Das Leben mit Epilepsie bringt besondere Herausforderungen mit sich, doch es sollte niemanden davon abhalten, seine beruflichen Träume und Ziele zu verfolgen. Eine Ausbildung, insbesondere zur Bürokauffrau, ist ein wichtiger Schritt ins Berufsleben und eröffnet zahlreiche Möglichkeiten, unabhängig von gesundheitlichen Einschränkungen. Dieser Artikel beleuchtet die Erfahrungen von Menschen mit Epilepsie im Berufsleben, insbesondere im Bereich der Bürokauffrau, und gibt Ratschläge und Informationen für Betroffene.
Epilepsie und Berufswahl: Eine Machbare Kombination
Eine Ausbildung als Epileptiker ist durchaus machbar und bietet zahlreiche Chancen für eine erfolgreiche berufliche Zukunft. Wichtig ist, dass man sich gut informiert und die richtige Wahl für den persönlichen Weg trifft. Die Entscheidung für eine Ausbildung oder Umschulung sollte gut überlegt sein. Es ist ratsam, sich ausführlich über die verschiedenen Möglichkeiten zu informieren und die zahlreichen Beratungs- und Förderangebote zu nutzen.
Erfahrungen aus der Praxis
Lena, die seit ihrer Kindheit mit Epilepsie zu kämpfen hatte, ließ sich nicht davon abhalten, ihre beruflichen Ziele zu verfolgen. „Die Ausbildung zur Bürokauffrau war die beste Entscheidung, die ich treffen konnte. Mein Arbeitgeber ist sehr verständnisvoll und unterstützt mich, wo er kann.“
Auch Tom entschied sich nach mehreren Jahren in einem handwerklichen Beruf für eine Umschulung zum Mediengestalter: „Ich wollte etwas Kreatives machen, das mich erfüllt. Die Umschulung war eine Herausforderung, aber ich habe sie gemeistert.“
Diese Beispiele zeigen, dass mit Entschlossenheit und der richtigen Unterstützung vieles möglich ist.
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Berufsberatung und Unterstützung
Es ist ratsam, die Angebote der Agentur für Arbeit oder anderer Bildungsträger zu nutzen, um sich umfassend beraten zu lassen. Diese Stellen können wertvolle Informationen und Unterstützung bei der Berufswahl und der Suche nach geeigneten Ausbildungsplätzen bieten.
Persönliche Erfahrungen mit Epilepsie im Arbeitsalltag
Viele Menschen mit Epilepsie berichten von unterschiedlichen Erfahrungen im Arbeitsalltag. Eine Betroffene schildert ihre lange Odyssee:
Kindheit und Jugend
In ihrer Kindheit war Epilepsie kein Thema, da niemand im Umfeld damit in Berührung kam. Wahrscheinliche Absencen führten lediglich dazu, dass sie als "schusselig" und "Tagträumerin" galt. Dies schränkte sie jedoch nicht ein, und sie konnte alles mitmachen, was andere Kinder auch taten. Auch "lange Aufbleiben" am Wochenende oder Übernachten bei Freunden waren kein Problem. Im späteren Jugendalter bemerkte sie, dass Alkohol ihr nicht guttat, da er am nächsten Tag "Déjà-vus" auslöste, die zunehmend unangenehm wurden.
Ausbildung und Studium
Sie absolvierte eine Ausbildung zur Erzieherin, in der das Thema Epilepsie behandelt wurde. Später, nach der Umschulung zur Bürokauffrau, studierte sie noch Sozialpädagogik mit gutem Erfolg, obwohl sie bereits unter Medikamenten stand. Da sie die Umschulung zur Bürokauffrau gemacht hatte und im eigenen kleinen Betrieb arbeiten konnte, musste sie sich nicht "outen" oder irgendwie einschränken. Wenn es ihr nicht so gut geht, kann sie länger pausieren oder erst am Nachmittag die Buchhaltung machen.
Schwierigkeiten und Diskriminierung
Trotzdem gibt es auch Berichte über Schwierigkeiten und Diskriminierung. Eine gelernte Bürokauffrau, die seit fünf Jahren an Epilepsie erkrankt ist, berichtet, dass sie im erlernten Beruf nie eine Anstellung gefunden hat und daher immer im Einzelhandel tätig war. Da ihr dies nun aufgrund der Krankheit zu gefährlich ist, möchte sie gerne eine Umschulung zur Arzthelferin machen. Sie fragt sich, ob sie diese aufgrund der Krankheit genehmigt bekommt.
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Ein anderer Betroffener, der seit seiner Kindheit an Epilepsie leidet und Koch gelernt hat, wollte eine Umschulung zum Krankenpfleger machen. Obwohl er einen Ausbildungsplatz bekam, wurde er in der Probezeit gekündigt, weil man meinte, er würde den praktischen Leistungen nicht gerecht werden.
Diese Erfahrungen zeigen, dass es wichtig ist, sich gut zu informieren und sich nicht entmutigen zu lassen.
Umgang mit der Erkrankung am Arbeitsplatz
Offenheit oder Verschwiegenheit?
Die Frage, ob man die Epilepsie beim Vorstellungsgespräch oder im Arbeitsvertrag angeben soll, ist eine schwierige Entscheidung. Viele Betroffene haben negative Erfahrungen gemacht und wurden aufgrund ihrer Erkrankung nicht eingestellt. Andererseits ist es wichtig, dass die Kollegen im Notfall wissen, was zu tun ist.
Eine Betroffene, die seit ihrem 18. Lebensjahr unter myoklonischen Anfällen leidet, fragt sich, ob sie die Epilepsie beim Vorstellungsgespräch oder im Arbeitsvertrag angeben soll. Ihre Mutter ist der Meinung, dass sie bei der Wahrheit bleiben und die Erkrankung angeben soll. Die Betroffene hat jedoch Bedenken, dass sie aufgrund der Epilepsie nicht eingestellt wird.
Ein Mann, der ebenfalls Epileptiker ist, rät davon ab, die Epilepsie bei der Bewerbung oder im Vorstellungsgespräch zu erwähnen, solange man zwei Jahre anfallsfrei ist. Er ist der Meinung, dass eine Absage mit der Epilepsie noch wahrscheinlicher wäre.
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Es gibt keine allgemeingültige Antwort auf diese Frage. Die Entscheidung hängt von der Art der Epilepsie, der Häufigkeit der Anfälle und der Art der Tätigkeit ab.
Schwerbehindertenausweis: Ja oder Nein?
Die Frage, ob man einen Schwerbehindertenausweis beantragen soll, ist ebenfalls eine schwierige Entscheidung. Viele Firmen zahlen lieber eine Strafe, statt Schwerbehinderte einzustellen. Andererseits kann ein Schwerbehindertenausweis auch Vorteile bringen, z. B. im Kündigungsschutz.
Eine Betroffene, deren Mutter möchte, dass sie einen Schwerbehindertenausweis beantragt, ist unsicher, ob sie dies tun soll. Sie hat im Internet gelesen, dass viele Firmen lieber ihre Strafe bezahlen, statt Schwerbehinderte einzustellen.
Es ist wichtig, sich gut zu informieren und die Vor- und Nachteile eines Schwerbehindertenausweises abzuwägen.
Berufliche Möglichkeiten mit Epilepsie
Welche Berufe sind geeignet?
Grundsätzlich gibt es nur wenige Berufe, die für Menschen mit Epilepsie kategorisch ausgeschlossen sind. Hierzu zählen z.B. Polizisten, Berufskraftfahrer oder Dachdecker. Die Eignung für einen bestimmten Beruf hängt von der Art und Häufigkeit der Anfälle ab.
Es ist ratsam, mit dem Arbeitsamt oder dem Arzt zu sprechen, um sich über die beruflichen Möglichkeiten zu informieren. Die Berufsgenossenschaft hat in Verbindung mit Bethel eine Information herausgegeben (BGI 585), in der man nachschauen kann, welcher Beruf bei welcher Epilepsie möglich ist.
Bürokauffrau: Eine Gute Wahl?
Die Ausbildung zur Bürokauffrau kann für Menschen mit Epilepsie eine gute Wahl sein, da sie in der Regel keine besonderen körperlichen Anforderungen stellt. Wichtig ist jedoch, dass man Stress und Lichtreize vermeidet.
Eine Betroffene, die eine Umschulung zur Bürokauffrau gemacht hat, berichtet, dass ihr das Lernen der Microsoft Office-Programme schwerfiel. Auch Mathe war immer schon ihre größte Schwäche. Trotzdem bestand sie die Prüfung mit einer Drei. Nach über einem Jahr fand sie auch eine Stelle als Bürokauffrau, wurde aber nach der Probezeit wieder gekündigt, da sie zu langsam und vergesslich war.
Diese Erfahrung zeigt, dass es wichtig ist, die eigenen Stärken und Schwächen zu kennen und sich einen Arbeitsplatz zu suchen, der den eigenen Bedürfnissen entspricht.
Alternativen zur Bürokauffrau
Wenn die Ausbildung zur Bürokauffrau nicht möglich oder nicht gewünscht ist, gibt es viele andere berufliche Möglichkeiten. Eine Betroffene, die sich beruflich neu orientieren möchte, hat eine Weiterbildung zur Betreuungsassistentin nach § 87b gemacht und möchte jetzt gern in einem Altenheim die älteren Menschen betreuen. Sie ist jedoch verunsichert, ob man mit einer Epilepsie in einem Altenheim arbeiten darf.
Eine andere Betroffene hat vor drei Jahren mit Epilepsie im Seniorenheim und in der Tagespflege gearbeitet. Sie rät, sich beim Neurologen einen Tipp geben zu lassen und die Krankheit beim Vorstellungsgespräch zu erwähnen.
Es ist wichtig, sich nicht entmutigen zu lassen und die eigenen Interessen und Fähigkeiten zu berücksichtigen.
Tipps für den Berufsalltag mit Epilepsie
- Offenheit: Sprechen Sie mit Ihrem Arbeitgeber und Ihren Kollegen über Ihre Erkrankung. Dies kann helfen, Vorurteile abzubauen und im Notfall die richtige Unterstützung zu erhalten.
- Selbstmanagement: Achten Sie auf einen regelmäßigen Schlaf-Wach-Rhythmus, vermeiden Sie Stress und Alkohol.
- Medikamente: Nehmen Sie Ihre Medikamente regelmäßig ein und informieren Sie Ihren Arzt über Nebenwirkungen.
- Arbeitsplatzgestaltung: Gestalten Sie Ihren Arbeitsplatz so, dass er Ihren Bedürfnissen entspricht. Vermeiden Sie z.B. blendendes Licht oder laute Geräusche.
- Unterstützung: Suchen Sie sich Unterstützung bei Selbsthilfegruppen oder Beratungsstellen.
Rechtliche Aspekte
- Schwerbehindertenausweis: Informieren Sie sich über die Voraussetzungen und Vorteile eines Schwerbehindertenausweises.
- Kündigungsschutz: Menschen mit Schwerbehinderung haben einen besonderen Kündigungsschutz.
- Diskriminierung: Das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) schützt vor Diskriminierung aufgrund von Behinderung.
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