Brot gegen Alzheimer: Forschung und Ernährung für ein gesundes Gehirn

Die Alzheimer-Forschung hat in den letzten Jahren bedeutende Fortschritte gemacht, insbesondere im Bereich der Ernährung. Es gibt zwar kein einzelnes "Superfood", das Demenz verhindern kann, aber wissenschaftliche Studien belegen, dass bestimmte Ernährungsweisen und Lebensmittel eine positive Wirkung auf die kognitive Funktion und die allgemeine Hirngesundheit haben können. Dieser Artikel beleuchtet die aktuellen Erkenntnisse und Forschungsprojekte zum Thema Brot und Ernährung im Zusammenhang mit Alzheimer und anderen neurodegenerativen Erkrankungen.

Ernährungsgewohnheiten und kognitive Fähigkeiten

Mehrere Studien haben den Zusammenhang zwischen Ernährungsgewohnheiten und kognitiven Fähigkeiten untersucht. Eine Studie des Deutschen Zentrums für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE) befragte 512 Teilnehmer nach ihren Ernährungsgewohnheiten und untersuchte ihre kognitiven Fähigkeiten sowie das Vorhandensein bestimmter Proteine im Nervenwasser des Rückenmarks. Eine weitere Studie aus dem Jahr 2018 zeigte, dass der tägliche Verzehr einer Portion grünem Blattgemüse wie Spinat, Grünkohl oder Mangold den Alterungsprozess des Gehirns messbar verlangsamen kann.

Die mediterrane Ernährung

Die mediterrane Ernährung, die reich an Obst, Gemüse, Hülsenfrüchten, Olivenöl und regelmäßigem Konsum von fettem Seefisch ist, wird oft als positives Beispiel hervorgehoben. Studien zeigen, dass diese Ernährungsweise das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Diabetes senken und gleichzeitig die Hirngesundheit verbessern kann.

Die "MIND-Diät"

Die sogenannte MIND-Diät (Mediterranean-DASH Intervention for Neurodegenerative Delay) kombiniert Elemente der mediterranen Ernährung und der DASH-Diät (Dietary Approaches to Stop Hypertension) und zielt speziell darauf ab, die Hirngesundheit zu fördern.

Die Rolle von Kohlenhydraten und Flüssigkeit

Das Gehirn benötigt Energie, die es hauptsächlich aus Kohlenhydraten bezieht. Optimal sind komplexe Kohlenhydrate, die eine langsame und stetige Energieversorgung gewährleisten. Daniela Krehl warnt: "Ausreichend Energie bekommt das Gehirn nur über Kohlenhydrate, es kann keine Energie aus Fett oder Eiweiß ziehen."

Lesen Sie auch: Fettes Brot und ihre Hits

Auch ausreichend Flüssigkeit ist für die Gehirnfunktion unerlässlich. "Für die geistige Fitness ist es ganz wichtig, dass man genügend trinkt. Schon allein zwei Prozent Flüssigkeitsverlust kann dazu führen, dass wir uns nicht mehr richtig konzentrieren können, dass wir Kopfschmerzen bekommen."

Brot als Forschungsobjekt: Das AGE-Projekt von Prof. Andreas Simm

Prof. Andreas Simm von der Universitätsklinik Halle (Saale) forscht seit vielen Jahren an den Auswirkungen von Brot auf die Gesundheit. Sein aktuelles Projekt "Backwaren als Functional Food: neuronaler Schutz vor stressinduziertem Zelltod" untersucht die Effekte von Advanced Glycation Endproducts (AGE) aus Brot auf degenerative Erkrankungen.

Was sind AGE?

AGE sind Glukose-Fett- oder Glukose-Eiweiß-Verbindungen, die beim Backen entstehen. Sie sind besonders in der Brotkruste in hoher Konzentration vorhanden. "Beim Backen bilden sich die modifizierten Eiweiße", erklärt der Biologe. "In der Brotkruste seien dabei deutlich mehr AGE enthalten als in der Krume." Dabei gilt: "Je dunkler, desto mehr AGE", aber verbrannt darf das Brot nicht sein.

Schützende Wirkung von AGE

Vorarbeiten haben gezeigt, dass AGE-reiche Extrakte aus der Brotkruste Zellen vor oxidativem Stress schützen können, wie er beispielsweise bei Diabetes, Alzheimer, Operationen oder Gewebeschäden nach einer Sauerstoffunterversorgung (Ischämie-Reperfusionsschäden) in Zellen entsteht.

Ziel des Projekts

Ziel des Projekts ist es, herauszufinden, welche Getreidesorte und welche Backtemperatur das beste Ergebnis liefern. Dazu werden in einer Bäckerei viele verschiedene Brote standardisiert gebacken. "Wir fangen mit den Sorten an, die in Deutschland angebaut werden, also unter anderem Dinkel, Hafer, Weizen, Roggen", sagt Prof. Simm. Wenn sich dann zwei Sorten als besonders geeignet zeigen, wird mit diesen Teigen ebenfalls standardisiert getestet, welche Backtemperatur und Backzeit am besten sind. Ein großes Ziel sei, aus der Kruste ein Nahrungsergänzungsmittel zu entwickeln, mit dem man seine Abwehr sozusagen trainieren könne. Bei Demenz, bei der Nervenzellen absterben, aber auch bei Lungentumorzellen könnte eine solche AGE-Therapie eventuell helfen. Sie könnte dazu führen, die zelleigene Abwehr zu induzieren beziehungsweise das Wachstum des Tumors zu hemmen.

Lesen Sie auch: Migräne natürlich behandeln

"Bread Head": Eine Dokumentation über Ernährung und Alzheimer

Der Filmemacher Max Lugavere erstellte die Dokumentation "Bread Head", nachdem bei seiner Mutter Alzheimer diagnostiziert wurde. Der Film beschäftigt sich mit dem Einfluss der Ernährung auf die Gesundheit des Gehirns und beleuchtet, wie hochindustriell verarbeitete Lebensmittel als gesunde Grundnahrungsmittel verschleiert werden können.

Die Rolle von Brot

Lugavere kritisiert, dass industriell verarbeitetes Vollkornbrot oft einen höheren glykämischen Index hat als Haushaltszucker und in den USA eine der größten Natriumquellen ist, was zu Bluthochdruck führen kann - einem wichtigen Faktor bei vaskulärer Demenz. Zudem enthält Brot Gluten, was sich auf die Darmgesundheit auswirken kann. Die Darm-Hirn-Achse ist ein wichtiges Forschungsgebiet, da sie eine Verbindung zwischen Darmgesundheit und Gehirnfunktion herstellt.

Epigenetik und Ernährung

Lugavere betont die Bedeutung der Epigenetik, also der Tatsache, dass unsere Gene nicht unser Schicksal sind und wir unsere Genexpression durch unsere Entscheidungen verändern können. Er selbst hat seine Ernährung auf weniger Kohlenhydrate und mehr gesundes Fett umgestellt, nachdem er sich intensiv mit dem Thema Glykation auseinandergesetzt hat.

Spermidin und Autophagie: Zellreinigung gegen Alzheimer

Spermidin ist ein Botenstoff, der in allen Zellen unseres Körpers vorkommt und auch von ihnen gebildet wird. Es wird auch vom Mikrobiom des Darms und mit der Nahrung aufgenommen. Spermidin erfüllt wichtige Aufgaben in der menschlichen Zelle, insbesondere die Auslösung der zellulären Autophagie - ein Prozess, bei dem Zellen aufgeräumt und Zellschrott abgebaut und verwertet wird.

Spermidin als Schutzfaktor

Spermidin kann diese Aufräumprozesse in Gang setzen und schützt damit die Zellen vor schädlichen Ansammlungen, einschließlich fehlgefalteter Proteine, die für die Entstehung neurodegenerativer Erkrankungen wie Alzheimer verantwortlich sind.

Lesen Sie auch: Brotfreie Ernährung bei Migräne

Spermidin-reiche Lebensmittel

Besonders gute Spermidin-Lieferanten sind:

  • Weizenkeimlinge
  • Pilze (Kräuterseitlinge, Champignons)
  • gereifter Käse
  • Erbsen
  • Broccoli und Blumenkohl (gekocht)
  • Äpfel und Birnen

Es wird empfohlen, ausreichend Vollkornprodukte, Nüsse und Hülsenfrüchte in den Speiseplan einzubauen, da diese Spermidin und weitere wichtige Nährstoffe enthalten.

Gluten als Risikofaktor für Demenz?

Gluten, auch Klebereiweiß genannt, ist ein fester Bestandteil unserer Ernährung. Studien zeigen jedoch, dass insbesondere Menschen mit Gluten bedingten Erkrankungen wie Zöliakie oder Glutensensitivität anfällig für neurologische Symptome sind und möglicherweise ein erhöhtes Risiko für Demenz haben könnten.

Vom Leaky Gut zum Leaky Brain

Gluten kann von unseren Verdauungsenzymen nicht vollständig in seine Bestandteile zerlegt werden. Insbesondere das Eiweiß Gliadin kann bei Menschen mit Zöliakie und Glutensensitivität vom Immunsystem im Darm als schädlich erkannt werden. Dies kann zu Entzündungen und einer erhöhten Durchlässigkeit des Darms führen (Leaky Gut). In der Folge können schädliche Substanzen in die Blutbahn gelangen und die Blut-Hirn-Schranke passieren, was zu Entzündungen und oxidativem Stress im Gehirn führen kann.

Kreuzreaktion mit Gehirnproteinen

Studien zeigen, dass Glutenproteine in ihrer Aminosäuresequenz Ähnlichkeiten mit bestimmten Proteinen im Gehirn aufweisen. Dies kann dazu führen, dass Gluten-Antikörper auch Gehirnproteine angreifen (Kreuzreaktivität), was zu Entzündungsreaktionen oder Funktionsstörungen im Gehirn führen kann.

Stark verarbeitete Lebensmittel und Hirngesundheit

Aktuelle Studien zeigen, dass der Konsum von stark verarbeiteten Lebensmitteln das Risiko für Demenz erhöhen kann. Dazu zählen unter anderem Fast Food, Fertigpizza, Dosenravioli, Instantsuppen oder Mikrowellengerichte.

Mögliche Mechanismen

Forschende gehen davon aus, dass stark verarbeitetes Essen auf verschiedene Arten ungesund fürs Gehirn sein kann:

  • Übergewicht: Häufiger Konsum von stark verarbeiteten Lebensmitteln kann zu Übergewicht führen, was Erkrankungen wie Bluthochdruck oder Diabetes begünstigen kann.
  • Gestörte Darmflora: Essen mit vielen gesättigten Fetten, Salz und wenig Ballaststoffen kann die mikrobielle Vielfalt im Darm verändern.
  • Geschädigte Nervenzellen: Manche Stoffe wie künstliche Aromen oder andere Zusatzstoffe können Nervenzellen schädigen.

Es wird empfohlen, so oft wie möglich frisch zu kochen und industriell hergestellte Produkte zu meiden.

Mental-Brot: Eine innovative Brot-Kreation für die Hirngesundheit

Die Bäckerei Eisinger hat mit dem Mental-Brot eine innovative Brot-Kreation entwickelt, die auf den heilenden Kräften des Griechischen Bergtees und des Johanniskrauts basiert.

Griechischer Bergtee

Der Griechische Bergtee der Art „Sideritis Scardica“ wird im Mittelmeerraum seit Jahrhunderten zur Gesunderhaltung des Gehirns genutzt und kann so dazu beitragen, vor Alzheimer-Demenz, anderen Formen der Demenz, aber auch Parkinson und Depression zu schützen. Er ist reich an wertvollen Inhaltsstoffen wie Flavonoiden, Antioxidantien, zahlreichen Phenolsäuren wie Ferulasäure, Chlorogensäure und Apigenin sowie ätherischen Ölen.

Johanniskraut

Johanniskraut ist als natürliches Mittel bei Stimmungsschwankungen und Depressionen bekannt. Es kann darüber hinaus den Krankheitsverlauf bei Demenz-Erkrankungen ebenfalls positiv beeinflussen. Denn bestimmte im Johanniskraut verfügbare Transportproteine befördern die toxischen, sog. Plaque verursachende β-Amyloid-Peptide aus dem Gehirn, die für den Abbau der Gehirnzellen verantwortlich sind.

Weitere Zutaten

Weitere Zutaten des Mental-Brotes sind Sonnenblumenkerne, Kürbiskerne, Apfelessig, Flohsamen, Hafer und Leinsaat, die jeweils wertvolle Nährstoffe liefern.

Camembert: Ein Käse mit überraschenden Potenzialen?

Eine aktuelle Studie deutet darauf hin, dass Camembert die Gedächtnisleistung steigern könnte. Der Käse enthält Fettsäureamide wie Myristamid, Oleamid und Stearamid, die während der Fermentation entstehen. Insbesondere Myristamid zeigte in einer Studie Verbesserungen der Gedächtnisleistung bei Mäusen.

Amidierungsprozess

Der Amidierungsprozess im Camembert entsteht während der Fermentation, wenn bestimmte Fettsäuren in ihre aktivere Form - sogenannte Fettsäureamide - umgewandelt werden. Diese Fettsäureamide können im Gehirn wirken, indem sie die Nervenzellen im Hippocampus schützen und stärken.

Weitere Forschung notwendig

Ob der Effekt von Camembert auch beim Menschen langfristig wirksam ist, bleibt unklar. Weitere Studien sind notwendig, um die Rolle von Myristamid und anderen Fettsäureamiden genauer zu verstehen.

tags: #brot #gegen #alzheimer