Multiple Sklerose (MS) ist eine chronische, entzündliche Erkrankung des zentralen Nervensystems, die Gehirn und Rückenmark betrifft. Die Entzündungen beeinträchtigen die Informationsweitergabe und können zu vielfältigen neurologischen Störungen führen, wie Seh- und Gefühlsstörungen, Beeinträchtigungen des Tastsinns oder Gleichgewichtsstörungen. Trotz intensiver Forschung sind die Ursachen und Heilungswege der MS noch weitgehend unbekannt. Daher ist es von großer Bedeutung, Betroffenen das Gefühl der Zusammengehörigkeit und Unterstützung zu vermitteln. Hier spielt die Selbsthilfegruppe Betzdorf-Hachenburg eine wichtige Rolle.
Die MS-Selbsthilfegruppe Betzdorf-Hachenburg: Hilfe zur Selbsthilfe seit über zwei Jahrzehnten
Die MS-Selbsthilfegruppe Betzdorf-Hachenburg ist mit derzeit 139 Betroffenen aus den Landkreisen Altenkirchen und Westerwald, genauer gesagt aus den Amtsbereichen Bad Marienberg, Betzdorf, Daaden, Gebhardshain, Hachenburg, Kirchen und Herdorf, die größte im Landesverband Rheinland-Pfalz. Seit über 24 Jahren bietet sie unter dem Motto "Hilfe zur Selbsthilfe" ein Netzwerk der Unterstützung für Menschen mit MS und ihre Angehörigen.
Vielfältige Aktivitäten und Angebote
Um sich gegenseitig zu unterstützen und den Betroffenen eine Hilfestellung zu geben, bietet das Leitungsteam der Gruppe attraktive Betreuungsangebote, wie regelmäßige Gruppentreffen, Besuchsdienste, Fachreferate und Sonderveranstaltungen.
Ein fester Bestandteil des Jahresprogramms ist die Rollstuhlwanderung, die seit gut 20 Jahren stattfindet. Dabei werden gut befestigte Fahrwege in der Umgebung ausgesucht. Ziel ist es, den Betroffenen trotz ihrer Einschränkungen ein aktives Leben zu ermöglichen und die Gemeinschaft zu stärken.
Rollstuhlwanderung und Sommerfest in Malberg
Ein Beispiel für die Aktivitäten der Selbsthilfegruppe ist die Rollstuhlwanderung mit Sommerfest, die in Malberg stattfand. Gruppensprecher Manfred Seibert (Malberg) begrüßte zahlreiche Betroffene, deren Familien und Freunde sowie die Hündin Paula am Treffpunkt „Unter den Birken“. Besonders erfreut zeigte er sich über die Anwesenheit des "Schutzengel-Geschwaders", bestehend aus Aktiven des DRK-Ortsvereins Gebhardshain und des Feuerwehrlöschzugs Rosenheim-Malberg, die die Rollstuhlwanderung auf der rund drei Kilometer langen Strecke absicherten.
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Trotz anfänglich ungünstiger Witterung blieb es trocken, sodass Schirmherrin Sabine Schwan (Kausen) ihren Schirm nur für Fotozwecke aufspannen musste. Zielpunkt der Wanderung war das Malberger Bürgerhaus, wo Beigeordneter Christoph Kohlhaas die Gruppe zum Sommerfest begrüßte.
Der gemischte Chor Kroppach sorgte mit einem erfrischenden Ständchen für gute Stimmung. Neben Tombola und kulinarischen Leckereien gab es auch einen regen Erfahrungsaustausch mit Gästen der MS-Nachbargruppe aus Montabaur.
Geselligkeit und Unterstützung im Bürgerhaus
Auch wenn die Rollstuhlwanderung aufgrund der Witterung ins Wasser fiel, kamen beim anschließenden Sommerfest im Malberger Bürgerhaus mehr als 80 Betroffene und deren Angehörige auf ihre Kosten. MS-Schirmherrin Sabine Schwan (Kausen) und Malbergs Ortsbürgermeister Albert Hüsch hießen die Gäste willkommen und dankten dem Leitungsteam der Gruppe für die Vorbereitung des Treffens.
Mit zünftiger Marschmusik unterhielt das Jugendorchester der Bindweider Bergkapelle unter der Leitung von Michael Christian die Anwesenden. Jessica Pilorz und Fabienne Binder übernahmen gekonnt die Moderation der einzelnen Vorträge.
Besonderer Dank galt dem Helferteam hinter den Kulissen, das sich um das Kuchenbüffet und den Grillstand kümmerte.
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Informationsveranstaltung in Gebhardshain
Neben den geselligen Veranstaltungen bietet die Selbsthilfegruppe auch Informationsveranstaltungen an, um das Wissen über MS zu erweitern und Betroffenen und ihren Angehörigen Hilfestellung zu geben. So fand im Rahmen der Gebhardshainer Gespräche ein Informationsabend zum Thema "Multiple Sklerose - Diagnose und Behandlungsmöglichkeiten" statt.
Referent war Dr. Lothar Burghaus, Chefarzt der Neurologie im Heilig-Geist-Krankenhaus in Köln-Longerich, der das Krankheitsbild erklärte, Informationen zur Diagnostik gab und auf Behandlungsmöglichkeiten hinwies. Die Teilnehmenden hatten die Möglichkeit, Fragen zu stellen.
Begleitend zum Vortrag bot die DMSG-Selbsthilfegruppe Betzdorf-Hachenburg einen Informationstisch an und machte mit einer "Fühlstraße" erfahrbar, wie sich entsprechende Einschränkungen oder Störungen im Alltag auswirken.
Unterstützung durch Spenden
Die Arbeit der MS-Selbsthilfegruppe Betzdorf-Hachenburg wird auch durch Spenden unterstützt. So freuten sich die fünf Gruppen aus der heimischen Region der Multiple-Sklerose-Kranken (MS) über eine Spende in Höhe von 4000 Euro, die von der Wandergemeinschaft von 15 DVV-Vereinen überreicht wurde.
Seit 1984 organisieren die Vereine der Wandergemeinschaft von DVV-Vereinen aus Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz jährlich eine Wanderung zugunsten der an MS erkrankten Menschen in der Region. Die Spende wird unter den verschiedenen MS-Gruppen aufgeteilt und dient dazu, die Betreuung der rund 400 MS-Kranken zu unterstützen.
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Die Bindweider Bergkapelle: Musikalische Unterstützung für die Region
Die Bindweider Bergkapelle aus Malberg unterstützt die MS-Selbsthilfegruppe Betzdorf-Hachenburg regelmäßig bei ihren Veranstaltungen. Die Kapelle blickt auf eine lange Tradition zurück und ist ein wichtiger Bestandteil des kulturellen Lebens in der Region.
Vielfältiges musikalisches Engagement
Die Bindweider Bergkapelle ist vielseitig engagiert und tritt bei zahlreichen Veranstaltungen auf, wie kirchlichen Anlässen, Ständchen, Konzerten und Festen. Ein besonderes Highlight war die musikalische Eröffnung des Kultursommers Rheinland-Pfalz in Bad-Hönningen.
Die Kapelle legt großen Wert auf die Nachwuchsförderung und bietet eine umfassende Ausbildung für junge Musiker an. Das Jugendorchester der Bergkapelle besteht aus rund 40 Mädchen und Jungen, die ihr Können regelmäßig unter Beweis stellen.
Ehrungen für verdiente Mitglieder
Im Rahmen ihrer Konzerte ehrt die Bindweider Bergkapelle regelmäßig verdiente Mitglieder für ihr Engagement. So wurden Ute Krieger, Heinrich Christian und Manfred Schneider wegen besonderer Leistungen für die Bergkapelle zu neuen Ehrenmitgliedern ernannt.
Musikalische Gestaltung von Gottesdiensten
Die Bindweider Bergkapelle gestaltet auch Gottesdienste musikalisch. So umrahmte sie ein festliches Marienhochamt in der Pfarrkirche Maria Magdalena in Gebhardshain unter der Leitung von Ehrenkapellmeister Herbert Weller, der seit 60 Jahren den Taktstock führt.