Chemo bei Hirntumoren: Wie man die weißen Blutkörperchen verbessern kann

Eine Chemotherapie ist eine systemische Behandlung, die darauf abzielt, Krebszellen im ganzen Körper zu zerstören oder ihr Wachstum zu verlangsamen. Bei Hirntumoren werden Chemotherapeutika eingesetzt, die die Blut-Hirn-Schranke passieren können, um die Krebszellen im Gehirn und Rückenmark zu erreichen. Allerdings können diese Medikamente auch gesunde, sich schnell teilende Zellen schädigen, was zu Nebenwirkungen wie einer Verringerung der Anzahl weißer Blutkörperchen (Leukozyten) führen kann. Dieser Artikel befasst sich mit den Ursachen, Symptomen und Behandlungsmöglichkeiten einer Leukopenie (Mangel an weißen Blutkörperchen) während der Chemotherapie bei Hirntumoren und gibt praktische Ratschläge, wie Patienten ihr Immunsystem stärken und Infektionen vorbeugen können.

Was ist eine Leukopenie?

Leukopenie bedeutet wörtlich "Mangel an weißen Blutzellen". Die weißen Blutkörperchen sind ein wesentlicher Bestandteil des Immunsystems und spielen eine entscheidende Rolle bei der Abwehr von Infektionen. Sie erkennen und zerstören Krankheitserreger wie Bakterien, Viren und Pilze. Ein Leukozyten-Normwert liegt bei einem gesunden Menschen zwischen 4.000 und 11.000 Leukozyten pro Mikroliter (µl) Blut. Nach einer Chemotherapie können die Leukozytenwerte jedoch drastisch sinken, manchmal bis auf 100 Zellen pro µl.

Ursachen einer Leukopenie bei Chemotherapie

Während der Chemo- oder Strahlentherapie können neben den Krebszellen auch teilungsfähige Stammzellen des Knochenmarks zerstört werden. Weniger Stammzellen führen zu einer reduzierten Produktion an weißen Blutkörperchen, wodurch sich zu wenig Leukozyten im Körper befinden und eine Leukopenie entsteht. Da Krebspatienten stark wirksamen Therapien unterzogen werden, sind sie daher oftmals von einer Leukopenie betroffen.

Die Chemotherapie schädigt neben den Krebszellen auch andere, sich schnell teilende Zellen im Körper. Dazu gehören beispielsweise teilungsfähige Stammzellen des Knochenmarks. Aus diesen entwickeln sich Blutzellen, auch Blutkörperchen genannt. Als Folge dieses Mangels ist das Immunsystem geschwächt und das Blutungsrisiko erhöht. Außerdem kann es zu einer Anämie, d.h. Blutarmut kommen.

Symptome einer Leukopenie

Betroffene spüren zunächst oft keine Symptome, wenn sie zu wenig Leukozyten haben. Es können jedoch allgemeine Symptome wie Müdigkeit, Leistungsminderung und Appetitlosigkeit auftreten. Es ist wichtig, sofort einen Arzt zu kontaktieren, wenn folgende Infektionssymptome auftreten:

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  • Fieber (Körpertemperatur über 38 Grad Celsius)
  • Husten, Schleimproduktion, Kurzatmigkeit oder Schmerzen beim Atmen
  • Wunde, offene und geschwollene Stellen oder weiße Bläschen im Mund
  • Schmerzen und/oder Brennen beim Wasserlassen
  • Eiter oder Ausfluss bei einer Verletzung
  • Geschwollene, gerötete oder schmerzende Hautstellen
  • Veränderung des Stuhls (Blut im Stuhl, Durchfall, Verstopfung)
  • Rötungen, Schmerzen oder Schwellungen am Venenzugang
  • Allgemeines Krankheitsgefühl (auch ohne Fieber)

Da das Abwehrsystem bei Patienten mit zu wenig weißen Blutkörperchen geschwächt ist, können Krankheitserreger leichter in den Körper eindringen und sich ausbreiten. Aus diesem Grund ist es sehr wichtig, dass Sie Anzeichen und Symptome einer Infektion früh erkennen und einen Arzt aufsuchen.

Vorsichtsmaßnahmen zur Vorbeugung von Infektionen

Um Infektionen als Folge von zu wenig Leukozyten zu verhindern, gibt es eine Reihe an wirksamen Vorsichtsmaßnahmen:

  • Händehygiene: Waschen Sie regelmäßig Ihre Hände mit Seife (mindestens 20 Sekunden), besonders vor dem Essen und nach dem Stuhlgang. Verwenden Sie unterwegs ein Handdesinfektionsmittel.
  • Hautpflege: Vermeiden Sie scharfe Rasierer und benutzen Sie lieber Elektrorasierer oder Enthaarungscreme. Halten Sie Finger- und Fußnägel kurz und sauber.
  • Menstruationshygiene: Frauen sollten statt Tampons lieber Binden während der Menstruation verwenden.
  • Soziale Kontakte: Vermeiden Sie vorübergehend während der Krebstherapie große Menschenansammlungen und den öffentlichen Nahverkehr zu Stoßzeiten. Tragen Sie im Zweifel einen Mundschutz (beispielsweise FFP-2-Mundschutz).
  • Haushaltshygiene: Waschen Sie Ihr Geschirr und Ihre Wäsche regelmäßig bei höheren Temperaturen (mindestens 60 Grad Celsius), um Bakterien abzutöten.
  • Ernährung: Verzichten Sie vorübergehend auf häufig keimbelastete Nahrungsmittel wie rohe Eier, Produkte aus rohem Fleisch oder aus roher Milch.
  • Verletzungsprävention: Schützen Sie sich vor Verletzungen im Alltag (vermeiden Sie riskante Sportarten, tragen Sie Handschuhe beim Abwaschen und bei der Gartenarbeit, etc.).

Behandlungsmöglichkeiten bei Leukopenie

Bei einer Infektion in Folge einer Leukopenie wird der Arzt Ihnen eine passende, meist antibiotische Therapie verschreiben. Wenn sich zu wenig weiße Blutkörperchen im Kreislauf befinden, ist es außerdem manchmal notwendig, die Chemotherapie niedriger zu dosieren oder die Zyklen zu verlängern. Hier muss die Situation allerdings individuell abgewogen werden, da unter Umständen der Erfolg der Behandlung negativ beeinflusst wird.

In bestimmten Fällen kann daher eine Behandlung mit Granulozyten-Wachstumsfaktoren (G-CSF) sinnvoll sein. Dabei wird ein Mittel unter die Haut gespritzt, dass die Bildung der weißen Blutkörperchen im Knochenmark anregt. Ob sich diese Behandlung für Sie eignet und möglich ist, entscheidet Ihr Arzt individuell.

Medikamentöse Stimulation der Leukozytenbildung

Die Neubildung von Leukozyten im Knochenmark kann medikamentös stimuliert werden. Für die Zeit des Mangels erfolgen weitere Maßnahmen wie z. B. die Gabe von Antibiotika bei Infektionen.

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Was Sie selbst tun können, um Ihr Immunsystem zu unterstützen

Neben den medizinischen Maßnahmen gibt es auch Dinge, die Sie selbst tun können, um Ihr Immunsystem während und nach der Chemotherapie zu unterstützen:

  • Ausreichend Ruhe: Gönnen Sie sich genügend Schlaf und Ruhe, damit sich Ihr Körper erholen kann.
  • Gesunde Ernährung: Achten Sie auf eine ausgewogene Ernährung mit viel Obst, Gemüse und Vollkornprodukten. Vermeiden Sie stark verarbeitete Lebensmittel und zuckerhaltige Getränke.
  • Regelmäßige Bewegung: Moderate Bewegung kann helfen, Ihr Immunsystem zu stärken. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt, welche Art von Bewegung für Sie geeignet ist.
  • Stressabbau: Versuchen Sie, Stress abzubauen, z. B. durch Entspannungsübungen, Meditation oder Yoga.
  • Vermeiden Sie Rauchen und übermäßigen Alkoholkonsum: Diese Gewohnheiten können Ihr Immunsystem schwächen.
  • Sprechen Sie mit Ihrem Arzt über Nahrungsergänzungsmittel: Einige Nahrungsergänzungsmittel wie Vitamin B12, Folsäure und Zink können helfen, die Blutwerte zu verbessern. Nehmen Sie jedoch keine Nahrungsergänzungsmittel ein, ohne vorher mit Ihrem Arzt zu sprechen, da einige von ihnen Wechselwirkungen mit der Chemotherapie haben können.
  • Brennessel-Tee, Rote Bete und Pinienkerne: Einige Patienten berichten von positiven Erfahrungen mit Brennessel-Tee, Rote Bete (als Saft und Gemüse) und Pinienkernen zur Verbesserung der Thrombozytenwerte. Sprechen Sie auch hier mit Ihrem Arzt, bevor Sie diese in Ihre Ernährung aufnehmen.

Chemotherapie bei Hirntumoren: Medikamente und ihre Wirkungen

Die Chemotherapie ist eine systemische Behandlung, die bei Hirntumoren eingesetzt wird, um Krebszellen abzutöten oder ihre Vermehrung zu stoppen. Da die Blut-Hirn-Schranke den Zugang von Medikamenten zum Gehirn erschwert, werden spezielle Zytostatika eingesetzt, die diese Barriere überwinden können.

Wirkungsweise der Chemotherapeutika

Chemotherapeutika sind Zellgifte, die besonders sich schnell teilende Zellen, wie Tumorzellen, angreifen. Sie können das krankhafte Zellwachstum der Tumoren hemmen und damit den Tumor verkleinern oder sogar ganz zerstören. Es gibt verschiedene Zytostatikaklassen, die an unterschiedlichen Stellen des Zellstoffwechsels angreifen.

Wann wird eine Chemotherapie bei Hirntumoren durchgeführt?

Der Einsatz einer Chemotherapie hängt von der Lokalisation und dem Grad der Bösartigkeit des Tumors ab. Ist eine Chemotherapie indiziert, wird sie bei Patienten mit Hirntumoren in der Regel nach der Operation und histologischen Sicherung des krankhaften Prozesses angewendet. Sie kann vor, gleichzeitig oder nach der Strahlentherapie erfolgen.

Medikamente zur Behandlung von Hirntumoren

Zu den Zytostatika, die heute bei Hirntumoren eingesetzt werden, gehören insbesondere:

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  • Alkylierende Substanzen: Temozolomid oder Nitrosoharnstoffe (z.B. CCNU)
  • Mitosehemmstoffe: VP16 (Etoposid) oder Platinverbindungen (Cisplatin, Carboplatin)
  • Methotrexat (MTX): Spielt eine zentrale Rolle in der Chemotherapie der primären zerebralen Lymphome.
  • Vincristin: Ein "Spindelgift", das die Zellteilung stört und in der Neuroonkologie vor allem im Rahmen des PCV-Polychemotherapie-Protokolls eingesetzt wird.

Nebenwirkungen der Chemotherapie

Das Nebenwirkungsprofil hängt von der Art der Chemotherapie ab. Grundsätzlich besteht das Problem, dass durch die Chemotherapie auch gesunde, sich schnell teilende Zellen angegriffen werden. Die Nebenwirkungen der Zytostatika betreffen deshalb - je nach Substanz in unterschiedlichem Ausmaß - die Haarwurzeln, die Schleimhäute in Magen und Darm und das blutbildende System im Knochenmark. Es kann daher zu Haarausfall, Entzündungen der Mundschleimhäute, Übelkeit und Erbrechen, Durchfall und Blutbildveränderungen kommen. Eine Folge der Blutbildveränderungen, die oft erst einige Zeit nach der Behandlung einsetzt, ist die Verringerung der weißen Blutkörperchen („Leukozyten“) und damit eine Schwächung der Krankheitsabwehr.

Neue Substanzen für die Behandlung von Hirntumoren

Neben den klassischen Substanzen drängen auch einige neue Medikamente auf den Markt, die bislang noch nicht frei verfügbar sind aber im Rahmen von klinischen Studien untersucht werden. Es handelt sich dabei in der Regel um Substanzen, die eine zielgerichtete und individualisierte Therapie ermöglichen sollen. Beispiele hierfür sind Medikamente, die die Gefäßversorgung von Tumoren blockieren (z.B. Angiogenesehemmer, Integrinantagonisten etc.). Bevacizumab (Avastin) hemmt die Neubildung von Blutgefässen im Tumor und normalisiert Blutgefässe.

Immuntherapie bei Hirntumoren

Die Immuntherapie ist eine Form der Krebsbehandlung, bei der das Immunsystem des Patienten hilft, Krebszellen zu zerstören. In der Regel werden die Krebszellen nicht direkt mit einem Wirkstoff beeinflusst, sondern die körpereigenen Immunzellen werden dabei unterstützt, Krebszellen zu zerstören.

Formen der Immuntherapie

  • Checkpoint-Blocker: Diese Medikamente blockieren die "Bremsen" des Immunsystems und ermöglichen es den Immunzellen, Krebszellen effektiver anzugreifen.
  • CAR-T-Zelltherapie: Bei dieser Therapie werden Immunzellen des Patienten im Labor gentechnisch verändert, um Krebszellen besser erkennen und zerstören zu können.
  • Therapeutische Impfungen: Diese Impfungen sollen das Immunsystem des Patienten dazu anregen, Krebszellen zu erkennen und zu bekämpfen.
  • Immunzell-Mediatoren: Die direkte Verabreichung von einzelnen Botenstoffen der Immunzellen (Immun-Mediatoren) kann zumindest vorübergehend Teilaspekte einer Immunabwehr aktivieren.
  • Tumorzell-gerichtete Antikörper: Diese Antikörper docken direkt an der Oberfläche von Krebszellen an und können das Krebswachstum hemmen oder die Krebszellen für die Zerstörung durch das Immunsystem markieren.

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