In der Welt der Nahrungsergänzungsmittel rücken Inositol und Cholin immer stärker in den Fokus. Ursprünglich als B-Vitamine betrachtet, haben sie sich als wichtige Nährstoffe mit vielfältigen Funktionen im Körper etabliert. Dieser Artikel beleuchtet die Rolle von Inositol und Cholin, insbesondere im Zusammenhang mit Migräne, Hormonstörungen und weiteren gesundheitlichen Aspekten.
Was ist Inositol?
Inositol, auch bekannt als Inosit oder Cyclohexanhexol, wurde früher zu den B-Vitaminen gezählt. Da der Körper Inositol selbst aus Glukose herstellen kann, wird es heute als Vitaminoid, also eine vitaminähnliche Substanz, eingestuft. Chemisch gesehen gehört Inositol zur Gruppe der Alkohole, hat aber keine Verbindung zum Ethanol in alkoholischen Getränken.
Die verschiedenen Formen von Inositol
Es gibt neun verschiedene Inositol-Isomere, die sich in der räumlichen Anordnung ihrer Atome unterscheiden. Das bedeutendste Isomer ist Myo-Inositol, das oft synonym für Inositol verwendet wird.
Wo wird Inositol produziert?
Inositol wird hauptsächlich in den Nieren gebildet, aber auch in anderen Organen wie der Leber. Die höchsten Konzentrationen finden sich im Gehirn, wo es als Zwischenprodukt im Zellstoffwechsel anfällt.
Funktionen von Inositol im Körper
Inositol erfüllt zahlreiche wichtige Funktionen im Körper, darunter:
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- Fettstoffwechsel: Inositol spielt eine Rolle im Fettstoffwechsel.
- Hormonhaushalt: Inositol beeinflusst den Hormonhaushalt und kann bei Hormonstörungen eingesetzt werden, beispielsweise zur Unterstützung der Therapie des polyzystischen Ovarialsyndroms (PCOS).
Inositol und seine Anwendungsgebiete
Inositol hat sich in verschiedenen Bereichen als potenziell hilfreich erwiesen.
Therapie des polyzystischen Ovarialsyndroms (PCOS)
Das Haupteinsatzgebiet von Inositol ist die Therapie des PCOS, einer häufigen Hormonstörung bei Frauen im gebärfähigen Alter. PCOS ist ein vielschichtiges Krankheitsbild, das sich durch Symptome wie Akne, Haarausfall, vermehrte Körperbehaarung, Insulinresistenz, Übergewicht, Zysten in den Eierstöcken und einen erhöhten Androgenspiegel äußern kann. Häufig ist PCOS die Ursache für Unfruchtbarkeit.
Mehrere Studien haben vielversprechende Ergebnisse zur Inositoltherapie bei PCOS gezeigt, was dazu geführt hat, dass der Einsatz von Inositol in diesem Fall als sicher und effektiv eingestuft wird. Eine Auswertung von Studien ergab, dass Inositol die Menstruationszyklen regulieren und den Eisprung fördern konnte. Auch andere Beschwerden wie Übergewicht, Stoffwechselstörungen, Bluthochdruck oder eine erhöhte Insulinresistenz besserten sich.
Eine Studie der University of Insubria in Italien aus dem Jahr 2018 bestätigte ebenfalls die Wirksamkeit von Inositol bei PCOS. Die Behandlung verbesserte den Stoffwechsel- und Hormonstatus und stellte den Eisprung wieder her. Inositol wurde daher als attraktive Behandlungsoption bewertet.
Weitere Anwendungsgebiete
- In-vitro-Fertilisation: Chinesische Forscher zeigten bereits 2002, dass die Inosit-Konzentration in Eizellen, die im Rahmen einer In-vitro-Fertilisation einen höheren Reifungsgrad aufwiesen und befruchtet werden konnten, signifikant höher war.
- Spermienqualität: In einer doppelblinden randomisierten Studie konnte durch die Gabe von Inositol die Gesamtanzahl und die Beweglichkeit der Spermien bei Männern mit idiopathischer Infertilität erhöht werden.
- Insulinresistenz: In einer doppelblinden Studie mit PCOS-Patientinnen konnte gezeigt werden, dass Inositol in Kombination mit Folsäure die Insulinresistenz verbessern kann. Zusätzlich sanken ein zuvor erhöhter Blutdruck und die Blutfettwerte konnten positiv beeinflusst werden.
- Metabolisches Syndrom: Es gibt Hinweise darauf, dass Inositol eine interessante Einsatzmöglichkeit bei menopausalen Frauen mit metabolischem Syndrom darstellt, da es die Körperzellen wieder für die Wirkung des Insulins empfindlich macht.
- Krebstherapie: In-vitro- und Humanstudien haben gezeigt, dass bei Brusttumoren oft ein Inosit-Defizit vorliegt. Durch die Verabreichung von Inositol können die Nebenwirkungen einer Chemotherapie abgeschwächt und die Lebensqualität verbessert werden.
Inositol bei psychischen Erkrankungen
Obwohl anfängliche Untersuchungen vielversprechend waren, zeigte sich, dass die Einnahme von Inositol bei Schizophrenie und Alzheimer nicht hilfreich ist. Bei Zwangs- und Angststörungen sowie Depressionen hingegen konnten positive Effekte beobachtet werden, allerdings bei sehr hohen Dosen von täglich 12 g Inositol.
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Cholin: Ein essentieller Nährstoff
Cholin ist ein weiterer wichtiger Nährstoff, der eng mit den B-Vitaminen verwandt ist. Es ist essentiell für verschiedene Körperfunktionen, insbesondere für die Gesundheit des Gehirns und des Nervensystems.
Funktionen von Cholin im Körper
Cholin spielt eine entscheidende Rolle bei:
- Gehirnfunktion: Cholin ist ein wichtiger Baustein für den Neurotransmitter Acetylcholin, der für Gedächtnis, Lernen und Muskelkontrolle unerlässlich ist.
- Lebergesundheit: Cholin unterstützt den Fettstoffwechsel in der Leber und hilft, Fettansammlungen zu verhindern.
- Zellstruktur: Cholin ist Bestandteil von Phospholipiden, die wichtige Komponenten der Zellmembranen sind.
Cholin und die Wechseljahre
Mit sinkender Östrogenproduktion in den Wechseljahren sinkt auch die körpereigene Cholin-Produktion. Dies kann zu kognitiven Beeinträchtigungen und anderen gesundheitlichen Problemen führen.
Cholinreiche Lebensmittel
Cholin kommt natürlich in Eigelb, Fleisch, Sojabohnen und Kaviar vor.
Inositol und Cholin gegen Migräne: Gibt es einen Zusammenhang?
Obwohl die Forschungslage noch begrenzt ist, gibt es Hinweise darauf, dass Inositol und Cholin eine Rolle bei der Behandlung von Migräne spielen könnten.
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Mögliche Mechanismen
- Neurotransmitter: Inositol und Cholin beeinflussen die Funktion von Neurotransmittern im Gehirn, die bei der Entstehung von Migräne eine Rolle spielen könnten.
- Entzündungshemmung: Einige Studien deuten darauf hin, dass Inositol entzündungshemmende Eigenschaften besitzt, die bei der Linderung von Migräne hilfreich sein könnten.
- Gefäßregulation: Cholin kann die Funktion der Blutgefäße verbessern und so möglicherweise zur Vorbeugung von Migräne beitragen.
Studienlage
Bisher gibt es nur wenige Studien, die die Wirkung von Inositol und Cholin auf Migräne untersucht haben. Weitere Forschung ist erforderlich, um die potenziellen Vorteile dieser Nährstoffe bei der Behandlung von Migräne besser zu verstehen.
Wie man Inositol und Cholin einnimmt
Inositol und Cholin sind als Nahrungsergänzungsmittel erhältlich. Es ist wichtig, die Dosierungsempfehlungen des Herstellers zu beachten und vor der Einnahme einen Arzt oder Heilpraktiker zu konsultieren.
Dosierung von Inositol
In PCOS-Studien lagen die üblichen Dosierungen meist bei 2-mal je 2 g Inositol pro Tag, oft in Kombination mit Folsäure. Effective nature empfiehlt z. B. 2 g Inositol pro Tag.
Dosierung von Cholin
Die empfohlene Tagesdosis für Cholin variiert je nach Alter, Geschlecht und individuellen Bedürfnissen.
Nebenwirkungen
Inositol wird in der Regel gut vertragen. In Studien führte selbst eine sehr hohe Dosierung von 12 g pro Tag höchstens zu milden Nebenwirkungen wie Blähungen oder Durchfall. Die Forschung zur Wirkung von Inositol bei Leiden wie Depressionen, Tumoren oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen steckt jedoch noch in den Kinderschuhen, sodass die Sachlage zu den Nebenwirkungen bei diesen Einsatzgebieten noch begrenzt ist.
Fazit
Inositol und Cholin sind wichtige Nährstoffe mit vielfältigen Funktionen im Körper. Inositol hat sich insbesondere bei der Therapie des PCOS als wirksam erwiesen und könnte auch bei anderen Erkrankungen wie Insulinresistenz, metabolischem Syndrom und bestimmten Krebsarten eine Rolle spielen. Cholin ist essentiell für die Gesundheit des Gehirns und des Nervensystems. Obwohl die Forschungslage noch begrenzt ist, gibt es Hinweise darauf, dass Inositol und Cholin auch bei der Behandlung von Migräne hilfreich sein könnten. Es ist jedoch wichtig, vor der Einnahme von Inositol und Cholin als Nahrungsergänzungsmittel einen Arzt oder Heilpraktiker zu konsultieren.
Wichtige B-Vitamine und ihre Funktionen
Die B-Vitamine sind eine Gruppe von essentiellen Nährstoffen, die eine entscheidende Rolle für zahlreiche Körperfunktionen spielen. Hier ist eine Übersicht über einige der wichtigsten B-Vitamine und ihre Funktionen:
- Vitamin B1 (Thiamin): Wichtig für den Energiestoffwechsel und die Funktion des Nervensystems.
- Vitamin B2 (Riboflavin): Beteiligt am Energiestoffwechsel, schützt die Zellen vor oxidativem Stress und trägt zur Erhaltung normaler Sehkraft bei.
- Vitamin B3 (Niacin): Wichtig für den Energiestoffwechsel, die Funktion des Nervensystems und die Erhaltung normaler Haut.
- Vitamin B5 (Pantothensäure): Beteiligt am Energiestoffwechsel und der Synthese von Hormonen und Cholesterin.
- Vitamin B6 (Pyridoxin): Wichtig für den Protein- und Aminosäurestoffwechsel, die Bildung von Neurotransmittern und die Funktion des Immunsystems.
- Vitamin B7 (Biotin): Wichtig für den Energiestoffwechsel, die Funktion des Nervensystems, die Erhaltung normaler Haut und Haare.
- Vitamin B9 (Folat): Wichtig für die Zellteilung, die Blutbildung und die Entwicklung des Nervensystems beim Fötus.
- Vitamin B12 (Cobalamin): Wichtig für die Zellteilung, die Blutbildung und die Funktion des Nervensystems.
Die Bedeutung von Folat (Vitamin B11)
Folat, auch bekannt als Vitamin B11, ist ein essentieller Nährstoff, der eine entscheidende Rolle bei verschiedenen Körperfunktionen spielt. Es ist besonders wichtig für die Zellteilung, die Blutbildung und die Entwicklung des Nervensystems beim Fötus.
Folatstoffwechsel
Folat wird nach der Resorption in Tetrahydrofolat und danach in 5-Methyltetrahydrofolat (5-MTHF), die wichtigste aktive Form im Körper, umgewandelt. 5-MTHF fungiert als Methyldonor für die Remethylierung von Homocystein zu Methionin, das dann erneut in den universellen Methyldonor S-Adenosylmethionin umgesetzt werden kann. S-Adenosylmethionin (SAM) doniert Methylgruppen für die Bildung von DNA, RNA, Myelin, Kreatin, Membranphospholipiden, Proteinen und Neurotransmittern.
Folatmangel
Ein Folatmangel kann zu verschiedenen Gesundheitsproblemen führen, darunter Blutbildstörungen (megaloblastäre Anämie, Panzytopenie) und eine erhöhte Anfälligkeit für Infekte.
Folat in Lebensmitteln
Folat kommt in Lebensmitteln wie Gemüse (vor allem grünen Blattgemüsen), Obst, Bohnen, Innereien und Fleisch vor. Da Folat jedoch instabil und empfindlich gegenüber Licht, Sauerstoff, Lagerung und hohen Temperaturen ist, geht ein großer Teil des Folats bei der Zubereitung verloren.
Folat als Nahrungsergänzungsmittel
Aufgrund der Instabilität von Folat in Lebensmitteln ist es oft schwierig, ausreichend Folat aus der Nahrung zu gewinnen. Daher kann eine Supplementierung mit Folat sinnvoll sein. Vorzugsweise sollte 5-MTHF anstelle von Folsäure verwendet werden, da es effektiver ist und weniger Nebenwirkungen verursacht.
Die Rolle von Vitamin B12
Vitamin B12 ist ein essentieller Nährstoff, der eine bedeutende Rolle bei der DNA-Synthese, zellulären Reparaturprozessen, der Blutbildung und Hirnfunktion spielt. Ein abgesenkter Vitamin-B12-Status kann ein sehr breites Spektrum von Gesundheitsproblemen verursachen.
Vitamin B12-Formen
Vitamin B12 kommt in verschiedenen Formen vor, je nachdem welche Restgruppe an das zentrale Kobaltatom gebunden ist: Methyl-, Adenosyl-, Hydroxy- und Cyanocobalamin. Methyl- und Adenosylcobalamin sind die biologisch aktiven Formen, die dem Körper sofort zur Verfügung stehen.
Vitamin B12-Mangel
Schätzungsweise haben etwa 5 bis 10% der westeuropäischen Bevölkerung einen Vitamin-B12-Mangel, in der Gruppe der Älteren kann dieser Prozentanteil auf 20 bis 30% ansteigen.
Vitamin B12 als Nahrungsergänzungsmittel
Die Supplementierung mit Methyl- und Adenosylcobalamin ist effektiver als die mit Cyanocobalamin, da mehr Cobalamin in der Leber gespeichert und weniger Cobalamin mit dem Urin aus dem Körper ausgeschieden wird.
Vitamin B6 und seine vielfältigen Funktionen
Vitamin B6 ist an über 100 Enzymreaktionen im Körper beteiligt, die vor allem mit der Energieproduktion und dem Fett- und Proteinstoffwechsel in Verbindung stehen. Vitamin B6 trägt zur Absenkung des Homocystein- und Cholesterolspiegels bei und hat dadurch eine positive Wirkung auf Herz und Blutgefäße und den Hirnstoffwechsel. Auch an der Bildung von Hämoglobin, Myoglobin, Nukleinsäuren (DNA, RNA) und Neurotransmittern wie z. B Serotonin und GABA ist Vitamin B6 beteiligt.
Vitamin B6-Mangel
Ein Vitamin-B6-Mangel erhöht den Homocysteinspiegel und kann Rhagaden in Lippen und Mundwinkeln (Cheilitis), eine entzündete Zunge, seborrhoische Ekzeme, periphere Neuropathie, Mattigkeit, Depressionen, eine Verschlechterung der kognitiven Fähigkeiten, verminderte Widerstandskraft, Migräne und Blutarmut verursachen.
Vitamin B6 als Nahrungsergänzungsmittel
Um eine gute Vitamin-B6-Zufuhr zu gewährleisten, wird die Einnahme eines Multi-Präparats oder Vitamin-B-Komplexes mit Vitamin B6 (vorzugsweise in Form von Pyridoxal-5’-phosphat) empfohlen.
Weitere wichtige Nährstoffe für Frauen ab 40
Die Wechseljahre gehen mit vielen Änderungen im Körper und Stoffwechsel einher, die neue Anforderungen an die Nährstoffversorgung stellen. Hier sind einige weitere wichtige Nährstoffe für Frauen ab 40:
- Vitamin D: Wichtig für Knochen und Stimmung, aber auch für ein gesundes Immunsystem.
- Vitamin K2: Spielt gemeinsam mit Magnesium und Kalzium eine wichtige Rolle für die Knochengesundheit.
- Magnesium: Ein Allround-Talent für Muskelentspannung, Schlaf, Stimmung und Psyche, Stress-Resistenz.
- Kalzium: Schützt vor Osteoporose und Herzerkrankungen.
- Eisen: Wichtig für die Blutbildung und den Energietransport.
- Zink: Stärkt das Immunsystem, ist ein Antioxidans und wirkt entzündungshemmend.
- Omega-3-Fettsäuren: Haben positive Effekte auf die Frequenz von Hitzewallungen, Angstzustände, depressive Stimmung und den Gehirnnebel.
- Selen: Stärkt die Abwehrkräfte, schützt die Zellen vor Stress und hilft der Schilddrüse.
Adaptogene: Natürliche Helfer gegen Stress
Adaptogene sind natürliche Verbindungen, oft Kräuter, Wurzeln oder Pilze, die dem Körper helfen, sich an Stresssituationen anzupassen. Sie sind sinnvoll bei Ermüdung und Müdigkeit, zur Stärkung gegen Stress, für erhöhte geistige Leistungsfähigkeit und Aufmerksamkeit. Zu den Adaptogenen zählen Ashwagandha, Ginseng, Igelstachelbart Pilz, Maca, Camu Camu, Chaga, Cordyceps Pilz, Ginkgo (Bilboa), Indische Stachelbeere, Maitake Pilz, Reishi Pilz, Tulsi, Schisandra, Rhodiola Rosea (Rosenwurz), Shatavari und viele mehr.
Tipps für eine optimale Nährstoffversorgung
- Regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen: Lasse regelmäßig die wichtigsten Blutwerte kontrollieren.
- Ausgewogene Ernährung: Versorge den Körper täglich mit einer möglichst bunten Vielfalt an Vitalstoffen aus Obst, Gemüse, Hülsenfrüchten, Vollkorn und Nüssen und Samen.
- Gezielte Supplementierung: Ergänze gezielt mit hochwertigen Nahrungsergänzungsmitteln, wo es mangelt.
- Achte auf die Qualität der Nahrungsergänzungen: Sie sollten frei von jeglichen Zusätzen sein und aus zuverlässigen Quellen stammen.