Citalopram Absetzen und Migräne: Ein umfassender Leitfaden

Depressionen sind weit verbreitete Erkrankungen, die oft in ihrem Schweregrad unterschätzt werden. Etwa jeder fünfte Deutsche leidet unter depressiven Symptomen, wobei es sich in den meisten Fällen um vorübergehende Zustände handelt. Länger anhaltende und tiefgreifende Depressionen erfordern jedoch eine Behandlung, die sowohl Psychotherapie als auch Medikamente umfassen kann. Ein häufig verwendetes Antidepressivum ist Citalopram. Dieser Artikel beleuchtet die Anwendung, Wirkung, Nebenwirkungen und insbesondere das Absetzen von Citalopram im Zusammenhang mit Migräne und anderen Begleiterkrankungen.

Was ist Citalopram?

Citalopram gehört zur Klasse der selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI). Serotonin ist ein körpereigener Botenstoff, der für den Informationsaustausch im Nervensystem verantwortlich ist und viele Prozesse beeinflusst, darunter auch Emotionen. Bei Depressionen ist der Serotonin-Haushalt oft gestört. SSRI-Medikamente sollen diesen Haushalt wieder ins Gleichgewicht bringen und so die Depression verbessern.

In Deutschland wird Citalopram von verschiedenen Herstellern angeboten, unter anderem unter den Namen Cipramil und Citalon. Die gängige Darreichungsform sind Filmtabletten in Dosierungen von 10, 20, 30 und 40 mg pro Tag, aber es gibt auch Tropfen und Infusionslösungen. In der Regel beginnt man mit einer niedrigen Dosis von 10 mg pro Tag, die dann schrittweise erhöht wird. Die maximale Dosis beträgt 40 mg, bei älteren Menschen 20 mg.

Wie wirkt Citalopram?

Der Wirkstoff Citalopramhydrobromid greift in den Neurotransmitter-Stoffwechsel im Gehirn ein. Er hemmt die Aufnahme von Serotonin in die Nervenzellen, wodurch sich die Serotonin-Konzentration im synaptischen Spalt erhöht. Bei Depressionen ist oft zu wenig freies Serotonin vorhanden, und Citalopram gleicht dieses Defizit aus.

Es dauert etwa zwei bis vier Wochen, bis sich die Befindlichkeit deutlich verbessert, manchmal auch bis zu sechs Wochen. Citalopram darf nicht abrupt abgesetzt werden, da dies zu heftigen Gegenreaktionen führen kann. Die ursprüngliche depressive Symptomatik kann verstärkt wieder auftreten (Rebound-Effekt). Daher wird das Medikament ebenso ausgeschlichen, wie es eingeschlichen wurde, wobei der Wirkstoff-Spiegel allmählich abgesenkt wird.

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Nebenwirkungen und Wechselwirkungen von Citalopram

Citalopram gilt als gut verträglich, kann aber dennoch Nebenwirkungen haben, insbesondere in den ersten Wochen der Einnahme. Dazu gehören vermehrtes Schwitzen, Durchfall und Schlaflosigkeit. Da der Wirkstoff über die Leber abgebaut wird, kann es bei längerer Einnahme (länger als ein Jahr) zu einer Beeinträchtigung der Leberfunktion kommen, insbesondere bei älteren Menschen. Daher sollten die Leberwerte während einer längeren Behandlung überwacht werden.

Eine der stärksten Wechselwirkungen besteht zwischen Citalopram und Alkohol, da Citalopram die Alkohol-Empfindlichkeit erhöhen kann. Auch die gleichzeitige Einnahme von MAO-Hemmern ist kontraindiziert. Während der Behandlung mit Citalopram sollte möglichst auf andere Medikamente verzichtet werden, die sich ebenfalls auf den Serotonin-Haushalt auswirken.

Citalopram kann den Herzschlag verändern und die QT-Zeit verlängern, was im Extremfall zu Herzrhythmusstörungen führen kann. Es darf daher nicht gleichzeitig mit Medikamenten eingenommen werden, die ebenfalls die QT-Zeit verlängern, wie bestimmte Antibiotika, Asthma-Mittel und Erkältungsmittel.

Citalopram in der Schwangerschaft

Obwohl bisher keine negativen Auswirkungen von Citalopram auf das ungeborene Kind nachgewiesen wurden, sollte das Medikament während der Schwangerschaft möglichst vermieden werden, da die Wirkstoffe auch den Fötus erreichen. Eine sorgfältige Nutzen-Risiko-Abwägung und ärztliche Absprache sind erforderlich.

Antidepressiva und Absetzsymptome

Antidepressiva werden häufig zur Behandlung von Depressionen, Angst- und Zwangsstörungen eingesetzt. Sie sind jedoch umstritten, vor allem wegen der Absetzsymptome, die am Ende der Therapie auftreten können. Eine Studie in der Fachzeitschrift The Lancet Psychiatry zeigt, dass jede sechste bis siebte Person, die Antidepressiva einnimmt, nach dem Absetzen mindestens ein Symptom entwickelt.

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Wann kann ich die Antidepressiva absetzen?

Antidepressiva sollten nach dem Verschwinden depressiver Symptome noch mindestens vier bis neun Monate lang eingenommen werden. Der richtige Zeitpunkt für das Ausschleichen des Medikaments wird gemeinsam mit dem behandelnden Arzt entschieden.

Wie sollte das Ausschleichen ablaufen?

Wie man Antidepressiva am besten ausschleicht, ist von Fall zu Fall verschieden. Es gibt verschiedene Szenarien:

  • Bei kurzer Einnahme (maximal drei bis vier Wochen) kann das Medikament in Rücksprache mit dem Arzt schnell wieder abgesetzt werden.
  • Bei längerer Einnahme, aber extrem unangenehmen Nebenwirkungen, kann auf das Risiko von Absetzsymptomen keine Rücksicht genommen werden und die Einnahme ist ebenfalls schnell zu beenden.
  • Wenn das Antidepressivum nach längerer Einnahme beendet werden soll, weil es nicht ausreichend wirkt, sollte die Zeit des Ausschleichens etwa vier bis sechs Wochen betragen.
  • Generell gilt: Nicht hetzen beim Absetzen. Antidepressiva werden langsam über zwei bis drei Monate ausgeschlichen, in Abhängigkeit der klinischen Symptome gegebenenfalls auch noch behutsamer.

Beim Ausschleichen ist es wichtig, die Dosis gegen Ende nur sehr langsam und vorsichtig zu reduzieren. Anfangs kann man noch mutiger vorgehen, aber gegen Ende sollte man immer kleinschrittiger werden.

Was tun bei Beschwerden?

Bei typischen Absetzsymptomen handelt es sich meist um leicht ausgeprägte Beschwerden, die sich in den allermeisten Fällen nach etwa zwei Wochen wieder gelegt haben. Dazu gehören Schwindel, Kopfschmerzen, grippeähnliche Symptome, Übelkeit, Schlafstörungen, Ängstlichkeit oder Reizbarkeit.

Der erste Schritt ist immer das Gespräch mit dem Arzt. Dieser sollte schon zu Beginn des Ausschleichens ausführlich aufklären - auch über seltene Absetzsymptome. Besonders wichtig ist, nicht wieder zur ursprünglichen Dosis des Medikaments zurückzukehren, sondern immer nur auf die letzte Stufe zurückzugehen und danach mit verlangsamtem Tempo weiter zu reduzieren.

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Unterscheiden sich die Absetzsymptome bei verschiedenen Wirkstoffen?

Beim Absetzen von Antidepressiva mit den Wirkstoffen Venlafaxin und Paroxetin kann es etwas häufiger zu Symptomen kommen als bei anderen Wirkstoffen.

Machen Antidepressiva abhängig?

Obwohl oft von Entzugssymptomen gesprochen wird, machen Antidepressiva im eigentlichen Sinne nicht abhängig. Um von einer Abhängigkeit zu sprechen, braucht es mehr: das unstillbare Verlangen nach der Substanz, die Notwendigkeit, die Dosis zu erhöhen, heimliche Einnahme usw. All das trifft bei der Einnahme von Antidepressiva nicht zu.

Wie können Apotheken beim Absetzen unterstützen?

Apotheker können während des Ausschleichens sehr gut helfen, besonders gegen Ende des Absetzens, wenn die Dosierungen immer geringer werden und man mit Tablettenteilen nicht weiterkommt. Hier wird eine Feinwaage benötigt, wie sie in Apotheken vorhanden ist. Bei Tropfenform kann die Dosierung so niedrig werden, dass man weniger als einen Tropfen nehmen muss.

Antidepressiva-Absetzsyndrom: Symptome und Behandlung

Wird eine Behandlung mit Antidepressiva abgebrochen oder die Dosis reduziert, kann es innerhalb einer Woche zum sogenannten Absetzsyndrom kommen. Die Symptome können denen eines grippalen Infekts ähneln, aber es können auch weitere sehr unterschiedliche Beschwerden auftreten.

Symptome des Absetzsyndroms

Die häufigsten Beschwerden sind:

  • Schwindel, Benommenheit
  • Gleichgewichtsstörungen
  • Abgeschlagenheit
  • Kopfschmerzen
  • Übelkeit, Erbrechen
  • Schlafstörungen bis zur Schlaflosigkeit, Albträume
  • Stromschlagähnliche Missempfindungen
  • Reizbarkeit, Angst, starke Unruhe

Die Symptome stehen in einem zeitlichen Zusammenhang mit dem Absetzen der Medikamente und treten vorübergehend auf. Meist bilden sie sich von selbst innerhalb von 2-6 Wochen zurück. In der Regel bessern sich die Symptome schnell, wenn die verordneten Medikamente wieder eingenommen werden.

Ursachen und Häufigkeit

Die Ursache des Absetzsyndroms ist nicht mit Sicherheit geklärt, aber es scheint einen Zusammenhang mit der Behandlungsdauer und der Art des verwendeten Antidepressivums zu geben. Die Häufigkeit schwankt in verschiedenen Studien zwischen 1 % und 86 %.

Was tun bei Verdacht auf ein Absetzsyndrom?

Wenn Ihnen Antidepressiva verschrieben wurden und Sie die Dosis verändert haben, weisen die genannten Symptome auf ein Absetzsyndrom hin. Wichtig ist eine ausführliche Aufklärung und Information über den Verlauf eines Absetzsyndroms.

Aufklärung vor Beginn der Behandlung

Ärzte sollten zu Beginn einer Therapie mit Antidepressiva darauf hinweisen, die Medikamente nicht zu früh abzusetzen. Es wird empfohlen, die Symptome so lange zu behandeln, bis es zu einer deutlichen Besserung kommt, und dann mindestens noch ein halbes Jahr darüber hinaus.

Absetzen von Antidepressiva

Antidepressiva sollten nicht schlagartig abgesetzt, sondern schrittweise „ausgeschlichen“ werden. Um eine wiederkehrende Depression oder ein Absetzsyndrom zu vermeiden, sollte das Ausschleichen schrittweise über mindestens 8-12 Wochen erfolgen. Besprechen Sie jede Änderung der Dosis immer mit Ihrem Arzt.

Tritt ein Absetzsyndrom auf, sollten die Patienten darüber informiert werden, dass es sich in der Regel um einen vorübergehenden und nicht gefährlichen oder lebensbedrohlichen Zustand handelt, der ca. 2 Wochen anhalten kann.

Citalopram und Migräne

Migräne ist eine neurologische Erkrankung, die oft von Kopfschmerzen, Übelkeit und Lichtempfindlichkeit begleitet wird. Bei Migräne-Patienten liegen häufig zusätzlich Angst- und Schlafstörungen oder Depressionen vor.

Medikamentöse Migräneprophylaxe

Die medikamentöse Migräneprophylaxe, die in erster Linie mit Betablockern, Antiepileptika und Antidepressiva erfolgt, wirkt besser, wenn kein Medikamentenübergebrauch für Kopfschmerzen besteht. Bei Migräne-Patienten mit Medikamentenübergebrauch ist das Antiepileptikum Topiramat prophylaktisch gut wirksam.

Günstig bei chronischer Migräne ist die zusätzliche antidepressive Behandlung, etwa mit Citalopram oder Venlafaxin, und wenn Schlafstörungen bestehen mit einem schlafanstoßenden Mittel wie Doxepin. Entscheidend ist dabei die Defokussierung vom Schmerz.

Citalopram: Anwendung und Wirkmechanismus

Citalopram ist ein selektiver Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI) mit folgenden Anwendungsgebieten:

  • Behandlung von Episoden einer Major Depression
  • Behandlung von Panikstörungen mit oder ohne Agoraphobie
  • Behandlung von Zwangsstörungen und generalisierte Angststörungen

Die Wirkung beruht auf einer kompetitiven Hemmung des Serotonintransporters, wodurch die Konzentration an Serotonin in der Präsynapse erhöht wird.

Pharmakokinetik von Citalopram

Citalopram wird nach oraler Gabe nahezu vollständig resorbiert, unabhängig von der Nahrungsaufnahme. Die maximale Plasmakonzentration wird durchschnittlich nach 3 Stunden erreicht. Die Bioverfügbarkeit beträgt etwa 80%. Citalopram wird zu Demethylcitalopram, Didemethylcitalopram, Citalopram-N-Oxid und einem inaktiven desaminierten Propionsäurederivat verstoffwechselt. Die Elimination erfolgt zu 85% über die Leber und zu 15% über die Nieren. Die Eliminationshalbwertszeit beträgt etwa 1,5 Tage.

Dosierung von Citalopram

Die Dosierung von Citalopram variiert je nach Anwendungsgebiet und Patient.

  • Behandlung von Depressionen: Anfangsdosis 20 mg pro Tag, Maximaldosis 40 mg pro Tag.
  • Behandlung von Panikstörungen: Erste Woche 10 mg pro Tag, danach Erhöhung auf 20 mg pro Tag, Maximaldosis 40 mg pro Tag.
  • Ältere Patienten: Anfangsdosis 10 - 20 mg pro Tag, Maximaldosis 20 mg pro Tag.
  • Leberinsuffizienz: Anfangsdosis 10 mg pro Tag in den ersten zwei Wochen, Maximaldosis 20 mg pro Tag.

Nebenwirkungen von Citalopram

Die unter der Therapie mit Citalopram beobachteten Nebenwirkungen sind in der Regel leicht und vorübergehend. Sie treten besonders in den ersten zwei Behandlungswochen auf und lassen mit der Besserung der Depression gewöhnlich nach.

Sehr häufige Nebenwirkungen (≥ 1/10):

  • Schläfrigkeit, Schlaflosigkeit
  • Kopfschmerzen
  • Tremor
  • Mundtrockenheit
  • Übelkeit
  • Vermehrtes Schwitzen
  • Asthenie (Schwäche)

Wechselwirkungen von Citalopram

Folgende Wechselwirkungen sind bei der Anwendung von Citalopram zu beachten:

  • Serotonin-Syndrom: Kann z.B. bei Kombination von Citalopram mit Moclobemid oder Buspiron auftreten.
  • MAO-Hemmer: Die gleichzeitige Anwendung kann zu schweren Nebenwirkungen einschließlich Serotonin-Syndrom führen.
  • QT-Intervall-Verlängerung: Die gleichzeitige Anwendung mit Arzneimitteln, die das QT-Intervall verlängern, sollte vermieden werden.
  • Johanniskraut: Erhöhtes Risiko für Nebenwirkungen; die Kombination sollte vermieden werden.

Kontraindikationen von Citalopram

Citalopram darf nicht angewendet werden bei:

  • Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff
  • Anwendung von Monoaminoxidase-Hemmern
  • gleichzeitiger Behandlung mit Pimozid
  • Patienten mit bekannter Verlängerung des QT-Intervalls oder angeborenem Long-QT-Syndrom
  • gleichzeitiger Anwendung von Arzneimitteln, für die bekannt ist, dass sie zu einer Verlängerung des QT-Intervalls führen.

Besondere Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen für die Anwendung

  • Serotonin-Syndrom: Bei Verdacht muss Citalopram abgesetzt und eine symptomatische Behandlung eingeleitet werden.
  • Verlängerung des QT-Intervalls: Vorsicht bei Patienten mit Herzerkrankungen.
  • Anwendung bei Kindern und Jugendlichen: Citalopram sollte nicht zur Behandlung von Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren angewendet werden, da es das Risiko für suizidales Verhalten erhöhen kann.
  • Leberfunktionsstörungen: Bei schweren Leberfunktionsstörungen ist Vorsicht geboten und die Dosierung muss angepasst werden.
  • Niereninsuffizienz: Bei stark eingeschränkter Nierenfunktion wird die Anwendung von Citalopram nicht empfohlen.
  • Absetzreaktionen: Symptome wie Schwindel, Schlafstörungen, Übelkeit und Reizbarkeit können beim Absetzen auftreten. Eine schrittweise Reduktion der Dosis wird empfohlen.

Alternativen zu Citalopram

Neben Citalopram sind weitere SSRI auf dem deutschen Markt zugelassen:

  • Escitalopram
  • Fluoxetin
  • Fluvoxamin
  • Paroxetin
  • Sertralin

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