Migräne ist eine neurologische Erkrankung, die von pochenden Kopfschmerzen bis hin zu Sehstörungen und Schwindelgefühlen reichen kann. Die Ursachen sind vielfältig und oft individuell. Während Medikamente Linderung verschaffen können, suchen viele Betroffene nach alternativen oder ergänzenden Ansätzen, darunter auch Ernährungsumstellungen. Dieser Artikel beleuchtet den Zusammenhang zwischen Ernährung, insbesondere dem Verzicht auf Brot und Kohlenhydrate, und Migräne.
Migräne verstehen
Die genauen Ursachen der Migräne sind noch nicht vollständig erforscht. Viele Wissenschaftler gehen davon aus, dass das Gehirn von Migränepatienten aufgrund ihrer Veranlagung empfindlicher reagiert als das Gehirn gesunder Menschen. Plötzliche Veränderungen im Körper, wie hormonelle Schwankungen oder äußere Einflüsse, können eine Attacke auslösen. Diese inneren und äußeren Einflüsse werden als Triggerfaktoren bezeichnet.
Individuelle Triggerfaktoren
Welche Triggerfaktoren eine Migräneattacke auslösen, ist individuell sehr unterschiedlich. Stress, veränderter Schlaf-Wach-Rhythmus oder bestimmte Nahrungs- und Genussmittel können eine Rolle spielen. Es ist wichtig, zusammen mit dem Arzt nach diesen persönlichen Triggerfaktoren zu suchen, um sie nach Möglichkeit zu vermeiden.
Das Kopfschmerztagebuch
Ein Kopfschmerztagebuch kann bei der Identifizierung von Triggern helfen. Darin können Ernährungsweise und andere verdächtige Faktoren vermerkt werden. Es ist jedoch nicht sinnvoll, generell Nahrungsmittel zu meiden, von denen bekannt ist, dass sie Anfälle provozieren, da Nahrungsmittel nicht bei allen Patienten eine Rolle spielen.
Die "Migräne-Diät" gibt es nicht
Es gibt keine spezielle Ernährung bei Migräne oder gar eine „Migräne-Diät“. Wichtig ist es, die ganz persönlichen ernährungsbedingten Einflüsse mit Hilfe des Kopfschmerztagebuchs herauszufinden, um sie gezielt vom Speiseplan zu streichen. Bedenke, dass zwischen der Aufnahme eines Nahrungsmittels und einer Attacke zumeist mehrere Stunden liegen können.
Lesen Sie auch: Ursachen von Alzheimer in den Vierzigern
Ernährung als Co-Faktor bei Migräne
Nahrungsmittel werden als Auslöser oft überschätzt. Ein bestimmtes Essverhalten vor einer Migräneattacke könnte bereits ein Symptom der Anfangsphase einer Attacke sein. Dennoch sollten Migränepatienten wissen, dass Nahrungsmittel im Einzelfall ein Co-Faktor für die Auslösung einer Attacke sein können. Eine Auslassdiät ist nur dann sinnvoll, wenn sich ein Nahrungsmittel eindeutig als Triggerfaktor identifizieren lässt.
Verdächtige Nahrungsmittel
Einige Migränepatienten berichten, dass Käse oder Rotwein ihre Attacken auslösen können. Andere reagieren empfindlich auf bestimmte Eiweißstoffe in Joghurt und Milchprodukten oder auf die Inhaltsstoffe bestimmter Früchte, etwa Bananen. Auch Koffein und Konservierungsstoffe in Fertiggerichten können eine Attacke verursachen. Bekannt als Triggerfaktor ist auch der Geschmacksverstärker Glutamat.
Regelmäßige Mahlzeiten
Mitunter können Attacken auch auftreten, wenn Migränekranke Mahlzeiten auslassen. Darum ist es wichtig, regelmäßig zu essen. Früher wurde auch Schokolade als Migräne-Auslöser verdächtigt. Inzwischen gibt es jedoch Hinweise, dass Veränderungen im Hirnstoffwechsel, die einer Attacke vorausgehen, einen Heißhunger auf Süßigkeiten auslösen können.
Allergien als Auslöser?
Manche Mediziner fassen die durch Nahrungsmittel ausgelöste Migräneattacke als eine Art allergische Reaktion auf. Tatsächlich konnten Teilnehmer in einer Studie durch eine Auslassdiät die Häufigkeit ihrer Migräneattacken um die Hälfte senken. Allerdings ließen sich die fraglichen „Migräne-Allergene“ nie mit allergologischen Methoden dingfest machen. Darüber hinaus kann keine Diät Patienten von ihrer Migräne völlig befreien.
Leben ohne Brot: Kohlenhydratarme Ernährung und Migräne
Der Zusammenhang zwischen Kohlenhydraten und Migräne ist komplex. Einerseits benötigt das Gehirn Kohlenhydrate als Energiequelle. Andererseits können starke Blutzuckerschwankungen, die durch den Verzehr von Kohlenhydraten verursacht werden, Migräneattacken triggern.
Lesen Sie auch: Heilung von Alzheimer in Reichweite?
Hypoglykämie und Migräne
Einige Menschen mit Migräne haben auch Probleme mit Hypoglykämie (Unterzuckerung). Dies kann zu Symptomen wie Müdigkeit, Konzentrationsschwierigkeiten und Kopfschmerzen führen. Eine kohlenhydratarme Ernährung kann helfen, den Blutzuckerspiegel zu stabilisieren und Hypoglykämie vorzubeugen.
Erfahrungen mit kohlenhydratarmer Ernährung
Einige Betroffene berichten von positiven Erfahrungen mit einer kohlenhydratarmen Ernährung zur Reduzierung von Migräneattacken. Durch die Reduzierung der Kohlenhydratzufuhr auf etwa 60g am Tag konnte beispielsweise das Problem der Hypoglykämie vollständig beseitigt und Blutzuckerspiegel stabilisiert werden.
Das Buch "Leben ohne Brot"
Das Buch "Leben ohne Brot" von Dr. Lutz aus dem Jahr 1967 empfiehlt eine kohlenhydratarme Ernährung. Es basiert auf den Erfahrungen des Autors mit zahlreichen Patienten und kann auch heute noch wertvolle Einblicke bieten.
Morbus Meulengracht
In einigen Fällen kann Morbus Meulengracht einen Einfluss auf die Glukoseproduktion in der Leber für das Gehirn in Verbindung mit niedriger mentaler Stresstoleranz haben. Eine achtsame Ernährungs- und Lebensweise sowie die Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln können helfen, die Symptome zu lindern.
Glykämischer Index und glykämische Last
Der glykämische Index (GI) ist ein Maß für die Wirkung eines Lebensmittels auf den Blutzuckerspiegel. Ein hoher GI bedeutet, dass die Kohlenhydrate schnell verdaut werden und den Blutzuckerspiegel schnell ansteigen lassen. Die glykämische Last (GL) berücksichtigt zusätzlich die Portionsgröße. Eine Ernährung mit niedrigem GI und GL kann helfen, Blutzuckerschwankungen zu vermeiden.
Lesen Sie auch: Demenz und Wohnen zu Hause
Individuelle Blutzuckerreaktionen
Die Blutzuckerreaktion auf bestimmte Lebensmittel kann individuell unterschiedlich sein. Die App sinCephalea ermöglicht es, den Blutzuckerverlauf kontinuierlich zu messen und so die individuellen Reaktionen auf kohlenhydrathaltige Mahlzeiten zu bestimmen.
Weitere Ernährungsempfehlungen bei Migräne
Neben der Reduzierung von Kohlenhydraten gibt es weitere Ernährungsempfehlungen, die bei Migräne hilfreich sein können:
- Ausreichend ungesättigte Fettsäuren: Eine regelmäßige Zufuhr an alpha- und gamma-Linolensäure ist erforderlich, um einen entzündungshemmenden Effekt zu erzielen.
- Serotoninreiche Lebensmittel: Serotonin ist eine lebenswichtige Substanz, die unter anderem den Schlaf-Wach-Rhythmus reguliert und die Stimmungslage beeinflusst. Tryptophan, die Vorstufe von Serotonin, ist besonders in Cashewnüssen, Haferflocken, Sojabohnen, Weizenkeimen und Käse enthalten.
- Vermeidung von Aminen: Aminreiche Lebensmittel wie lang gelagerte Käsesorten, Schokolade und Rotwein können bei manchen Menschen Migräneattacken auslösen.
- Regelmäßige Mahlzeiten: Das Auslassen von Mahlzeiten kann zu Migräneattacken führen. Daher ist es wichtig, regelmäßig zu essen.
- Gesunde, ausgewogene Ernährung: Eine gesunde, ausgewogene Ernährung mit frischen vollwertigen Produkten wirkt sich positiv auf den gesamten Organismus aus.
Die Bedeutung von Omega-3-Fettsäuren
Eine Studie ergab, dass der Verzehr von mehr Fisch- als Pflanzenölen die Anzahl und die Intensität von Migräneattacken verringern konnte. Bei den Teilnehmern, die einen geringeren Anteil an Pflanzenölen (Linolsäure/Omega-6-Fettsäuren) und einen höheren Anteil an Fettfischen (Omega-3-Fettsäuren) zu sich nahmen, verringerte sich die Gesamtzahl der Kopfschmerzstunden sowie die Zahl der Stunden mit schweren Kopfschmerzen pro Tag und der gesamten Kopfschmerztage pro Monat um 30 bis 40 Prozent im Vergleich zur Kontrollgruppe.
Pflanzliche Ernährung
Einige Patienten berichteten von einer Linderung ihrer Migräne durch eine vegetarische Ernährung. Eine Studie zeigte, dass eine Ernährung mit viel dunkelgrünem Blattgemüse, Blaubeeren und Leinsamen die Häufigkeit von Migräneattacken deutlich reduzieren konnte.
Zusätzliche Strategien zur Migräneprophylaxe
Neben der Ernährung gibt es weitere Strategien, die zur Migräneprophylaxe beitragen können:
- Regelmäßige Entspannungsübungen: Stress ist ein häufiger Trigger für Migräneattacken. Regelmäßige Entspannungsübungen wie Yoga, Achtsamkeitsübungen und Meditation können helfen, Stress abzubauen.
- Rationale Schmerzmittel-Therapie: Eine sinnvolle Medikamenten-Einnahme, die bei einer langfristig ausgerichteten Zusammenarbeit mit dem behandelnden Arzt so reduziert werden kann, dass keine schmerzmittelabhängigen Nebenwirkungen zu befürchten sind.
- Sportliche Aktivität: Tägliches Laufen und andere Formen von Ausdauersport können helfen, Migräneattacken zu reduzieren.
- Magnesium: Die tägliche Einnahme von Magnesium bis zur Durchfallgrenze kann bei manchen Menschen Migräneattacken reduzieren.
- Vermeidung von Stress: Stress gilt als eine der Hauptursachen für ein erhöhtes LDL-Cholesterin und kann auch Migräne triggern. Mentaltraining kann helfen, Stress abzubauen.
- Nahrungsergänzungsmittel (NEMs): Die Einnahme von verschiedenen hochwertigen NEMs wie Trimagnesiumdicitrat, Vitamin C, E, Zink, Folsäure, Natriumselenat und Spirulina kann unterstützend wirken.
- Ausreichend Schlaf: Ein regelmäßiger Schlaf-Wach-Rhythmus ist wichtig für die Migräneprophylaxe.
- Entspannte Nackenmuskulatur: Eine entspannte Nackenmuskulatur und Halswirbelsäule beugen einer Migräne-Attacke vor.
Die Rolle von Empowerment und digitalen Gesundheitsanwendungen
Die Neurologin Dr. med. Astrid Gendolla betont die Bedeutung von Empowerment gegen Migräne abseits von Tabletten, Tropfen und Spritzen. Innovative Apps wie ‚sinCephalea‘, die es sogar auf Rezept gibt, bieten eine wichtige Kontrolle - zum Beispiel über Tagebücher, mit denen Betroffene ihre Migräne besser verstehen. Außerdem kann so eine App wie eine Kontaktperson sein, die sie versteht und nicht bewertet. Betroffenen gibt sie die Möglichkeit, etwas zu lernen, etwas zu machen und Selbstwirksamkeit zu erleben.
Personalisierte Ernährungsempfehlungen durch sinCephalea
sinCephalea ist die erste App, die das Leiden von Migränepatienten über personalisierte, Blutzucker-stabilisierende Ernährungsempfehlungen lindern kann. Die App ermittelt eine personalisierte Ernährung, die den Blutzucker individuell niedrig-stabil hält und so das Gehirn gleichmäßig mit Energie versorgt. Zudem können über sinCephalea weitere Faktoren wie Bewegung, Medikamenteneinnahme, Schlaf und Befinden sowie Migränesymptome erfasst werden. Die speziell entwickelte Technologie verknüpft alle Informationen zu personalisierten Ernährungsempfehlungen.
Schulmedizinische und alternative Therapieansätze
Es besteht immer noch der Mythos, Migräne sei etwas für alternative Behandlung mit Methoden ohne ausreichenden Wirksamkeitsnachweis. Doch seit 30 Jahren haben wir eine enorme Wissensexplosion erlebt. Man denkt: Jeder hat Kopfweh. Aber Migräne ist eine schwere und komplexe neurologische Erkrankung. Sie wird oft mit Alltagskopfschmerzen verwechselt, die fast jeder kennt. Die Bereitschaft zur Migräne ist in den Erbanlagen verankert. Man kann Migräne nicht einfach wegzaubern, ihr davonlaufen. Man muss sich darauf einstellen und sein Leben daran anpassen. Allein das zu verstehen, ist schon wesentlich.
Die Bedeutung eines aktiven Gesundheitsverhaltens
Aufgrund der besonderen Erbanlagen muss man ein aktives Gesundheitsverhalten einhalten. Man muss auch seine Zähne putzen, damit sie keine Karies bekommen. Wer Bluthochdruck hat, hat auch keinen Spaß daran, sich salzarm zu ernähren, seine Medikamente zu nehmen und Stress zu vermeiden. Aber er muss es tun. Auch wer Diabetes hat, muss sich strikt ernähren, seinen Blutzucker messen und vielleicht Insulin spritzen, sein Leben ändern und anpassen. Wenn ein Migränepatient sagt, ich habe da keine Lust drauf und will eine Zaubermethode, dann hat er nicht verstanden, dass bei ihm eine ernste und komplexe Erkrankung vorliegt.
Risiken einer nicht sachgerecht behandelten Migräne
Diese Patienten sollten im Hinterkopf haben, dass das Risiko für Bluthochdruck, Schlaganfall, Herzinfarkt, Angst, Depressionen und Persönlichkeitsveränderungen durch nicht sachgerecht behandelte Migräne deutlich erhöht ist.