Cannabidiol (CBD), ein nicht-psychoaktiver Bestandteil der Hanfpflanze, wird zunehmend als potenzielles Mittel gegen verschiedene Beschwerden angepriesen, darunter Stress, Schmerzen und sogar Krebs. Im Gegensatz zu Tetrahydrocannabinol (THC) verursacht CBD keine berauschende Wirkung und macht nicht süchtig. Während der therapeutische Nutzen von CBD in einigen Bereichen noch erforscht wird, ist seine Wirksamkeit bei bestimmten Formen der Epilepsie wissenschaftlich belegt.
CBD als Antiepileptikum: Der aktuelle Stand
Seit 2019 ist in Europa ein CBD-haltiges Medikament namens Epidiolex zur Behandlung schwerer, kindlicher Epilepsien zugelassen. Es wird angenommen, dass CBD die Kalziumkonzentration innerhalb der Nervenzellen verändert, was zu seiner krampflösenden Wirkung beitragen könnte. In Deutschland unterliegt der Wirkstoff CBD als zugelassenes Medikament der Verschreibungspflicht.
Studienlage zur Wirksamkeit von CBD bei Epilepsie
Sorgfältige medizinische Studien haben klare Ergebnisse zur Wirksamkeit von CBD bei Epilepsie gezeigt. Es ist wichtig zu beachten, dass Epilepsie keine einheitliche Erkrankung ist, sondern eine Mischung verschiedener Funktionsstörungen des Gehirns unterschiedlicher Ursache. Die Behandlung von Epilepsie mit Medikamenten zielt darauf ab, die Anfälle zu kontrollieren, ähnlich wie bei der Schmerzbehandlung.
Cannabidiol (CBD) zeigte in verschiedenen Studien in speziellen Patientengruppen eine gute Wirksamkeit. Knapp die Hälfte der Patienten mit Dravet-Syndrom und mit Lennox-Gastaut-Syndrom zeigten eine Verminderung der Anfälle um 50 Prozent. Es ist jedoch zu berücksichtigen, dass in der Kontrollgruppe ohne wirksames Medikament etwa 20 Prozent der Betroffenen diese Verbesserung zeigten. Eine Studie ohne Kontrollgruppe an einer größeren Zahl von Patienten mit Pharmakoresistenz zeigte vergleichbare Ergebnisse.
Die amerikanische Zulassungsbehörde (FDA) hat im Juni 2018 einem Medikament der Firma GW (Epidiolex) eine Zulassung für die oben beschriebenen Epilepsieformen erteilt. Dieses Präparat kann über die Auslandsapotheke bezogen werden. Die Dosis sollte bei mindestens 10mg/kg Körpergewicht liegen. Im Prinzip kann auch durch einen Apotheker in Deutschland eine entsprechende Cannabidiollösung mit hohem Reinheitsgrad hergestellt werden.
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Zusammenfassend lässt sich sagen, dass ein spezieller Extrakt aus der Cannabispflanze, das Cannabidiol (CBD), antiepileptische Eigenschaften hat, die am Menschen in Studien untersucht wurden. Es stellt eine Ergänzung der bisherigen Medikamente dar und wird als medizinische Lösung vom Apotheker hergestellt oder kann mit hohem finanziellem Aufwand über eine internationale Apotheke aus den USA bezogen werden. Ihre Wirksamkeit ist für bestimmte Epilepsieformen als hochwertig nachgewiesen.
CBD-Produkte: Was ist zu beachten?
Frei verkäufliche CBD-Produkte aus dem Onlinehandel, Hanfshops, Drogerien oder Apotheken sind keine zugelassenen Medikamente. Diese Öle, Cremes oder Sprays dürfen derzeit nahezu ungeprüft als Hygiene- oder Kosmetikprodukte verkauft werden, ohne dass sie einen offiziellen Wirksamkeitsnachweis erbringen müssen.
Rechtliche Aspekte und Qualitätskontrolle
Als Nahrungsergänzungsmittel dürfen CBD-Produkte nach Ansicht des Bundesamts für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit nicht in Verkehr gebracht werden, da CBD keine Zulassung als "neuartiges Lebensmittel" hat. Die EU-Behörde für Lebensmittelsicherheit hat das Verfahren zur Zulassung von CBD als neuartiges Lebensmittel vorerst gestoppt.
Dirk Lachenmeier vom Chemischen Veterinäruntersuchungsamt Karlsruhe beobachtet, dass einige Hersteller versuchen, das Verkaufsverbot zu umgehen, indem sie die Öle als "kosmetisches Mundhygieneöl" deklarieren. Er stellt außerdem fest, dass zahlreiche CBD-Produkte mehr THC enthalten als erlaubt, was eine berauschende Wirkung haben könnte. In einigen Fällen könnte sogar ein Drogenurintest positiv ausfallen.
Ärzte und Verbraucherschützer warnen weiterhin vor CBD-Produkten und halten sie für bedenklich. Stiftung Warentest rät klar davon ab, CBD-Produkte einzunehmen, da Cannabidiol nicht als harmloser Pflanzenstoff einzustufen sei.
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Mangelnde Produktqualität und Sicherheit
Mehrere Analysen haben in den vergangenen Jahren mangelnde Produktqualität und Sicherheit von CBD-Produkten nachgewiesen, da andere CBD- oder gar THC-Mengen enthalten waren als deklariert. Die Verbraucherzentralen raten daher von einem Verzehr ab.
CBD bei Epilepsie beim Hund
Epilepsie ist eine neurologische Erkrankung, die sowohl Menschen als auch Hunde betrifft. Es gibt einige Forschungen, die darauf hindeuten, dass CBD das Potenzial hat, Anfälle bei Hunden zu reduzieren. Eine Übersicht aus der Veterinärpharmakologie ordnet CBD in das Endocannabinoid-System (ECS) ein, das kognitive Prozesse, Entzündung und Immunfunktionen reguliert.
Studienlage zur Wirksamkeit von CBD bei Epilepsie beim Hund
Die bislang stärkste veterinärmedizinische Evidenz stammt aus einer 24-wöchigen, randomisierten Crossover-Studie mit 14 Hunden und therapieresistenter Epilepsie. Ein CBD/CBDA-reicher Hanfextrakt (2 mg/kg alle 12 h) senkte die Anfallshäufigkeit von im Mittel 8,0 ± 4,8 (Placebo) auf 5,0 ± 3,6 (p = 0,02). 6 von 14 Hunden erreichten eine ≥50% Reduktion der Anfälle (Placebo: 0/14).
Anwendung und Sicherheit von CBD bei Hunden
CBD kann bei manchen Hunden mit schwer behandelbarer Epilepsie die Zahl der Anfälle senken - meist als Zusatz zu vorhandenen Medikamenten. Nebenwirkungen sind oft mild (z. B. Müdigkeit), Leberwerte sollten kontrolliert werden. Wie gut CBD wirkt, hängt auch vom Produkt und der Form ab. Es hilft nicht jedem Hund, und es gibt noch zu wenige große, klare Studien.
Wenn Sie CBD für Ihren Hund erwägen, gehen Sie strukturiert und tierärztlich begleitet vor. Wählen Sie Öl-basierte, analytisch geprüfte CBD-Produkte mit bekanntem THC-Gehalt (<0,3%). Starten Sie mit einer niedrigen Dosis und steigern Sie diese langsam. Antiepileptika sollten nicht abgesetzt werden.
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Psychotherapeutische Ansätze bei Epilepsie
Die Wirksamkeit der ambulanten neurologischen Arbeit mit Patient/-innen mit Anfällen kann durch eine zusätzliche Behandlung psychischer und kognitiver Beeinträchtigungen deutlich erhöht werden. Für Menschen mit dissoziativen Anfällen ist Psychotherapie ohnehin die Therapie der Wahl. Aber auch die vielfältigen und komplexen psychischen Begleitphänomene bei epileptischen Anfallserkrankungen lassen sich mit einer psychotherapeutischen Wahrnehmungseinstellung oft gut bearbeiten.
Spezifische psychische Symptomatiken bei Anfallserkrankungen
Eine bedeutsame Ergänzung für eine im engeren Sinne psychotherapeutische Behandlung von Anfallserkrankungen bilden - neben einer psychotherapeutischen Ausbildung - Kenntnisse der spezifischen psychischen Symptomatiken, die bei Anfallserkrankungen auftreten können. Als solche sind aus unserer klinischen Praxis z. B. bei dissoziativen Patient/-innen deren charakteristische Aussparungs- und Delegationstendenzen mit entsprechenden Herausforderungen für die Behandler/-innen zu nennen oder bei Epilepsiepatient/-innen z. B. deren im Rahmen von Auren auftretende autoskopische Derealisations- oder Depersonalisationsgefühle oder experientelles Erleben (Auren, in denen in der Vergangenheit Erlebtes in unmittelbar eindringlicher Weise und entsprechend affektiv belastend wiedererlebt wird [2, 3]), (pseudo)halluzinatorische, posttraumatisch-intrusive Erlebnisse, aber auch z. B. schamvoll erlebte Zwänge und polymorphe Ängste.
Hinlänglich bekannt ist, dass Epilepsien häufig mit depressiven und mit Angsterkrankungen einhergehen. Weniger bekannt ist, dass, wie Kanner et al. [4] zeigen konnten, die Patient/-innen bei Vorhandensein einer Angst- oder depressiven Störung signifikant häufiger unerwünschte medikamentöse Nebenwirkungen erleiden. Erstaunlich wenig untersucht sind zudem Zusammenhänge zwischen Epilepsien und posttraumatischen Belastungsstörungen.
Ambulante Psychotherapie bei Anfallserkrankungen
In einer ambulanten psychotherapeutischen Behandlung eröffnen sich Möglichkeiten der Gestaltung des zeitlichen Rahmens, die im Vergleich zu dem einer stationären Behandlung Erörterung verdienen. Gerade die kommunikative Bearbeitung der im Erleben von Epilepsiepatient/-innen so charakteristischen Schwerbeschreiblichkeit [7] bedarf des zeiterfordernden Aufbaus einer tragfähigen, auch schwierige Affekte zulassenden Behandlungsbeziehung. Strukturdefizite können mittels sog. Zusammenhangsbildungen angegangen werden.
Selbst-Handeln bei Anfällen
Im Mittelpunkt des CBT-gestützten Therapieprozesses „Selbst-Handeln bei Anfällen“ steht in einem ersten Schritt, den erkrankten Menschen ein Verständnis ihrer veränderten Lebenssituation zu ermöglichen. In einem zweiten Schritt wird versucht, aus diesem Verständnis gesundheitsfördernde Handlungsmöglichkeiten für eine aktive Lebensgestaltung auf verschiedenen Ebenen abzuleiten.
Kognitive Verhaltenstherapie (CBT) bei Epilepsie
Patienten mit Epilepsie leiden häufig auch unter Depressionen und Angststörungen. Generell empfohlen werden hier psychotherapeutische Maßnahmen, vor allem die Kognitive Verhaltenstherapie (CBT). Die Ergebnisse einer systematischen Überprüfung relevanter Studien waren jedoch ernüchternd: Für die CBT wurde bei depressiven Epilepsie-Patienten ein nur geringer Nutzen festgestellt.
Wie die Autoren betonen, hat die CBT einen nur begrenzten Nutzen bei Epilepsie-Patienten mit Depressionen. Die Patienten reagieren eher kurzfristig, zeigen jedoch keine zuverlässige Besserung. Die langfristigen Auswirkungen auf die Depression müssen noch untersucht werden. Letztendlich implizieren die Ergebnisse der Studie, dass es für die psychische Behandlung von Depressionen, Angstzuständen und anderen psychischen Problemen bei Epilepsie-Patienten einen erheblichen Verbesserungsbedarf gibt.
Risiken und Nebenwirkungen von CBD
Tatsächlich sind die Nebenwirkungen von CBD wenig erforscht. Grundsätzlich treten Nebenwirkungen bei CBD womöglich dosisabhängig auf. Auch die Form der Einnahme oder aber der Abstand zu Mahlzeiten könnte die Wirkung beeinflussen, wie Laborstudien zeigen. Beispielsweise kann die gleichzeitige Aufnahme von Fetten wohl auch die von CBD erhöhen.
CBD kann auch Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten haben, da es bestimmte Enzyme in der Leber beeinflusst, die an deren Verstoffwechselung und Abbau beteiligt sind. Betroffen von Wechselwirkungen und damit in ihrer Wirkung verstärkt oder beeinträchtigt könnten unter anderem Medikamente gegen Epilepsien oder Gerinnungshemmer sein.
Mögliche Nebenwirkungen von CBD
Für CBD sind zahlreiche unerwünschte Effekte bekannt. So löst CBD bei jedem Zehnten Schläfrigkeit und Benommenheit aus. Genauso häufig scheint CBD zu Schlaflosigkeit, Schlafstörungen und innerer Unruhe zu führen. Weitere häufige Nebenwirkungen sind Durchfall, Appetitlosigkeit, Fieber, Erbrechen und Müdigkeit. Möglicherweise ist auch die Infekthäufigkeit nach Verwendung von CBD gesteigert.
CBD sollte keinesfalls von Personen genommen werden, die an Erkrankungen der Leber leiden oder Antiepileptika einnehmen. Negative Effekte scheinen dosisabhängig zu sein. Es sind Wechselwirkungen mit zahlreichen Medikamenten möglich, durch Hemmung der Enzyme CYP 2C19 und CYP 3A4 im Arzneistoffwechsel.