Coenzym Q10 und Migräne: Dosierung, Wirkung und Anwendung

Coenzym Q10 (CoQ10), auch bekannt als Ubichinon (oxidierte Form) oder Ubichinol (reduzierte Form), ist eine vitaminähnliche, fettlösliche Substanz, die in jeder Zelle des menschlichen Körpers vorkommt. Es spielt eine zentrale Rolle bei der Energieproduktion in den Mitochondrien, den "Kraftwerken" der Zellen, und wirkt gleichzeitig als starkes Antioxidans, das Zellschäden durch freie Radikale verhindert. Obwohl der Körper Q10 selbst synthetisieren kann, nimmt diese Fähigkeit mit dem Alter, bei bestimmten Erkrankungen und unter Einfluss einiger Medikamente deutlich ab.

Dieser Artikel beleuchtet die konkreten gesundheitlichen Vorteile und Anwendungsgebiete von CoQ10, insbesondere im Zusammenhang mit Migräne. Es werden die Ergebnisse zahlreicher klinischer Studien und Metaanalysen berücksichtigt, um eine umfassende Übersicht über die belegten Effekte von CoQ10 zu geben.

Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel dient lediglich der Information und stellt keine Einnahmeempfehlung oder therapeutische Empfehlung dar. Vor der Anwendung von CoQ10 sollte stets eine fachkundige Person konsultiert werden.

Die Bedeutung von Coenzym Q10

Coenzym Q10 verdient aufgrund seiner vielfältigen Funktionen im Körper viel Aufmerksamkeit. Es ist nicht nur ein wichtiger Bestandteil der Energieproduktion, sondern auch ein starkes Antioxidans.

Q10 für die Energieproduktion

Coenzym Q10 ist für die ATP-Produktion in den Mitochondrien unerlässlich. ATP (Adenosintriphosphat) ist der universelle Energieträger der Zelle. Besonders bei sportlicher Belastung ist ein funktionierender Energiestoffwechsel entscheidend für Leistungsfähigkeit und Regeneration.

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Q10 als Antioxidans

Als Antioxidans schützt Coenzym Q10 den Körper vor Schäden durch freie Radikale. Diese Schutzfunktion ist besonders wichtig für Zellen mit hohem Energiebedarf, wie z.B. Nervenzellen im Gehirn.

Q10 und Migräne: Ein Überblick

Migräne ist mehr als nur Kopfschmerz. Es handelt sich um eine neurologische Erkrankung, bei der Nervenzellen übererregt reagieren. Eine häufig diskutierte Ursache ist eine gestörte Energieproduktion in den Mitochondrien - also in den „Kraftwerken“ der Zelle. Besonders Zellen im Gehirn reagieren empfindlich auf Energiemangel. Studien deuten darauf hin, dass ein Q10-Mangel - insbesondere in den Mitochondrien der Nervenzellen - mit einer erhöhten Anfälligkeit für Migräne einhergehen kann.

Studienlage zu Q10 und Migräne

Die Forschungsergebnisse zur Wirksamkeit von CoQ10 bei Migräne sind vielversprechend. Mehrere Studien haben gezeigt, dass CoQ10 die Häufigkeit, Intensität und Dauer von Migräneanfällen reduzieren kann.

Studie mit Kindern und Jugendlichen

In einer Studie mit 42 Kindern und Jugendlichen, die an Migräne litten, wurde CoQ10 in einer Dosierung von 10 mg pro kg Körpergewicht (max. 300 mg täglich) verabreicht. Nach drei Monaten war die Häufigkeit der Migräneanfälle um über 50 Prozent reduziert.

Studie mit Erwachsenen

Auch bei Erwachsenen konnte die Supplementation mit CoQ10 die Frequenz, Intensität und Dauer der Migräneanfälle signifikant verringern. In einer placebokontrollierten Studie mit erwachsenen Migränepatient:innen zeigte sich, dass die tägliche Einnahme von 100 mg CoQ10 über drei Monate zu einer signifikanten Reduktion von Migräneattacken führte. Im Durchschnitt traten monatlich etwa zwei Anfälle weniger auf. Zudem waren die Anfälle kürzer und weniger intensiv, wodurch Schmerzmittel seltener benötigt wurden. Besonders positiv: Die Wirkung trat häufig bereits nach vier Wochen ein, war gut verträglich und zeigte in über 60 % der Teilnehmenden eine klinisch relevante Verbesserung.

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Empfehlungen in ärztlichen Leitlinien

Aufgrund der positiven Studienergebnisse wird CoQ10 heute auch in ärztlichen Leitlinien als nicht-medikamentöse Migräneprophylaxe empfohlen - insbesondere, wenn Patienten eine langfristige, nebenwirkungsarme Lösung suchen.

Wirkmechanismus von Q10 bei Migräne

Vermutet werde, daß eine Abnahme der Energiereserve in Mitochondrien einer der Gründe für Migräneattacken sein könne, so Sandor. Das Coenzym Q10 könnte diese Energiereserven auffüllen.

Neurologe Prof. Hashemilar und Kollegen der Tabriz University of Medical Sciences im Iran untersuchten nun genauer, auf welche Entzündungsmarker im Körper die Nahrungsergänzung mit Coenzym Q10 einwirkt und ob auch der bisher einzig bekannte Migränemarker im Blut, das CGRP, davon beeinflusst wird. Die Blutkonzentration von CGRP, einem kleinen Eiweißstoff, ist typischerweise während einer Migräneattacke deutlich erhöht. Gesenkt wird es beispielsweise durch Triptane.

Im Vergleich zum Vorbehandlungszeitraum und im Vergleich zur Placebogruppe bewirkte die Einnahme von Coenzym Q10 eine klare messbare Abnahme des Migränemarkers CGRP sowie des Entzündungsmarkers TNF-α. Die beiden anderen untersuchten Entzündungsanzeichen, IL-6 und IL-10, unterschieden sich dagegen nicht zwischen den beiden Behandlungsgruppen. Auch die Menge an Coenzym Q10 im Blut nahm bei den Patientinnen der aktiven Behandlungsgruppe deutlich zu.

Die Einnahme senkte die Häufigkeit und den Schweregrad der Attacken. Der Effekt der Nahrungsergänzung zeigte sich auch im Blutbild der Patientinnen mit gesenkter CGRP-Konzentration und reduzierter Entzündungsaktivität (TNF).

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Weitere Anwendungsbereiche von Q10

Coenzym Q10 ist nicht nur bei Migräne von Nutzen, sondern hat auch in anderen Bereichen gesundheitliche Vorteile gezeigt.

Herzgesundheit und Blutdruck

Coenzym Q10 wird seit Jahrzehnten im Bereich der Herz-Kreislauf-Medizin erforscht - insbesondere bei Herzinsuffizienz, also einer eingeschränkten Pumpfunktion des Herzens. Eine Metaanalyse von 13 Studien mit insgesamt 1.061 Patienten aus dem Jahr 2013 zeigte, dass CoQ10 die Leistungsfähigkeit des Herzens messbar steigern kann. Besonders in Studien mit längerer Dauer (mehr als 12 Wochen) kam es zu einer signifikanten Verbesserung der Ejektionsfraktion, des Herzzeitvolumens und der körperlichen Belastbarkeit.

Auch bei Bluthochdruck (Hypertonie) wird CoQ10 zunehmend als begleitende Maßnahme untersucht. In einer Metaanalyse von zwölf placebokontrollierten Studien mit insgesamt 362 Teilnehmern führte die Supplementierung von Coenzym Q10 (im Median 100-200 mg/Tag) zu einer Senkung des systolischen Blutdrucks um durchschnittlich 11 mmHg und des diastolischen Werts um 7 mmHg.

Sportliche Leistungsfähigkeit

Studien zeigen, dass Athleten, die über acht Wochen 200 mg CoQ10 täglich einnahmen, ihre maximale Sauerstoffaufnahme (VO₂max) sowie ihre Ausdauerleistung signifikant steigern konnten. Zusätzlich konnte in Blutproben eine signifikante Reduktion von Markern des oxidativen Stresses wie Malondialdehyd (MDA) und Laktatdehydrogenase (LDH) nachgewiesen werden.

Fruchtbarkeit

Männer: CoQ10 beeinflusst die Spermienqualität auf mehreren Ebenen. Es wirkt als Antioxidans, schützt die DNA und fördert die Beweglichkeit der Spermien (Motilität). In Studien mit Männern mit eingeschränkter Fruchtbarkeit führte die Einnahme von 200 mg CoQ10 über drei Monate zu einer deutlichen Steigerung der Spermienkonzentration und Beweglichkeit.

Frauen: Auch bei Frauen mit eingeschränkter Eierstockfunktion - z. B. im Rahmen von PCOS oder im höheren Alter - zeigte CoQ10 positive Effekte. In einer Studie mit Frauen, die eine In-vitro-Fertilisation (IVF) durchliefen, erhöhte CoQ10 die Anzahl reifer Eizellen und verbesserte die Embryonalentwicklung.

Weitere Anwendungsbereiche

Weitere Anwendungsbereiche von Coenzym Q10 umfassen:

  • Fibromyalgie und chronische Erschöpfung
  • Diabetes und Stoffwechselgesundheit
  • Neurodegenerative Erkrankungen (Alzheimer, Parkinson)
  • Hautalterung
  • Entzündungen und Immunsystem
  • Chronische Nierenerkrankungen
  • Chemotherapie-Begleitung
  • Mitochondriale Erkrankungen

Dosierungsempfehlungen für Q10 bei Migräne

Die in Studien verwendete Dosierung von CoQ10 bei Migräne variiert. In der Regel werden Dosierungen zwischen 100 und 300 mg pro Tag empfohlen. Es ist ratsam, mit einer niedrigeren Dosis zu beginnen und diese bei Bedarf zu erhöhen.

  • Kinder und Jugendliche: 10 mg pro kg Körpergewicht (max. 300 mg täglich)
  • Erwachsene: 100-300 mg täglich

Wichtiger Hinweis: Die optimale Dosierung von CoQ10 sollte immer in Absprache mit einem Arzt oder Apotheker festgelegt werden.

Q10 und andere Nährstoffe bei Migräne

Neben Coenzym Q10 gibt es weitere Nährstoffe, die bei der Migräneprophylaxe eine Rolle spielen können. Dazu gehören:

Magnesium

Magnesium erfüllt zahlreiche Funktionen im menschlichen Körper. Es spielt eine Rolle bei der Funktion von etwa 300 verschiedenen Enzymen, ist essenziell für den Erhalt von Knochen und Zähnen und beeinflusst den Hormonstoffwechsel. Außerdem ist Magnesium für die Erregungsübertragung vom Nerv auf den Muskel und für die Muskelkontraktion verantwortlich. Migräneattacken werden teilweise auch mit Magnesiummangel in Verbindung gebracht.

Vitamin B2/ Riboflavin

Vitamin B2, auch Riboflavin genannt, gehört zu den wasserlöslichen Vitaminen und ist als Enzymbestandteil an verschiedensten Reaktionen wie zum Beispiel dem Zellwachstum und am Energiestoffwechsel beteiligt. Die positive Wirkung auf Migräne könnte also auch hier wieder auf dem Entgegenwirken eines Energiedefizits im Gehirn beruhen.

Mutterkraut

Mutterkraut stammt aus der Familie der Gänseblümchen und wird aufgrund ihrer Ähnlichkeit zur Kamille auch „falsche Kamille“ genannt. Ihr Name stammt vom lateinischen Wort für „Fiebersenker“ ab. Mutterkraut wird außerdem eine entzündungshemmende Wirkung nachgesagt und Entzündungsprozesse im Gehirn spielen eine Rolle bei der Entstehung von Migräne.

Selen

Der Effekt von Selen Supplementation auf Migräne ist bisher noch weitestgehend ungeklärt. Allerdings ergab eine Fall-Kontroll-Studie, dass Migräne-Kopfschmerzen mit reduzierten Selen-Level im Blut korrelierten.

Vitamin D3

Es scheint einen Zusammenhang zwischen Vitamin-D3-Spiegeln und Migräne sowie Spannungskopfschmerzen zu geben. So konnten bei Betroffenen erniedrigte Vitamin-D3-Spiegel nachgewiesen werden.

Omega-3-Fettsäuren

Omega-3-Fettsäuren werden mit entzündungshemmenden und schmerzhemmenden Wirkungen in Verbindung gebracht. Sie sind lebensnotwenig, werden allerdings nicht vom Körper selbst hergestellt, sondern vorwiegend über die Nahrung aufgenommen.

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