Suchterkrankung. Sie kann auch bei neurologischen Erkrankungen wie Migräne, chronischen Schmerzen und kognitiven Störungen eingesetzt werden.

Ablauf einer rTMS-Behandlung

Im Rahmen eines Vorgesprächs wird geklärt, ob und in welcher Form eine Behandlung mit transkranieller Magnetstimulation in Frage kommt. Auf Grundlage einer ausführlichen fachärztlichen Untersuchung erhält der Patient eine individuelle Therapieempfehlung. Die Behandlung erfolgt in der Regel von Montag bis Freitag über einen Zeitraum von zwei bis vier Wochen, begleitet von wöchentlichen Arztgesprächen.

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Eine reguläre Behandlungssitzung dauert etwa 15 Minuten, wobei die erste Sitzung etwa 45 Minuten in Anspruch nimmt. Die Behandlungen werden in der Regel einmal täglich von Montag bis Freitag vorgenommen.

Wirksamkeit der rTMS

Es gibt mehrere größere klinische, placebo-kontrollierte Studien, die die Wirksamkeit der TMS in der Depressionsbehandlung belegen. Meta-Analysen fassen die Ergebnisse der vorhandenen klinischen Studien zusammen und kommen zu dem Ergebnis, dass die Wirksamkeit nachgewiesen ist. Viele Patienten berichten von einer spürbaren Verbesserung ihrer Zustände, wie etwa reduzierten depressiven Symptomen, geminderten Angstgefühlen oder einer Verringerung chronischer Schmerzen, bereits nach den ersten Behandlungssitzungen. Bei der Behandlung von Depressionen können die ersten Anzeichen einer Verbesserung durch rTMS bereits nach wenigen Sitzungen auftreten, wobei signifikante Verbesserungen oft nach 2 bis 6 Wochen regelmäßiger Behandlung beobachtet werden. Die Dauer der Wirksamkeit der rTMS-Behandlung kann individuell sehr unterschiedlich sein und hängt von verschiedenen Faktoren ab, wie der Art der behandelten Erkrankung, der spezifischen Behandlungsprotokolle und der individuellen Reaktion des Patienten auf die Therapie. Bei der Behandlung von Depressionen berichten viele Patienten von einer anhaltenden Verbesserung ihrer Symptome für mehrere Monate nach Abschluss der Behandlungsserie.

Nebenwirkungen der rTMS

Die TMS wird von fast allen Patienten problemlos vertragen, und dauerhafte Begleiterscheinungen oder gar Veränderungen an der Hirnsubstanz sind nicht zu befürchten. Mögliche Nebenwirkungen sind Müdigkeit oder leichte Kopfschmerzen, die aber von alleine nach kurzer Zeit abklingen. Während der Stimulation können lokale Muskelkontraktionen auftreten, verbunden mit einer Reizung der Kopfhaut, die als Kribbeln und Ziehen beschrieben wird.

Kostenübernahme durch Krankenkassen

Die gesetzlichen Krankenversicherungen (GKVs) erstatten die ambulante Behandlung mit rTMS bisher noch nicht, wohingegen die meisten privaten Versicherungen (PKVs) die Kosten übernehmen. Es ist aber empfehlenswert, dies jeweils mit dem Versicherer vorher abzuklären. Die Kosten für die rTMS betragen etwa 60 Euro pro Sitzung. Es handelt sich um eine individuelle Gesundheitsleistung (sogenannte IGeL) oder Selbstzahlerleistung, die von gesetzlichen Krankenkassen nicht übernommen wird.

Transkranielle Gleichstromstimulation (tDCS): Beeinflussung der Hirnaktivität durch Stromimpulse

Die transkranielle Gleichstromstimulation (tDCS) ist eine weitere Methode der nicht-invasiven Hirnstimulation, bei der Elektroden an der Oberfläche des Kopfes befestigt werden. Durch diese wird ein kurzer Stromimpuls geleitet, mit dem Ziel, die Gehirnaktivität in den oberflächlichen Regionen zu beeinflussen.

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Anwendungsbereiche der tDCS

Die tDCS wird in der Behandlung neurologischer und psychiatrischer Erkrankungen eingesetzt, beispielsweise bei Depressionen, chronischen Schmerzen und zur Verbesserung kognitiver Funktionen.

Klinische Studien zur tDCS

Es gibt weltweit über 400 publizierte Studien, die den Erfolg der tDCS und TMS Therapie bei neurologischen Krankheiten belegen.

Kostenübernahme durch Krankenkassen

Auch die tDCS wird in der Regel nicht von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen und stellt eine individuelle Gesundheitsleistung (IGeL) dar.

NeuroNation MED: Personalisiertes Gehirntraining auf Rezept

NeuroNation MED ist eine App, die Menschen mit kognitiven Beeinträchtigungen dabei unterstützt, ihre Gehirnleistung zu verbessern. Sie ist kostenlos per Rezept erhältlich und vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte geprüft und zugelassen.

Funktionsweise von NeuroNation MED

NeuroNation MED bietet personalisiertes Training, basierend auf kognitiven Trainingssitzungen aus einem Set personalisierter Übungen, Gesundheitsinformationen und Entspannungsanleitungen. Die App bietet eine Einzelauswahl aus 23 Übungen, unterteilt in vier übergeordnete kognitive Trainingsdomänen: Aufmerksamkeit, Gedächtnis, Schlussfolgerndes Denken und Geschwindigkeit.

Anwendungsbereiche von NeuroNation MED

NeuroNation MED soll Patienten dabei unterstützen, die Symptome von erworbenen oder neurodegenerativen leichten kognitiven Beeinträchtigungen zu lindern. Kognitive Störungen können Folge verschiedener Erkrankungen sein oder eigenständig auftreten.

Personalisierung und Anpassung

Nach einer anfänglichen Evaluation wird die Leistung des Nutzers in den vier Trainingsbereichen ausgewertet, um individuelle Stärken und Schwächen zu ermitteln. Das Training wird dann direkt dort angesetzt, wo das größte Verbesserungspotential besteht. Die Übungen passen sich fortlaufend an die Fortschritte des Nutzers an, indem sie die Schwierigkeit erhöhen oder senken.

Studien zur Wirksamkeit

Studien mit Universitäten und Kliniken bestätigen, dass die Effekte des Trainings auch im Alltag spürbar sind.

Kostenübernahme durch Krankenkassen

NeuroNation MED ist kostenlos auf Rezept erhältlich. Der Patient muss sich von seinem Arzt ein Rezept ausstellen lassen und dieses bei der Krankenkasse einreichen. Nach Genehmigung erhält er einen Freischaltcode für die App.

Weitere Aspekte der Hirnkartierung in der Neurologie

Ultraschalluntersuchung von Nerven

Die Ultraschalluntersuchung von Nerven-Schädigungen erlaubt eine genauere und nebenwirkungsärmere Bestimmung von Schädigungsorten bei Nerven-Schädigungen (z.B. Plexus und Kompressions-Syndrome).

Liquorpunktion

Die Liquorpunktion beinhaltet die Entnahme von Hirnwasser und erlaubt es, Infektionen oder andere neurologische Krankheitsbilder auszuschließen.

Botulinumtoxintherapie

Die Botulinumtoxintherapie ist eine wirksame Therapie bei vermehrtem Speichelfluss (Sialorrhoe). Sie ist zugelassen für die Krankheitsbilder Dystonie, Spastik, chronische Migräne. Noch nicht zugelassene, aber wirksame Indikationen umfassen Sialorrhoe (Speichelfluss, wie er z.B. beim Parkinson oder bei atypischem Parkinsonsyndromen vorkommen kann), Hyperhidrose (übermäßiges Schwitzen) und die Behandlung von Falten.

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