Alzheimer-Ausbruch Ursachen: Ein umfassender Überblick über Forschung und Risikofaktoren

Die Alzheimer-Krankheit, die 60 bis 70 Prozent aller Demenzfälle ausmacht, steht im Mittelpunkt der Demenzforschung. Seit der Entdeckung vor über 100 Jahren versucht die Forschung, die Krankheit zu verstehen, wobei ein besonderes Augenmerk auf den Einfluss unserer Gene und deren Mutationen gelegt wird.

Diagnoseforschung und Biomarker

Die Diagnoseforschung konzentriert sich laut Prof. Dr. Thomas Arendt darauf, körperliche Merkmale zu finden, anhand derer die Alzheimer-Krankheit nachgewiesen werden kann. Ein Biomarker könnte beispielsweise ein bestimmter Bestandteil im Blut sein. Im Jahr 2021 kam in den USA ein Bluttest zur Diagnosestellung von Alzheimer auf den Markt. Der Precivity AD-Bloodtest erfasst unter Berücksichtigung des Alters und einer genetischen Komponente das Verhältnis zweier Proteinvarianten von Amyloid-Beta.

Genetische Faktoren und Familiäre Alzheimer-Krankheit (FAD)

Experten schätzen, dass bei etwa 30 Prozent der Alzheimer-Patienten weitere Betroffene in der engeren Verwandtschaft vorkommen. Für Verwandte zweiten Grades (z. B. Neffen oder Nichten) liegt die Erkrankungs-Wahrscheinlichkeit bei zehn Prozent. Eine Form der Alzheimer-Krankheit ist die Familiäre Alzheimer-Krankheit (FAD), die allerdings nur etwa 5 Prozent aller Fälle umfasst. Inzwischen sind zumindest drei Gene identifiziert worden, die dazu führen können, dass Menschen bereits im jüngeren Alter (unter 60 Jahren) an Alzheimer erkranken.

Wenn in einer Familie Alzheimer aufgetreten ist und die Erkrankten noch relativ jung waren (unter 60 Jahren), besteht ein höheres Risiko, dass in der Familie die familiäre Alzheimer-Krankheit (FAD) vererbt wird. Anhand einer Blutuntersuchung des Betroffenen beziehungsweise der Kinder kann festgestellt werden, ob eine genetische Mutation vorliegt.

Amyloid-Beta-Plaques und Tau-Fibrillen

Zentral ist die Erforschung von Beta-Amyloid-Plaques. Unter Beta-Amyloid werden Proteine verstanden, die als Hauptauslöser von Alzheimer und anderen demenziellen Veränderungen gelten. Diese Proteine kommen auch bei gesunden Menschen vor. Krankmachend sind sie, wenn sie sich im Gehirn ablagern und nicht abgebaut werden. Sie führen dann wahrscheinlich zu einer Störung neuronaler Impulse, das heißt, Signale können im Gehirn nicht weitergegeben werden.

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Ein deutsch-niederländisches Forscherteam hat einen Bluttest entwickelt, der die Fehlfaltung des Amyloid-Beta-Proteins erkennt. Diese Fehlfaltung des Proteins ist für die Alzheimer-Krankheit charakteristisch. Der Früh-Test des Forscherteams sei mit einer Sensitivität von mindestens 90 Prozent sehr aussagekräftig.

Im Inneren von Hirnzellen ist das sogenannte Tau-Protein verortet. Es ist unter anderem dafür verantwortlich, Teile einer Struktur zu formen - der Mikro-Tubuli (Röhrchen). Diese Röhrchen helfen dem Köper dabei, Nährstoffe und andere wichtige Substanzen von einem Teil der Nervenzelle zum anderen zu transportieren. Bei Alzheimer-Erkrankten ist das Tau-Protein chemisch verändert, sodass es sich in Form von Fasern (Tau-Fibrillen) in den Nervenzellen ablegt.Das gemeinsame Auftreten von Plaques und Neurofibrillen ist charakteristisch für die Alzheimer-​Krankheit.

Weitere Demenzformen und Risikofaktoren

Demenzielle Veränderungen haben sehr viele unterschiedliche Ursachen. Es gibt viele Demenzformen. Oft liegen auch Mischformen vor. Dies erschwert die Diagnose und Behandlung. Bei etwa 15 Prozent aller Demenzformen handelt es sich um eine Frontotemporale Demenz (FTD). Diese Demenzform ist auch als Picksche Krankheit bekannt. Das Institut für Humangenetik der Universität Bonn schätzt, dass etwas zehn bis 15 Prozent der FTD vererbbar sind.

Eine vaskuläre Demenz ist die Folge von Beschädigungen an Blutgefäßen im Gehirn. Ursächlich dafür ist in vielen Fällen ein Schlaganfall, Bluthochdruck oder andere Grunderkrankungen wie Diabetes und Herzerkrankungen. Es gibt eine genetische Mutation, die das Risiko für eine vaskuläre Demenz stark erhöht.

Bislang sind keine Risikofaktoren für eine Lewy-Body-Demenz bekannt. In wenigen Familien wird die Lewy-Body-Demenz allerdings infolge von Veränderungen im Erbgut hervorgerufen.

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Neben genetischen Faktoren gibt es weitere Risikofaktoren, die die Entstehung von Alzheimer begünstigen können:

  • Alter: Das Alter ist der größte Risikofaktor für Alzheimer. Die meisten Betroffenen sind älter als 80 Jahre.
  • Bluthochdruck: Erhöhter Blutdruck kann die Blutgefäße im Gehirn schädigen und das Risiko für Alzheimer erhöhen.
  • Erhöhter Cholesterinspiegel: Ein hoher Cholesterinspiegel, vor allem bei Menschen unter 65 Jahren, kann die Ablagerung von schädlichen Proteinen wie Amyloid-beta und verändertem Tau im Gehirn fördern.
  • Erhöhter Homocysteinwert im Blut: Ein erhöhter Homocysteinwert im Blut kann ebenfalls das Risiko für Alzheimer erhöhen.
  • Gefäßverkalkung (Arteriosklerose): Gefäßverkalkung kann die Durchblutung des Gehirns beeinträchtigen und das Risiko für Alzheimer erhöhen.
  • Schlecht eingestellter Blutzucker bei Diabetes: Ein schlecht eingestellter Blutzucker bei Diabetes kann die Blutgefäße im Gehirn schädigen und das Risiko für Alzheimer erhöhen.
  • Bewegungsmangel: Wer sich im Alltag kaum bewegt, erhöht sein Risiko, an einer Demenz zu erkranken. Bewegungsmangel beeinträchtigt die Durchblutung des Gehirns, schwächt Nervenzellen und begünstigt den geistigen Abbau.
  • Rauchen: Rauchen erhöht das Risiko für Alzheimer und vaskuläre Demenz - vor allem durch die negativen Auswirkungen auf Herz, Gefäße und Gehirn.
  • Übergewicht: Übergewicht - besonders im mittleren Lebensalter - erhöht das Risiko, später an einer Demenz zu erkranken.
  • Hoher Alkoholkonsum: Wer regelmäßig viel Alkohol trinkt, riskiert mehr als einen Kater. Studien zeigen: Schon mehr als drei Liter Bier oder zwei Liter Wein pro Woche führt zum Verlust der grauen Masse im Gehirn und damit zu einem höheren Risiko für alle Formen der Demenz.
  • Soziale Isolation: Soziale Isolation bedeutet, dass ein Mensch nur selten Kontakt zu anderen hat - zum Beispiel, wenn er allein lebt, kaum Besuch bekommt oder nicht mehr aktiv am gesellschaftlichen Leben teilnimmt.
  • Luftverschmutzung: Feine Partikel aus Abgasen, Industrie, Holz- und Kohleöfen können Entzündungen auslösen, die Gefäße schädigen und langfristig die geistige Gesundheit beeinträchtigen.
  • Unbehandelte Sehschwäche: Wenn das Sehvermögen nachlässt und nicht ausgeglichen wird, gehen dem Gehirn wichtige Reize verloren.

Prävention und Behandlung

Bewegung ist ein wesentlicher Faktor, um das Risiko für eine Demenz zu verringern. Man kann damit sogar eine erblich bedingte Veranlagung ausgleichen. Ein gesunder Lebensstil mit Bewegung, geistiger Aktivität, sozialem Austausch und gesunder Ernährung kann das Risiko senken.

Die Alzheimer-Demenz kann zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht geheilt werden. Es gibt jedoch in der Demenz-Therapie Behandlungen, Medikamente und andere Maßnahmen, die die Symptome lindern und das Fortschreiten der Erkrankung verlangsamen sollen. In den letzten Jahren haben immer wieder Studien zu neuen Alzheimer-Impfstoffen Aufsehen erregt. Aktuell ist der Wirkstoff Protollin ein besonders vielversprechender Kandidat.

In Deutschland sind zur Behandlung der leichten bis mittelschweren Demenz drei Arzneistoffe (Donepezil, Rivastigmin und Galantamin) zugelassen, die den bei Demenz vermindert vorkommenden Botenstoff Acetylcholin erhöhen. Für die Behandlung der mittelschweren bis schweren Demenz ist der Wirkstoff Memantin erhältlich.

Anfang 2025 wurde Leqembi in Deutschland zur medikamentösen Behandlung von Menschen mit leichten kognitiven Beeinträchtigungen und im Frühstadium der Alzheimer-Demenz zugelassen.

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Umgang mit Alzheimer-Erkrankten und Angehörigen

Ein tiefgehendes Wissen über Alzheimer kann enorm dabei helfen, Betroffene und ihre Bedürfnisse besser zu verstehen und den Umgang mit der Krankheit zu erleichtern. Angehörigenarbeit und nicht medikamentöse, psychosoziale Interventionen sind ein tragender Pfeiler in der Alzheimertherapie. "Insbesondere in der frühen Phase ist es sinnvoll, kognitive Stimulation anzubieten", sagt Jessen. Auch Verfahren, die die Erinnerung wecken, sind geeignet, genauso wie Ergotherapie für alltagspraktische Übungen und körperliche Aktivität.

Es ist wichtig, die Umwelt und die Kommunikation an die Bedürfnisse der Erkrankten anzupassen - das verringert belastendes Verhalten oft deutlich, ohne Medikamente. In der Kommunikation kann es hilfreich sein, weniger an unverrückbaren Wahrheiten festzuhalten, sondern sich in die Ängste und Sorgen der Betroffenen einzufühlen.

Patientenverfügung und Pflegegrad

Eine Patientenverfügung stellt sicher, dass Ihre medizinischen Wünsche auch in unerwarteten Situationen respektiert werden und bewahrt so Ihre Selbstbestimmung. Sie greift in Situationen, in denen Sie aufgrund von Krankheit oder Verletzung nicht in der Lage sind, sie selbst auszudrücken.

Alzheimer ist nicht heilbar und führt früher oder später zu einem erhöhten Unterstützungs- und schließlich auch Pflegebedarf. Finanzielle Unterstützung erhalten pflegebedürftige Menschen durch die Erteilung eines Pflegegrads.

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