In den letzten Jahren hat sich die Wahrnehmung von Cannabisprodukten stark gewandelt. Was früher eher in speziellen Geschäften zu finden war, gilt heute in Form von Samen und Ölen als modern und gesund. Ein Inhaltsstoff der Cannabispflanze, Cannabidiol (CBD), hat dabei besondere Aufmerksamkeit erlangt. CBD ist der "kleine, brave Bruder" des Tetrahydrocannabinols (THC), des psychoaktiven Bestandteils von Marihuana. CBD berauscht nicht und macht nicht süchtig, und es werden ihm zahlreiche gesundheitsfördernde Eigenschaften zugesprochen.
Cannabidiol (CBD): Ein Überblick
CBD ist das zweithäufigste Cannabinoid in der Hanfpflanze. Im Gegensatz zu THC, das "high" macht, hat CBD keine berauschende Wirkung. Einige Studien deuten sogar darauf hin, dass CBD THC-Abhängigen helfen kann, von ihrer Sucht loszukommen.
Potentielle gesundheitliche Vorteile von CBD
CBD werden vielfältige gesundheitsfördernde Eigenschaften zugeschrieben. Anwender berichten in Internetforen von positiven Erfahrungen bei chronischen Schmerzen, Panikattacken und Schlafstörungen. Es wird sogar diskutiert, ob CBD bei Übergewicht und Krebs helfen könnte.
Der weltweite CBD-Hype
Derzeit gibt es einen weltweiten Hype um CBD, der teils kuriose Auswüchse annimmt. In den USA wird CBD Cocktails, Kaffee, Badesalz und sogar Tiernahrung zugesetzt. Auch in Europa ist die Nachfrage nach CBD in Form von Öl, Pasten, Globuli, Kapseln, Gummibärchen und Kosmetikprodukten enorm.
Wissenschaftliche Erkenntnisse zu CBD
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat 2018 einen Bericht zur Datenlage über den Nutzen und die Risiken von CBD veröffentlicht. Demnach könnte CBD bei verschiedenen medizinischen Indikationen wirksam sein, ist im Allgemeinen gut verträglich und birgt kein Abhängigkeits- oder Missbrauchspotenzial.
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Psychoaktive Wirkung von CBD im Vergleich zu THC
Studien haben gezeigt, dass CBD im Gegensatz zu THC keine psychoaktive Wirkung hat. THC entfaltet seine berauschende Wirkung durch die Interaktion mit den Cannabinoid-Rezeptoren CB1 und CB2 im Gehirn. CBD bindet weniger stark an diese Rezeptoren und blockiert vermutlich eher ihren Signalweg. Es interagiert jedoch auch mit anderen Signalwegen und Rezeptoren und kann daher auf unterschiedliche Weise wirken.
Gesicherter therapeutischer Nutzen von CBD bei Epilepsie
Bisher gilt der therapeutische Nutzen von CBD als gesichert bei der Behandlung von Epilepsie. Studien haben die Wirksamkeit von CBD bei schweren, kindlichen Krampfanfällen belegt. In den USA wurde CBD 2018 als Antiepileptikum (Epidiolex) für das Dravet- und das Lennox-Gastaut-Syndrom zugelassen, 2019 folgte die Zulassung in der EU.
Weitere potenzielle Anwendungsgebiete von CBD
Vorläufige Ergebnisse deuten darauf hin, dass CBD auch bei Psychosen helfen könnte. Studien mit Schizophreniepatienten liefern Hinweise darauf, dass CBD Halluzinationen und Wahnvorstellungen dämpfen könnte, ähnlich wie einige Antipsychotika, aber ohne deren Nebenwirkungen. Dank seiner entzündungshemmenden Eigenschaften könnte CBD auch bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen, Arthritis oder Schuppenflechte eingesetzt werden. Experimente an Tieren und Zellkulturen deuten darauf hin, dass CBD möglicherweise die Vermehrung und Ausbreitung von Tumorzellen bei bestimmten Krebsarten entgegenwirkt.
CBD gegen Schmerzen und Ängste
Hersteller von CBD-Ölen bewerben die heilsame Wirkung bei Kopfschmerzen und Migräne. Es gibt Hinweise darauf, dass Cannabis schmerzlindernd bei Kopfschmerzen wirken kann, aber für CBD allein gibt es hierzu bisher keine Untersuchungen. Auch bei neuropathischen und entzündungsbedingten Schmerzen ist die Lage unklar. Einige Studien deuten darauf hin, dass CBD bei bestimmten Formen des chronischen Schmerzes helfen kann, insbesondere bei Patienten mit Multipler Sklerose.
Viele Konsumenten erhoffen sich angstlösende, entspannende und schlaffördernde Eigenschaften von CBD. Experimentelle Studien mit Ratten weisen darauf hin, dass CBD den Serotoninstoffwechsel beeinflusst und so einen angstlösenden und antidepressiven Effekt hat. Auch vorläufige Untersuchungen an gesunden Erwachsenen scheinen dies zu bestätigen.
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Die umgekehrte u-förmige Wirkungskurve
Forscher haben gezeigt, dass die Wirkung von CBD dosisabhängig ist. Bei einer Dosierung von 300 bis 600 Milligramm pro Tag wirkt CBD angstlösend, nicht jedoch bei 100 oder 900 Milligramm. Dies deutet auf eine umgekehrte u-förmige Wirkungskurve hin.
CBD zur Unterstützung bei der Raucherentwöhnung
Eine Studie deutet darauf hin, dass CBD Menschen helfen könnte, die mit dem Rauchen aufhören wollen. Raucher, die CBD inhalierten, rauchten in diesem Zeitraum 40 Prozent weniger Zigaretten als vor der Behandlung. Auch das Verlangen nach THC könnte CBD dämpfen. Studien haben gezeigt, dass CBD das Verlangen ("Craving") verringert und somit Süchtige dabei unterstützt, clean zu werden.
CBD Globuli bei Spastik: Erfahrungen und Anwendung
Spastik ist eine erhöhte Muskelspannung, die willentlich nicht steuerbar ist und von einer Übererregbarkeit der Reflexe begleitet wird. Sie tritt häufig bei Querschnittlähmung und Multipler Sklerose auf. CBD wird von einigen Menschen mit Spastik als potenzielles Mittel zur Linderung von Symptomen in Betracht gezogen. Es gibt Berichte über positive Erfahrungen mit Cannabinoiden, Cannabidiol (CBD) oder Tetrahydrocanabinol (THC) bei der Behandlung von Spastik.
Wie wirkt CBD bei Spastik?
CBD interagiert mit dem Endocannabinoid-System des Körpers, das eine Rolle bei der Regulierung von Muskelspannung, Schmerzempfinden und Entzündungen spielt. Es wird vermutet, dass CBD entkrampfende und entspannende Eigenschaften hat, die bei der Linderung von Spastik helfen können. Allerdings ist die Forschung zu CBD und Spastik noch begrenzt, und es sind weitere Studien erforderlich, um die genauen Wirkmechanismen und die Wirksamkeit von CBD bei Spastik zu bestätigen.
Anwendung von CBD Globuli bei Spastik
CBD ist in verschiedenen Formen erhältlich, darunter auch als Globuli. Globuli sind kleine Kügelchen, die unter der Zunge zergehen und so vom Körper aufgenommen werden. Die Dosierung von CBD Globuli bei Spastik ist individuell und sollte in Absprache mit einem Arzt oder Therapeuten erfolgen. Es ist wichtig, mit einer niedrigen Dosis zu beginnen und diese langsam zu steigern, bis die gewünschte Wirkung eintritt.
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Worauf ist bei der Anwendung von CBD Globuli zu achten?
- Qualität der Produkte: Es ist wichtig, hochwertige CBD Produkte von seriösen Herstellern zu wählen, um sicherzustellen, dass sie den angegebenen CBD Gehalt enthalten und frei von Schadstoffen sind.
- Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten: CBD kann Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten haben. Daher ist es wichtig, vor der Anwendung von CBD Globuli einen Arzt zu konsultieren, insbesondere wenn man bereits andere Medikamente einnimmt.
- Nebenwirkungen: CBD gilt im Allgemeinen als sicher, kann aber in einigen Fällen Nebenwirkungen wie Müdigkeit, Durchfall oder Appetitveränderungen verursachen.
Die Grenzen der Forschung und die Unsicherheit der Rechtslage
Es gibt eine Menge Hinweise darauf, dass CBD über pharmakologisches Potenzial verfügt. Für die allermeisten Indikationen ist die Studienlage jedoch dünn. Die überwiegende Zahl von Untersuchungen wurde bislang nur an wenigen Teilnehmern durchgeführt, ihre Aussagekraft ist also begrenzt. Auch Langzeitstudien zu den Nebenwirkungen fehlen. Grundsätzlich scheint Cannabidiol zwar sicher und nebenwirkungsarm zu sein, aber in manchen Fällen traten in Studien Übelkeit, Durchfall, Müdigkeit, Appetitverlust und vorübergehende Benommenheit auf. Außerdem kann es zu Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten kommen. Schwangere sollten vorsorglich ganz auf CBD verzichten.
Die Rechtslage ist derzeit unsicher. Im März 2019 hat das EU-Parlament entschieden, dass Hersteller für jedes CBD-Erzeugnis entweder eine Zulassung als Arzneimittel oder als neuartiges Lebensmittel beantragen müssen. Bisher ignorieren Hersteller und Verkäufer diese Regelung jedoch. Studien haben gezeigt, dass bei einem Großteil der in Europa gekauften Produkte der angegebene CBD-Gehalt nicht dem tatsächlichen entsprach und die THC-Menge zum Teil höher war als erlaubt. Außerdem können Produkte mit Pestiziden verunreinigt sein.
Fazit: CBD - Kein Wundermittel, aber potenziell hilfreich
CBD hat potenziell therapeutische Eigenschaften, insbesondere bei Epilepsie und möglicherweise auch bei anderen Erkrankungen wie Psychosen, chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen, Arthritis, Schuppenflechte, Schmerzen und Angstzuständen. Die Forschung steckt jedoch noch in den Kinderschuhen, und es sind weitere Studien erforderlich, um die genauen Wirkmechanismen und die Wirksamkeit von CBD bei verschiedenen Erkrankungen zu bestätigen.
Wer CBD ausprobieren möchte, sollte sich darüber im Klaren sein, dass es in den meisten Fällen weder zu Wirkungen und Nebenwirkungen noch zur richtigen Dosierung eindeutige wissenschaftliche Befunde gibt. Die Sicherheit der im Handel erhältlichen Produkte ist darüber hinaus nicht gewährleistet. In der Form, in der es momentan im Handel zu kaufen ist, stellt CBD vermutlich nicht mehr als ein teures Lifestyle-Produkt dar. Ganz bestimmt ist es kein Wundermittel und ersetzt weder den Gang zum Arzt noch eine medikamentöse Therapie bei schweren Erkrankungen.
Ergänzende Informationen
Was ist Cannabis?
Cannabis gehört der Gattung der Hanfgewächse (Cannabaceae) an. Ebenfalls zählt Hopfen (=Humulus) zu den Cannabacaen. Cannabis gilt als die wichtigste, sowie älteste Nutzpflanze und wurde bereits früh als Heilpflanze entdeckt. Hanf diente früher vor allem zur Fasergewinnung und zur Samenproduktion. Es enthält unter anderem psychoaktive, also den Geist beeinflussende, Wirkstoffe, kann aber auch bei einer Vielzahl von Krankheiten eingesetzt werden.
Was ist medizinisches Cannabis?
Medizinische Cannabisblüten werden unter hohen Voraussetzungen in verschiedenen Ländern angebaut. Der Anbau ist streng kontrolliert und erfolgt unter pharmazeutischen Bedingungen (GMP-Kriterien). Diese umfassen zum Beispiel den Gehalt, die Identität und die Reinheit der Cannabisblüten. Während dem Anbau muss darauf geachtet werden, dass die Qualität der Cannabisblüten unter gleichbleibenden Bedingungen erhalten bleibt, natürlich können von Charge zu Charge Unterschiede auftreten, da es sich bei medizinischen Cannabisblüten um ein Naturprodukt handelt.
Wo wird medizinisches Cannabis angebaut?
Medizinische Cannabisblüten werden derzeit in einer Vielzahl von Ländern angebaut. Prinzipiell ist es in jedem Land möglich, wenn die Regierung die Erlaubnis dafür erteilt hat. Der Großteil der Cannabisblüten kommt aus Kanada und der Niederlande. Weitere Länder sind zum Beispiel: Australien, Dänemark, Lesotho, Portugal, Spanien, Uruguay, Uganda. In Deutschland werden seit dem Jahr 2021 auch Cannabisblüten angebaut.
Welche Hauptwirkstoffe sind in Cannabis enthalten?
- THC (Tetrahydrocannabinol): Der am häufigsten vorkommende Wirkstoff. Der Wirkstoffgehalt schwankt, je nach Pflanzensorte. Es gibt männliche und weibliche Formen der Pflanze, jedoch bilden nur die weibliche Formen genug THC, um einen Rausch zu erzeugen. In Wurzeln, Stängeln und Blättern lassen sich kaum Cannabinoide finden. Eine Ausnahme sind Blätter, die direkt am Blütenstand sitzen.
- CBD (Cannabidiol): Der Wirkstoff, der am zweithäufigsten in der Cannabispflanze zu finden ist. Er wirkt nicht psychoaktiv, sondern mildert u.a. die psychotrope Wirkung von THC ab.
Welche anderen Stoffe/Wirkstoffe sind in der Cannabispflanze enthalten?
Neben THC und CBD enthält die Cannabispflanze noch zahlreiche weitere Cannabinoide wie z.B. CBG, CBC, CBN, sowie sog. Terpene:
- CBG (Cannabigerol): Wird während des Wachstums in andere Cannabinoide umgewandelt, v.a. in THC und CBD, nur ca. 1 % CBG verbleibt in der Pflanze.
- CBC (Cannabichromen): Entsteht ebenfalls durch Umwandlung von CBG mit Hilfe bestimmter Enzyme. Wirkt selbst nicht psychoaktiv, verstärkt aber die Wirkung von THC.
- CBN (Cannabinol): Ist ein Oxydationsprodukt von THC und wirkt leicht psychoaktiv.
- Terpene: Diese Substanzklasse sind zum einen für den individuellen Duft und das besondere Aroma der Cannabispflanze verantwortlich, modifizieren zum anderen aber auch die Wirkung der Cannabinoide, indem sie einerseits die Aufnahme von CBD und THC verbessern und andererseits die Verfügbarkeit im Körper regulieren. Terpenen wird weiter eine Minderung der Nebenwirkungen zugeschrieben bei gleichzeitiger Wirkverstärkung (Entourage-Effekt). Des Weiteren haben die verschiedenen Terpene auch eigene Effekte.
Was sind Terpene?
Neben THC und CBD enthält die Cannabispflanze noch zahlreiche weitere Cannabinoide wie z.B. CBG, CBC, CBN, sowie sog. Terpene. Bisher sind ca. 200 verschiedene Terpene innerhalb der Cannabispflanze bekannt. Je nach genetischem Ursprung der Cannabispflanze, ist die Terpenen-Zusammensetzung unterschiedlich und verleiht den unterschiedlichen Pflanzen auch unterschiedliche, charakteristische Gerüche. Die meisten Terpene sind im Harz der weiblichen Cannabispflanze zu finden. Pharmakologisch bzw. therapeutisch können Terpene ab einem Konzentrationsgehalt über 0,05% wirken. Ähnlich wie THC verdampfen Terpene bei ca. 157 Grad Celsius und können so mittels Vaporisator ebenfalls während der Inhalation von Cannabis verfügbar gemacht werden. Sie besitzen also pharmakologisches Potenzial und wirken u.a.
Cannabis, Haschisch oder Marihuana - worin liegt der Unterschied?
Cannabis ist u.a. bekannt als Haschisch (auch: „Dope“) oder Marihuana (auch: „Gras“, „Weed“):
- Haschisch: Besteht aus dem Harz der Blütenstände der weiblichen Pflanze.
- Marihuana: Handelt es sich um getrocknete und zerkleinerte Pflanzenteile ebenfalls der weiblichen Pflanze (meist: Blüten, Blätter, Spitzen); „Hanf“ ist die deutsche Übersetzung vom lat. „Cannabis“.
Was sind CBD-Öle?
CBD ist, wie oben erwähnt, eines der ca. 120 vorkommenden Cannabinoide und besitzt keinen psychoaktivierenden, berauschenden Effekt. Das CBD-Öl ist ein Extrakt, der aus den Blüten und Blättern der Hanfpflanze hergestellt wird; der THC-Anteil beträgt <0,2 %.
Wie wirkt Cannabis und bei welchen Indikationen wird es eingesetzt?
Der menschliche Körper besitzt viele sog. Cannabinoid-Rezeptoren, an denen die Wirkstoffe der Cannabispflanze andocken können (= Endocannabinoid-System). Sie kommen unter anderem im zentralen Nervensystem, im Herzkreislaufsystem, im Magen-Darm-System, der Muskulatur, der Knochen und der Haut vor. Dementsprechend kann Cannabis bei vielen Erkrankungen und deren Begleiterscheinungen von Nutzen sein, u.a.
- Chronischen Schmerzen
- Appetitlosigkeit/Übelkeit/Erbrechen im Verlauf einer Krebserkrankung mit Chemotherapie
- Auch zur Appetitsteigerung bei HIV/AIDS (Waisting-Syndrom)
- Anorexie
- Spastiken bei MS (Multiple Sklerose)
- ADHS
- Depressionen
- Migräne
- Entzündlichen Darmerkrankungen (Morbus Crohn, Colitis Ulcerosa)
- Ticstörung inkl. Tourette-Syndrom
- Restless-Legs-Syndrom
- Insomnie/Schlafstörungen
Wichtig ist: Cannabinoidhaltige Arzneimittel wirken ausschließlich symptomatisch und beheben nicht die Ursache der Erkrankung!
Gibt es Kontraindikationen oder Nebenwirkungen?
Für die bislang zugelassenen cannabinoidhaltigen Fertigarzneimittel Sativex, Canemes und Cannabisblüten/-extrakte sind folgende Kontraindikationen bekannt:
- SATIVEX: Enthält ein CBD/THC-enthanolisches Extrakt, dass als Mundspray angewendet wird. Es ist zugelassen zur Verbesserung von Symptomen bei Patienten mit mittelschwerer bis schwerer Spastik aufgrund von Multipler Sklerose.
- CANEMES: Enthält ein synthetisch-hergestelles THC-Analgon (=Nabilon), dass ca. doppelt so stark wirkt, wie THC. Es ist zugelassen für die Behandlung von Chemotherapie bedingter Emesis und Nausea bei Krebs-Patienten.
Cannabis wirkt nicht spezifisch und auch nicht auf alle Menschen gleich. Die Wirkung, die bei einem Patienten hervorgerufen werden soll, möchte bei einem anderen vielleicht vermieden werden. Einer der größten Vorteile ist es, dass Cannabis als Medikament, also in therapeutischer Dosierung eingenommen, als ungewöhnlich sicher gilt. In therapeutisch eigenommenen Dosen merken die Patienten meist wenige bis keine Auswirkungen auf das Herzkreislaufsystem. Zumal sich innerhalb weniger Tage eine Toleranz gegenüber den Herzkreislauf-Wirkungen entwickelt und bei regelmäßiger Einnahme sogar eine Bradykardie auftreten kann. Nebenwirkungen der Psyche und der Psychomotorik können sein: Euphorie, Angst, Müdigkeit, sowie reduzierte psychomotorische Leistungsfähigkeit. Im Allgemeinen wird Cannabis als Medikament langfristig gut vertragen.
Wie und wer verordnet Cannabis als Medikament?
- Wer: Jeder zugelassene (Fach-)Arzt (außer Zahn- und Tierärzte)
- Wie: Für ein Cannabis-Rezept sollten einige Voraussetzungen gegeben sein, die sich aus dem Gesetz zur Änderung betäubungsmittelrechtlicher und anderer Vorschriften vom 06. Ob diese Voraussetzungen gegeben sind, beurteilt die verschreibende Ärztin oder der verschreibende Arzt individuell. Genaue Angaben zu indizierten Diagnosen müssen allerdings nicht gemacht werden.
Wer trägt die Kosten?
Vor der ersten Verschreibung muss die Genehmigung zur Kostenübernahme vorliegen. Gesetzlich versicherte Patienten haben einen gesetzlichen Anspruch auf Kostenübernahme; dieser darf nur in begründeten Ausnahmefällen abgelehnt werden. Die Genehmigungsfrist liegt bei max. 3 Wochen; bei Fällen, die einer MDK-Prüfung bedürfen max. 5 Wochen. Palliativpatienten haben eine Wartezeit auf Genehmigung von max. 3 Tagen.
Wie sieht ein korrektes Cannabis-Rezept aus?
Cannabis-Arzneimittel können nur mit einem Rezept verordnet werden. Die Gültigkeit des Rezepts beträgt 28 Tage bei einer GKV-Verordnung und 3 Monate bei einer privatärztlichen Verordnung. Die Beschriftung des Rezepts muss klar und deutlich sein - unklare Rezepte dürfen von Apotheken nicht herausgegeben werden, dies bedeutet, dass einige Rezeptangaben zwingend erforderlich sind: Die Angabe „Cannabisblüten“ oder „Cannabis flos“ ist als Arzneimittelbezeichnung nicht ausreichend. Die Verordnung ist erst dann eindeutig, wenn zusätzlich der genaue Sortenname der Cannabisblüten genannt ist, da die verschiedenen Sorten sich zum Teil erheblich in ihrem CBD-/THC-Gehalt unterscheiden. Eine genaue Gebrauchsanweisung muss der abgebenden Apotheke bekannt sein und vorliegen. Ist dies nicht der Fall, wird die Verordnung als nicht plausibel bewertet.
Wie sollte Cannabis gelagert werden?
Äußeren Faktoren wie Temperatur, Luftfeuchtigkeit und Licht können die Qualität und Wirkungsweise des Cannabis erheblich beeinträchtigen und ist bei der Lagerung zu Hause zu berücksichtigen. Wir empfehlen eine Lagerung an einem kühlen, Licht-undurchlässigen Ort. Außerdem gilt: Stets außer Reichweite von Kindern aufbewahren!
Welche Behandlungs- bzw. Darreichungsformen gibt es?
- Cannabinoidhaltige Fertigarzneimitteln:
- Als Mundspray (Sativex)
- In Kapselform (Canemes)
- Cannabisblüten: Müssen erhitzt werden (z.B. mit Vaporisator), da Cannabinoide erst dann wirksam werden. Die Wirkstoffaufnahme erfolgt durch Inhalation.
- Ölige Cannabisextrakte: Hochtechnologische hergestellte ölige Extrakte aus Cannabisblüten, die oral eingenommen werden
- Reine Cannabis-Extrakte: Cannabisharz, das über verschiedene Verfahren gewonnen werden kann. Diese Harze werden inhaliert.
Wieso werden Cannabisblüten bestrahlt und welche Arten gibt es?
Medizinisches Cannabis ist mittlerweile von mehreren unterschiedlichen Herstellern auf dem Markt. Da Medizinalhanf nicht unter sterilen Bedingungen angebaut werden kann, ist es möglich, dass Schimmel- und Pilzsporen in/auf den Cannabisblüten vorkommen, die besonders für immungeschwächte (=immunsupprimierte) Patienten zu einer tödlichen Gefahr werden können. Es ist also ratsam, besser bestrahlte Blüten zu konsumieren. Denn während der Vaporisierung können die Sporen der Pilze mit inhaliert werden und so direkt in den Blutkreislauf des Patienten gelangen, was schwerwiegende Infektionen zur Folge haben kann.
Momentan werden 2 Bestrahlungsmethoden verwendet:
- Gamma-Bestrahlung: Hochenergetische Photonen töten tief im Inneren vorhandene Mikroorganismen ab, die somit nicht mehr vernehmungsfähig sind. Diese Methode findet ebenso Anwendung z.B. in der Lebensmittelindustrie.
- E-Beam: Elektrostrahlen durchdringen die Blüten und machen vorhandene Mikroorganismen unschädlich. Die Strahlen sind allerdings weniger durchdringlich als beispielsweise Gamma-Strahlen.
Beide Methoden erzeugen keine Radioaktivität und haben keinen Einfluss auf den THC- und CBD-Gehalt der jeweiligen Blüten, man erhält dadurch ein keimfreies Produkt.
Alternative Behandlungsansätze bei Spastik
Es gibt verschiedene alternative Behandlungsansätze, die begleitend zur schulmedizinischen Therapie eingesetzt werden können. Einige Patienten berichten von positiven Erfahrungen mit Homöopathie, Akupunktur oder Kinesiologie. Es ist jedoch wichtig, diese Methoden kritisch zu hinterfragen und sich von erfahrenen Therapeuten beraten zu lassen.
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