Die Alzheimer-Krankheit ist eine fortschreitende neurodegenerative Erkrankung des Gehirns, die vor allem durch den Abbau von Nervenzellen und Nervenzellkontakten gekennzeichnet ist. Sie ist die häufigste Ursache für Demenz, wobei Demenz ein Überbegriff für über 50 hirnorganische Erkrankungen ist. Die Alzheimer-Demenz macht schätzungsweise 60 bis 65 Prozent aller Demenzfälle aus. Kennzeichnend für die Alzheimer-Krankheit sind Eiweißablagerungen im Gehirn, sogenannte Amyloid-Plaques und Tau-Fibrillen.
Der Verlauf der Alzheimer-Krankheit ist individuell verschieden, lässt sich aber grob in verschiedene Stadien einteilen. Diese Stadien beschreiben das Fortschreiten der Hirnveränderungen und Symptome. Es ist wichtig zu beachten, dass die Übergänge zwischen den Stadien fließend sind und die Dauer der einzelnen Stadien stark variieren kann.
Risikofaktoren und Ursachen
Der größte Risikofaktor für die Entwicklung einer Alzheimer-Krankheit ist das Alter. Je älter man wird, desto größer ist das Risiko, an Alzheimer zu erkranken. Die meisten Betroffenen sind älter als 80 Jahre, nur in seltenen Fällen beginnt die Krankheit vor dem 65. Lebensjahr. Erbliche Formen der Alzheimer-Krankheit sind sehr selten und machen weniger als 3 % der Fälle aus.
Obwohl die genauen Ursachen der Alzheimer-Demenz noch nicht vollständig erforscht sind, sind bestimmte Veränderungen im Gehirn bekannt, die bei Menschen mit Alzheimer-Demenz auftreten. Dazu gehören das Absterben von Nervenzellen und die Zerstörung ihrer Verbindungen untereinander, Eiweißablagerungen im Gehirn (Plaques bzw. Fibrillen) sowie die Verminderung eines für das Gedächtnis wichtigen Botenstoffs (Acetylcholin).
Neben nicht veränderbaren Faktoren wie Alter, Geschlecht und Genetik beeinflussen auch Verhaltensweisen und Lebensumstände das Risiko, an Alzheimer zu erkranken. Ein gesunder Lebensstil mit körperlicher Aktivität, ausgewogener Ernährung, geistiger Aktivität und sozialer Teilhabe kann das Risiko senken. Neuere Untersuchungen weisen zudem auf ein erhöhtes Risiko durch Übergewicht, Bluthochdruck, Rauchen, übermäßigen Alkoholkonsum, Diabetes, schwere Kopfverletzungen, Infektionen, Depression, chronischen Stress sowie das Vorliegen einer Hör- oder Sehminderung und erhöhte Cholesterinwerte hin.
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Die Stadien der Alzheimer-Demenz
Der Verlauf der Alzheimer-Krankheit lässt sich in verschiedene Stadien einteilen, die unterschiedliche Symptome und Beeinträchtigungen mit sich bringen. Ein häufig genutztes Modell zur Einteilung der Demenz-Stadien ist die Reisberg-Skala, auch bekannt als Global Deterioration Scale (GDS). Es gibt aber auch andere Skalen wie die ADL-Skala. ADL steht für „Activities of Daily Living“, zu Deutsch: „Aktivitäten des täglichen Lebens“. Hierbei handelt es sich um alltägliche, wiederkehrende Tätigkeiten, deren Zweck die Erfüllung der menschlichen Grundbedürfnisse (physisch und psychisch) ist. Die Skala dient also der Messung der Alltagskompetenz von Patient:innen mit Demenzerkrankungen sowie ganz allgemein von Pflegebedürftigen.
Stadium 1: Keine kognitive Beeinträchtigung
In diesem Stadium sind noch keine Einbußen im Bereich der kognitiven Fähigkeiten erkennbar. Die Person leidet nicht unter Gedächtnisproblemen.
Stadium 2: Sehr leichte kognitive Beeinträchtigung
Stadium 2 liegt dann vor, wenn die individuelle Gehirnleistung geringfügig gemindert ist. Betroffene vergessen Namen oder verlegen häufig Gegenstände. Da die Symptome in diesem Stadium denen einer leichten Vergesslichkeit gleichen und auch durch den ganz normalen Alterungsprozess bedingt sein können, ist eine Diagnose zu diesem frühen Zeitpunkt eher schwierig. Freunde, Familie oder Mitarbeiter bemerken erste Schwierigkeiten.
Stadium 3: Leichte kognitive Beeinträchtigung (MCI)
Die kognitiven Einschränkungen fallen noch relativ gering aus, nehmen aber allmählich zu. So leiden Betroffene immer häufiger unter Wortfindungsstörungen, haben Schwierigkeiten beim Beschreiben von Gegenständen oder vergessen regelmäßig Namen und Termine. Oftmals ist auch die allgemeine Leistungsfähigkeit vermindert und es besteht eine Neigung zu depressiven Verstimmungen. Ärzte können möglicherweise Probleme mit dem Gedächtnis oder der Konzentration feststellen.
Dieser Zustand wird oft als "Leichte Kognitive Beeinträchtigung" oder auf Englisch "Mild Cognitive Impairment" (MCI) bezeichnet. Die Einschränkungen sind aber noch so gering, dass sie sich nicht auf alltägliche Aufgaben auswirken. Meist ist vor allem das Kurzzeitgedächtnis betroffen.
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Stadium 4: Leichte Demenz
In Stadium 4 wird die Demenz für Angehörige immer augenfälliger, denn der:die Erkrankte leidet nun unter kognitiven Einschränkungen, die über eine normale Vergesslichkeit weit hinausgehen. Insbesondere das Kurzzeitgedächtnis ist betroffen, aber auch wichtige Ereignisse aus der persönlichen Vergangenheit geraten zunehmend in Vergessenheit. Es kommt zum allmählichen Rückzug aus dem sozialen Leben und das Risiko für Depressionen nimmt zu. Beeinträchtigte Fähigkeit, herausfordernde Rechenaufgaben im Kopf durchzuführen, z.B.
Die Betroffenen sind in diesem Stadium bei Alltagsaufgaben weitgehend selbstständig. Lediglich komplizierte Tätigkeiten, beispielsweise das Führen des Bankkontos oder die Benutzung von öffentlichen Verkehrsmitteln, können sie nur mit Hilfe ausführen. Die Fähigkeiten, Urteile zu fällen und Probleme zu lösen, sind eingeschränkt, aber nicht aufgehoben.
Stadium 5: Mittelschwere Demenz
In Stadium 5 liegt eine mittlere bis mäßige Demenz vor. Es kommt häufig zu Denk- und Gedächtnislücken, die den Alltag erschweren und Hilfestellung durch Dritte erforderlich machen. Beispielsweise wissen Betroffene häufig nicht mehr, welcher Wochentag gerade ist und wo sie sich befinden. Auch Verwandte und Freund:innen werden nicht immer erkannt. Es zeigen sich auffällige Gedächtnis- und Denklücken und manche Betroffene fangen an, Hilfestellung bei alltäglichen Aktivitäten zu benötigen. Schwierigkeiten haben mit weniger anspruchsvollem Kopfrechnen, wie z.B.
Die Einschränkungen von Gedächtnis, Denkvermögen und Orientierungsfähigkeit nehmen allmählich zu und erreichen einen Grad, der die selbstständige Lebensführung nicht mehr zulässt. Die Betroffenen brauchen zunehmend Hilfe bei einfachen Aufgaben des täglichen Lebens wie Einkaufen, Zubereiten von Mahlzeiten, Bedienen von Haushaltsgeräten oder der Körperpflege.
Stadium 6: Schwere Demenz
Ordnen Ärzt:innen die Demenzerkrankung in Stadium 6 ein, handelt es sich um eine schwere bzw. fortgeschrittene Demenz. Das Denk- und Wahrnehmungsvermögen ist stark vermindert und die Persönlichkeit verändert sich drastisch. Hilfe bei alltäglichen Handlungen ist spätestens jetzt unverzichtbar. Selbst engste Verwandte werden nicht mehr erkannt, es kommt zu Misstrauen, Wahnvorstellungen und starken Stimmungsschwankungen. Oftmals verlieren Betroffene auch die Kontrolle über Blase und Darm. Wesentliche Veränderung des Charakters und des Benehmens erfahren, einschließlich Misstrauen und Wahnvorstellungen (wie z.B.
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Viele Erkrankte können keine vollständigen Sätze mehr bilden und sind dadurch schwer zu verstehen. Die Erinnerungen an lang zurückliegende Ereignisse verblassen ebenfalls. Sie wissen nicht mehr, wen sie geheiratet oder welchen Beruf sie ausgeübt haben, wie ihre Kinder heißen oder wie alt sie sind. Auch die Wahrnehmung des eigenen Krankseins geht weitgehend verloren.
Stadium 7: Sehr schwere Demenz (Endstadium)
Stadium 7 ist das Endstadium der Demenz. Erkrankte können sich nicht mehr oder kaum noch verständlich machen und verlieren zunehmend die Kontrolle über ihren Körper. Sie leiden im Endstadium der Demenz unter Schluckbeschwerden, verkümmerten Reflexen und können letztlich den Kopf nicht mehr hochhalten. Da es im Endstadium der Demenz zur Nahrungsverweigerung kommen kann, drohen Erkrankte auch zu verhungern. Eine Rund-um-die-Uhr-Betreuung ist in dieser Phase also unverzichtbar. Schließlich geht die Aufmerksamkeit gänzlich verloren und der Geist wird - sofern sich das beurteilen lässt - vollständig nach innen gerichtet. Die Fähigkeit zum Lächeln, ohne Unterstützung zu sitzen und den Kopf aufrecht zu halten kann verloren gehen. Reflexe werden abnormal. Muskeln werden starr.
Die Demenzerkrankten sind bei allen Verrichtungen des täglichen Lebens auf Hilfe angewiesen. In der Regel geht die Kontrolle über Blase und Darm sowie über die Körperhaltung verloren. Viele können nicht mehr ohne Hilfe gehen, brauchen einen Rollstuhl oder werden bettlägerig. Es können Versteifungen in den Gliedmaßen, Schluckstörungen und Krampfanfälle auftreten. Die Anfälligkeit für Infektionen steigt.
Diagnose und Behandlung
Die Diagnose von Demenzerkrankungen, einschließlich der Alzheimer-Krankheit, wird in der Regel von einem Arzt oder Spezialisten gestellt. Dies umfasst eine sorgfältige Untersuchung der Gedächtnis-, Orientierungs-, Sprach- und Denkfähigkeiten des Patienten, um andere Ursachen für die Symptome auszuschließen. Bildgebende Verfahren wie MRT (Magnet-Resonanz-Tomographie) oder CT (Computer-Tomografie) können eingesetzt werden, um Veränderungen im Gehirn sichtbar zu machen.
Medikamentöse Behandlung
In der Behandlung von Patienten mit Demenzerkrankungen spielen Medikamente eine wichtige Rolle. Sie werden zur Stabilisierung der geistigen Leistungsfähigkeit und der Alltagsbewältigung, zur Milderung von Verhaltensstörungen und in manchen Fällen auch zur Verhinderung weiterer Schädigungen des Gehirns eingesetzt.
Aktuell sind Medikamente in der Entwicklung, die in einem sehr frühen Stadium der Alzheimer-Krankheit den Krankheitsverlauf verzögern sollen. Zwei dieser Medikamente - Lecanemab (Handelsname "Leqembi") und Donanemab (Handelsname "Kisunla") - sind in der Europäischen Union zugelassen worden und stehen auch für die Behandlung zur Verfügung. Da beide Wirkstoffe mit starken Nebenwirkungen verbunden sein können, sind für die Behandlung damit strenge Richtlinien erlassen worden. Seit dem Jahr stehen zwei Antikörper zur ursächlichen Behandlung der frühen Alzheimer-Demenz zur Verfügung. Ursächlich bedeutet: Sie bauen aktiv Amyloid-Plaques ab. Das sind Eiweißablagerungen im Hirn, die bei der Entstehung der Krankheit eine zentrale Rolle spielen.
Nicht-medikamentöse Behandlung
Neben der medikamentösen ist die nicht-medikamentöse Behandlung von Menschen mit Demenz von großer Bedeutung. Sie kann die geistige Leistungsfähigkeit und Alltagsfähigkeiten fördern, Verhaltensstörungen abschwächen und das Wohlbefinden verbessern. Zur Behandlung gehören auch die geistige und körperliche Aktivierung der Betroffenen, die richtige Weise des Umgangs, die bedarfsgerechte Gestaltung der Wohnung und die Beratung der Angehörigen.
Dabei handelt es sich um Ergotherapie, Logopädie und Physiotherapie. Diese können ärztlich verordnet werden und die Kosten werden von den Krankenkassen übernommen. Förderlich für die Lebensqualität sind auch Musiktherapie, Hirnleistungstraining und Erinnerungstherapie.
Was können Angehörige tun?
Da der Krankheitsverlauf, die auftretenden Symptome und deren Ausprägungen individuell unterschiedlich sind, gibt es kein „Patentrezept“ für den Umgang und die Kommunikation. Eher gilt es auszuprobieren, was jeweils angemessen, um die vorhandenen Fähigkeiten zu erhalten und für eine gewisse Normalität zu sorgen. Auch über den Beginn der Erkrankung hinaus möchten und können Menschen mit Demenz je nach ihren Möglichkeiten in Entscheidungen einbezogen werden. Das oberste Ziel ist es, Wohlbefinden und Lebensqualität zu fördern. Dies kann durch das Vermitteln von Sicherheit und Geborgenheit geschehen, aber auch dadurch, dass der Erkrankte so lange es geht in das soziale Leben einbezogen wird, weiter Aufgaben übernehmen und aktiv bleiben kann.
Dabei ist es sinnvoll, an die im Laufe des Lebens entwickelten Interessen und Vorlieben der Erkrankten anzuknüpfen. Wer sein Leben lang gerne Sport getrieben hat, wird vielleicht weiterhin Bewegung und Sport schätzen. Anderen ist das Arbeiten wichtig, zum Beispiel im Garten. Manche Menschen mit Demenz entwickeln auch neue Interessen. Es gibt viele Möglichkeiten, das Leben für Betroffene anregend und sinnhaft zu gestalten. Dabei kann an die im Laufe des Lebens entwickelten Vorlieben und Interessen angeknüpft werden: Ausflüge in die Natur, Bewegung und Sport, Tanz und Kultur, Hobbys und Gesellschaftsspiele, Erinnerungsreisen in die eigene Vergangenheit …
Verlauf und Lebenserwartung
Der Verlauf der Krankheit ist bei jedem etwas unterschiedlich. Die Erkrankten sind aber zunehmend auf Hilfe und Unterstützung angewiesen. Die Krankheitsdauer bis zum Tod beträgt im Durchschnitt etwa acht Jahre. Es gibt aber sehr schnelle Verläufe von nur zwei Jahren und sehr langsame Verläufe von über 20 Jahren. Die jeweiligen Anforderungen an Betreuung, Pflege, Therapie und ärztliche Behandlung sind dabei sehr verschieden. Nach einer Alzheimer-Diagnose leben Menschen durchschnittlich noch sieben bis zehn Jahre, während andere Demenzformen auch mit einer höheren Lebenserwartung einhergehen können. Die Alzheimer-Krankheit selbst führt nicht direkt zum Tod, aber die Anfälligkeit für Infektionen steigt im fortgeschrittenen Stadium.