Die Wahl des Fachgebiets und des Ausbildungsortes ist für junge Ärztinnen und Ärzte ein entscheidender Schritt in ihrer beruflichen Laufbahn. Neurologie und Psychiatrie sind zwei anspruchsvolle und vielseitige Fachgebiete, die sich mit Erkrankungen des Nervensystems bzw. psychischen Störungen befassen. Die Facharztausbildung in diesen Bereichen ist bundesweit geregelt, dennoch gibt es Unterschiede zwischen den Bundesländern, die bei der Entscheidung berücksichtigt werden sollten.
Attraktivität der Facharztausbildung in Sachsen
Ein gutes Gehalt und fachliche Herausforderungen sind wichtige Argumente für die Wahl einer Klinik. Sächsische Krankenhäuser und Reha-Kliniken bieten ihren Ärztinnen und Ärzten in Weiterbildung (ÄiW) zusätzliche Anreize. Dazu gehört die Übernahme von Kurskosten, die während der Weiterbildung entstehen. Auch die Weiterbildung im Öffentlichen Gesundheitsdienst (ÖGD) wird in Sachsen gefördert. In bestimmten Fachgebieten kann auch der Kontakt zum jeweiligen Berufsverband hilfreich sein. So unterstützt der Landesverband der HNO-Ärzte und der Anästhesisten in Sachsen bei Fragen der Facharztweiterbildung und vermittelt sogar Weiterbildungsstellen.
Gehaltsaussichten für Fachärzte in Psychiatrie
Als Facharzt/ärztin beträgt das Durchschnittsgehalt 8.568 € brutto pro Monat, was einem Jahresgehalt brutto von 102.816 € entspricht. Das Einstiegsgehalt liegt bei 6.000 € brutto pro Monat. Psychiater erhalten in der Regel ein Gehalt als Angestellte im Bereich Psychiatrie und Psychotherapie. Im Gegensatz zu Psychologen oder Psychotherapeuten absolvieren Psychiater ein Medizinstudium und bewerten psychische Erkrankungen aus medizinischer Sicht.
Das Gehalt eines Psychiaters hängt von verschiedenen Faktoren ab, darunter Berufserfahrung, Alter, Geschlecht, Bundesland und Tarifbindung. Die Gehaltsspanne liegt zwischen 7.206 und 10.188 Euro brutto monatlich bei Vollzeitanstellung. Da die Ausbildung zum Psychiater ein Medizinstudium mit anschließender Facharztausbildung umfasst, erhalten angehende Psychiater während des Studiums kein Gehalt.
Faktoren, die das Gehalt beeinflussen
- Region: Das Gehalt variiert je nach Bundesland.
- Tarifvertrag: Die Anwendung eines Tarifvertrags beeinflusst das Gehalt.
- Tätigkeitsbereich: Klinik, Praxis, Forschung und Lehre bieten unterschiedliche Verdienstmöglichkeiten.
- Berufserfahrung: Mit zunehmendem Alter und Erfahrung steigt das Gehalt.
- Geschlecht: Es gibt einen Gender-Pay-Gap, bei dem männliche Psychiater tendenziell mehr verdienen als ihre weiblichen Kolleginnen.
Als Faustregel gilt, dass das Einstiegsgehalt für Psychiater bei etwa 6.000 Euro brutto im Monat liegt. Psychiater arbeiten häufig in psychiatrischen Kliniken und versorgen Menschen mit Psychosen, Depressionen und Verhaltensstörungen. In Deutschland gelten für das Psychiater-Gehalt die Tarifverträge für Ärzte in kommunalen Krankenhäusern (TV-Ärzte VKA) und Universitätskliniken (TV-Ärzte TdL).
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Tarifliche Eingruppierung
Die Tarifverträge gruppieren Ärzte unabhängig von ihrer Fachrichtung in Entgeltgruppen ein. Die Einstufung innerhalb der Gruppen steigt mit der Dauer der Zugehörigkeit zum Krankenhaus.
TV-Ärzte/VKA (kommunale Krankenhäuser):
| Entgeltgruppe | Stufe 1 (1. Jahr) | Stufe 2 (2. Jahr) | Stufe 3 (3. Jahr) | Stufe 4 (4. Jahr) | Stufe 5 (5. Jahr) | Stufe 6 (6. Jahr) |
|---|---|---|---|---|---|---|
| I (Assistenzarzt) | 5.499,85 € | 5.811,63 € | 6.034,28 € | 6.420,21 € | 6.880,40 € | 7.069,68 € |
| II (Facharzt) | 7.258,93 € | 7.867,55 € | 8.401,96 € | 8.713,71 € | 9.018,00 € | 9.322,29 € |
| III (Oberarzt) |
TV-Ärzte (Universitätskliniken):
| Entgeltgruppe | Stufe 1 (1. Jahr) | Stufe 2 (2. Jahr) | Stufe 3 (3. Jahr) | Stufe 4 (4. Jahr) | Stufe 5 (5. Jahr) | Stufe 6 (6. Jahr) |
|---|---|---|---|---|---|---|
| Assistenzarzt | 5.626,91 € | 5.945,86 € | 6.173,67 € | 6.568,57 € | 7.039,34 € | 7.222,97 € |
| Facharzt | 7.426,63 € | 8.049,32 € | 8.596,06 € | 8.903,30 € | 9.070,79 € | 9.302,27 € |
| Oberarzt |
Regionale Gehaltsunterschiede
Das Gehalt von Psychiatern variiert stark je nach Bundesland. In Baden-Württemberg liegt das durchschnittliche Bruttoentgelt bei 8.972 Euro monatlich, während Mecklenburg-Vorpommern das Schlusslicht bildet. Im Mittelfeld liegt Nordrhein-Westfalen mit 8.500 Euro brutto im Monat.
Auch innerhalb der Bundesländer gibt es Unterschiede. In Stuttgart und München sind die Einkommen mit durchschnittlich 106.197 bzw. 105.748 Euro brutto jährlich am höchsten, während Schwerin mit 75.783 Euro das niedrigste Einkommen aufweist.
Weitere Faktoren
- Fort- und Weiterbildungen: Zusätzliche Qualifikationen führen zu höherem Gehalt.
- Spezialisierung: Forensische Psychiater verdienen in der Regel mehr aufgrund ihrer Tätigkeit mit Gewaltverbrechern und der damit verbundenen Verantwortung.
- Gutachtertätigkeit: Gerichtspsychiater erhalten Einzelfallpauschalen für erstellte Gutachten.
Facharztausbildung Neurologie
Die Asklepios Kliniken im Rhein-Main-Gebiet bieten eine umfassende Weiterbildung zur Fachärztin/zum Facharzt für Neurologie an. Ein Schwerpunkt liegt dabei auf der neurologischen Frührehabilitation. Für die Bundesländer Hessen und Rheinland-Pfalz werden Stipendien für Medizinstudenten vergeben. Im Rahmen des Programms wird nicht nur die Facharztausbildung absolviert, sondern auch die Zusatzbezeichnung „Board Certified Expert in Neurology and Early Neurological Rehabilitation“ erlangt.
Voraussetzungen
- Medizinstudium
- Deutsche Approbation (innerhalb der nächsten 6 Monate oder bereits erlangt)
- Interesse an der neurologischen Frührehabilitation
Ärztestatistik
Die wenigsten Ärzte arbeiten in Bremen. Es gibt 127.817 Ärztinnen und Ärzte, die derzeit keiner ärztlichen Tätigkeit nachgehen. Ein großer Teil der deutschen Auswanderer geht in die Schweiz. Im Jahr 2020 sind 1.333 Ärztinnen und Ärzte aus der Europäischen Union nach Deutschland eingewandert, hauptsächlich aus Rumänien.
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Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie
Die Weiterbildungszeit zum Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie beträgt 60 Monate. In Deutschland gibt es 15.539 Fachärztinnen und Fachärzte für Psychiatrie und Psychotherapie (2024), von denen 13.208 berufstätig sind. Sie beschäftigen sich mit Störungen des Geistes und den daraus resultierenden körperlichen Beschwerden. Häufige psychische Erkrankungen sind Angststörungen, affektive Störungen und Störungen durch Alkohol- oder Medikamentenkonsum.
Psychiater nutzen psychotherapeutische Behandlungsmethoden und betrachten den Patienten ganzheitlich. Nach erfolgreichem Abschluss der Facharztausbildung kann man sich entweder niederlassen oder in einem Klinikum arbeiten. Die klinische Tätigkeit ist in dieser Facharztgruppe beliebter. Der Verdienst von angestellten Fachärzten für Psychiatrie und Psychotherapie ist tariflich geregelt und liegt zwischen 4.500 Euro brutto (Assistenzarzt im ersten Jahr) und 10.000 Euro brutto (Chefarzt mit Berufserfahrung).
Niederlassung
Wer eine psychiatrische Praxis gründen möchte, muss prüfen, ob dies in der Zielregion möglich ist. Eine neue Praxis kann nur eröffnet werden, wenn die Versorgungsquote unter 110 Prozent liegt. In Regionen mit höherer Versorgungsquote ist nur die Übernahme einer bestehenden Praxis möglich.
Weiterbildungsinhalte
- Indikationsstellung und Befundinterpretation von elektrophysiologischen Methoden
- Indikationsstellung und Befundinterpretation bildgebender Verfahren
- Technik der Behandlung durch Spezialtherapeuten
- Spezielle Versorgungsformen
- Somatische Therapieverfahren
- Entspannungsverfahren
- Suchthilfesystem
- Klassifikationsmodelle der Funktionsfähigkeit, Behinderung und Gesundheit von Menschen mit psychischen Erkrankungen und Störungen
- Neuropsychologisch-neuropsychiatrische Diagnostik
- Neurologische Anamnese und klinisch-neurologische Befunderhebung
Ein wichtiger Teil der Facharztweiterbildung ist die Selbsterfahrung: Vorgeschrieben sind 150 Stunden Einzel- oder Gruppenselbsterfahrung und 35 Doppelstunden Balintgruppenarbeit oder interaktionsbezogene Fallarbeit.
Facharztausbildung Allgemein
Die Facharztausbildung ist Voraussetzung, um in Deutschland als Facharzt tätig zu sein. Nach dem Medizinstudium und dem dritten Staatsexamen kann man die ärztliche Approbation beantragen. Mit der Approbation erhält man die vollständige Berechtigung zur Ausübung des Arztberufes. Nach der Approbation erfolgt der Berufseinstieg als Assistenzarzt und mit dem Antritt der ersten Stelle beginnt für junge Ärztinnen und Ärzte die Facharztweiterbildung.
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Ablauf der Facharztausbildung
- Approbation: Nach abgeschlossenem Medizinstudium.
- Bewerbung: Auf eine Stelle als Weiterbildungsassistent/-in an einem weiterbildungsbefugten Haus.
- Festlegung: Auf eine medizinische Fachrichtung.
- Dauer: In der Regel 5 bis 6 Jahre.
- Bezeichnung: Assistenzarzt oder Arzt in Weiterbildung.
- Verantwortung: Unter der Leitung der zuständigen Landesärztekammer.
- Ort: Universitätsklinikum oder Einrichtung der ärztlichen Versorgung mit Weiterbildungsberechtigung.
- Inhalt: Entsprechend dem Weiterbildungskatalog der Landesärztekammer.
Nach Abschluss der Ausbildung muss eine Facharztprüfung bei der Landesärztekammer durchgeführt werden. Nach bestandener Prüfung kann eine Niederlassung erfolgen.
Zusatzweiterbildungen und Schwerpunkte
Eine Zusatzweiterbildung setzt eine Facharztanerkennung voraus. Ein Schwerpunkt ist eine Spezialisierung innerhalb einer Facharztrichtung und baut ebenfalls auf einer Facharztausbildung auf.
Neurologie im Detail
Das Gebiet Neurologie umfasst die Vorbeugung, Erkennung, konservative Behandlung und Rehabilitation der Erkrankungen des zentralen, peripheren und vegetativen Nervensystems einschließlich der Muskulatur. Ziel der Weiterbildung ist die Erlangung der Facharztkompetenz.
Inhalte der Weiterbildung
- neuro-otologische Untersuchungen
- neurologische Befunderhebung bei Störungen der höheren Hirnleistungen
Facharztausbildung in Österreich
Die räumliche Nähe von Deutschland und Österreich macht eine Facharztausbildung in Österreich attraktiv. Die Ausbildung gliedert sich in drei Abschnitte:
- Basisausbildung: Neun Monate, unterteilt in Abschnitte in Innerer Medizin, Chirurgie und einem klinischen Wahlfach.
- Sonderfach-Grundausbildung: 36 Monate, Vermittlung grundlegender fachlicher Fähigkeiten.
- Sonderfach-Schwerpunktausbildung: 27 Monate, verschiedene fachspezifische Module.
Unterschiede zu Deutschland
- Basisausbildung: In Österreich verpflichtend vor Beginn der Facharztausbildung.
- Struktur: Die Facharztausbildung in Österreich ist stärker strukturiert und reguliert.
- Mikrobiologie: In Österreich Teil des Facharztes für klinische Pathologie und Molekularpathologie.
- Forschung: Das wissenschaftliche Modul ermöglicht die Durchführung eines Forschungsprojekts innerhalb der Facharztausbildung.
- Facharztprüfung: In Österreich bereits während der Ausbildung möglich, schriftliche Prüfung. In Deutschland erst nach Abschluss der Ausbildung, mündlich-praktische Prüfung.
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