Charlottes Web Öl: Erfahrungen bei Kindern mit Epilepsie

Die Behandlung von Epilepsie bei Kindern ist oft eine Herausforderung, insbesondere wenn herkömmliche Medikamente nicht die gewünschte Wirkung zeigen. In den letzten Jahren hat sich Cannabidiol (CBD), ein nicht-psychoaktiver Bestandteil der Cannabispflanze, als vielversprechende Option erwiesen. Besonders das "Charlottes Web" CBD-Öl hat aufgrund von Erfolgsgeschichten bei Kindern mit schwer behandelbaren Epilepsieformen wie dem Dravet-Syndrom und dem Lennox-Gastaut-Syndrom Aufmerksamkeit erregt.

Was ist CBD und wie wirkt es?

CBD ist ein Cannabinoid, das in hohen Konzentrationen in bestimmten THC-armen Hanfsorten vorkommt. Im Gegensatz zu Tetrahydrocannabinol (THC) wirkt CBD nicht berauschend. Stattdessen werden ihm verschiedene medizinisch interessante Eigenschaften zugeschrieben, insbesondere antiepileptische Wirkungen.

Der genaue Wirkmechanismus von CBD ist noch nicht vollständig geklärt. Im Gegensatz zu THC, das hauptsächlich Cannabinoidrezeptoren auf Nervenzellen aktiviert, scheint CBD indirekt auf das Endocannabinoid-System einzuwirken. Es wird angenommen, dass CBD unter anderem den Abbau von Anandamid hemmt, einem körpereigenen Cannabinoid, und somit dessen Konzentration erhöht. Es sind aber auch eine Anzahl weiterer Wirkungsmechanismen bekannt.

In Deutschland ist es möglich, reines CBD vom Arzt verschreiben zu lassen. Dieses wird synthetisch von der Firma THC Pharm in Frankfurt hergestellt. Zudem werden im Internet Cannabisextrakte mit hohen CBD-Konzentrationen und wenig THC als CBD-Öle oder Cannabisöle verkauft, die aus THC-armen Hanfsorten gewonnen werden.

Charlottes Web: Ein Hoffnungsschimmer für Kinder mit Epilepsie

Ein CBD-reicher Cannabisextrakt, bekannt als Charlottes Web (CW), erlangte durch die gleichnamige Bewegung in den USA große Bekanntheit im Zusammenhang mit der Behandlung von Epilepsie. Die Geschichte von Charlotte Figi, einem Mädchen mit Dravet-Syndrom, das durch die Einnahme von CW-Öl eine deutliche Reduktion ihrer Anfälle erfuhr, trug maßgeblich dazu bei.

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Fallbeispiel Charlotte Figi

Charlotte Figi litt seit ihrem zweiten Lebensjahr an dem Dravet-Syndrom, einer seltenen und schweren Form der Epilepsie. Trotz zahlreicher Behandlungsversuche mit herkömmlichen Medikamenten verschlechterte sich ihr Zustand zunehmend. Im Alter von fünf Jahren erlitt sie bis zu 300 epileptische Anfälle pro Woche, was ihre Entwicklung stark beeinträchtigte.

Nachdem ihre Eltern von den potenziellen Vorteilen von CBD gehört hatten, begannen sie, Charlotte mit einem speziellen CBD-reichen Öl zu behandeln. Innerhalb kurzer Zeit reduzierte sich die Anzahl ihrer Anfälle drastisch auf nur noch wenige pro Monat. Charlotte konnte wieder laufen, sprechen und essen. Ihre Lebensqualität verbesserte sich enorm.

Weitere Erfolge mit CBD bei Epilepsie

Die Erfolgsgeschichte von Charlotte Figi ermutigte viele andere Familien, CBD-Öl bei ihren Kindern mit Epilepsie einzusetzen. Es gibt Berichte über positive Erfahrungen beim Dravet-Syndrom, dem Lennox-Gastaut-Syndrom und dem Angelman-Syndrom. In den USA verwenden bereits viele Kinder mit Angelman-Syndrom CBD-Extrakte bzw. CBD-Öle. Auch die epileptischen Potenziale, die bei den Kindern mit Angelman- Syndrom trotz Anfallsfreiheit sehr oft vorhanden sind, werden reduziert.

Klinische Studien und Forschungsergebnisse

Die Wirksamkeit von CBD bei der Behandlung von Epilepsie wurde in mehreren klinischen Studien untersucht.

  • Eine Studie, die im "New England Journal of Medicine" veröffentlicht wurde, untersuchte die Wirkung von CBD bei Kindern und jungen Erwachsenen mit Dravet-Syndrom. Die Teilnehmer erhielten zusätzlich zu ihren regulären Medikamenten entweder CBD oder ein Placebo. Die Ergebnisse zeigten, dass die CBD-Gruppe eine signifikant stärkere Reduktion der Anfallshäufigkeit aufwies als die Placebo-Gruppe.
  • Auf der Jahrestagung der amerikanischen Epilepsiegesellschaft im Dezember 2014 wurden Arztberichte mit Daten zur Sicherheit und Wirksamkeit des CBD-Extrakts Epidiolex bei 58 Kindern und jungen Erwachsenen mit behandlungsresistenter Epilepsie vorgestellt. Die Patienten wurden mindestens 12 Wochen lang behandelt. Bei Patienten mit Dravet- Syndrom wurde eine mediane Gesamtreduzierung der Anfallshäufigkeit um 51−72 % festgestellt. Bei Patienten mit atonischen Anfällen (ein Zeichen für Lennox-Gastaut-Syndrom) wurde eine mediane Gesamtreduzierung der Anfallshäufigkeit um 52−46 % festgestellt.
  • Eine weitere Studie aus dem Jahr 1980, an der Raphael Mechoulam beteiligt war, untersuchte die Wirkung von CBD bei gesunden Personen und Epilepsiepatienten. Bei vier von acht Epilepsiepatienten verschwanden die Anfälle vollständig, bei drei weiteren trat eine sichtbare Verbesserung ein.

Diese Studien deuten darauf hin, dass CBD das Potenzial hat, die Anfallshäufigkeit bei bestimmten Formen von Epilepsie zu reduzieren.

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Sicherheit und Nebenwirkungen von CBD

Im Allgemeinen wird CBD gut vertragen und weist im Vergleich zu anderen Antiepileptika geringe Nebenwirkungen auf. Zu den häufigsten Nebenwirkungen gehören:

  • Müdigkeit
  • Schläfrigkeit
  • Durchfall
  • Erbrechen
  • Fieber
  • Veränderungen der Leberwerte

Es ist wichtig zu beachten, dass CBD die Aktivität bestimmter Enzyme in der Leber hemmen kann, die für den Abbau verschiedener Medikamente verantwortlich sind. Dies kann zu Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten führen, insbesondere mit Antiepileptika wie Clobazam (Frisium) und Risperidon (Risperdal) sowie dem Säurehemmer Pantoprazol. Bei der Einnahme großer Mengen von CBD ist daher Vorsicht geboten, wenn gleichzeitig andere Medikamente eingenommen werden.

Rechtliche Aspekte und Verfügbarkeit

Die rechtliche Lage von CBD ist international unterschiedlich. In Deutschland ist reines CBD, das vom Arzt verschrieben wird, legal erhältlich. Auch CBD-Produkte mit einem THC-Gehalt von weniger als 0,2 % sind legal, solange sie nicht als Arzneimittel beworben werden.

In anderen Ländern, wie den USA, ist die rechtliche Situation komplexer. Während einige Staaten Cannabis für medizinische Zwecke legalisiert haben, stellt das Bundesgesetz Cannabis weiterhin als illegale Droge ein.

Die Zukunft von CBD in der Epilepsiebehandlung

Die Forschung zu CBD und seinen potenziellen therapeutischen Anwendungen, einschließlich der Behandlung von Epilepsie, ist noch nicht abgeschlossen. Es gibt jedoch zunehmend Evidenz dafür, dass CBD bei bestimmten Formen von Epilepsie eine positive Wirkung haben kann.

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Die US-Zulassungsbehörde FDA hat Epidiolex (Cannabidiol) zur Behandlung des Dravet-Syndroms den Orphan-Drug-Status zuerkannt, was die Bedeutung von CBD in diesem Bereich unterstreicht.

Es ist zu erwarten, dass in Zukunft weitere klinische Studien durchgeführt werden, um die Wirksamkeit und Sicherheit von CBD bei verschiedenen Formen von Epilepsie besser zu verstehen. Dies könnte dazu beitragen, die optimale Dosierung und Anwendungsweise von CBD zu bestimmen und die potenziellen Vorteile und Risiken für verschiedene Patientengruppen besser einzuschätzen.

Fazit

Charlottes Web Öl und andere CBD-Produkte haben sich als vielversprechende Option für Kinder mit schwer behandelbaren Epilepsieformen erwiesen. Viele Familien berichten von einer deutlichen Reduktion der Anfallshäufigkeit und einer Verbesserung der Lebensqualität ihrer Kinder.

Obwohl weitere Forschung erforderlich ist, um die Wirksamkeit und Sicherheit von CBD vollständig zu verstehen, deuten die bisherigen Ergebnisse darauf hin, dass CBD eine wertvolle Ergänzung zu herkömmlichen Behandlungsmethoden sein kann.

Dr. Grotenhermen kommt zu dem Schluss, dass es sinnvoll sein kann, einen Versuch mit CBD zu unternehmen. Es ist jedoch wichtig, die Behandlung mit einem Arzt zu besprechen, um mögliche Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten zu berücksichtigen und die optimale Dosierung zu bestimmen.

Es ist wichtig zu betonen, dass CBD kein Allheilmittel ist und nicht bei allen Kindern mit Epilepsie wirkt. Dennoch stellt es für viele Betroffene und ihre Familien einen Hoffnungsschimmer dar und kann ihnen helfen, ein besseres Leben zu führen.

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