Codein Tabletten zur Behandlung von Nervenschmerzen: Anwendung, Wirkung und Risiken

Nervenschmerzen, auch neuropathische Schmerzen genannt, sind ein weit verbreitetes Problem, von dem allein in Deutschland etwa 300.000 Menschen betroffen sind. Sie entstehen durch Schädigungen, Verletzungen oder Erkrankungen von Nervenstrukturen. Ursachen können Operationen, Unfälle, Multiple Sklerose oder Diabetes sein. Typisch für Nervenschmerzen ist eine veränderte Hautsensibilität, bei der Betroffene Reize entweder besonders intensiv oder nur noch sehr schwach wahrnehmen. Auch Kribbeln, brennende oder stechende Schmerzen sind häufige Symptome.

Codein ist ein Wirkstoff aus der Gruppe der Opioide, der sowohl husten- als auch schmerzlindernde Eigenschaften besitzt. Es wird hauptsächlich bei trockenem Reizhusten verschrieben, kann aber in Kombination mit Paracetamol auch als Schmerzmittel, einschließlich zur Behandlung von Nervenschmerzen, eingesetzt werden. Allerdings ist die Anwendung von Codein, insbesondere bei Nervenschmerzen, nicht unumstritten und sollte nur nach sorgfältiger Abwägung der Nutzen und Risiken erfolgen.

Was ist Codein?

Codein ist ein natürlich vorkommender chemischer Wirkstoff, der in der Medizin als Arzneistoff eingesetzt wird. Er findet sich auf der Liste der unentbehrlichen Arzneimittel der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Der Wirkstoff ist ein starkes Schmerzmittel aus der Gruppe der Opiate und ein Derivat von Morphin. Die natürliche Quelle dieser Substanz ist im Milchsaft des Schlafmohns (lat. Papaver somniferum).

Codein wirkt dosisabhängig zentral dämpfend, analgetisch (schmerzlindernd), antitussiv (hustenstillend) und beruhigend. Wie alle Opiate bindet auch Codein an Opioid-Rezeptoren im zentralen Nervensystem, was die Signal- und Reizübertragung beeinflusst und zu einer Hemmung des Hustenreizes im Hirnstamm führt. Verglichen mit anderen Opioiden ist die Affinität von Codein zu den Opiat-Rezeptoren jedoch niedriger. Die eigentliche husten- und schmerzlindernde Wirkung entfaltet sich erst nach der Verstoffwechslung in der Leber, bei der der Metabolit Morphin aus Codein freigesetzt wird.

Anwendungsgebiete von Codein

Codein wird hauptsächlich zur Therapie von trockenem Reizhusten angewendet, da es den Hustenreflex dämpft, indem es das Hustenzentrum im Stammhirn hemmt. In diesem Fall ist es wichtig, dass es nur bei Reizhusten eingesetzt wird, nicht bei produktivem Husten mit Auswurf, da es sonst das Abhusten des Schleims behindern würde. Codein eignet sich auch hervorragend für Kombinationen mit anderen Substanzen zur Schmerzlinderung, da es selbst keine starke schmerzlindernde Wirkung hat.

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Die Anwendungsgebiete der Wirkstoffkombination Paracetamol + Codein umfassen mäßige Schmerzen, wie zum Beispiel Kopfschmerzen oder Regelschmerzen, aber auch starke Schmerzen, etwa bei Angina Pectoris oder nach einem Herzinfarkt.

Wirkungsweise von Codein

Codein beeinflusst die Reizübertragung im Gehirn. Während der Metabolisierung wird unter Einwirkung eines Enzyms aus Codein Morphin herausgelöst. Da es bei diesem Enzym genetisch bedingte individuelle Unterschiede gibt, kann die Freisetzung bei verschiedenen Menschen schneller oder langsamer erfolgen. Dies kann nicht nur den Wirkungseintritt beeinflussen, sondern auch das Risiko einer Überdosierung erhöhen.

Paracetamol gehört zu den nicht-opioiden Schmerzmitteln und wirkt schmerzhemmend und fiebersenkend, jedoch nur schwach entzündungshemmend. Es hemmt die Produktion von Prostaglandinen (entzündungsverursachende Botenstoffe) im Gehirn stärker als in anderen Körpergeweben und beeinflusst so die Schmerzwahrnehmung. Zudem hemmt Paracetamol den Effekt fiebererzeugender Stoffe auf das Zentrum der Temperaturregulation im Hirnstamm, was die fiebersenkende Wirkung erklärt.

Dosierung und Darreichungsformen

Codein ist in verschiedenen Darreichungsformen erhältlich, darunter Tabletten, Kapseln, Dragees, Tropfen, Brausetabletten, Sirup und Zäpfchen. Die Dosierung ist individuell und sollte immer so gering wie möglich und für die kürzeste notwendige Zeit erfolgen. Es ist wichtig, die Dosierung gemäß der jeweiligen Darreichungsform zu beachten.

Als Richtlinie bei Reizhusten gilt: 15-44 mg Codein alle sechs bis acht Stunden, maximal bis zu 100 mg, wobei 200 mg pro Tag nicht überschritten werden sollten. Bei Retard-Formen, die sich langsam auflösen und nur morgens und abends eingenommen werden müssen, sollte die Tageshöchstdosis unter 150 mg liegen.

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Gegenanzeigen und Warnhinweise

Codein darf in folgenden Fällen nicht angewendet werden:

  • Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder einen der anderen Bestandteile des Medikaments
  • unzureichende Atemleistung (Ateminsuffizienz) oder beeinträchtigte Atemsteuerung (Atemdepression)
  • Lungenentzündung
  • akuter Asthmaanfall
  • Kinder unter zwölf Jahren
  • nahende Geburt oder drohende Frühgeburt
  • Patienten, die bekanntermaßen "ultraschnelle CYP2D6-Metabolisierer" sind, also Codein sehr schnell in Morphin umwandeln

Besondere Vorsicht ist geboten bei:

  • Abhängigkeit von opioiden Schmerzmitteln
  • Bewusstseinsstörungen
  • Zuständen mit erhöhtem Hirndruck
  • chronisch obstruktiver Atemwegserkrankung (COPD)
  • Leberfunktionsstörungen
  • Nierenfunktionsstörungen
  • Gilbert-Meulengracht-Krankheit

Codein sollte nicht gleichzeitig mit schleimlösenden Medikamenten eingenommen werden, da der gelöste Schleim dann nicht abgehustet werden kann.

Codein in Schwangerschaft und Stillzeit

Codein darf in der Schwangerschaft nur nach besonders gründlicher Abwägung von Nutzen und Risiko angewendet werden. Es gibt Hinweise auf mögliche Fehlbildungen des Kindes in den ersten drei Monaten, und es kann sich schon beim ungeborenen Kind eine Opioidabhängigkeit entwickeln. In der Spätschwangerschaft und bei drohender Frühgeburt soll Codein nicht angewendet werden, da die Gefahr einer Atemdepression beim Kind besteht.

Codein geht in die Muttermilch über und kann sich dort anreichern. Daher sollte Codein während der Stillzeit nicht eingenommen werden. Eine kurzzeitige Anwendung für maximal zwei Tage in der empfohlenen Dosierung ist jedoch Experten zufolge mit dem Stillen vereinbar.

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Nebenwirkungen von Codein

Wie alle Arzneimittel kann auch Codein unerwünschte Wirkungen haben. Häufige Nebenwirkungen sind:

  • Müdigkeit
  • leichte Kopfschmerzen
  • Übelkeit
  • Verstopfung (Obstipation)
  • Erbrechen

Seltene Nebenwirkungen sind:

  • Mundtrockenheit
  • Schlafstörungen
  • Juckreiz
  • Hautausschläge
  • allergische Hautreaktionen
  • Nesselsucht
  • Kurzatmigkeit
  • Ohrensausen

Sehr seltene Nebenwirkungen sind:

  • Veränderungen des Blutbildes
  • schwere Hautreaktionen (Stevens-Johnson-Syndrom, toxische epidermale Nekrolyse, akuter allgemeiner pusteliger Hautausschlag)

In höheren Dosen kann es zu Euphorie, Abhängigkeit, Blutdruckabfall, Herzrhythmusstörungen, Bewegungsunsicherheiten und Sehstörungen kommen. Bei Patienten mit gesteigertem Hirndruck oder Kopfverletzungen kann es zu einem Aussetzen des Atems kommen, und bei vorbestehenden Lungenfunktionsstörungen kann es zu Wasserstau in der Lunge kommen.

Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten

Bei gleichzeitiger Einnahme von Codein mit anderen zentral dämpfenden Arzneimitteln wie Alkohol, Beruhigungs- oder Schlafmitteln, bestimmten Psychopharmaka (z.B. Chlorpromazin) oder Antihistaminika (z.B. Promethazin) kann die sedierende und atemdepressive Wirkung verstärken. Auch die Anwendung mancher Antidepressiva (wie MAO-Hemmer) kann die Nebenwirkungen auf das Nervensystem verstärken.

Bei gleichzeitiger Anwendung von Arzneimitteln, die zu einem schnelleren Abbau von Paracetamol in der Leber führen, können auch durch sonst unschädliche Dosen von Paracetamol Leberschäden hervorgerufen werden. Zu diesen Stoffen gehören bestimmte Schlafmittel und Antiepileptika (wie Phenobarbital, Phenytoin und Carbamazepin) sowie das Antibiotikum Rifampicin. Gleiches gilt für Alkoholmissbrauch.

Bei Kombination mit Chloramphenicol kann die Ausscheidung von Chloramphenicol deutlich verlangsamt sein, was das Risiko der erhöhten Giftigkeit birgt.

Wechselwirkungen zwischen Paracetamol und den Blutverdünnern Warfarin sowie Cumarinen sind bezüglich ihrer klinischen Bedeutung noch nicht abschließend zu beurteilen.

Bei gleichzeitiger Einnahme von Mitteln, die zu einer Verlangsamung der Magenentleerung führen, wie Propanthelin, können Aufnahme und Wirkungseintritt von Paracetamol verzögert werden. Andererseits können in Wechselwirkung mit Mitteln, die zu einer Beschleunigung der Magenentleerung führen, wie zum Beispiel Metoclopramid, Aufnahme und Wirkungseintritt von Paracetamol beschleunigt werden.

Bei gleichzeitiger Anwendung von Paracetamol und dem Viren-Hemmer Zidovudin wird die Neigung zur Neutropenie verstärkt.

Codein und Suchtpotenzial

Bei längerem und hochdosiertem Gebrauch besteht die Gefahr eines Wirkungsverlustes und einer Suchtentwicklung. Codein fällt in Deutschland ab einer bestimmten Wirkstoffdosis im Medikament unter das Betäubungsmittelgesetz. Personen, die bereits an einer anderen Form von Abhängigkeit oder Suchtpotenzial gelitten haben, zeigen ein erhöhtes Risiko, eine Abhängigkeit gegenüber Codein zu entwickeln.

Alternativen zur Behandlung von Nervenschmerzen

Klassische Schmerzmittel wie Ibuprofen oder Paracetamol zeigen bei Nervenschmerzen oft keine zufriedenstellende Wirkung. Es gibt jedoch alternative und rezeptfreie Medikamente, die Nervenschmerzen lindern können, wie z.B. homöopathische Mittel oder Schmerzöle mit Inhaltsstoffen wie Lavendelöl oder Quarz oleosum D9. Auch die Präparate Keltican Forte (ein diätetisches Lebensmittel mit Vitamin B12, Folsäure und Uridinmonophosphat) und Milgamma Protekt (ein Arzneimittel mit dem Wirkstoff Benfotiamin) haben sich als hilfreich erwiesen.

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