Inositol, einst als Vitamin B8 betrachtet, wird heute als Vitaminoid eingestuft, da der Körper es selbst aus Glukose synthetisieren kann. Chemisch gesehen gehört Inositol zur Gruppe der Alkohole, hat aber keine berauschende Wirkung. Es existieren neun verschiedene Isomere, wobei Myo-Inositol das bedeutendste ist. Inositol erfüllt diverse Funktionen im Körper, insbesondere im Fettstoffwechsel und Hormonhaushalt. Besonders hohe Konzentrationen finden sich im Gehirn, wo es am Zellstoffwechsel beteiligt ist.
Inositol und seine vielfältigen Formen
Inositol, auch bekannt als Inosit oder Cyclohexanhexol, ist ein Vitaminoid, das eine wichtige Rolle im Körper spielt. Es existieren neun Isomere, die sich in ihrer räumlichen Anordnung unterscheiden, wobei Myo-Inositol die bedeutendste Form darstellt. Der Körper kann Inositol selbst aus Glukose herstellen, hauptsächlich in den Nieren, aber auch in anderen Organen wie der Leber. Die höchsten Konzentrationen finden sich im Gehirn, was auf seine Bedeutung für die Gehirnfunktion hinweist.
Inositol im Gehirn: Ein wichtiger Botenstoff
Im Gehirn fungiert Inositol als Botenstoff und ist an der Signalübertragung zwischen den Nervenzellen beteiligt. Es unterstützt die Kommunikation der Nervenzellen und wirkt sich positiv auf Stimmung und mentale Balance aus. Studien haben gezeigt, dass Inositol die Informationsweiterleitung im Gehirn verbessert, was sich positiv auf die mentale Leistungsfähigkeit auswirken kann. Es kursiert zwischen den Gehirnzellen und leitet so als Botenstoff die Informationen weiter. Es ist wichtig, dass diese Weiterleitung einwandfrei funktioniert. Dadurch gelangen also Informationen dahin, wo sie sollen und sorgen für eine adäquate Reaktion.
Inositol bei psychischen Erkrankungen
Obwohl frühe Untersuchungen nahelegten, dass Inositol bei Schizophrenie und Alzheimer hilfreich sein könnte, bestätigten sich diese Ergebnisse nicht. Allerdings zeigten Studien positive Effekte bei der Behandlung von Zwangs- und Angststörungen sowie Depressionen, wobei hohe Dosen von täglich 12 g Inositol eingesetzt wurden.
Inositol und PCOS: Eine vielversprechende Therapieoption
Das Haupteinsatzgebiet von Inositol ist die Therapie des polyzystischen Ovarialsyndroms (PCOS), der häufigsten Hormonstörung bei Frauen im gebärfähigen Alter. Inositol kann die Menstruationszyklen regulieren, den Eisprung fördern und Beschwerden wie Übergewicht, Stoffwechselstörungen, Bluthochdruck und Insulinresistenz verbessern. Studien haben gezeigt, dass Inositol den Stoffwechsel- und Hormonstatus bei PCOS-Patientinnen verbessern und den Eisprung wiederherstellen kann.
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Wirksamkeit bei Kinderwunschbehandlung
Chinesische Forscher fanden bereits 2002 heraus, dass die Inosit-Konzentration in Eizellen, die im Rahmen einer In-vitro-Fertilisation (IVF) einen höheren Reifungsgrad aufwiesen und befruchtet werden konnten, signifikant höher war. Dies deutet darauf hin, dass Inositol eine wichtige Rolle bei der Eizellreifung spielen könnte.
Verbesserung der Spermienqualität
Auch in Bezug auf die Spermienqualität gibt es vielversprechende Forschungsergebnisse. Eine doppelblinde, randomisierte Studie zeigte, dass die Gabe von Inositol die Gesamtanzahl und Beweglichkeit der Spermien bei Männern mit idiopathischer Infertilität erhöhen konnte.
Inositol und Insulinresistenz
Häufig liegt bei Frauen mit PCOS eine Insulinresistenz vor, die eine wichtige Rolle bei der Entwicklung der Erkrankung spielt. Inositol kann die Insulinsensitivität verbessern und den Blutzuckerspiegel stabilisieren. Eine doppelblinde Studie mit PCOS-Patientinnen zeigte, dass die tägliche Einnahme von 4 g Inositol und 400 µg Folsäure zu einer Verbesserung der Insulinresistenz führte. Zusätzlich sank ein zuvor erhöhter Blutdruck, und auch die Blutfettwerte konnten positiv beeinflusst werden.
Prävention des metabolischen Syndroms
Bei 30 bis 50 Prozent aller Frauen, die in der fruchtbaren Phase ein PCOS mit einer entsprechenden Insulinresistenz aufweisen, entwickelt sich spätestens in der Menopause ein metabolisches Syndrom. Inositol könnte hier eine interessante Einsatzmöglichkeit darstellen, da es die Körperzellen wieder für die Wirkung des Insulins empfindlich macht.
Inositol in der Krebstherapie
In der Krebstherapie wird Inositol ebenfalls immer häufiger eingesetzt. In-vitro- und Humanstudien haben gezeigt, dass bei Brusttumoren oft ein Inosit-Defizit vorliegt. Eine kroatische, placebokontrollierte Studie mit Brustkrebspatientinnen ergab, dass die Verabreichung von Inositol die Nebenwirkungen einer Chemotherapie abschwächen und die Lebensqualität verbessern konnte.
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Inositol-Aufnahme und -Dosierung
Inositol wird zum einen vom Körper selbst gebildet, zum anderen über die Nahrung aufgenommen. Viel Phytinsäure, die als Speicher für Inositol und Phosphat dient, kommt in den Randschichten und im Keimling von Getreidekörnern sowie in Leguminosen und Ölsaaten vor. Menschen in Industrieländern nehmen aber im Schnitt pro Tag lediglich 1 g Inositol auf, oft viel weniger. Eine ballaststoffarme Ernährung kann dazu führen, dass wertvolle Inositol-Quellen nicht genutzt werden.
Nahrungsergänzung mit Inositol
Bei Studien wird die Wirksamkeit von Inositol in der Regel mit Nahrungsergänzungsmitteln getestet, da dadurch eine größere Menge Inositol aufgenommen werden kann. Die üblichen Dosierungen bei PCOS-Studien lagen meist bei 2-mal je 2 g Inositol pro Tag, zusätzlich zu 2-mal täglich je 200 µg Folsäure. Es wird empfohlen, die Dosierung vor der Einnahme mit einem Arzt oder Heilpraktiker zu besprechen und mit einer niedrigeren Dosis zu beginnen.
Nebenwirkungen von Inositol
Inositol wird in der Regel gut vertragen. Ein Review ergab, dass selbst bei einer sehr hohen Dosierung von 12 g pro Tag höchstens milde Nebenwirkungen wie Blähungen oder Durchfall auftraten. Für die begleitende Therapie des PCOS wurde Inositol bereits als sicher eingestuft.
Myo-Inositol: Ein zellulärer Signalverstärker
Myo-Inositol wirkt direkt auf hormonelle Prozesse - etwa bei PCOS, Zyklusunregelmäßigkeiten oder Fertilitätsstörungen - und zeigt dabei erstaunliche Erfolge. Auch im Gehirn erfüllt es wichtige Aufgaben: Es unterstützt die Kommunikation von Nervenzellen und wirkt sich positiv auf Stimmung und mentale Balance aus.
Inositol und Biomembranen
Inositol ist ein Baustein der Biomembranen, die ganz wichtig für die Zellen sind. Sie bieten den Zellen Schutz und Stabilität. Ein wichtiges Isomer des Inositols, das Phosphatidylinositol, ist wichtig, damit die Zellen in ihren vielfältigen Aufgaben nicht von externen Faktoren gestört werden.
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Inositol im Zusammenhang mit Muttermilch
Forschende haben einen Zusammenhang zwischen dem in der Muttermilch enthaltenen Zuckermolekül Myo-Inositol und der Hirnentwicklung des Babys entdeckt. Demnach ist dieser Mikronährstoff vor allem während der ersten Monate der Stillzeit hoch dosiert in der Muttermilch zu finden - genau dann, wenn sich auch die neuronalen Verbindungen im Gehirn des Kindes besonders schnell entwickeln.
Inositol und Cholin: Ein starkes Team für die Gesundheit
Cholin und Inositol arbeiten beide sehr eng mit den B-Vitaminen zusammen und werden auch als Co-Faktoren der B-Gruppe oder schlichtweg als so genannte „Vitaminoide” bezeichnet. Die Wirkmechanismen von Cholin und Inositol greifen in nahezu perfekter Weise ineinander, insbesondere wenn es um die bessere Verwertung von Fetten im Cholesterinstoffwechsel geht oder wenn der Wunsch besteht, die geistige Leistungsfähigkeit zu erhalten und zu steigern.
Cholin und Inositol für die Lebergesundheit
Cholin ist eine lipotrope Substanz und besitzt die Fähigkeit, Fettmoleküle zu verflüssigen und zu transportieren. Bei einem Cholinmangel kommt es daher zu einer gefährlichen Anhäufung von Fett in der Leber. Inositol trägt im Zusammenspiel mit Cholin dazu bei, mehr Cholesterin aus den Blutbahnen hinaus in die Körperzellen hinein zu transportieren.
Cholin und Inositol für die Gehirnfunktion
Einer der wichtigsten Neurotransmitter für unser gesamtes Denk-, Lern- und Erinnerungsvermögen ist das Acetylcholin, das aus Cholin und einer daran gebundenen Acetylgruppe besteht. Inositol fungiert als sekundärer Botenstoff bei der Übertragung von Nervensignalen und beeinflusst dadurch die Signalweiterleitung durch andere wichtige Hirn-Botenstoffe.