Die Behandlung neurologischer Erkrankungen stellt eine komplexe Herausforderung dar, die ein tiefes Verständnis der zugrunde liegenden Mechanismen und eine multidisziplinäre Herangehensweise erfordert. Die "Brandt Therapie", basierend auf den Erkenntnissen und Forschungen von Prof. Dr. Thomas Brandt und seinen Kollegen, bietet einen umfassenden Rahmen für die Diagnose und Behandlung verschiedener neurologischer Beschwerden, insbesondere im Bereich Schwindel und Gleichgewichtsstörungen.
Einführung in die neurologische Therapie nach Brandt
Das "große Referenz- und Facharztbuch zur klinischen Neurologie" unter der Federführung international renommierter Herausgeber und der Mitarbeit von über 140 Fachexperten liegt als vollständig überarbeitete und erweiterte Neuauflage vor. Diese Auflage bietet durch thematische Neuausrichtung einzelner Beiträge und zusätzliche Kapitel viel Neues. In bewährter Form werden systematisch die aktuellen Erkenntnisse zum Stand von Klinik, Therapie und Verlauf neurologischer Erkrankungen zusammengefasst und für die pragmatische Anwendung gewichtet.
Die Bedeutung interdisziplinärer Ansätze
Ein zentraler Aspekt der Brandt Therapie ist die Betonung der Interdisziplinarität. Schwindel, zum Beispiel, ist ein Symptom, das bei unterschiedlichen Erkrankungen auftreten kann, wie zum Beispiel bei Krankheiten des Innenohrs, wo das Gleichgewichtsorgan sitzt, aber auch bei neurologischen Erkrankungen wie der Multiplen Sklerose (MS) oder einem Schlaganfall. Die Symptome von Schwindelerkrankungen, die zum Beispiel durch Innenohrerkrankungen ausgelöst wurden, lassen sich von denen, die durch neurologische Erkrankungen wie MS oder Schlaganfällen entstanden sind, nicht sofort unterscheiden. Da muss man mehrere Disziplinen gelernt haben.
Prof. Brandt betont, dass heutzutage kaum ein Arzt interdisziplinär ausgebildet ist, alle sind Experten ihres Faches. Das reicht aber oft nicht, um den Schwindel zuzuordnen. Daher ist eine enge Zusammenarbeit zwischen Neurologen, HNO-Ärzten, Psychologen und anderen Fachrichtungen unerlässlich, um eine umfassende Diagnose und einen individuellen Behandlungsplan zu erstellen.
Diagnostische Verfahren und ihre Bedeutung
Die korrekte Diagnose ist der Schlüssel zu einer erfolgreichen Therapie. Zuerst sollte man die Schwindelattacke charakterisieren: Handelt es sich um eine Benommenheit, einen Drehschwindel oder ein Schwanken? Wenn aber ein heftiger Drehschwindel mit Fallneigung auftritt, mit Übelkeit und Erbrechen über Minuten oder Stunden, dann ist es etwas Ernsthaftes, dann sollte man unverzüglich einen spezialisierten Arzt aufsuchen. In der Klinik kann sehr schnell festgestellt werden, ob der Drehschwindel aus dem Gleichgewichtsorgan kommt oder aus dem Hirn. Die dritte Form, der Schwankschwindel, wird am häufigsten durch neurologische Erkrankungen des Hirnstammes und des Kleinhirns ausgelöst. Das sind zum Beispiel die Multiple Sklerose, kleine Schlaganfälle, aber auch degenerative Erkrankungen des Kleinhirns. Generell sollte eine Schwindelattacke immer von einem spezialisierten HNO-Arzt oder besser noch von einem Neurologen abgeklärt werden.
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Die Deutsche Schwindelambulanz dient als Beispiel für eine Einrichtung, die sich auf die Diagnose und Behandlung von komplexen Schwindelfällen spezialisiert hat. Hier werden Patientinnen und Patienten behandelt, denen bisher nicht geholfen werden konnte. Zunächst versuchen wir durch Befragung und Untersuchung herauszubekommen, was für eine Art von Schwindel vorliegt. Handelt es sich zum Beispiel um einen gutartigen Lagerungsschwindel, der übrigens am häufigsten vorkommt, behandeln wir sofort. Entdecken wir eine MS, überweisen wir zu einem Neurologen, der die Therapie beginnt.
Therapieansätze bei neurologischen Erkrankungen
Die Therapie neurologischer Erkrankungen ist vielfältig und richtet sich nach der spezifischen Diagnose und den individuellen Bedürfnissen des Patienten. Zu den wichtigsten Therapieansätzen gehören:
- Medikamentöse Behandlung: Je nach Erkrankung können verschiedene Medikamente eingesetzt werden, um Symptome zu lindern, den Krankheitsverlauf zu verlangsamen oder die zugrunde liegende Ursache zu behandeln.
- Physiotherapie: Physiotherapie spielt eine wichtige Rolle bei der Wiederherstellung vonMotorik, Koordination und Gleichgewicht.
- Ergotherapie: Ergotherapie hilft Patienten, ihreAlltagsfähigkeiten zu verbessern und ihreUnabhängigkeit zu erhalten.
- Logopädie: Logopädie unterstützt Patienten mitSprach-, Sprech- und Schluckstörungen.
- Psychotherapie: Psychotherapie kann helfen,Angst, Depressionen und andere psychischeBelastungen zu bewältigen, die mit neurologischenErkrankungen einhergehen können.
- Spezielle Therapieverfahren: In bestimmten Fällen können spezielle Therapieverfahren wie Botulinumtoxin-Injektionen bei Dystonien odertiefe Hirnstimulation bei Parkinson-Erkrankung angezeigt sein.
Die Rolle der Forschung in der Brandt Therapie
Prof. Brandt hat sich intensiv mit der Erforschung von Schwindel und Gleichgewichtsstörungen beschäftigt. Seine Arbeit hat dazu beigetragen, dieEntstehung und Aufrechterhaltung von Höhenschwindel besser zu verstehen. Menschen und Tiere haben ein angeborenes Vermeidungsverhalten, wenn es um Höhe geht. Wenn Sie Kleinkinder über einen Tisch krabbeln lassen, der eine massive Platte hat und plötzlich zum Glastisch wird, krabbelt das Kind nicht weiter, wenn es den Abgrund sieht. Das hat die Natur so vorgesehen. Zum Glück verschwindet der kindliche Höhenschwindel irgendwann. Bei Erwachsenen nicht.
Erwachsene, die einen Höhenschwindel haben, neigen dazu, die Muskulatur von Beinen und Nacken zu versteifen, ihr Blick friert förmlich ein. Deshalb glauben wir, dass diese Komplettversteifung ein angeborener Primitivreflex des Menschen ist, der bei Angst auftritt. Den finden Sie auch im gesamten Tierreich.
Diese Erkenntnisse haben zur Entwicklung neuer Therapieansätze geführt, wie z.B. Dual Tasking. Betroffene sollten zum Beispiel beim Überqueren einer Brücke eine zweite Aufgabe übernehmen, wie das Lösen einer Rechenaufgabe oder das Aufzählen von Blumennamen. Das lenkt das Hirn ab und hilft.
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Das Engagement der Hertie-Stiftung
Die Hertie-Stiftung hat Prof. Brandt im Rahmen einer Senior-Forschungsprofessur unterstützt. Ich habe im Jahr 2008 die Leitung der Neurologischen Klinik am Klinikum Großhadern in München (LMU) übergeben, da war ich 65 Jahre alt. Ich habe meine Arbeit gern gemacht, war über 30 Jahre Leiter von neurologischen Kliniken. Aber die Forschung war mir immer etwas sehr Wichtiges, deshalb habe ich, anstatt bis 67 weiterzuarbeiten, die Hertie-Senior-Professur angetreten, es war die Erste damals. Da hat die Hertie-Stiftung wirklich etwas ganz Tolles gemacht, was bis heute an vielen Universitäten kopiert wird.
Diese Unterstützung ermöglichte es ihm, ein Integriertes Forschungs- und Behandlungszentrum für Schwindel, Gleichgewichts- und Okulomotorikstörungen (IFB) zu gründen und das Projekt PoiSe zur besseren Versorgung von Schwindelpatienten zu initiieren.
Neuerscheinungen und Entwicklungen in der neurologischen Therapie
Mit teilweise neuer inhaltlicher Struktur, neuer thematischer Ausrichtung einzelner Beiträge und neuen Kapiteln, z. B. zu Apraxie, atypischem Gesichtsschmerz, Tic, Tourette und ADS, Mitochondrialen Erkrankungen, Hypophysentumoren sowie zu ethischen und rechtlichen Aspekten in der Neurologie, hat diese Auflage viel Neues zu bieten.
Die Inhalte dieses Standardwerks liegen auch in elektronischer Form als Online-Datenbank vor, die via Browser auf allen internetfähigen Endgeräten zugänglich ist. Käufer des Buches erhalten für sechs Monate einen kostenfreien Zugang zur vollständigen Online-Datenbank.
Die Bedeutung von Standardwerken in der Neurologie
Das Buch "Therapie und Verlauf neurologischer Erkrankungen", herausgegeben von Thomas Brandt, Hans-Christoph Diener und Christian Gerloff, gehört zweifelsohne in diese Kategorie. Seit nunmehr 25 Jahren stellt es das Standardwerk für den klinisch tätigen Neurologen dar, um sich über den aktuellen Stand und die Therapie neurologischer Erkrankungen zu informieren. Nach seiner 6., vollständig überarbeiteten und erweiterten Auflage bleibt das Buch ein unverzichtbares Standardwerk, dessen Sonderstellung - in Zeiten zunehmender Subspezialisierung - durch seine umfassende Abbildung der gesamten Neurologie begründet ist.
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Inhaltliche Schwerpunkte des Referenzwerks
Das Referenzwerk zur neurologischen Therapie deckt ein breites Spektrum an Themen ab, darunter:
- Schmerz (Migräne, medikamenteninduzierter Kopfschmerz, akuter und chronischer Schmerz)
- Hirnnerven und Hirnstamm (Augenbewegungsstörungen, Schwindel, Tinnitus)
- Epilepsien und Synkopen (medikamentöse und chirurgische Behandlung der Epilepsien)
- Kognitive und Verhaltensstörungen (Schlafstörungen, Gedächtnisstörungen, Demenz)
- Zerebrovaskuläre Erkrankungen (zerebrale Ischämie, intrazerebrale Blutungen)
- Infektions- und Entzündungskrankheiten (bakterielle Infektionen, Meningitis, HIV-Infektion, Multiple Sklerose)
- Intensivneurologie (Schädel-Hirn-Trauma, Alkoholfolgekrankheiten, Hirntod)
- Neoplasien und Missbildungen (Palliativmedizin, primäre intrakranielle und spinale Tumoren)
- Bewegungsstörungen (Parkinson-Syndrome, Dystonien und Dyskinesien, Restless-Legs-Syndrom)
- Muskulatur und peripheres Nervensystem (Polyneuropathien, Nervenverletzungen, Myopathien)
- Endokrines und vegetatives Nervensystem
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