Calcium und Muskelkrämpfe: Ursachen, Behandlung und Prävention

Nächtliche Wadenkrämpfe, die durch plötzliche, schmerzhafte Muskelkontraktionen entstehen, können sehr belastend sein. Man versucht automatisch, den Muskel zu dehnen, was durch das Heranziehen der Fußspitze im Sitzen oder das Aufstehen aus dem Bett erleichtert werden kann.

Ursachen von Muskelkrämpfen

Wadenkrämpfe sind oft kein rein muskuläres Problem, sondern neurologischer Natur, da sie die Nerven und die Reizleitung betreffen. Verschiedene Faktoren, wie Alkohol, Vitamin-B-Mangel oder Mineralstoffmangel, können den Elektrolythaushalt stören. Elektrolyte spielen eine wichtige Rolle bei der Reizweiterleitung in den Nervenmembranen.

Alkohol und Muskelkrämpfe

Eine Studie der Universität Straßburg aus dem Jahr 2018 mit 140 Teilnehmern zwischen 60 und 86 Jahren ergab, dass Personen, die wöchentlich ein alkoholisches Getränk konsumierten, 6,5-mal häufiger unter nächtlichen Wadenkrämpfen litten als diejenigen, die keinen Alkohol tranken. Regelmäßiger Alkoholkonsum kann somit das Auftreten von Muskelkrämpfen begünstigen.

Mineralstoffmangel als Ursache

Eine mögliche Ursache für Muskelkrämpfe kann ein Mangel an Mineralstoffen wie Magnesium und Calcium sein, die für die Muskelarbeit (Zusammenziehen und Entspannen der Muskeln) notwendig sind. Sie sind an der normal ablaufenden Erregungsweiterleitung von den Nerven auf die Muskeln beteiligt. Gerät dieses Zusammenspiel durch einen Mangel aus dem Gleichgewicht, können Krämpfe und Verspannungen die Folge sein.

Calciummangel (Hypokalzämie)

Ein Calciummangel (Hypokalzämie) liegt vor, wenn die Calciumkonzentration im Blut unter einen definierten Grenzwert sinkt (2,2 mmol/l). Um die Calciumkonzentration im Blut aufrecht zu erhalten, wird Calcium aus den Knochen herausgelöst. Dies ist meist nicht mit Beschwerden verbunden.

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Häufigste Ursachen für Calciummangel:

  • Unterversorgung mit Vitamin D3, was die Aufnahme von Calcium einschränkt
  • Unzureichende Calciumaufnahme (z. B. über die Nahrung)
  • Resorptionsstörung (z. B. im Darm)
  • Vermehrte Calciumverluste (z. B. über die Nieren)
  • Erhöhter Calciumbedarf (z. B. in der Wachstumsphase)
  • Hormonelle Störungen

In Deutschland nehmen insbesondere junge Frauen und ältere Menschen zu wenig Calcium auf. Besonders kritisch ist die Situation bei jungen Frauen: Fast drei Viertel der 14- bis 18-Jährigen unterschreiten die Empfehlungen.

Weitere Ursachen

Neben Mineralstoffmängeln und Alkoholkonsum können auch folgende Faktoren Muskelkrämpfe verursachen:

  • Flüssigkeitsmangel: Verstärktes Schwitzen, Fieber, Durchfall oder Erbrechen können zu Flüssigkeitsmangel führen.
  • Überbelastung der Muskeln: Zu intensive oder ungewohnte körperliche Anstrengung kann Muskelkrämpfe auslösen.
  • Neurologische Erkrankungen: Polyneuropathie, Diabetes oder hormonelle Erkrankungen können ebenfalls Muskelkrämpfe verursachen.
  • Muskelerkrankungen: Myotonien sind seltene Erkrankungen der Muskeln, die Krämpfe verursachen können.
  • Durchblutungsstörungen: Gefäßerkrankungen, die zu Minderdurchblutungen der Muskulatur führen, können Krämpfe begünstigen.
  • Medikamente: Diuretika und andere Medikamente können als Nebenwirkung Muskelkrämpfe verursachen.
  • Schwangerschaft: Wadenkrämpfe treten häufig in der Schwangerschaft auf, bedingt durch den erhöhten Bedarf an Mineralstoffen und Flüssigkeit.
  • Kälte: Niedrige Temperaturen können dazu führen, dass sich die Gefäße zusammenziehen und die Durchblutung einschränken, was Krämpfe begünstigen kann.
  • Muskuläre Dysbalancen: Ein muskuläres Ungleichgewicht durch Verkürzung oder Schwächung eines Muskels kann zu Überlastung und Krämpfen führen.

Diagnose von Muskelkrämpfen

Um die Ursache von häufigen Krämpfen zu ermitteln, sollte man eine Ärztin oder einen Arzt konsultieren. Folgende Blutwerte können genauer untersucht werden:

  • Elektrolytwerte inklusive Kalzium und Magnesium
  • Nieren- und Leberwerte
  • Blutzucker
  • Schilddrüsenhormone
  • Kreatinkinase

Es sollte abgeklärt werden, ob eine Erkrankung wie eine Schilddrüsenfunktionsstörung oder Morbus Addison hinter den Krämpfen steckt.

Behandlung von Muskelkrämpfen

Die Behandlungsansätze bei Muskelkrämpfen sind vielfältig und richten sich nach der Ursache.

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Akutmaßnahmen

Bei einem akuten Wadenkrampf hilft es, die Wadenmuskulatur zu dehnen, indem man die Ferse nach vorne ausstreckt und die Zehen zurückzieht. Alternativ kann man versuchen, den schmerzenden Muskel mit den Händen leicht zusammenzuschieben.

Medikamentöse Behandlung

Bei häufigem Auftreten von Muskelkrämpfen kann das Malariamedikament Chinin verschrieben werden. Dieses ist jedoch oft mit Nebenwirkungen verbunden. In einigen Fällen werden auch Botox-Spritzen eingesetzt, um den Krampf zu beenden.

Alternative Methoden und Hausmittel

  • Magnesium: Die Einnahme von Magnesium kann helfen, den Magnesiumhaushalt wieder ins Gleichgewicht zu bringen. Experten empfehlen bei wiederholt auftretenden Muskel- und Wadenkrämpfen 300 bis 600 Milligramm Magnesium täglich.
  • Wärme und Kälte: Warme Kompressen oder Bäder können die Muskulatur entspannen, während kalte Kompressen Entzündungen reduzieren können.
  • Massage: Eine sanfte Massage der betroffenen Muskulatur kann Linderung bringen.
  • Krampflösende Tees: Rosmarin, Lavendel, Zitronenmelisse oder Pfefferminze können helfen, die Muskeln zu entspannen.
  • Ätherische Öle: Das Einreiben der krampfenden Muskeln mit Rosmarin- oder Orangenöl kann ebenfalls lindernd wirken.
  • Gurkenwasser: Eine Studie zeigte, dass Gurkenwasser die Länge der Muskelkrämpfe bei dehydrierten Menschen verkürzen kann.

Vorbeugung von Muskelkrämpfen

Es gibt verschiedene Maßnahmen, um Muskelkrämpfen vorzubeugen:

  • Ausgewogene Ernährung: Achten Sie auf eine ausreichende Zufuhr von Mineralstoffen wie Magnesium, Kalium und Calcium. Gute Magnesiumquellen sind Vollkornprodukte, Nüsse, Samen und grünes Blattgemüse. Kalium findet man in Bananen, während Calcium in Milchprodukten, Nüssen und grünem Blattgemüse reichlich vorhanden ist.
  • Ausreichende Flüssigkeitszufuhr: Trinken Sie mindestens zwei Liter Wasser täglich, besonders bei Anstrengung, Sport und Hitze. Apfelsaftschorle, Mineralwasser und Elektrolytgetränke sind bei häufigem Sport empfehlenswert.
  • Regelmäßige Dehnübungen: Gezielte Dehnungsübungen können helfen, die Muskeln flexibel zu halten und Krämpfen vorzubeugen.
  • Aufwärmen vor dem Sport: Ein gründliches Aufwärmen bereitet die Muskeln auf die bevorstehende Belastung vor.
  • Progressive Belastungssteigerung: Steigern Sie die Trainingsintensität und -dauer langsam, um eine Überlastung der Muskeln zu vermeiden.
  • Ausreichende Regeneration: Gönnen Sie Ihrem Körper ausreichend Erholungsphasen zwischen den Trainingseinheiten.
  • Vermeidung von Alkohol: Reduzieren Sie den Alkoholkonsum, um das Risiko von Muskelkrämpfen zu verringern.
  • Geeignetes Schuhwerk: Tragen Sie bequeme Schuhe, die ausreichend Platz für die Füße bieten.
  • Regelmäßiges Wechselduschen: Dies kann die Durchblutung fördern und Muskelkrämpfen vorbeugen.

Muskelkrämpfe beim Sport

Muskelkrämpfe beim Sport sind häufig auf eine Überbelastung der Muskeln, Flüssigkeitsmangel oder nicht ausreichende Ruhephasen zurückzuführen. Um Krämpfe während dem Laufen, Schwimmen oder Radfahren zu vermeiden, sollten Sie Ihr Training unbedingt anpassen. Athleten sollten Wettkämpfe entsprechend ihres Leistungsstandes bestreiten und dem Körper ausreichende Ruhepausen gönnen. Achten sie zudem auf eine ausgewogene und gesunde Ernährung. Um Krämpfe während dem Training hinauszuzögern, haben sich auch kohlenhydrathaltige Elektrolytgetränke bewährt.

Muskelkrämpfe in der Schwangerschaft

Wadenkrämpfe treten meist ab der zweiten Schwangerschaftshälfte und häufig nachts auf. Werdende Mütter verlieren durch starkes Schwitzen und häufigen Harndrang vermehrt Flüssigkeit und essenzielle Nährstoffe. Dies kann bei schwangeren Frauen zu einem Magnesiummangel führen, der wiederum Muskelkrämpfe begünstigen kann. Der Mineralstoff ist ein wichtiger Faktor für die Entspannung der Muskulatur. Doch auch ein Calciummangel kann als Ursache für Wadenkrämpfe bei schwangeren Frauen in Betracht gezogen werden.

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Sofortmaßnahmen bei Krämpfen in der Schwangerschaft:

  • Den betroffenen Muskel dehnen.
  • Aufstehen und hin- und herlaufen, um die Durchblutung anzuregen.
  • Die Muskulatur massieren, um sie wieder zu lockern.

Werdende Mütter können Wadenkrämpfen in der Schwangerschaft durch eine ausgewogene Ernährung und regelmäßige Bewegung vorbeugen. Regelmäßiges Wechselduschen hat sich ebenfalls als präventive Maßnahme bewährt.

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