Coenzym Q10 (CoQ10), auch bekannt als Ubichinon, ist ein vitaminähnlicher Stoff, der in den Mitochondrien jeder Zelle vorkommt und eine entscheidende Rolle im Energiestoffwechsel spielt. Es ist an der Elektronentransportkette beteiligt und hilft bei der Produktion von Adenosintriphosphat (ATP), dem Hauptenergiespeicher des Körpers. Dieser Artikel beleuchtet die vielfältigen Wirkungen von Coenzym Q10, insbesondere im Hinblick auf seine Bedeutung für das Gehirn und die kognitive Funktion, basierend auf aktuellen Forschungsarbeiten und Studien.
Die Bedeutung von Coenzym Q10 für den Körper
Coenzym Q10 ist ein körpereigener Stoff, den die Zellen für die Energieproduktion benötigen. Besonders Organe mit hohem Energiebedarf wie Herz, Leber und Gehirn sind auf eine ausreichende Versorgung mit Q10 angewiesen. Q10 ist ein essenzieller Zellbaustein mit beeindruckendem Potenzial - insbesondere für Menschen ab 40, bei medikamentöser Belastung oder erhöhtem Energiebedarf. Seine Wirkung ist gut belegt, die Sicherheit hoch.
Coenzym Q10 und seine Funktionen
- Energieproduktion: Q10 spielt eine zentrale Rolle bei der Energiegewinnung in den Zellen. Es hilft bei der Umwandlung von Nahrung in Energie (ATP) in den Mitochondrien, den „Kraftwerken“ unserer Zellen. Mehr als 95% der Energie werden auf diese Weise gebildet.
- Antioxidative Wirkung: Q10 schützt Zellmembranen vor oxidativen Schäden durch freie Sauerstoffradikale, die während der Energieproduktion in großen Mengen entstehen.
- Herzgesundheit und Kreislauf: Laut mehreren klinischen Studien kann das Coenzym Q10 die Herzfunktion bei Herzinsuffizienz unterstützen.
- Muskeln, Gehirn & Psyche: Q10 kann bei Muskelschwäche, Stressanfälligkeit und verringerter geistiger Leistungsfähigkeit hilfreich sein.
Coenzym Q10-Mangel und seine Folgen
Ein Mangel an Coenzym Q10 kann eine Vielzahl von gesundheitlichen Problemen verursachen, die von Müdigkeit und Muskelschwäche bis hin zu schweren kardiovaskulären und neurologischen Störungen reichen. Eine ausreichende Versorgung mit diesem wichtigen Nährstoff ist entscheidend für die Erhaltung der allgemeinen Gesundheit und des Wohlbefindens.
Einige Ursachen für einen Q10-Mangel können sein:
- Genetische Defekte: In seltenen Fällen führen genetische Defekte dazu, dass Menschen nicht ausreichend viel Q10 produzieren können - mit schweren Krankheitsbildern als Folge. Ein Beispiel hierfür ist der COQ2-Defekt.
- Alter: Die körpereigene Produktion von Q10 nimmt mit dem Alter ab, was besonders ab dem mittleren Lebensalter relevant wird.
- Medikamente: Statine, die zur Senkung des Cholesterinspiegels eingesetzt werden, hemmen die körpereigene Q10-Produktion.
- Krankheiten: Verschiedene Krankheiten können die körpereigene Produktion von Q10 beeinträchtigen.
Coenzym Q10 und der COQ2-Defekt
Ein Forschungsteam am Universitätsklinikum und der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf hat eine neue Therapieoption für eine extrem seltene und oft tödlich verlaufende Stoffwechselkrankheit entdeckt. Die Krankheit betrifft den sogenannten COQ2-Defekt, eine spezielle Form von Störungen in der körpereigenen Herstellung von Coenzym Q10. Wenn Coenzym Q10 fehlt, können lebenswichtige Organe wie Gehirn, Herz und Muskeln schwer geschädigt werden.
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Das Team um Prof. Dr. Felix Distelmaier hat herausgefunden, dass bei dieser speziellen Erkrankung der Transport des Ausgangsstoffes für die Coenzym-Q10-Herstellung gestört ist. Dieser Ausgangsstoff heißt 4-Hydroxybenzoesäure (4-HBA). Durch die zusätzliche Gabe von 4-HBA konnte die gestörte Energieproduktion der Zellen normalisiert werden. Diese Ergebnisse wurden zunächst in einem Tierversuch mit Mäusen bestätigt und anschließend erstmals erfolgreich bei einem betroffenen Kind angewendet.
Es ist wichtig zu betonen, dass es sich um eine sehr spezielle Therapie handelt, die aktuell nur in einem einzelnen Fall erfolgreich eingesetzt und dokumentiert wurde. Die Behandlung mit 4-HBA kommt nur für eine ganz bestimmte Form der Erkrankung in Frage und ist kein allgemein verfügbares Medikament. Weitere Forschungsarbeiten sind dazu nötig.
Coenzym Q10 und seine Wirkung auf das Gehirn
Das Gehirn ist ein Organ mit einem sehr hohen Energiebedarf. Um seine vielfältigen Funktionen aufrechtzuerhalten, verbraucht es eine beachtliche Menge an Glukose und Sauerstoff. Eine ausreichende Versorgung mit Coenzym Q10 ist daher entscheidend für die Gesundheit und Leistungsfähigkeit des Gehirns.
Coenzym Q10 und kognitiver Abbau
Coenzym Q10 spielt eine Rolle bei der Funktion der Mitochondrien und als Antioxidans, was wichtig ist, um dem altersbedingten kognitiven Abbau entgegenzuwirken. Es kann die ATP-Produktion im Gehirn verbessern und vor oxidativem Stress schützen. Mit den Jahren geht die Fähigkeit des Körpers zurück, die Angriffe freier Radikale abzuwehren. Auch neurodegenerative Erkrankungen, z.B. M. Alzheimer oder M. Parkinson, die die ATP-Produktion beeinträchtigen.
Ubichinol vs. Ubichinon
Ubichinol ist die reduzierte Form des Coenzyms Q10, die zu höheren Q10-Blutspiegeln führt als Ubichinon, die oxidierte Form von Q10. Der Q10-Spiegel im Blut wird mit dem Alterungsprozess in Verbindung gebracht. Menschen mit einem hohen Q10-Blutspiegel haben ein geringeres Risiko, an Demenz zu erkranken.
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Studien zur Wirkung von Coenzym Q10 auf das Gehirn
Mehrere Studien haben die positiven Auswirkungen von Coenzym Q10 auf die kognitive Funktion untersucht:
- Studie zu Morbus Parkinson: Eine Studie aus dem Jahr 2002 zeigte, dass Coenzym Q10 die Beeinträchtigungen motorischer Funktionen bei Patienten im Anfangsstadium von Morbus Parkinson verringern konnte.
- Studie zu ALS: Ein 75-jähriger Medizinwissenschaftler mit ALS meldete sich freiwillig für eine Behandlung mit Ubiquinol. Die Behandlung führte innerhalb eines Monats zu einer Verbesserung von Griffkraft, Stimmung und Empfindungsvermögen.
- Studie zu Autismus: Eine klinische Studie der Comenius Universität in Bratislava untersuchte die Wirkung von Coenzym Q10 auf Kinder mit Autismus. Es konnten signifikante Verbesserungen autistischer Symptome beobachtet werden, z.B. in den Bereichen Kommunikation und Nahrungsaufnahme.
- Studie zu Gedächtnis und Aufmerksamkeit: Eine randomisierte Doppelblindstudie mit älteren Menschen zeigte, dass die Einnahme von Ubiquinol die Blutspiegel von Ubichinol und Ubichinon signifikant erhöhte. Außerdem hatten die Teilnehmer der Ubiquinol-Gruppe signifikant häufiger bessere Ergebnisse beim Memory Performance Index (MPI), einem kognitiven Test, der zur Erkennung früher Anzeichen von Alzheimer und anderen Formen der Demenz eingesetzt wird. Die Zeit, die benötigt wurde, um den Trail Making Test Teil A (TMT-A, ein Test der Aufmerksamkeit und der motorischen Geschwindigkeit) abzuschließen, war in der Ubiquinol-Gruppe nach 34 Wochen signifikant kürzer.
Coenzym Q10 als Nahrungsergänzungsmittel
Viele Menschen greifen auf Q10 als Nahrungsergänzungsmittel zurück, da die körpereigene Produktion mit den Jahren abnimmt und verschiedene Faktoren die Q10-Produktion beeinträchtigen können.
Dosierung und Sicherheit
Die übliche Tagesdosierung liegt bei 100-200 mg, in therapeutischen Kontexten auch höher. Coenzym Q10 gilt allgemein als gut verträglich. In seltenen Fällen können Magen-Darm-Beschwerden auftreten.
Wann ist eine Supplementierung sinnvoll?
Eine Supplementierung mit Coenzym Q10 kann in folgenden Fällen sinnvoll sein:
- Ab dem mittleren Lebensalter: Da die körpereigene Produktion von Q10 mit dem Alter abnimmt.
- Bei medikamentöser Belastung: Insbesondere bei der Einnahme von Statinen.
- Bei erhöhtem Energiebedarf: Zum Beispiel bei sportlicher Betätigung oder bei bestimmten Erkrankungen.
- Bei bestimmten neurologischen Störungen: Die vorgestellten Studien bieten vielversprechende Ansatzpunkte für Patienten mit neurologischen Störungen.
Internationale Forschung und Netzwerke
Ein internationales Netzwerk unter der Leitung von Professor Dr. Matthis Synofzik hat erstmals alle wesentlichen Informationen zu einer seltenen Koordinationsstörung, der COQ8A-Ataxie, zusammengetragen und genügend Patienten für eine klinische Studie rekrutiert. Bei der COQ8A-Ataxie ist das Gen für die Synthese von Coenzym Q10 verändert. Die Patientinnen und Patienten bilden deshalb nicht mehr genügend davon oder nur eine fehlerhafte Form.
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Die Ärzte brauchen diese Informationen für die genaue Planung einer zielgerichteten Therapiestudie. Da 30 der rekrutierten Patientinnen und Patienten bereits im Rahmen individueller Heilversuche mit Coenzym Q10 behandelt worden sind, haben Synofzik und seine Kollegen diese ersten Behandlungsergebnisse systematisch auswertet. Über alle behandelten Kranken gerechnet, wurde der Verlauf mit Coenzym Q10 im Durchschnitt um zwei Jahre verzögert. Allerdings sprachen einige Kranke gar nicht auf die Medikation an. Der nächste Schritt wird nun sein, Coenzym Q10 in einer hochwertigen klinischen Studie mit einer Kontrollgruppe zu testen.