Seit Jahrtausenden nutzen Menschen Meditation, um ihr spirituelles, emotionales und körperliches Wohlbefinden zu verbessern. Die moderne Wissenschaft, insbesondere die Neurowissenschaften, hat begonnen, die komplexen Mechanismen aufzudecken, durch die Meditation das Gehirn, die Psyche und den Körper beeinflusst. Dieser Artikel beleuchtet die Forschungsergebnisse von Dr. Britta Hölzel und anderen Wissenschaftlern, die zeigen, wie Meditation das Gehirn verändert und welche positiven Auswirkungen dies auf die Gesundheit und das Wohlbefinden haben kann.
Wie Meditation Gehirn, Psyche und Körper beeinflusst
Meditation ist weit mehr als nur eine Entspannungstechnik; sie ist ein aktiver Prozess, der das Gehirn und den Körper auf vielfältige Weise beeinflusst. Neurowissenschaftliche Studien zeigen, dass Meditation die Gehirnaktivität in Regionen erhöht, die mit verminderter Angst und Depression sowie erhöhter Schmerztoleranz in Verbindung stehen. Darüber hinaus verändert Meditation die Gehirnströme und erhöht die Level von Alpha-Wellen, die Gefühle wie negative Stimmung, Anspannung, Traurigkeit und Wut verringern können.
Auf körperlicher Ebene führt Meditation zu verringertem Blutdruck und einer höheren Variabilität der Herzfrequenz. Auf zellulärer Ebene kann Meditation sogar die Telomere schützen, die Proteinkomplexe, die menschliche Chromosomen schützen. Verkürzte Telomere werden mit verschiedenen Krankheiten wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes, Alzheimer und Krebs in Verbindung gebracht. Es wird vermutet, dass die Reduzierung von Stress durch Meditation einen direkten Einfluss auf das Enzym Telomerase hat, das die Telomere schützt.
Meditation verändert das Gehirn
Die Psychologin und Hirnforscherin Dr. Britta Hölzel hat herausgefunden, dass Meditation das Gehirn vor allem im Bereich des Hippocampus verändert. Regelmäßiges Meditieren kann das Nervengewebe durch Stress erholen. Die Wissenschaftlerin ist überzeugt, dass sich Stress, Depressionen, Angststörungen und sogar Schmerzen durch Meditation besser bewältigen lassen.
Die Rolle der Amygdala im Stressgeschehen
Die Amygdala spielt eine Schlüsselrolle im Stressgeschehen, da sie als Alarmglocke fungiert und alle ankommenden Reize auf ihre Bedrohlichkeit überprüft. Im Zuge dieser Aktivierung wird der Körper mit Stresshormonen überflutet. Meditation kann die Dichte der grauen Substanz der Amygdala verringern, wodurch sie weniger anfällig für Stress wird.
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Bildgebende Verfahren zur Untersuchung der Auswirkungen von Meditation
Wissenschaftler verwenden heute bildgebende Verfahren wie die Magnetresonanztomographie (MRT), um die Auswirkungen von Meditation auf das Gehirn zu untersuchen. Dr. Ulrich Ott beschreibt in seinem Buch "Meditation für Skeptiker" die Ergebnisse einer Studie, die seine Kolleginnen Dr. Britta Hölzel und Dr. Sara Lazar an der Harvard Medical School durchgeführt haben.
Meditation in der Praxis: Erfahrungen und Studien
Achtsamkeitsmeditation im Alltag
Hedwig Müller, eine Studentin, die an einer Schreibblockade litt, entdeckte die Achtsamkeitsmeditation durch einen Aushang im Supermarkt. Sie nahm an einer Studie teil, bei der sie ihr Gehirn vor und nach der Meditationspraxis untersuchen ließ. Unterstützt durch Audio-CD und Handbuch meditiert sie jeden Tag und bemüht sich, das Hier und Jetzt ganz bewusst zu erfassen.
Meditation bei Depressionen
Eine Meditationsstudie mit 22 depressiven Frauen und Männern in Tübingen zeigte positive Ergebnisse. Thomas Schröder, ein promovierter Arzt, der anfangs skeptisch war, lernte acht Wochen lang sanfte Yoga-Übungen sowie die Achtsamkeitsmeditation. Die federführenden Psychologen Vladimir Bostanov und Philipp Keune entdeckten, dass die Meditation die Biologie seines Gehirns verändert hat und das Gehirn nach dem achtwöchigen Meditationskurs deutlich stärker auf akustische Reize reagierte.
Der Vagusnerv und seine Bedeutung
Die Psychologin Bethany Kok erforscht den Vagusnerv, der vom Hirnstamm den Hals entlang durch die Brusthöhle bis zu den Eingeweiden läuft. Ein hoher Tonus des Vagusnervs bürge für eine geregelte Verdauung und helfe beim Orgasmus. Auch sei er unverzichtbar für soziale Kontakte. In einem Experiment mit Kollegen der University of North Carolina in Chapel Hill fand Kok heraus, dass der Vagotonus der Meditierenden deutlich gestiegen ist.
Meditation und Herzgesundheit
Eine Gruppe um den Mediziner Robert Schneider von der Maharishi University of Management in Fairfield (US-Bundesstaat Iowa) untersuchte 201 Frauen und Männer mit Engstellen an den Herzkranzgefäßen. Eine Hälfte von ihnen erlernte die Transzendentale Meditation. Im Vergleich zu den Kontrollpersonen erlitten die Meditierenden weniger Infarkte und Schlaganfälle und lebten länger.
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Die Vielfalt der Meditationstechniken
Von der Achtsamkeit bis zum Zen reichen die Schulen der Meditation. Jeder solle die Technik wählen, die ihm am besten gefalle, rät der Gießener Psychologe Ott. Ärzte und Psychologen verschreiben häufig die sogenannte Mindfulness-Based Stress Reduction (MBSR), das ist jenes Acht-Wochen-Programm, das Thomas Schröder in Tübingen so gutgetan hat.
MBSR wurde von Jon Kabat-Zinn entwickelt und verbindet Elemente aus dem Buddhismus mit der westlichen Naturwissenschaft, um kranken Menschen zu helfen. Heute ist MBSR in vielen Kliniken verbreitet und hat sich gegen Stress, Depression, Angststörungen und Schmerzen bewährt.
Meditation in der Wissenschaft: Ein wachsendes Forschungsfeld
Die Zahl der Veröffentlichungen zum medizinischen Meditieren wächst exponentiell. "Das Feld plätscherte lange Zeit dahin. Doch jetzt verhelfen ihm die Neurowissenschaften zu einem Boom", sagt Ulrich Ott vom Bender Institute of Neuroimaging der Universität Gießen.
Veränderungen im Gehirn durch Meditation
Ulrich Ott und seine Mitarbeiterin Britta Hölzel resümieren die Ergebnisse: Meditation verändert nicht nur die Aktivität des Gehirns, sondern auch seine Struktur. Die graue Substanz nimmt in den Regionen zu, die zuvor trainiert wurden. Wer etwa durch einen sogenannten Bodyscan regelmäßig seine Körperwahrnehmung trainiert, bei dem wächst die graue Substanz in den Gehirnregionen, die für die Repräsentation des gefühlten Leibes zuständig sind.
Herausforderungen und Perspektiven der Meditationsforschung
Tania Singer, Direktorin am Max-Planck-Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften in Leipzig, warnt vor einer Selbstüberschätzung der Disziplin. Britta Hölzel betont, dass es wichtig ist, die Übungen genau zu definieren und eine gute aktive Kontrollgruppe zu finden. Sie weist auch darauf hin, dass die Medien die Ergebnisse nicht überstrapazieren und möglicherweise Dinge hineininterpretieren, die nicht da sind.
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Britta Hölzel: Achtsamkeit und Meditation im Alltag
Dr. Britta Hölzel ist Neurowissenschaftlerin, MBSR-Trainerin und Gründerin des Instituts für Achtsamkeit und Meditation in München. Sie betont, dass wer zu meditieren gelernt hat, im Alltag besser mit belastenden Gefühlen umgehen kann. Das schütze effektiv vor Stress - und erhöhe die Lebenszufriedenheit.
Meditation als wirksames Mittel gegen Stress
In Zeiten von Arbeitsverdichtung, Multitasking und Informationsflut ist Meditation ein wirksames Mittel, um einen ruhigen Geist und klaren Kopf zu bewahren. Wer viel meditiert, ist in der Regel gesünder, weniger gestresst und empfindet sein Leben als sinnerfüllter.
Die Neuroplastizität des Gehirns
Die Hirnforscherinnen und -forscher konnten nachweisen, dass sich das Gehirn sowohl an schädliche wie auch an heilende Einflüsse beständig anpasst. Sie bezeichneten diesen Anpassungsprozess als „Neuroplastizität“. So konnte die Arbeitsgruppe von Britta Hölzel belegen, dass während eines achtwöchigen Meditationstrainings in einem Teil des Gehirns, dem Hippocampus, strukturelle Veränderungen stattfanden, die eine positive Wirkung anzeigten.
Meditation und die Stärkung des Gehirns
Es ist wissenschaftlich belegt, dass - ähnlich wie wir unsere Muskeln beim Kraftsport trainieren - wir auch unser Gehirn durch Meditation stärken können. Dauer und Intensität der Entspannungstechniken stehen dabei im direkten Verhältnis zu den neuroplastischen Veränderungen. Je nach Intensität ist ein Effekt nach etwa drei bis sechs Monaten zu beobachten.