Multiple Sklerose (MS) ist eine chronisch-entzündliche Erkrankung des zentralen Nervensystems. Obwohl die Ernährung nicht die Ursache oder Heilung von MS darstellt, kann sie eine wichtige Rolle bei der Unterstützung der Gesundheit und der Steigerung der Lebensqualität von Betroffenen spielen. Eine ausgewogene und gezielte Ernährung kann Entzündungen reduzieren, das Immunsystem stärken und somit den Verlauf der Erkrankung positiv beeinflussen. Sonnenblumenkerne können dabei ein wertvoller Bestandteil einer solchen Ernährung sein.
Grundlagen der Ernährung bei Multipler Sklerose
Bei MS ist es wichtig, auf eine abwechslungsreiche Ernährung zu achten, die reich an essentiellen Nährstoffen ist. Idealerweise sollte man sich Zeit für die Mahlzeiten nehmen und auf die eigenen Vorlieben achten, ohne dabei ein schlechtes Gewissen zu haben, wenn man sich ab und zu eine Ausnahme gönnt. Wenn Probleme beim Essen und Trinken auftreten, Gewichtsschwankungen entstehen oder Schwierigkeiten bei der Versorgung bestehen, sollte man sich professionelle Beratung bei einer Ernährungsfachkraft, einem Arzt oder der Krankenkasse suchen.
Antientzündliche Ernährung
Es gibt Hinweise darauf, dass eine antientzündliche Ernährung die Lebensqualität bei Menschen mit MS verbessern kann. Eine Analyse von acht Studien deutet darauf hin, dass bestimmte Ernährungsmuster positive Auswirkungen haben können. Ein wichtiger Bestandteil einer solchen Ernährung sind Omega-3-Fettsäuren, die beispielsweise in fettem Seefisch vorkommen.
Omega-3-Fettsäuren
Eine Analyse von 13 Studien mit insgesamt 1.353 MS-Patienten ergab, dass höhere Konzentrationen von Omega-3-Fettsäuren, insbesondere DHA (Docosahexaensäure), im Durchschnitt mit einem geringeren Behinderungsgrad (EDSS) verbunden waren. Fette Fische wie Lachs, Makrele und Sardine sind die besten Nahrungsquellen für Omega-3-Fettsäuren. Für Veganer stellt Algenöl eine gute Alternative dar.
Gewichtsmanagement
Übergewicht kann sich negativ auf den Verlauf von MS auswirken. Eine kalorienreduzierte Ernährung kann nicht nur beim Gewichtsverlust helfen, sondern möglicherweise auch das Immunsystem positiv beeinflussen. Eine Studie mit 36 übergewichtigen MS-Patienten zeigte, dass eine achtwöchige kalorienreduzierte Ernährung zu Gewichtsverlust führte, während eine Kontrolldiät ohne Kalorienreduktion keinen Effekt hatte.
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Bedeutung von Vitaminen und Mineralstoffen
Vitamine und Mineralstoffe sind essenziell für zahlreiche Stoffwechselvorgänge im Körper und spielen auch bei MS eine wichtige Rolle. Da der Körper die meisten Vitamine nicht selbst herstellen kann, müssen sie über die Nahrung aufgenommen werden.
Vitamin D
Die ausreichende Versorgung mit Vitamin D ist wichtig für Knochen und Immunsystem. Die wichtigste Quelle ist die körpereigene Bildung durch Sonnenbestrahlung der Haut. Geringe Mengen können auch aus Fettfischen aufgenommen werden. Mehrere Studien deuten darauf hin, dass Menschen mit einem hohen Vitamin-D-Spiegel im Blut ein geringeres Risiko haben, an MS zu erkranken. Ob MS-Erkrankte tatsächlich von Vitamin-D-Präparaten profitieren, wird aktuell untersucht.
B-Vitamine
- Vitamin B1 (Thiamin): Wird für die Energiegewinnung aus Kohlenhydraten benötigt und unterstützt verschiedene Nervenfunktionen. Ein Mangel kann bei einer Kohlenhydrat-reduzierten Ernährung auftreten und das Risiko für Depressionen erhöhen.
- Vitamin B2 (Riboflavin): Spielt eine Rolle bei der Bildung von Myelin, der Schutzschicht der Nervenzellen.
- Vitamin B6 (Pyridoxin): Ist am Auf- und Abbau von Aminosäuren beteiligt und wird für das Nervensystem, die Immunabwehr und die Blutbildung benötigt.
- Vitamin B12 (Cobalamin): Ist an der Blutbildung beteiligt und für die Funktion des Nervensystems (Myelinsynthese) von Bedeutung. Ein Mangel kann neurologische Probleme verursachen und sollte bei MS-Verdacht abgeklärt werden. Vitamin B12 wird von Mikroorganismen hergestellt und kommt hauptsächlich in tierischen Lebensmitteln vor.
- Biotin (Vitamin B7): Ist für Stoffwechsel und Zellwachstum wichtig und kann antientzündlich wirken. Es hat möglicherweise auch einen Einfluss auf die Myelinproduktion. Aktuelle Studien untersuchen, ob hochdosiertes Biotin die MS-Symptomatik verbessern kann.
Selen
Selen ist ein Spurenelement, das für seine antioxidativen Eigenschaften bekannt ist und das Immunsystem unterstützt.
Homocystein
Erhöhte Konzentrationen von Homocystein wurden speziell bei schubförmig-remittierender MS festgestellt und stehen in Zusammenhang mit Neuroinflammation. Ein Mangel an Vitamin B12 und Folat kann zu erhöhten Homocystein-Werten führen.
Sonnenblumenkerne als wertvoller Bestandteil der Ernährung
Sonnenblumenkerne sind nicht nur lecker, sondern auch reich an wertvollen Nährstoffen, die bei MS von Vorteil sein können.
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Nährwerte und Vorteile
- Eiweiß: Sonnenblumenkerne sind gute Eiweißlieferanten, was wichtig für den Erhalt und Aufbau von Muskelmasse ist.
- Magnesium: Magnesium spielt eine wichtige Rolle für die Nervenfunktion und kann Muskelkrämpfen entgegenwirken.
- Vitamin E: Sonnenblumenkerne sind reich an Vitamin E, einem Antioxidans, das Zellmembranen vor Schäden durch freie Radikale schützt.
- Omega-3-Fettsäuren: Sonnenblumenkerne enthalten Omega-3-Fettsäuren, die entzündungshemmend wirken können.
- Biotin: Sonnenblumenkerne sind eine Quelle für Biotin, das möglicherweise einen Einfluss auf die Myelinproduktion hat.
Verwendung in der Küche
Sonnenblumenkerne sind vielseitig in der Küche einsetzbar. Sie können als Topping für Salate, Suppen oder Müslis verwendet werden. Auch in Brot und Gebäck sind sie eine beliebte Zutat. Geröstete Sonnenblumenkerne sind ein leckerer Snack für zwischendurch.
Rezeptbeispiel: Kürbissuppe mit Sonnenblumenkernen und Koriander
Dieses einfache Rezept kombiniert die Vorteile von Kürbis und Sonnenblumenkernen und ist reich an Vitaminen und Mineralstoffen.
Zutaten:
- 1 Hokkaido-Kürbis
- 1 Zwiebel
- 1 Knoblauchzehe
- Ingwer
- Brühe
- Kokosmilch
- Salz, Pfeffer, Zitronensaft
- Sonnenblumenkerne
- Koriander
Zubereitung:
- Kürbis (mit oder ohne Schale), Zwiebel, Knoblauch und Ingwer würfeln.
- Alles in Butter andünsten, anschließend mit Brühe aufgießen und für ca. 20 Minuten köcheln lassen.
- Das Gemüse fein pürieren und mit Kokosmilch verrühren.
- Mit Salz, Pfeffer und Zitronensaft abschmecken.
- Die Suppe noch einmal erhitzen und abschließend mit Sonnenblumenkernen und Koriander servieren.
Weitere Ernährungstipps bei Multipler Sklerose
Neben der Integration von Sonnenblumenkernen in die Ernährung gibt es weitere wichtige Aspekte, die bei MS berücksichtigt werden sollten:
Vermeidung von Triggerfaktoren
Einige Studien legen einen Zusammenhang zwischen Gluten und MS nahe. Es sollte abgeklärt werden, ob Gluten als Triggerfaktor in Frage kommt. Auch auf leichtverdauliche Kohlenhydrate sollte verzichtet werden.
Gesunde Fette
Ideale Fette sind Öle und Pflanzenfette mit hohem Gehalt an Omega-3-Fettsäuren und niedrigem Gehalt an Omega-6-Fettsäuren. Gut geeignet sind Rapsöl, Sojaöl, Olivenöl (neutral) zum Braten und Kochen sowie Leinöl, Walnussöl und Weizenkeimöl für die kalte Küche. Auf Schmalz und fetten Speck sollte weitestgehend verzichtet werden.
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Gemüse und Obst
Gemüse und Obst bilden die Basis einer gesunden Ernährung und sind Hauptlieferanten für Vitamine, Mineralstoffe und sekundäre Pflanzenstoffe mit antioxidativer Wirkung. Es sollten täglich zwei Portionen Obst oder Obstsaft (je 100-150g) und drei Portionen Gemüse, Salat oder Gemüsesaft (gesamt 300-400g) verzehrt werden.
Stärkehaltige Lebensmittel
Stärkehaltige Lebensmittel wie Kartoffeln, Getreide, Reis und Hülsenfrüchte machen satt und versorgen mit Ballaststoffen, Vitaminen E und B sowie Mineralstoffen (Eisen, Magnesium) und Eiweiß. Das Ziel sind täglich etwa 2-3 Portionen Brot, Getreideflocken (oft Vollkorn) und 1 Portion Beilagen (200 -250g).
Fleisch und Wurstwaren
Fleisch und Wurstwaren enthalten anteilig am meisten Arachidonsäure. Es sollten möglichst magere Fleischstücke und Wurstwaren bevorzugt und sichtbares Fett vermieden werden. Innereien, Speck, Schweinenacken, Lammkotelett und Weihnachtsgans sollten aufgrund des Fettgehalts nur selten und in kleinen Portionen gegessen werden. Ideal sind maximal 2 Portionen Fleisch und Wurstwaren pro Woche.
Milchprodukte
Auf Milch, Joghurt, Quark, Käse, Sahne usw. sollte nicht verzichtet werden, auch wenn die fettreicheren Produkte gewisse Mengen Arachidonsäure enthalten. Milchprodukte bieten bekömmliches Eiweiß, B-Vitamine, Vitamin D, Jod und Kalzium. Es gibt magere oder fettarme Varianten sowie pflanzliche Alternativen wie Mandel-, Hafer-, Kokos- oder Sojasahne.
Eier
Eier, genauer das Eigelb, enthalten größere Mengen Arachidonsäure, aber auch wichtiges Vitamin D. Der Richtwert für eine vernünftige Zufuhr sind 2-3 Eier(-gelb) pro Woche - inklusive der in Lebensmitteln oder Speisen verarbeiteten Eier.
Salz
Um nicht zu viel Speisesalz mit der Nahrung aufzunehmen, sollten verarbeitete Lebensmittel weitgehend vermieden werden.
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