Das Glioblastom ist ein aggressiver und bösartiger Hirntumor, der nicht heilbar ist. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) zählt das Glioblastom zum Grad 4, dem höchsten Schweregrad bei Hirntumoren. Die Tumorzellen wachsen besonders schnell und können in gesundes Hirngewebe eindringen, was die Behandlung schwierig machen kann.
Was ist ein Glioblastom? Definition und Ursprung
Das Glioblastom (früher „Glioblastoma multiforme“) ist ein bösartiger Hirntumor und gehört zur Gruppe der sogenannten Gliome. Das sind Tumoren, die in aller Regel nur im Gehirn entstehen. Glioblastome gehören zur höchsten WHO-Klassifikation, sie werden als Grad 4 Gliome eingestuft. Man vermutet, dass diese Tumoren aus dem Stützgewebe des Gehirns (Gliazellen) entstehen, weiß es aber letztlich nicht sicher. Die Zellen teilen sich meist sehr rasch, sodass es zu einem schnellen und aggressiven Wachstum kommen kann.
Gliome sind eine Gruppe verschiedener Hirntumoren, die aus entarteten Gliazellen entstehen können. Gesunde Gliazellen unterstützen normalerweise die Nervenzellen (Neuronen) im Gehirn. Das Glioblastom ist ein bösartiger Hirntumor und ist unter diesen die häufigste Form. Ein Astrozytom Grad 4 ist ebenfalls ein bösartiger Hirntumor, der noch deutlich seltener als ein Glioblastom vorkommt.
Glioblastome weisen feingewebliche Ähnlichkeiten mit den Gliazellen des Gehirns auf und gehen von der weißen Substanz aus. Statt das Gehirn beim Wachstum zu verdrängen, wächst er in das gesunde Gewebe des Gehirns. Glioblastome sehen in verschiedenen Stadien unterschiedlich aus und sind deshalb auch nicht immer einfach zu diagnostizieren. Strichförmige Nekrosen (tote Zellen) sind z. B. ein Indiz dafür, dass es sich um ein Glioblastom handelt. Glioblastome können völlig neu oder durch fortschreitende Entdifferenzierung (Entartung) aus weniger bösartigen Astrozytomen entstehen.
Ursachen und Risikofaktoren
Es sind bis heute keine eindeutigen Ursachen für die Entstehung von Glioblastomen und Astrozytomen Grad 4 bekannt. Es gibt Hinweise darauf, dass ionisierende Strahlung in hoher Dosis, wie sie zum Beispiel bei der Strahlentherapie für andere Tumoren im Kopfbereich eingesetzt wird, das Risiko erhöht, an einem Gehirntumor zu erkranken.
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Neue wissenschaftliche Forschungen befassen sich verstärkt mit genetischen Risikofaktoren. So konnten Genmutationen im Zusammenhang mit Glioblastomen identifiziert werden. Zwar treten die bösartigen Tumoren häufiger in Verbindung mit einigen seltenen Erbkrankheiten wie dem Li-Fraumeni-Syndrom oder dem Turcot-Syndrom auf, dennoch spielt familiäre Vererbung als Glioblastom-Ursache nach Ansicht der Fachleute praktisch keine Rolle.
Symptome eines Glioblastoms
Nicht jeder Hirntumor verursacht die gleichen Symptome. Je nachdem, in welcher Hirnregion ein Hirntumor entsteht und wächst, können unterschiedliche Symptome zum Vorschein kommen. Verschiedene Regionen im Gehirn steuern viele unterschiedliche Körperfunktionen. Gliome WHO-Grad 4, wie Glioblastome und Astrozytome Grad 4, beeinträchtigen in der Regel zunächst die Gehirnareale, die an den Tumor angrenzen. Oft leiden Hirntumor-Patientinnen und -Patienten zunächst an unspezifischen Symptomen.
Glioblastomerkrankungen können durch unterschiedliche neurologische Beschwerden auffällig werden, je nachdem an welcher Stelle sich der Tumor im Gehirn befindet.
Ein Glioblastom wächst schnell, verdrängt dabei gesundes Gehirngewebe und infiltriert dieses. Dadurch können folgende Symptome auftreten:
- neu auftretende epileptische Krampfanfälle (oft das erste Symptom eines Hirntumors)
- Kopfschmerzen, vor allem nachts und am frühen Morgen
- Schwindel
- Übelkeit und Erbrechen
- Bewusstseinsstörungen, wie Benommenheit, Verwirrtheit, Konzentrationsstörung
- neurologische Ausfälle, je nach Lage des Tumors und der Schädigung von gesundem Hirngewebe:
- Taubheitsgefühl oder Lähmungen
- verschwommene Sicht, Doppelbilder oder andere Sehstörungen
- Sprachstörung
- Gleichgewichtsstörung
Die folgenden Beschwerden können Warnzeichen für einen bösartigen Hirntumor sein und sollten schnellstmöglich abgeklärt werden:
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- häufige und starke Kopfschmerzen, die vor allem nachts und morgens auftreten
- Übelkeit und Erbrechen
- Gleichgewichtsstörungen, Schwindelgefühle
- Benommenheit, Ohnmacht
- Vergesslichkeit, Konzentrationsschwäche, mangelnde Aufmerksamkeit und Denkstörungen
- Epileptische Anfälle
- Koordinationsstörungen
- Lähmungserscheinungen
- Empfindungsstörungen bei Berührung, Kälte oder Hitze
- Störungen beim Sehen, Hören, Sprechen, Schlucken
- Veränderungen der Persönlichkeit, Aggressivität, Antriebslosigkeit, Ängstlichkeit, Desorientierung
- Müdigkeit und allgemeine Abgeschlagenheit: Fatigue-Syndrom
Diagnose des Glioblastoms
Hirntumore wie das Glioblastom oder das Astrozytom Grad 4 verursachen relativ unspezifische Symptome. Eine Diagnose nur anhand der Symptome ist daher nicht möglich. Ein Hirntumor wird in der Regel anhand eines MRT-Bildes oder CT-Bildes des Kopfes entdeckt.
Bei den Untersuchungsmethoden zur Diagnose von Glioblastomen sind bildgebende Verfahren von größter Bedeutung. Um den Hirntumor nachzuweisen, werden Magnetresonanztomografie (MRT) oder Computertomografie (CT) eingesetzt. Die Magnetresonanzspektroskopie (MRS) dient dazu, den Stoffwechsel im erkrankten Hirngewebe zu untersuchen und Glioblastome von anderen Tumorarten zu unterscheiden. Gewebeentnahmen (Biopsien) sichern die Diagnose von Glioblastomen endgültig.
Bildgebende Untersuchungen spielen in allen Phasen der Erkrankung eine wesentliche Rolle. Heutzutage stehen verschiedene Verfahren zur Verfügung, um den Tumor sichtbar zu machen:
- Magnetresonanztomographie (MRT)
- Computertomographie (CT)
- Magnetresonanzspektroskopie (MRS)
- Positronenemissionstomographie (PET)
Die pathologische Diagnosesicherung anhand von histologischen Gewebeproben und molekularer Diagnostik ist der Goldstandard in der Diagnostik der Hirntumoren.
Behandlungsmöglichkeiten bei Glioblastom
Die Behandlung von Glioblastomen kombiniert die operative Entfernung des Tumors (sofern möglich) mit Strahlen- und Chemotherapie. Die Operation sollte schnellstmöglich nach der Diagnosestellung erfolgen. Je vollständiger die Entfernung, desto besser sind die Aussichten für die verbleibende Lebenserwartung. Heilen lassen sich Glioblastome nicht, aber schnelle Diagnose und sofortige Therapie verbessern die Prognose.
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Der erste Schritt bei der Behandlung eines Glioblastoms ist in der Regel die operative Entfernung, die sogenannte Tumorresektion. Diese zielt auf eine möglichst vollständige Entfernung des sichtbaren Tumoranteils unter Erhalt der verschiedenen neurologischen und kognitiven Funktionen des Gehirns ab. Leider kann dieser Tumor mikroskopisch nicht komplett entfernt werden. Es ist daher eine Nachbehandlung notwendig.
Weitere Therapiemodalitäten im Anschluss an die Operation sind die Strahlentherapie, die Chemotherapie und Tumor Treating Fields.
Operation
Bei der Operation wird versucht, das gesamte abgrenzbare Tumorgewebe zu beseitigen. Da sich aber die Tumorzellen über diese Grenze hinaus entlang der Nervenfasern ausbreiten, ist eine komplette Entfernung des Tumors in der Regel nicht möglich.
Strahlentherapie
Mit einer Glioblastom-Operation allein lassen sich nicht alle Tumorzellen entfernen. Deshalb folgt auf die OP standardmäßig eine Strahlentherapie. Bei der Strahlentherapie wird die Zellteilung durch hochenergetische ionisierende Strahlen, sogenannte Photonenstrahlung, behindert. Dies hemmt das weitere Wachstum der Tumorzellen und führt im besten Fall auch zum Absterben der Tumorzellen. Gesunde Zellen reagieren auf die Bestrahlung anders als die Zellen des Glioblastoms.
Strahlentherapien nach einer Glioblastom-OP dauern mindestens 6 Wochen. Dabei werden die Patientinnen und Patienten in der Regel bis zu 5-mal pro Woche bestrahlt.
Chemotherapie
Meist wird die Glioblastom-Behandlung durch eine Chemotherapie ergänzt. Dabei werden Wirkstoffe eingesetzt, die das Wachstum der Krebszellen hemmen (Zytostatika). Temozolomid ist das Standard-Therapeutikum in der Glioblastom-Chemotherapie. Andere Zytostatika sind Procarbazin, Lomustin (CCNU) und Vincristin. Die Wirkstoffe werden zuweilen auch kombiniert eingesetzt.
Die Chemotherapie hindert die Tumorzellen daran, sich zu vermehren. Temozolomid gehört unter den Chemotherapeutika (Zytostatika) zu den sogenannten Alkylanzien. Alkylanzien können die Erbinformation des Glioblastoms (DNA) nachhaltig schädigen und die DNA-Vervielfältigung (Replikation) behindern.
Tumor Treating Fields (TTFields)
Neben Operation sowie Strahlen- und Chemotherapie gehört die TTFields-Therapie zu den Standardbehandlungen beim Glioblastom und Astrozytom Grad 4 bei Erwachsenen. Es handelt sich bei der TTFields-Therapie um eine lokale, nicht-invasive Behandlung, die zu Hause durchgeführt wird.
Dabei werden Elektroden auf die rasierte Kopfhaut geklebt und über einen großen Akku, den man in einem Rucksack trägt, mindestens 18 Stunden am Tag ein elektrisches Feld am Tumor angelegt, das die Zellen daran hindert, sich zu teilen.
Weitere Therapieansätze
- Immuntherapien (Antikörper etc.): Diese Behandlungsformen können im Rahmen kontrollierter Studien in neuroonkologischen Zentren eingesetzt werden, mit dem Ziel, die Prognose und damit das Überleben zu verbessern.
- Klinische Studien: In vielen neuroonkologischen Zentren werden klinische Studien angeboten. In Studien können Patienten unter jeweils bestimmten Voraussetzungen eingeschlossen werden und erhalten somit frühzeitig Zugang zu innovativen Behandlungsverfahren.
Prognose und Lebenserwartung
Der Krankheitsverlauf und damit die Prognose des Glioblastoms und des Astrozytoms Grad 4 ist sehr individuell und hängt ab von verschiedenen Faktoren wie dem Alter, dem allgemeinen Gesundheitszustand und bestimmten Eigenschaften des Tumors (molekulare Marker) ab. So sind Glioblastome sogenannte IDH-Wildtyp-Tumoren und wachsen besonders schnell, was in der Regel mit einer geringeren Lebenserwartung verbunden ist. Astrozytome Grad 4 als IDH-mutierte Tumoren dagegen wachsen zwar ebenfalls schnell, haben jedoch eine etwas bessere Lebenserwartung.
Ohne Therapie beträgt die mittlere Lebenserwartung bei einem Glioblastom etwa drei Monate. Bei bestmöglicher Therapie lässt sich diese Spanne - berechnet auf den Durchschnitt aller Fälle - auf bis zu zwei Jahre ausdehnen. Bis zu 10 Prozent der Menschen mit Glioblastom überleben sogar fünf Jahre und länger.
Verschiedene Faktoren verbessern die Prognose: Je niedriger das Lebensalter und je besser der Allgemeinzustand, desto höher ist die Lebenserwartung. Zudem wirkt sich positiv aus, wenn der Tumor frühzeitig entdeckt und möglichst vollständig entfernt werden konnte, die Operation ohne Komplikationen verlief und nach der OP keine neurologischen Ausfälle wie Lähmungen auftreten.
Leben mit einem Glioblastom
Eine Rehabilitation kann stationär oder ambulant sinnvoll sein, insbesondere wenn es darum geht, Symptome und Funktionen wie die muskuläre Beweglichkeit oder die Sprache zu verbessern.
Es ist jedoch bei Hirntumorpatienten besonders wichtig, die familiäre und psychische Situation zu bedenken und diejenigen, die gern in ihrer häuslichen und familiären Umgebung sein möchten, nicht um jeden Preis in eine stationäre Rehabilitation ohne ihr Umfeld zu schicken. Oft ist eine Stabilisierung der Situation zu Hause erst einmal wichtiger. Darüber hinaus ist auch immer die Frage zu stellen, wo welches Defizit sinnvoll beübt und behandelt werden kann.
Patienten, die an einem bösartigen Hirntumor leiden, erleben die Diagnose in der Regel als einen massiven Einschnitt in ihr Leben und als eine sehr starke Belastung. Häufig sind Verunsicherung, Angst und Ärger oder auch eine beeinträchtigte Stimmungslage die Folge. Hinzu kommen mehr oder minder stark ausgeprägte Einbußen der geistigen Funktionen, wie Konzentration und Gedächtnis. All diese Folgen führen oft zu einer Beeinträchtigung der Lebensqualität. Aber es sind nicht nur die Patienten selbst betroffen, häufig sind auch die Familienangehörigen belastet.
In Selbsthilfegruppen können sich Betroffene austauschen, auch für Angehörige gibt es spezielle Gesprächskreise.
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