Psychoaktive Substanzen, oft als illegale Drogen bezeichnet, beeinflussen das Nervensystem und erzeugen persönlichkeitsverändernde Zustände. Sie wirken auf die chemische Synapse, den Ort der Reizübertragung zwischen Nervenzellen, und können so tiefgreifende Auswirkungen auf Körper und Geist haben.
Grundlagen der chemischen Synapse
Zwischen zwei Nervenzellen findet eine elektrische und chemische Signalübertragung von der Senderzelle (Präsynapse) zur Empfängerzelle (Postsynapse) statt. Dieser Prozess ist essenziell für die Funktion des Nervensystems und wird durch Neurotransmitter vermittelt.
Neurotransmitter und ihre Rezeptoren
Neurotransmitter sind chemische Botenstoffe, die von der Präsynapse freigesetzt werden und an spezifische Rezeptoren der Postsynapse binden. Diese Bindung löst in der Postsynapse eine Reaktion aus, die das Signal entweder verstärkt oder hemmt.
Der Einfluss von Drogen auf den Neurotransmitterstoffwechsel
Psychoaktive Substanzen, oder Psychopharmaka, beeinflussen den Transmitterstoffwechsel und damit die Reizübertragung des Nervensystems. Stehen sie in der Verbotsliste der WHO (Weltgesundheitsorganisation), so werden sie als illegale Drogen eingestuft. Sie dürfen unter Androhung von Strafe weder besessen, eingenommen oder weitergegeben werden. Ihre Einnahme führt zu persönlichkeitsverändernden Zuständen und kann im schlimmsten Fall zur physischen und psychischen Abhängigkeit von der Droge führen.
Illegale Drogen und ihre Auswirkungen
Illegale Drogen führen häufig zu physischer und/oder psychischer Abhängigkeit (Sucht). Die allgemeine Wirkung, das Vorkommen und die Schädlichkeit illegaler Drogen (u. a. Opiate, Kokain, Meskalin, Haschisch, Psilocybin) sind allgemein bekannt.
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Klassifizierung illegaler Drogen
Illegale Rauschgifte bzw. Rauschdrogen mit einem hohen Potenzial für Sucht oder Abhängigkeit lassen sich z. B. einteilen in:
- „klassische“ Drogen natürlicher Herkunft (z. B. Kokain, Koffein, Haschisch, Opium)
- halb- bzw. vollsynthetische Drogen (z. B. Amphetamine, Barbiturate, Crack, Ecstasy, Heroin, Lysergsäurediethylamid [Abk. LSD], Phencyclidin).
Andere Klassifizierungen unterscheiden auch nach physikalischen oder chemischen Eigenschaften. Nach ihrer Wirkung unterscheidet man Euphorika, die unbegründete Euphoriegefühle (Glücks- und Begeisterungsgefühle) auslösen, und Halluzinogene, die Halluzinationen (Wahrnehmungsstörungen, Trugbilder) hervorrufen.
Beispiele für Drogen und ihre Wirkmechanismen
Opiate
Opiate, wie Opium, Morphium und Heroin, wirken auf spezifische Rezeptoren der Synapsenmembran und können so die Bildung eines Opiat-Rezeptor-Akzeptor-Komplexes auslösen. Sie wirken bereits in sehr geringen Konzentrationen und unterdrücken den diffusen, dumpfen, mehr chronischen und nicht lokalisierbaren Schmerz.
- Heroin: Heroin entsteht durch Acetylierung aus Morphin. Es wird von Süchtigen meist gespritzt. Aufgrund seiner guten Fettlöslichkeit kann es leicht die Blut-Hirn-Schranke passieren und reichert sich dann im Gehirn an. Im Körper wird Heroin wieder in Morphin umgewandelt. Der rasante Konzentrationsanstieg führt zu dem sogenannten „Kick“, einem Glücksgefühl, das sehr schnell zu körperlicher Abhängigkeit (Drogenabhängigkeit) führt (schon 1-2 Spritzen reichen aus, um einen Menschen süchtig zu machen). Abstinenz führt zu starken Entzugserscheinungen wie Schwindel, Durchfall, Erbrechen, Schweißausbrüchen, Schlaflosigkeit und Schmerzen. Die Folgen des Heroinmissbrauchs sind vielfältige gesundheitliche Schäden sowie schwere psychische und soziale Probleme, die vielfach in die Kriminalität führen (zur Beschaffung der Droge) und nicht selten durch eine Überdosis Heroin tödlich enden.
Kokain
Kokain wird aus den Blättern des Coca-Strauchs gewonnen. Es ist ein suchterzeugendes Rausch- und Betäubungsmittel, das Enthemmung, Euphorie und Halluzinationen hervorruft und das außerdem leistungssteigernd, blutgefäßverengend und auf das menschliche Hungerzentrum betäubend wirkt. Es führt zur verstärkten Adrenalinfreisetzung in den Nervenfasern, zur Sympathikusreizung und Anreicherung von Serotonin in den Gehirnzellen.
- Wirkmechanismus: Kokain ist ein Wiederaufnahmehemmer an Dopamin-, Noradrenalin- und Serotonin-Nervenzellen. Der Transport und so auch die Wiederaufnahme der verschiedenen Neurotransmitter wird verhindert. Die transmittergesteuerten Natriumionen-Kanäle bleiben nun die ganze Zeit offen, weil der Zurücktransport und die Aufspaltung durch die verschiedenen Transportproteine nicht mehr stattfindet. Dadurch kommt es an den weiterleitenden Nervenzellen erst einmal zu einem übermäßigen Einstrom von Natriumionen, wodurch die ganze Zeit EPSP und folglich auch Aktionspotenziale an der Postsynapse entstehen.
- Crack: Crack ist eine basische Variante des Kokains. Crack wird meist mittels spezieller Pfeifen geraucht und gelangt so in wenigen Sekunden über die Blut-Hirn-Schranke in das Zentralnervensystem. Der schnelle, heftige Wirkungseintritt kann zu Störungen des Herz-Kreislauf-Systems bis hin zum tödlichen Kollaps führen. Charakteristisch für Crack ist die schnell einsetzende starke psychische Abhängigkeit, d. h. diese Droge besitzt ein hohes Suchtpotenzial.
Halluzinogene
Halluzinogene sind eine Gruppe von Rauschgiften, die in nicht giftigen Dosen Veränderungen in der Wahrnehmung, im Bewusstsein und in der Gemütslage hervorrufen. Sie führen zu visuellen Illusionen und gefährlichen „Horrortrips“, bei denen es aufgrund eines Kontrollverlusts zu Handlungen mit Fremd- oder Eigengefährdung kommen kann.
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- Wirkmechanismus: Halluzinogene wirken meist als Agonisten an Rezeptoren und Bindungsstellen für Serotonin im Zentralnervensystem (v. a. Großhirnrinde). Eine Veränderung des Glutamat-Transmittersystems wird als Grundlage drogeninduzierter Halluzinationen diskutiert.
- Beispiele: Meskalin, Psilocybin und Haschisch.
Cannabis
Cannabisgewächse gehören nach der neueren Systematik zur Familie der Brennnesselartigen, die die Gattungen Humulus (Hopfen) und Cannabis (Hanf) umfasst. Cannabis stammt ursprünglich aus Zentralasien und ist heute über alle gemäßigten und subtropischen Zonen verbreitet.
- Wirkmechanismus: An der präsynaptischen Seite der Nervenzellen kommen in verschiedenen Regionen des Körpers sogenannte CB1 Rezeptoren vor. Bei Aktivierung durch körpereigene Cannabinoide wird die Neurotransmittersynthese aktiviert oder gehemmt und so die Signalübertragung zwischen den Nervenzellen reguliert. Auch exogene Cannabinoide wie THC aktivieren dieses System, aber ohne, dass es zuvor einen körpereigenen Auslöser gab, also unabhängig vom Erregungszustand der Zelle, oder salopp gesagt: grundlos.
Synapsengifte und ihre Wirkungsweisen
Synapsengifte sind Giftstoffe, die die Erregungsübertragung zwischen Nervenzellen stören. Die Wirkungsweise eines Neurotoxins im Körper hängt vom Wirkort in der Synapse ab.
Angriffspunkte von Synapsengiften
- Präsynaptische Membran: Einige Gifte beeinflussen die Calciumionenkanäle oder verhindern die Vesikelfusion.
- Synaptischer Spalt: Andere Gifte hemmen Enzyme, die Neurotransmitter abbauen.
- Postsynaptische Membran: Wieder andere Gifte blockieren die Rezeptoren für Neurotransmitter.
Beispiele für Synapsengifte
- Botulinumtoxin (Botox): Verhindert die Vesikelfusion und somit die Freisetzung von Acetylcholin.
- Curare: Blockiert die Acetylcholin-Rezeptoren und verhindert die Weiterleitung von Signalen.
Drogenabhängigkeit und ihre neuronalen Grundlagen
Der fortgesetzte Konsum trotz negativer Folgen ist ein typisches Merkmal für süchtiges Verhalten. Schätzungen zufolge entwickelt eine von fünf Personen, die Drogen konsumieren, eine Abhängigkeit.
Das Belohnungssystem und Dopamin
Allen Drogen mit Suchtpotential gemeinsam ist, dass sie im Gehirn die Aktivität des Neurotransmitters Dopamin beeinflussen. Dies betrifft vor allem das mesolimbische System, auch bekannt als Belohnungssystem.
Neuronale Verbindungen und zwanghaftes Verhalten
Forschungen haben gezeigt, dass eine synaptische Verbindung zwischen dem orbitofrontalen Kortex und dem dorsalen Striatum eine wichtige Rolle bei zwanghaftem Verhalten im Zusammenhang mit Sucht spielt.
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Auswirkungen von Drogen auf die Gesundheit
Die Einnahme von Drogen kann zu einer Vielzahl von kurz- und langfristigen Gesundheitsschäden führen.
Kurzzeitige Schäden
Zu den kurzzeitigen Schäden beim Menschen gehören zum Beispiel die Erhöhung des Blutdrucks sowie der Körpertemperatur. Außerdem wird die Atmung beschleunigt und es können erweiterte Pupillen und Übelkeit auftreten.
Langzeitschäden
Die Langzeitschäden sind zum Beispiel ein starker Gewichtsverlust. Es kommt außerdem zu einer Langzeitschädigung verschiedener lebenswichtiger Organe wie zum Beispiel des Herzens, der Lunge, der Leber und der Niere und der Blutgefäße.
Weitere Folgen
Man kann die verschiedenen Folgen auch auf die unterschiedlichen Arten der Einnahme zurückführen: Wenn es durch die Nase eingenommen wird, können durch die Droge die Nasenschleimhäute geschädigt werden. Außerdem ist die Entstehung von Infektionskrankheiten und Abszessen bei dem Konsum mithilfe von Spritzen möglich.