Der Zusammenhang zwischen Cholesterin im Gehirn und Schilddrüsenunterfunktion

Die komplexe Beziehung zwischen Cholesterin, Gehirnfunktion und Schilddrüsenunterfunktion ist ein Thema von wachsendem Interesse. Eine Schilddrüsenunterfunktion, insbesondere im Zusammenhang mit Hashimoto-Thyreoiditis, kann sich auf verschiedene Aspekte der Gesundheit auswirken, darunter auch den Cholesterinspiegel und die kognitive Funktion. Dieser Artikel untersucht den Zusammenhang zwischen diesen Faktoren und beleuchtet die relevanten Aspekte für ein umfassendes Verständnis.

Fallbeispiel: Hashimoto-Thyreoiditis und ihre vielfältigen Symptome

Ein Fallbeispiel aus der Deutschen Heilpraktiker Zeitschrift (DHZ 3.2022) illustriert die Komplexität der Hashimoto-Thyreoiditis. Eine junge Frau litt unter Konzentrationsschwierigkeiten, reduzierter Belastbarkeit und zunehmender Vergesslichkeit. Nach anfänglicher Kurzanamnese und Krankschreibung durch den Hausarzt, die keine Besserung brachte, wurden Laboruntersuchungen durchgeführt. Diese ergaben, dass alle Werte bis auf das Gesamtcholesterin in Ordnung waren. Als Ernährungsempfehlung erhielt sie den Rat, auf Eier und fettreiche Lebensmittel zu verzichten.

Da sich die Symptome der Patientin jedoch verschlechterten und ein „Symptomenstrauß“ entwickelte, begann sie mit eigener Recherche. Zu den genannten Beschwerden kamen Tagesmüdigkeit, Lustlosigkeit (auch sozialer Rückzug und sexuelle Lustlosigkeit), Haarausfall, Veränderungen der Augenbrauen (Haarausfall an den äußeren Rändern) und ein verändertes Temperaturempfinden (ständiges Frösteln) hinzu. Zudem bemerkte sie eine leichte Gewichtszunahme, obwohl sie ihre Ernährung nicht verändert hatte.

Die Patientin suchte schließlich einen Heilpraktiker auf, der eine ausführliche Anamnese durchführte. Diese ergab den Verdacht auf eine Schilddrüsenerkrankung (Hashimoto-Thyreoiditis) und einen Mikronährstoffmangel. Die Blutuntersuchungen bestätigten den Verdacht: Der TPO-AK-Wert war deutlich erhöht, was auf eine Hashimoto-Erkrankung hinweist. Zudem war der Vitamin-D-Wert massiv erniedrigt.

Die Rolle der Schilddrüse im Stoffwechsel

Die Schilddrüse ist eine der wichtigsten hormonproduzierenden Drüsen und reguliert viele Körperfunktionen, darunter Wärmeausgleich, Grundumsatz und Energieverbrauch, Herzaktivität, Gehirnaktivität, Muskelkraft, Darmtätigkeit und die psychische Verfassung. Bei der Hashimoto-Thyreoiditis ist die Schilddrüse chronisch entzündet, was auf eine Autoimmunreaktion zurückzuführen ist. Dies führt häufig zu einer Unterfunktion der Schilddrüse.

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Cholesterin: Ein lebenswichtiger Stoff mit Risiken

Cholesterin ist eine fettähnliche Substanz, die von Natur aus im Körper vorkommt und für den Aufbau und Erhalt der Zellmembranen unerlässlich ist. Es ist auch ein wichtiger Ausgangsstoff für die Produktion von Gallensäure, Vitamin D und bestimmten Hormonen. Der Körper produziert bis zu drei Viertel des täglichen Cholesterinbedarfs selbst.

Cholesterin wird durch Lipoproteine (LDL und HDL) im Blut transportiert. LDL (Low-Density-Lipoprotein) kann sich in den Arterien ablagern und zu Plaques führen, was das Risiko von Herz-Kreislauf-Erkrankungen erhöht. HDL (High-Density-Lipoprotein) transportiert Cholesterin zurück zur Leber und wirkt somit schützend.

Cholesterin und Gehirnfunktion

Cholesterin spielt eine entscheidende Rolle für die Gesundheit und Funktion des Gehirns. Es ist ein wichtiger Bestandteil der Zellmembranen von Neuronen und trägt zur Aufrechterhaltung ihrer Struktur und Flexibilität bei. Cholesterin ist auch an der Bildung von Synapsen beteiligt, den Verbindungen zwischen Neuronen, die für die Signalübertragung unerlässlich sind. Darüber hinaus ist Cholesterin ein Vorläufer von Steroidhormonen, die im Gehirn eine wichtige Rolle spielen.

Auswirkungen von Cholesterin auf das Gehirn:

  • Kognitive Funktion: Cholesterin ist wichtig für das Lernen, das Gedächtnis und andere kognitive Funktionen. Studien haben gezeigt, dass hohe Cholesterinwerte mit einem erhöhten Risiko für kognitive Beeinträchtigungen und Demenz verbunden sein können.
  • Neuroinflammation: Cholesterin kann Entzündungen im Gehirn beeinflussen. Erhöhte Cholesterinwerte können zu chronischen Entzündungen führen, die Neuronen schädigen und das Risiko für neurodegenerative Erkrankungen erhöhen können.
  • Neuroplastizität: Cholesterin beeinflusst die Fähigkeit des Gehirns, sich anzupassen und neue Verbindungen zu bilden (Neuroplastizität). Ein Ungleichgewicht des Cholesterinspiegels kann die Neuroplastizität beeinträchtigen und die Erholung nach Hirnschäden erschweren.

Schilddrüsenunterfunktion und Cholesterin

Eine Schilddrüsenunterfunktion kann zu erhöhten Cholesterinwerten führen. Die Schilddrüsenhormone beeinflussen den Cholesterinstoffwechsel, und ein Mangel an diesen Hormonen kann die LDL-Cholesterinwerte erhöhen und die HDL-Cholesterinwerte senken. Dies erhöht das Risiko von Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Schilddrüsenunterfunktion und Gehirnfunktion

Eine Schilddrüsenunterfunktion kann auch die Gehirnfunktion beeinträchtigen. Schilddrüsenhormone sind für die Entwicklung und Funktion des Gehirns unerlässlich. Ein Mangel an diesen Hormonen kann zu kognitiven Beeinträchtigungen, Gedächtnisproblemen, Konzentrationsschwierigkeiten und depressiven Verstimmungen führen.

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Symptome einer Schilddrüsenunterfunktion:

  • Müdigkeit
  • Gewichtszunahme
  • Kälteempfindlichkeit
  • Verstopfung
  • Trockene Haut
  • Haarausfall
  • Depressionen
  • Konzentrationsschwierigkeiten
  • Gedächtnisprobleme

Hashimoto-Thyreoiditis und der "Hashimoto-Bauch"

Hashimoto-Thyreoiditis ist eine Autoimmunerkrankung, bei der das Immunsystem die Schilddrüse angreift. Dies führt häufig zu einer Schilddrüsenunterfunktion. Viele Hashimoto-Patienten leiden unter Verdauungsbeschwerden wie Blähungen, Verstopfung, Durchfall, Völlegefühl und Übelkeit, die umgangssprachlich als "Hashimoto-Bauch" bezeichnet werden.

Die Beeinträchtigung der Muskelaktivität von Speiseröhre und Darm sowie die gestörte Bildung von Magensäure können zu Entzündungen der Magenschleimhaut führen. Stoffwechselprozesse und der Grundumsatz werden herabgesetzt, wodurch sich der Verdauungsprozess verlangsamt. Die Leber hat Schwierigkeiten, Cholesterin aus dem Blut aufzunehmen. Autoimmunerkrankungen treten oft gemeinsam auf, und Hashimoto-Thyreoiditis kann mit anderen Autoimmunerkrankungen verbunden sein.

Diagnose und Behandlung

Die Diagnose einer Schilddrüsenunterfunktion erfolgt in der Regel durch Blutuntersuchungen, bei denen die Schilddrüsenhormone (T3, T4) und das TSH (Thyreoidea-stimulierendes Hormon) gemessen werden. Erhöhte Cholesterinwerte werden ebenfalls durch Blutuntersuchungen festgestellt.

Die Behandlung einer Schilddrüsenunterfunktion besteht in der Regel in der Einnahme von Schilddrüsenhormonen (Levothyroxin), um den Hormonmangel auszugleichen. Eine Anpassung der Ernährung und regelmäßige körperliche Aktivität können helfen, den Cholesterinspiegel zu senken. In einigen Fällen können auch Medikamente zur Cholesterinsenkung erforderlich sein.

Medikamente zur Senkung des Cholesterinspiegels

Wenn eine Ernährungsumstellung und mehr Bewegung nicht ausreichen, um den Cholesterinspiegel zu senken, können Medikamente eingesetzt werden. Statine sind eine häufig verwendete Gruppe von Cholesterinsenkern. Cholesterinresorptionshemmer (Ezetimib) hemmen die Aufnahme von Cholesterin im Darm. PCSK9-Hemmer sind Antikörper, die das körpereigene Enzym PCSK9 blockieren, das am Abbau von LDL-Rezeptoren beteiligt ist.

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Vorbeugung erhöhter Cholesterinwerte

Eine gesunde Ernährung mit wenig gesättigten Fetten und Cholesterin ist die beste Prävention gegen erhöhte Cholesterinwerte. Regelmäßige körperliche Aktivität und ein angemessenes Körpergewicht sind ebenfalls wichtig. Regelmäßige Check-ups beim Arzt sind ratsam, um erhöhte Cholesterinwerte frühzeitig zu erkennen und zu behandeln.

Der Einfluss von Medikamenten auf die Schilddrüsenwerte

Es ist wichtig zu beachten, dass Medikamente die Schilddrüsenwerte beeinflussen können. Schilddrüsenhormonpräparate werden zur Behandlung einer Schilddrüsenerkrankung eingenommen. Andere Medikamente wie Heparin, Kortisonpräparate und hochdosierte Acetylsalicylsäure können den TSH-Wert erniedrigen. Dopaminantagonisten wie Haloperidol können die TSH-Ausschüttung steigern.

Herz und Schilddrüse

Die Schilddrüse und das Herz sind eng miteinander verbunden. Schilddrüsenhormone regulieren die Kraft des Herzens, die Herzschlagfolge und das zirkulierende Blutvolumen. Funktionsstörungen der Schilddrüse wirken sich immer auch auf Herz und Kreislauf aus. Bei allen Störungen und Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems sollte immer auch an einen möglichen Zusammenhang mit der Schilddrüse gedacht werden.

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