Lokalanästhetika sind in verschiedenen Formen verfügbar, darunter auch Augentropfen zur lokalen Schmerzlinderung. Es ist jedoch wichtig, die potenziellen Risiken und Wechselwirkungen dieser Medikamente zu verstehen, insbesondere im Zusammenhang mit bestimmten Vorerkrankungen wie Myasthenia gravis. Dieser Artikel beleuchtet die Anwendung von Lokalanästhetika als Augentropfen, die potenziellen Risiken im Zusammenhang mit Myasthenia gravis und gibt wichtige Hinweise zur sicheren Anwendung.
Was sind Lokalanästhetika und wie wirken sie?
Lokalanästhetika sind Arzneimittel, die dazu dienen, die Nervenleitung in einem bestimmten Bereich des Körpers vorübergehend zu blockieren. Dies führt zu einem Verlust der Schmerzempfindung und anderer Empfindungen in diesem Bereich. Procain ist ein bekanntes Lokalanästhetikum, das durch die Blockade von Natriumkanälen in den Nervenzellen wirkt. Dadurch wird die Erregungsleitung gehemmt und Schmerz unterdrückt.
Anwendungsgebiete von Procain
Procain wird als Lokalanästhetikum zur Infiltrations- und Leitungsanästhesie bei kleineren chirurgischen Eingriffen eingesetzt. Es kann verwendet werden, um Nervenblockaden zu setzen und Schmerzsignale zu unterdrücken. In Ohrentropfen findet der Wirkstoff Anwendung zur Linderung von Ohrenschmerzen. Heutzutage werden jedoch häufig modernere Lokalanästhetika wie Lidocain bevorzugt.
Dosierung von Procain
Die Dosierung von Procain variiert je nach Anwendungsgebiet:
- Lokalanästhesie: Die maximale Einzeldosis bei Geweben mit schneller Wirkstoffaufnahme beträgt 500 mg Procainhydrochlorid (entspricht 50 ml Procain 1% oder 25 ml Procain 2%). Im Kopf-, Hals- und Genitalbereich sollte die maximale Einzeldosis 200 mg Procainhydrochlorid (innerhalb von 2 Stunden) nicht überschreiten.
- Ohrentropfen: Erwachsene und Jugendliche ab 15 Jahren können 5 Tropfen pro Anwendung verwenden, während Kinder bis 14 Jahre 2 bis 3 Tropfen erhalten. Die Tagesdosis beträgt 3- bis 4-mal tägliche Anwendung der Einzeldosis.
Nebenwirkungen und Wechselwirkungen von Procain
Bei der Anwendung von Procain können dosisabhängig Nebenwirkungen im Bereich des Zentralnerven- und Herz-Kreislauf-Systems auftreten. Dazu gehören Missempfindungen um den Mund, Unruhe, Delirium und in schweren Fällen Krampfanfälle bei Überdosierung. Im Herz-Kreislauf-System kann es zu leichtem Blutdruckabfall und EKG-Veränderungen kommen. Selten sind allergische Reaktionen wie Urtikaria, Ödeme, Bronchospasmus oder Atemnotsyndrom.
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Es gibt auch Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten zu beachten:
- Procain kann die Wirkung von nicht-depolarisierenden Muskelrelaxanzien verlängern.
- Physostigmin kann die Wirkung von Procain verstärken.
- Sulfonamide können die Wirksamkeit von Procain vermindern.
- Die Kombination mit Cholinesterase-Inhibitoren kann die Toxizität erhöhen.
Myasthenia gravis: Eine Autoimmunerkrankung
Myasthenia gravis ist eine Autoimmunerkrankung, bei der das Immunsystem Antikörper gegen körpereigene Strukturen der postsynaptischen Membran im Bereich der motorischen Endplatte der quergestreiften Muskulatur (Skelettmuskulatur) bildet. In etwa 85 % der Fälle sind Autoantikörper gegen den nikotinergen Acetylcholinrezeptor (AChR) verantwortlich. Diese Antikörper stören die Signalübertragung von Nerv zu Muskel, was zu Muskelschwäche und Lähmung führt.
Das Risiko von Lokalanästhetika bei Myasthenia gravis
Patienten mit Myasthenia gravis sollten bei der Anwendung von Lokalanästhetika, einschließlich Augentropfen, besondere Vorsicht walten lassen. Lokalanästhetika können die neuromuskuläre Übertragung zusätzlich beeinträchtigen und die Symptome der Myasthenia gravis verstärken. Dies gilt insbesondere für Procain, das bei dieser Patientengruppe nur unter Vorsicht angewendet werden sollte.
Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen bei Myasthenia gravis
- Ärztliche Rücksprache: Patienten mit Myasthenia gravis sollten vor der Anwendung von Lokalanästhetika, einschließlich Augentropfen, unbedingt ihren Arzt konsultieren.
- Alternative Medikamente: Der Arzt kann alternative Medikamente oder Behandlungsoptionen in Betracht ziehen, die für Patienten mit Myasthenia gravis sicherer sind.
- Sorgfältige Überwachung: Wenn die Anwendung von Lokalanästhetika erforderlich ist, sollten die Patienten sorgfältig auf Anzeichen einer Verschlechterung ihrer Myasthenia gravis-Symptome überwacht werden.
- Notfallbereitschaft: Es ist wichtig, dass der behandelnde Arzt alle notwendigen Maßnahmen zur Beatmung, Therapie von Krampfanfällen und zur Wiederbelebung zur Verfügung hat.
Weitere wichtige Hinweise zur Anwendung von Lokalanästhetika
- Allergien: Informieren Sie Ihren Arzt über bekannte Allergien gegen Lokalanästhetika oder chemisch verwandte Substanzen.
- Vorerkrankungen: Besondere Vorsicht ist geboten bei Patienten mit Herzrhythmusstörungen, Herzinsuffizienz oder anderen schweren Erkrankungen.
- Dosierung: Die Dosierung sollte so niedrig wie möglich gewählt werden, um Nebenwirkungen zu vermeiden.
- Injektionstechnik: Bei Injektionen ist eine sorgfältige Aspiration vor der Injektion wichtig, um eine versehentliche intravaskuläre Injektion zu vermeiden.
- Schwangerschaft und Stillzeit: Lassen Sie das Arzneimittel in der Schwangerschaft nur anwenden, wenn Ihr Arzt es für unbedingt erforderlich hält. Procainhydrochlorid tritt in die Muttermilch über. Bei kurzfristiger Anwendung wird eine Unterbrechung des Stillens jedoch nicht erforderlich sein.
Alternativen zu Lokalanästhetika-Augentropfen
In einigen Fällen können alternative Methoden zur Schmerzlinderung in Betracht gezogen werden, um die Risiken im Zusammenhang mit Lokalanästhetika zu vermeiden. Dazu gehören:
- Kühlende Kompressen: Kühlende Kompressen können helfen, Schmerzen und Entzündungen im Augenbereich zu reduzieren.
- Tränenersatzmittel: Bei trockenen Augen können Tränenersatzmittel helfen, die Augen zu befeuchten und Reizungen zu lindern.
- Schmerzmittel: In einigen Fällen können orale Schmerzmittel wie Paracetamol oder Ibuprofen zur Schmerzlinderung eingesetzt werden.
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