Der Umgang mit einem jähzornigen oder cholerischen Partner kann sehr belastend sein. Schreien, Wüten und das Knallen von Türen sind oft an der Tagesordnung. Während ein solches Verhalten aus sicherer Distanz vielleicht noch unterhaltsam wirken mag, ist es im Alltag einer Beziehung unerträglich. Choleriker gibt es unabhängig vom Geschlecht.
Was ist cholerisches Verhalten?
Eine wissenschaftliche Definition des Cholerikers existiert nicht. Der Duden beschreibt einen Choleriker als "einen leidenschaftlichen, reizbaren, jähzornigen Menschen". Umgangssprachlich wird jemand als cholerisch bezeichnet, wenn er schnell aus der Haut fährt und bereits Kleinigkeiten ausreichen, um ihn in Rage zu versetzen. Typische Eigenschaften sind geringe Selbstkontrolle, übersteigerte Impulsivität, ungehemmte Wutausbrüche und unangemessenes Verhalten. Die Reaktion steht meist in keinem Verhältnis zum eigentlichen Auslöser. Cholerisches Verhalten dient oft dazu, Dominanz auszuüben.
Ursachen cholerischen Verhaltens
Cholerisches Verhalten ist nicht immer eine bewusste Entscheidung. Manche Choleriker haben gelernt, dass sie ihren Willen bekommen, wenn sie nur lange genug brüllen. Oft liegen die Ursachen jedoch tiefer. Bestimmte Krankheiten oder Defizite wie ADHS können Wutanfälle auslösen. Auch psychische Störungen oder Autismus können Schreitiraden begünstigen. Minderwertigkeitskomplexe, Überforderung oder eine narzisstische Persönlichkeitsstörung können ebenfalls eine Rolle spielen. Es ist wichtig zu wissen, dass diese Personen in normalen Situationen witzig und charmant sein können - bis zum nächsten Wutanfall. Dies entschuldigt jedoch nicht das oft beängstigende Verhalten.
Die Ursachen für cholerische Anfälle sind vielfältig:
- Genetische Veranlagung: Es gibt Hinweise darauf, dass die Veranlagung zu cholerischem Verhalten vererbbar sein kann.
- Neurologische Faktoren: Choleriker haben oft eine ausgeprägte Amygdala-Aktivität. Die Amygdala ist ein Hirnbereich, der für die Verarbeitung von Emotionen wie Angst und Wut zuständig ist.
- Lerngeschichte: Choleriker haben häufig gelernt, dass Wut ein effektives Mittel ist, um ihre Ziele zu erreichen.
- Stress: Stress kann cholerisches Verhalten verstärken.
- Körperliche Faktoren: Schlafstörungen, hormonelle Veränderungen oder bestimmte Krankheiten können zu cholerischem Verhalten und unkontrollierten Wutausbrüchen beitragen.
Die Auswirkungen auf den Partner
Sich mit einem cholerischen Menschen auseinanderzusetzen, ist unglaublich anstrengend, da fast alles diese Person wüten lässt. Langfristig leidet das Selbstwertgefühl unter den erlebten Wutanfällen, wenn man immer wieder angeschrien und aufs Übelste beschimpft wird. Dies führt dazu, dass man wie auf Eierschalen geht, immer in der Hoffnung, dass die Person bloß nicht wütend wird. So kann man weder mit einem Tyrannen arbeiten noch leben.
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Wer Tag für Tag den Wutanfällen eines nahestehenden Menschen ausgesetzt ist, reagiert darauf zum einen mit seelischem Rückzug. Häufig kommt es beim Zusammenleben mit Partnern, die Wutanfälle haben, zu gesundheitlichen Problemen.
Therapie als möglicher Ausweg
Nur eine Therapie kann einem tyrannischen Menschen helfen, sein Verhalten zu ändern. Dazu muss allerdings der Leidensdruck zu spüren sein und daraus der Wunsch entstehen, sich behandeln zu lassen. Äußerer Druck bringt da nichts. In einer Therapie lernen sie dann, wie man mit anderen Menschen umgeht, entwickeln Selbstbeherrschung und kontrollieren ihre Wut.
Tipps für den Umgang mit einem cholerischen Partner
Wenn Sie mit einem cholerischen Partner leben, gibt es verschiedene Strategien, die Ihnen helfen können, die Situation besser zu bewältigen:
- Weichen Sie dem Menschen aus: Halten Sie sich vor Augen, dass egal was Sie tun, der Wutanfall kommen wird. Falls möglich, sollten Sie den Umgang mit diesen Menschen meiden. Das ist häufig nur durch einen Arbeitsplatzwechsel oder durch eine Trennung möglich. Einen Wutanfall zu erleben kann Angst machen, es ist beleidigend und je nach Level von Wut auch gefährlich. Da kann es nur um Selbstschutz gehen.
- Gelassen bleiben: Das sagt sich so leicht. Eigentlich möchte man der Person ein paar Takte sagen oder ebenfalls brüllen. Keine gute Idee! Denn die Auseinandersetzung wird dadurch eskalieren. Wenn Sie hingegen abwarten, möglichst ruhig und gelassen bleiben, ist das Gewitter schneller vorbei. So schnell ein Wutanfall kommt, genauso schnell geht es vorbei. Auch Rechtfertigungen sollten Sie vermeiden. Für einen cholerischen Menschen sind Rechtfertigungen in der Regel ein Schuldeingeständnis.
- Vorsicht bei den eigenen Antworten: Sarkasmus oder die Person lächerlich zu machen hilft nicht, sondern gießt Öl ins Feuer. Ein "Entspann dich mal" macht es nur schlimmer, da es als persönliche Abwertung empfunden wird.
- Ändern Sie die Sichtweise: Damit ist nicht gemeint, dass Sie Verständnis haben sollen. Das ist kaum möglich, wenn eine Kleinigkeit eine Schimpftirade nach sich zieht. Aber machen Sie sich bewusst, dass Ihr cholerisches Gegenüber eigentlich eine "arme" Person ist, die sich nicht anders zu helfen weiß.
- Alles recht machen: Kurzfristig mag das vielleicht helfen, Konflikten aus dem Weg zu gehen und einzelnen Wutausbrüchen sogar vorzubeugen. Auf lange Sicht kann es aber zur richtigen Belastung werden, wenn man sich selbst klein macht.
- Klare Kommunikation: Klare und sachliche Kommunikation ist entscheidend. Vermeiden Sie Vorwürfe und versuchen Sie, auf den Punkt zu kommen.
- Grenzen setzen: Choleriker neigen dazu, die Grenzen anderer zu testen. Seien Sie bestimmt, wenn es darum geht, Ihre eigenen Grenzen zu verteidigen.
- Einfühlsam sein: Versuchen Sie, die Gefühle des Cholerikers zu verstehen, ohne dabei sein Verhalten zu rechtfertigen. Empathie kann oft deeskalierend wirken.
- Gemeinsame Lösungen suchen: Anstatt in Konflikten stecken zu bleiben, konzentrieren Sie sich auf gemeinsame Lösungen. Choleriker schätzen oft praktische Ansätze.
- Auszeit nehmen: Wenn der cholerische Anfall zu eskalieren droht, ist es besser, eine kurze Auszeit zu nehmen.
- Frühwarnzeichen erkennen: Lernen Sie, bestimmte Schlüsselreize und Warnsignale frühzeitig zu erkennen, um rechtzeitig Freiraum zu schaffen.
- Signalwort vereinbaren: Vereinbaren Sie ein Signalwort, das gesagt wird, falls es "zu viel" wird.
- Gipfeltreffen vereinbaren: Finden Sie feste Termine, zu denen Sie sich zusammensetzen, miteinander sprechen und die letzte Zeit auswerten.
- Eigene Grenzen und Bedürfnisse erkennen: Schwierige Situationen sind besser zu meistern, wenn Sie ausgeglichen und ganz bei sich sind.
- Professionelle Hilfe suchen: In schweren Fällen kann es sinnvoll sein, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen.
Zusätzliche Tipps und Strategien
- Distanzierung: Distanzieren Sie sich ernsthaft und merklich von Ihrem Partner, um ihm zu zeigen, dass Sie sein Verhalten nicht länger tolerieren.
- Nicht persönlich nehmen: Machen Sie sich bewusst, dass die Wutausbrüche oft nicht gegen Sie persönlich gerichtet sind, sondern Ausdruck von Hilflosigkeit und Kontrollverlust.
- Eigene Bedürfnisse nicht vernachlässigen: Achten Sie auf Ihr eigenes Wohlbefinden und nehmen Sie sich Zeit für sich selbst, um Kraft zu tanken.
- Unterstützung suchen: Sprechen Sie mit Freunden, Familie oder einer Beratungsstelle über Ihre Situation.
- Sich nicht einschüchtern lassen: Haben Sie keine Angst vor weiteren Wutanfällen, wenn Sie Ihrem Partner nahelegen, sein Benehmen zu verbessern.
Choleriker in Beziehungen und im Arbeitsumfeld
In Beziehungen mit Cholerikern sind Kompromisse entscheidend, um ein harmonisches Miteinander zu gewährleisten. Offene Diskussionen über Bedürfnisse und Erwartungen ermöglichen eine transparente Kommunikation. Gemeinsame Aktivitäten, die positive Emotionen auslösen, können eine effektive Methode sein, um die Beziehung zu stärken. Gleichzeitig ist es wichtig, klare Grenzen zu setzen, die respektvoll, aber bestimmt sind, um ein gesundes Gleichgewicht in der Partnerschaft zu bewahren.
Im beruflichen Kontext spielen klare Kommunikation und effektives Teammanagement eine entscheidende Rolle im Umgang mit Cholerikern. Bei der Rückmeldung an cholerische Teammitglieder ist es wichtig, konstruktives Feedback zu geben, das sich auf die Leistung konzentriert und dabei persönliche Angriffe vermeidet. Durch die Förderung einer positiven Teamdynamik können Choleriker ihre leidenschaftliche Energie für gemeinsame Ziele einsetzen, was zu einer effizienten und harmonischen Arbeitsumgebung führt.
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Kann ein Choleriker lieben und sich entschuldigen?
Ja, Choleriker können lieben. Die Fähigkeit zu lieben ist nicht an ein bestimmtes Temperament gebunden. Es stimmt, dass cholerisches Verhalten die Liebe in einer Beziehung erschweren kann. Cholerische Anfälle in Beziehungen und mangelnde Kontrolle über die Emotionen können zu Konflikten, Verletzungen und Misstrauen führen. Dennoch ist es möglich, als Choleriker eine glückliche und erfüllte Beziehung zu führen.
Auch können sich Choleriker entschuldigen. Eine Entschuldigung erfordert jedoch oft eine gewisse Reife und Selbstreflexion. Choleriker müssen auch bereit sein, ihr Verhalten zu ändern und sich in Zukunft besser zu kontrollieren.
Die Rolle der Kindheit
Was in unserer Kindheit passiert, prägt unser Leben maßgeblich. Wenn ein Kind ständigen Wutausbrüchen ausgesetzt ist, kann es die Welt als einen unberechenbaren und unbeständigen Ort wahrnehmen, in dem es ständig auf der Hut sein muss. Weitere mögliche Folgen sind Schreckhaftigkeit, Vertrauensprobleme, ein dauerhafter Stresszustand oder unterwürfiges Verhalten, aus Angst, irgendwie Wutausbrüche auslösen zu können. Zudem können Kinder ohne passende Vorbilder selbst auch keinen adäquaten Umgang mit Gefühlen erlernen, was ebenfalls zu heftigen Wutanfällen führen könnte, weil das cholerische Verhalten abgeguckt wird. Es kann auch passieren, dass Kinder von Cholerikern sich selbst cholerische Partner suchen, weil sie das Verhalten kennen oder es eventuell als normal ansehen.
Wann ist es Zeit, loszulassen?
Letztlich gilt: Wenn Sie sich permanent unwohl fühlen, Angst haben oder nichts mehr funktioniert, dann dürfen Sie loslassen und gehen. Das kann bedeuten, dass Sie Ihren Arbeitsplatz wechseln, eine Freundschaft auflösen oder sich von Ihrem Partner trennen. Das kann wahnsinnig schwerfallen und manchmal unmöglich erscheinen. Vor allem dann, wenn Sie der Person sehr nahe stehen. Deshalb kann es hilfreich sein, wenn Sie sich Unterstützung durch einen guten Freund oder eine Beratungsstelle suchen. Sie dürfen sich jemanden suchen, der Ihnen die Hand reicht.
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