Das Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) gehört zu den renommiertesten Kliniken Deutschlands. Die Klinik für Neurochirurgie am UKE behandelt jährlich 7500 ambulante Patient:innen und führt etwa 3500 Eingriffe an Kopf und Wirbelsäule bei Erwachsenen und Kindern durch. Die Neurochirurgie ist ein eigenständiges Fachgebiet, das sich mit Verletzungen, Fehlbildungen und Tumorerkrankungen des Gehirns und des Schädelknochens sowie des Rückenmarks und der Wirbelsäule befasst. Auch degenerative Bandscheibenerkrankungen, Spinalkanaleinengungen und periphere Nervenerkrankungen gehören zum Behandlungsspektrum.
Die Klinik für Neurochirurgie am UKE setzt auf modernste Techniken und minimalinvasive Verfahren. Dazu gehören die intraoperative Bildgebung mit Computertomographie und MRT-gestützter Neuronavigation, Ultraschall und fluoreszenzgestützte Markierung von Hirntumoren. Diese ermöglichen eine sichere und effektive Behandlung.
Aktuell steht die Klinik jedoch vor besonderen Herausforderungen. Im Zentrum steht dabei die Auseinandersetzung um den ehemaligen Chefarzt Prof. Jens Gempt, dessen Fall das UKE und die Öffentlichkeit seit einiger Zeit beschäftigt.
Der Fall Prof. Jens Gempt: Mobbing-Vorwürfe und juristische Auseinandersetzung
Prof. Dr. Jens Gempt übernahm am 1. Oktober die Leitung der Klinik und Poliklinik für Neurochirurgie des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE). Der 42-jährige gebürtige Hamburger trat die Nachfolge von Prof. Dr. Manfred Westphal an, der die Klinik bis zu seinem altersbedingten Ausscheiden 20 Jahre geführt hatte. Zuvor war Gempt am Klinikum rechts der Isar der Technischen Universität München tätig, wo er sich auf Neuroonkologie und Neurotechnologie spezialisierte.
Im Sommer kam es jedoch zu einer Eskalation, als anonyme Vorwürfe gegen Gempt erhoben wurden. Diese Vorwürfe reichten von angeblichen Behandlungsfehlern bis hin zu "unangemessenem Verhalten" gegenüber Mitarbeitern.
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Das UKE reagierte auf die Vorwürfe mit einer Freistellung Gempts. Ein von der Klinikleitung beauftragtes Expertenteam räumte die Vorwürfe bezüglich angeblicher Behandlungsfehler aus. Eine Anwaltskanzlei ging den Vorwürfen des "unangemessenen Verhaltens" nach, die jedoch nach BILD-Informationen als "sehr schwammig" und nicht geeignet für Konsequenzen galten.
Trotzdem kam es zu einer juristischen Auseinandersetzung zwischen Gempt und dem UKE. Gempt scheiterte vor dem Arbeitsgericht mit einem Antrag auf Weiterbeschäftigung. Das Gericht hielt die Vorwürfe des "unangemessenen Verhaltens" für so schwerwiegend, dass eine Rückkehr in die Klinik nicht in Betracht käme. Gegen diese Entscheidung kann Rechtsmittel eingelegt werden.
Die UKE-Leitung um den Ärztlichen Direktor Prof. Christian Gerloff hat sich zu dem Fall bislang nicht öffentlich geäußert. Fragen von BILD, ob die Stelle Gempts ausgeschrieben ist, wurden nicht beantwortet.
Weitere Personalquerelen am UKE
Der Fall Gempt ist nicht der einzige Personalfall, der das UKE in den letzten Monaten beschäftigt hat. Auch gegen Prof. Martin G., Direktor der Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie, wurden Vorwürfe erhoben.
Prof. Martin G. erhielt vier Abmahnungen wegen angeblicher Verstöße gegen Arbeitszeitregelungen. Die Anzeigen stammen von drei Ärztinnen, die sich zurückgesetzt fühlen und von "männlichen Mitarbeitern wie eine Putzfrau behandelt" fühlen. Eine andere spricht von "wissenschaftlichem Fehlverhalten". Auch Prof. Martin G. wehrt sich gegen die Vorwürfe und vermutet eine Kampagne.
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Auswirkungen auf das UKE
Die Personalquerelen am UKE haben Auswirkungen auf den Ruf des Krankenhauses. Insider äußern die Sorge, dass die Fälle ein "fatales Zeichen an alle Top-Mediziner in Deutschland" senden und diese sich in Zukunft zweimal überlegen werden, ob sie beim UKE anfangen.
Prof. Christian Gerloff betont, dass das UKE eine sehr klare Haltung gegen Machtmissbrauch von Führungskräften einnehme. Er zitiert auch gern seinen Vorgänger Prof. Burkhard Göke: „Die Zeit der Halbgötter in Weiß ist vorbei.“
Die Neurochirurgie am UKE unter neuer Leitung
Nach dem Ausscheiden von Prof. Westphal und der Freistellung von Prof. Gempt wird die Klinik für Neurochirurgie derzeit kommissarisch von PD Dr. Lasse Dührsen und PD Dr. Hanno S. geleitet. Sie sind im Hauptgebäude O10, 2. zu finden.
Die Klinik bietet weiterhin ein breites Spektrum an neurochirurgischen Behandlungen an. Dazu gehören:
- Behandlung von Hirntumoren
- Behandlung von Rückenmarkstumoren
- Behandlung von Bandscheibenvorfällen
- Behandlung von Spinalkanalstenosen
- Behandlung von peripheren Nervenverletzungen
- Behandlung von Schädel-Hirn-Traumata
- Behandlung von Gefäßerkrankungen des Gehirns
Die Klinik ist zudem als Level I Wirbelsäulenzentrum der Deutschen Gesellschaft für Wirbelsäulenchirurgie zertifiziert.
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Forschungsschwerpunkte der Neurochirurgie am UKE
Die Klinik für Neurochirurgie am UKE engagiert sich in der Forschung. Zu den Forschungsschwerpunkten gehören:
- Neuroonkologie
- Neurotechnologie
- Translationale Studien
Die Klinik richtet im Herbst 2025 die "Autumn School" der Neuroonkologischen Arbeitsgemeinschaft (NOA) der Deutschen Krebsgesellschaft (DKG) aus. Hochkarätige Experten werden Einblicke in aktuelle Entwicklungen und neue Innovationen geben.
Patientenversorgung und Angebote
Die Klinik für Neurochirurgie am UKE legt großen Wert auf eine umfassende Patientenversorgung. Neben der medizinischen Behandlung werden auch verschiedene Angebote zur Unterstützung der Patienten angeboten. Dazu gehört ein Patienten-Café zum Thema "Tiefe Hirnstimulation bei M.".
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