Chloralhydrat-Dosierung bei Epilepsie: Anwendung, Wirkung und Sicherheitshinweise

Chloralhydrat ist ein Sedativum und Hypnotikum, das seit den 1830er Jahren in der Medizin verwendet wird. Es wird hauptsächlich zur kurzzeitigen Behandlung von Schlafstörungen eingesetzt, kann aber auch in der Notfallbehandlung von Epilepsie eine Rolle spielen. Dieser Artikel beleuchtet die Dosierung von Chloralhydrat bei Epilepsie, seine Wirkungsweise, Nebenwirkungen und wichtige Anwendungshinweise.

Was ist Chloralhydrat?

Chloralhydrat gehört zur Gruppe der Aldehydhydrate. Es ist bekannt für seine beruhigende und schlaffördernde Wirkung. In Deutschland ist Chloralhydrat in Form von Weichkapseln erhältlich.

Wirkungsweise von Chloralhydrat

Chloralhydrat ist ein Prodrug und wird im Körper in die aktive Wirksubstanz Trichlorethanol umgewandelt. Diese Substanz verstärkt die Wirkung von GABA (gamma-Aminobuttersäure), dem wichtigsten inhibitorischen Neurotransmitter im zentralen Nervensystem. GABA bindet an seinen Rezeptor und wirkt beruhigend, angstlösend und schlaffördernd. Chloralhydrat verstärkt diese Effekte.

Chloralhydrat verursacht nur selten paradoxe Reaktionen wie Erregtheit oder Schlaflosigkeit und beeinflusst kaum den normalen Schlafverlauf. Die Wirkung setzt rasch ein und hält für ungefähr sieben Stunden an.

Chloralhydrat bei Epilepsie

Epileptische Anfälle können sehr unterschiedlich aussehen und reichen von kurzen Bewusstseinspausen bis hin zu generalisierten tonisch-klonischen Anfällen. Chloralhydrat kann in der Notfallbehandlung eingesetzt werden, um einen Status epilepticus zu unterbrechen.

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Wann ist Chloralhydrat ein Notfallmedikament?

Ein Status epilepticus liegt vor, wenn ein Anfall länger als 5 Minuten dauert oder wenn wiederholte Anfälle ohne vollständige Wiedererlangung des Bewusstseins auftreten. In solchen Fällen kann Chloralhydrat als Notfallmedikament eingesetzt werden, um den Anfall zu unterbrechen.

Verfügbare Darreichungsformen

Chloralhydrat ist ebenfalls als Rektiole verfügbar. Die Anwendung ist wie bei Diazepam.

Anwendung von Chloralhydrat in der Notfallbehandlung

Chloralhydrat kann als Rektiole verabreicht werden. Die Anwendung ist ähnlich wie bei Diazepam-Rektiolen. Es ist jedoch zu beachten, dass die Anwendung von Rektiolen bei älteren Kindern oder Erwachsenen schwierig sein kann, da es erforderlich ist, den krampfenden Patienten zu entkleiden.

Wann sollte die Notfallmedikation verabreicht werden?

Die Medikamente sollten nach einer bestimmten Zeit, die mit dem behandelnden Arzt vereinbart wurde, gegeben werden.

Was tun, wenn die Notfallmedikation nicht wirkt?

Sollte das Medikament nicht den gewünschten Erfolg haben, dann ist es ratsam den Notarzt zu rufen, denn weitergehende Behandlungen können nicht mehr von Laien durchgeführt werden.

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Wichtige Hinweise zur Notfallmedikation

Jeder Patient muss sein individuell wirksames Notfallmedikament finden, genau wie die Dauertherapie auch maßgeschneidert werden sollte.

Dosierung von Chloralhydrat

Die Dosierung von Chloralhydrat variiert je nach Anwendungsgebiet, Darreichungsform und Patient.

Dosierung bei Schlafstörungen (Erwachsene)

  • Chloralhydrat-Weichkapseln: Anfangs ein bis zwei Weichkapseln (entsprechend 0,25 bis 0,5 Gramm Chloralhydrat) etwa eine halbe Stunde vor dem Schlafengehen mit einem Glas Wasser einnehmen. Die Dosis kann auf bis zu vier Weichkapseln gesteigert werden. Die tägliche Höchstdosis beträgt 1,5 Gramm.
  • Chloralhydrat-Lösung: Die übliche Dosierung als Schlafmittel liegt laut Schweizer Fachinformation zwischen 0,5 und ein Gramm Chloralhydrat (ein bis zwei Messlöffel zu fünf Milliliter). Die tägliche Höchstdosis darf zwei Gramm nicht überschreiten.

Dosierung bei Unruhezuständen (Erwachsene)

Für Unruhezustände werden 0,25 Gramm (ein halber Messlöffel) der Lösung dreimal täglich nach dem Essen empfohlen.

Dosierung bei Kindern

Die in der Schweiz registrierte Chloralhydrat-Lösung ist auch für Kinder zugelassen, auch für Babys. Es gibt keine untere Altersgrenze. Die Dosierung orientiert sich am Körpergewicht.

  • Als Schlafmittel: 30 bis 50 Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht vor dem Schlafengehen.
  • Als Beruhigungsmittel: 25 Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht, verteilt auf drei bis vier Gaben während des Tages.

Die empfohlene maximale Einzeldosis liegt bei einem Gramm Chloralhydrat.

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Herstellung in der Apotheke

In Deutschland und Österreich können Ärzte für Kinder einen magistralen Chloralhydrat-Sirup (Saft) verordnen. Er wird in der Apotheke hergestellt.

Gegenanzeigen

Chloralhydrat darf im Allgemeinen in folgenden Fällen nicht angewendet werden:

  • Überempfindlichkeit oder allergische Reaktion auf den Wirkstoff oder einen der Bestandteile des Medikaments
  • Schwere Leber-, Nieren- oder Herzerkrankungen
  • Gleichzeitige Behandlung mit Antikoagulanzien vom Cumarin-Typ (z.B. Warfarin, Phenprocoumon)
  • Schwere Störungen der Atemfunktion
  • Obstruktives Schlafapnoe-Syndrom
  • Stoffwechselstörung Porphyrie (gilt für die Chloralhydrat-Lösung)
  • Magenschleimhautentzündung = Gastritis (gilt für die Chloralhydrat-Lösung)
  • Schwangerschaft und Stillzeit
  • Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren (gilt für die Chloralhydrat-Weichkapseln)

Wechselwirkungen

Chloralhydrat kann Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten und Alkohol zeigen.

Verstärkung der Wirkung

  • Alkohol verstärkt die einschläfernde Wirkung von Chloralhydrat.
  • Zahlreiche Wechselwirkungen mit anderen dämpfend wirkenden Arzneimitteln sind bekannt, darunter Opioide, Mittel gegen Psychosen, Mittel gegen Angst, Mittel gegen Epilepsie und ältere Antiallergika.

Beeinflussung der Blutgerinnung

Chloralhydrat beeinflusst den blutgerinnungshemmenden Effekt oraler Antikoagulanzien vom Cumarin-Typ. Zu Beginn der Behandlung verstärkt Chloralhydrat deren Wirkung, was das Blutungsrisiko erhöht. Bei länger dauernder Therapie vermindert es diese, sodass das Risiko für Blutgerinnsel ansteigt.

QT-Intervall-Verlängerung

Chloralhydrat steht im Verdacht, das QT-Intervall des Herzens zu verlängern. Die Kombination mit anderen QT-Intervall verlängernden Arzneimitteln ist deshalb zu vermeiden.

Weitere Wechselwirkungen

Chloralhydrat beschleunigt die Verstoffwechslung von Amitriptylin (Antidepressivum) und kann den Blutspiegel von Phenytoin (Mittel gegen Epilepsie) senken. Bei Menschen, die bestimmte Antidepressiva (Fluoxetin oder Monoaminooxidase-Hemmer = MAO-Hemmer) anwenden, kann sich die Chloralhydrat-Wirkungsdauer verlängern.

Nebenwirkungen

Gelegentliche Nebenwirkungen sind Verwirrtheit, Übelkeit und allergische Reaktionen. Wie alle halogenierten Kohlenwasserstoffe kann Chloralhydrat die Nieren, die Leber und das Herz schädigen. Es besteht die Gefahr, dass das Herz empfindlicher auf Katecholamine (aktivierende Botenstoffe) reagiert.

Weil Chloralhydrat seinen eigenen Abbau beschleunigt, kann seine Wirkung schon nach wenigen Tagen deutlich nachlassen. Wie fast alle Schlafmittel kann auch Chloralhydrat abhängig machen. Man sollte es deshalb nur kurzfristig einnehmen.

Chloralhydrat schränkt das Reaktionsvermögen ein. So kann es die Fähigkeit zur aktiven Teilnahme am Straßenverkehr und zum Bedienen von Maschinen beeinträchtigen. Das gilt insbesondere bei gleichzeitigem Alkoholkonsum.

Überdosierung

Die tägliche Maximaldosis darf - je nach Präparat - 1,5 bis zwei Gramm nicht überschreiten. Bei einer Chloralhydrat-Überdosis sind Bewusstseinsstörungen, Herzrhythmusstörungen und Atemprobleme die Folge. Die tödliche Dosis liegt zwischen sechs und zehn Gramm Chloralhydrat.

Chloralhydrat in Schwangerschaft und Stillzeit

Für die Anwendung von Chloralhydrat bei Schwangeren existieren keine ausreichenden Daten. Chloralhydrat wird zwar nur in geringen Mengen in die Muttermilch ausgeschieden, dennoch kann eine sedierende Wirkung beim gestillten Kind nicht ausgeschlossen werden. Daher ist die Einnahme von Chloralhydrat während der Schwangerschaft und Stillzeit kontraindiziert.

Beeinträchtigung des Reaktionsvermögens

Die Einnahme von Chloralhydrat kann das Bewusstsein und somit auch das Reaktionsvermögen signifikant beeinträchtigen. Die Beeinträchtigung ist besonders ausgeprägt bei unzureichender Schlafdauer oder wenn Chloralhydrat in Kombination mit Alkohol konsumiert wird.

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