Cortison-Neuropathie: Eine detaillierte Betrachtung der Erstverschlimmerung und Behandlungsansätze

Die Polyneuropathie, eine Erkrankung des peripheren Nervensystems, kann durch vielfältige Ursachen ausgelöst werden. Eine davon ist die Cortison-Neuropathie, bei der es nach der Einnahme von Cortison zu einer Erstverschlimmerung der Symptome kommen kann. Dieser Artikel beleuchtet die Entstehung, Diagnose und Behandlungsmöglichkeiten dieser speziellen Form der Neuropathie.

Einführung in das periphere Nervensystem

Das periphere Nervensystem (PNS) umfasst alle Nerven, die außerhalb des Schädels und des Wirbelkanals liegen und somit nicht zum zentralen Nervensystem (ZNS) gehören. Funktionell sind PNS und ZNS jedoch eng miteinander verbunden. Das PNS leitet Impulse vom Gehirn und Rückenmark zu den Organen und Geweben und ermöglicht so physiologische Reaktionen. Es besteht aus dem somatischen (willkürlichen) Nervensystem, das für bewusste Bewegungen und Reflexe zuständig ist, und dem autonomen (unwillkürlichen) Nervensystem, das lebenswichtige Körperfunktionen wie Atmung und Verdauung steuert. Bei Polyneuropathien sind meist die Nerven des willkürlichen Nervensystems betroffen.

Was ist eine Polyneuropathie?

Der Begriff "Polyneuropathie" stammt aus dem Griechischen und bedeutet übersetzt "Erkrankung mehrerer Nerven". Es handelt sich um eine Erkrankung der peripheren Nerven, bei der entweder der innere Strang des Nervs oder seine Umhüllung erkranken. Nerven arbeiten wie elektrische Leitungen. Vergleicht man den Nerv mit einem Kupferkabel, so können Störungen entweder durch eine Unterbrechung der Kupferleitung in der Mitte oder der umhüllenden Isolierung entstehen. Je länger ein Nerv ist, desto eher erkrankt er an Polyneuropathie, weshalb die Erkrankung häufig an den Zehen und Füßen beginnt.

Ursachen von Polyneuropathien

Es gibt über 300 bekannte Ursachen für Polyneuropathien. Zu den häufigsten gehören:

  • Diabetes mellitus (Zuckererkrankung): Etwa jeder dritte Diabetiker ist von einer Polyneuropathie betroffen. Durch den erhöhten Blutzuckerspiegel kommt es zu Schädigungen der kleinsten Gefäße, die die peripheren Nerven versorgen. Diese sogenannte diabetische Polyneuropathie beginnt oft in den Zehen und Füßen und ist durch ein herabgesetztes Schmerz- und Temperaturgefühl gekennzeichnet.
  • Alkoholmissbrauch: Chronischer Alkoholkonsum kann durch neurotoxische (nervenschädigende) Wirkungen zu funktionellen Beeinträchtigungen der peripheren Nerven führen (alkoholische Polyneuropathie).
  • Autoimmunerkrankungen: Hierbei schädigt das eigene Immunsystem die Nerven des peripheren Nervensystems (z. B. Critical-Illness-Polyneuropathie).
  • Vitaminmangel: Ein Mangel an Vitamin B1, B2, B6, B12 oder E kann ebenfalls eine Polyneuropathie verursachen.
  • Schwermetallvergiftungen: Blei, Arsen, Thallium, Quecksilber oder Gold können toxisch auf die Nerven wirken.
  • Medikamente: Bestimmte Chemotherapeutika, Interferone oder Virustherapeutika bei HIV können als Nebenwirkung eine Polyneuropathie auslösen.
  • Erbliche Faktoren: Angeborene Polyneuropathien sind relativ selten. Ihnen liegen vererbbare Krankheiten wie Enzymdefekte, veränderte Proteine oder eine eingeschränkte Nervenleitgeschwindigkeit zugrunde.
  • Entzündliche Erkrankungen: Borreliose (Zeckenbisserkrankung), Gefäßentzündungen (Vaskulitis) oder HIV/AIDS können ebenfalls eine Polyneuropathie verursachen.

Die erworbene Polyneuropathie ist mit Abstand die häufigere Form der Erkrankung - sie entwickelt sich als Folge einer anderen Erkrankung oder durch einen externen Auslöser. Angeborene Polyneuropathien sind dagegen relativ selten.

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Symptome einer Polyneuropathie

Zu Beginn der Krankheit nehmen Patienten in Fingern, Händen, Zehen und Füßen ein Kribbeln oder Taubheitsgefühle wahr. Oft werden diese Symptome von Schmerzen oder Krämpfen begleitet. Im Verlauf der Erkrankung kommt es ohne Behandlung zur Verschlimmerung der Symptomatik, vor allem des Schmerzempfindens.

Die Symptome einer Polyneuropathie können vielfältig sein und hängen von den betroffenen Nerven ab. Häufige Beschwerden sind:

  • Sensibilitätsstörungen: Kribbeln, Taubheitsgefühle, Brennen oder Schmerzen in den Füßen und Händen. Viele Menschen beschreiben auch ein Schwellungsgefühl, unangenehmen Druck, ein Gefühl wie auf Watte zu gehen, ein Elektrisieren oder Stechen. Meistens sind zunächst nur die Zehen und der Fußballen beidseitig betroffen. Im Verlauf von Monaten bis Jahren weiten sich die Symptome auf die Füße und Unterschenkel mit sockenförmiger oder kniestrumpfförmiger Begrenzung aus. Die Oberschenkel können im Verlauf einer weiteren Verschlechterung oder bei einigen Patienten auch primär betroffen sein. Auch das Temperaturempfinden leidet, so dass beispielsweise die Badewassertemperatur in der Badewanne an den Füßen nicht mehr richtig eingeschätzt werden kann. Zumeist erst im Verlauf der Erkrankung können zusätzlich die Fingerspitzen und Hände mit handschuhförmiger Begrenzung der Taubheitsgefühle betroffen sein.
  • Motorische Störungen: Muskelschwäche, Lähmungen (z. B. Fußheberschwäche), Muskelschwund (Atrophie), Krämpfe. Parallel dazu kann es zunehmend zu Lähmungen, beispielsweise der Fußheber oder Zehenheber oder Fußsenker kommen, so dass Muskelschwund und Gangstörungen entstehen. Alle Symptome entstehen zumeist symmetrisch und nur seltener asymmetrisch mit Betonung auf einer Seite. Krämpfe, insbesondere nachts oder bei Belastungen, sind nicht selten.
  • Autonome Störungen: Störungen der Blasen- und Darmfunktion, Herzrhythmusstörungen, verminderte Schweißproduktion, Schwindel, niedriger Blutdruck. Letztlich können auch die inneren Organe im Sinne einer autonomen Polyneuropathie betroffen sein. Dies führt beispielsweise zur Blasenlähmung, Darmträgheit oder zur mangelnden Regulation des Herzschlages bei Anstrengung.
  • Schmerzen: Brennende, stechende oder bohrende Schmerzen, die sich nachts oft verschlimmern. Viele Patienten klagen über kalte Füße. Auch das Lageempfinden wird zunehmend gestört, so dass die akkurate Aufrechterhaltung des Standes leidet. Dies führt zu Schwanken, Schwindel und Gangstörungen. Das Schmerzempfinden wird allmählich herabgesetzt, so dass Verletzungen am Fuß nicht oder nur zu spät wahrgenommen werden. Dies kann, z.B. beim Diabetes mellitus, zur Entstehung von Druckgeschwüren führen.

Alle Symptome entstehen zumeist symmetrisch und nur seltener asymmetrisch mit Betonung auf einer Seite.

Cortison-Neuropathie und Erstverschlimmerung

Kortikosteroide (umgangssprachlich auch Kortison genannt) werden schon seit langer Zeit erfolgreich in vielen verschiedenen Therapiegebieten eingesetzt und haben auch bei CIDP ihre Wirksamkeit bewiesen. Sie wirken stark entzündungshemmend und unterdrücken die überschießende Reaktion des Immunsystems.

Kortikosteroide werden oft in der akuten Phase (Akuttherapie) in hohen Dosierungen verabreicht, um eine möglichst rasche Reduktion der Symptome zu erzielen. Ist eine dauerhafte Erhaltungstherapie notwendig, erfolgt in der Regel eine niedrigere Dosierung. Bei längerfristiger Einnahme (Erhaltungstherapie) von Kortikosteroiden ist das Osteoporose-Risiko deutlich erhöht, daher muss vor Therapiebeginn eine Osteoporose-Prophylaxe gestartet werden.

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Obwohl Cortison entzündungshemmende Eigenschaften besitzt, kann es in einigen Fällen paradoxerweise zu einer Verschlimmerung von neuropathischen Symptomen führen. Dieser Effekt wird als "Erstverschlimmerung" bezeichnet. Die genauen Mechanismen, die dahinterstecken, sind noch nicht vollständig geklärt. Es wird vermutet, dass Cortison:

  • Nervenreizungen verstärken kann: Cortison kann die Empfindlichkeit der Nerven erhöhen und dadurch bestehende Reizungen verstärken.
  • Entzündungsreaktionen auslösen kann: In seltenen Fällen kann Cortison selbst Entzündungsreaktionen im Nervensystem auslösen oder verstärken.
  • Den Blutzuckerspiegel erhöhen kann: Bei Diabetikern kann Cortison den Blutzuckerspiegel erhöhen und dadurch die diabetische Neuropathie verschlimmern.
  • Muskelschwäche verursachen kann: Cortison kann zu Muskelschwäche führen, was die Symptome einer Neuropathie verstärken kann, insbesondere wenn motorische Nerven betroffen sind.

Es ist wichtig zu betonen, dass eine Erstverschlimmerung durch Cortison nicht bei allen Patienten auftritt und in der Regel vorübergehend ist.

Diagnose der Polyneuropathie

Die Diagnostik der Krankheit erfordert einige Erfahrung. Man kann eine Polyneuropathie vermuten, wenn sich das Gefühl in den Füßen beim Sockenanziehen verringert oder wenn eine Gangunsicherheit auftritt, ohne dass eine andere Erkrankung als Ursache in Frage kommt.

Die Diagnostik der Polyneuropathie umfasst in der Regel folgende Schritte:

  1. Anamnese: Der behandelnde Arzt wird Sie zunächst zu Ihrer medizinischen Vorgeschichte und der Intensität und Dauer der Beschwerden befragen, um Hinweise auf mögliche Ursachen zu finden. Eine genaue Erhebung der Vorgeschichte (Anamnese) ist wichtig, um mögliche Ursachen und Risikofaktoren zu identifizieren.
  2. Klinisch-neurologische Untersuchung: Der Neurologe untersucht die Reflexe, die Sensibilität (Tast-, Schmerz-, Temperatur- und Vibrationsempfinden) und die Muskelkraft. Auch eine psychiatrische Untersuchung ist zur Abgrenzung notwendig.
  3. Elektrophysiologische Untersuchungen: Hierbei werden überwiegend die Nervenleitgeschwindigkeit und die Reizantwortstärke der betroffenen Nerven vermessen. Begleitet wird dies durch ein EMG (Elektromyographie - elektrische Untersuchung der betroffenen Muskeln mit einer Nadel). Die Nervenleitgeschwindigkeit wird gemessen, um festzustellen, ob die Nerven geschädigt sind und wie stark die Schädigung ist. Ein EMG (Elektromyographie) wird durchgeführt, um die elektrische Aktivität der Muskeln zu messen und festzustellen, ob die Muskeln von der Neuropathie betroffen sind.
  4. Laboruntersuchungen: Es erfolgt eine laborchemische Abklärung der wichtigsten Ursachen aus dem Blut. Klärt man die wichtigsten 35-40 Ursachen ab, so beinhaltet dies ca. 80 % aller betroffenen Patienten. Das Blut wird auf verschiedene Faktoren untersucht, wie z. B. Blutzuckerspiegel, Vitaminspiegel, Entzündungsmarker und Schilddrüsenwerte, um mögliche Ursachen der Polyneuropathie zu identifizieren. Gegebenenfalls wird der Neurologe auch untersuchen, ob eine schwere Nierenerkrankung vorliegt, die ebenfalls als Verursacher einer Polyneuropathie in Frage kommt.
  5. Liquoruntersuchung: Bei Verdacht auf eine entzündliche Erkrankung sollte das Nervenwasser (Liquor) untersucht werden.
  6. Bildgebende Verfahren: Eine Kernspintomographie der Lendenwirbelsäule oder Halswirbelsäule ist erforderlich, wenn gleichzeitig dort eine zusätzliche Erkrankung z.B. ein enger Spinalkanal vermutet wird.
  7. Genetische Untersuchungen: Die wichtigsten genetischen Ursachen lassen sich durch genetische Untersuchungen aus dem Blut heraus abklären. Diese Untersuchungen sind jedoch teuer. Sie werden von daher nicht routinemäßig durchgeführt.
  8. Nervenbiopsie: Eine Untersuchung eines operativ entfernten Teils eines betroffenen Nervens (Biopsie) ist heutzutage nur in Ausnahmen notwendig.

Behandlung der Polyneuropathie

Die Therapie der Polyneuropathie richtet sich nach der festgestellten Ursache und nach dem Beschwerdebild. Die häufig auch von Ärzten verbreitete Aussage: "Bei Polyneuropathie kann man nichts machen", ist falsch. Es gibt viele therapeutische Ansätze. Verbesserungen sind fast regelmäßig möglich. Auch eine Ausheilung ist nicht selten erzielbar.

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Ursachenbehandlung

Das primäre Ziel der Behandlung ist die Ausschaltung der Ursache der Polyneuropathie. Das bedeutet z.B. einen Diabetes mellitus optimal mit Medikamenten einzustellen. Medikamente, die eine Polyneuropathie verursachen, müssen abgesetzt oder ausgetauscht werden, insofern sie nicht aus anderem Grund unabdingbar notwendig sind. Eine toxische Exposition, beispielsweise durch Schwermetalle oder Umweltgifte, muss beendet werden. Ist Alkohol die Ursache der Polyneuropathie, so muss vollständige, lebenslange Abstinenz eingehalten werden. Auch kleinere Mengen Alkohol können eine Verschlechterung herbeiführen oder eine Ausheilung verhindern, da das Nervensystem bereits vorgeschädigt ist. Alkoholabstinenz ist immer eine Voraussetzung für eine Verbesserung oder Ausheilung der Symptomatik.

Schmerztherapie

Gegen die Schmerzsymptomatik werden Pregabalin oder Gabapentin sowie alternativ Duloxetin oder Amitriptylin eingesetzt. Diese Medikamente modifizieren die Schmerzwahrnehmung auf unterschiedlichen Wegen und haben sich als effektiver gegenüber klassischen Schmerztabletten erwiesen. Hierzu bedarf es der Unterstützung eines erfahrenen Neurologen oder Schmerztherapeuten.

Für die Behandlung der Schmerzen oder unangenehmen Missempfindungen stehen mehrere Medikamente zur Verfügung.

Entzündungshemmende Therapie

Liegt eine entzündliche Ursache der Polyneuropathie vor, so können Cortison-Infusionen, Plasmapherese (umgangssprachlich - Blutwäsche) oder die Gabe von Immunglobulinen zu einer Linderung oder gar Ausheilung führen. Die Notwendigkeit der Anwendung dieser Medikamente oder Verfahren zu beurteilen ist Sache des neurologischen Experten.

Kortikosteroide (umgangssprachlich auch Kortison genannt) werden schon seit langer Zeit erfolgreich in vielen verschiedenen Therapiegebieten eingesetzt und haben auch bei CIDP ihre Wirksamkeit bewiesen. Sie wirken stark entzündungshemmend und unterdrücken die überschießende Reaktion des Immunsystems.

Kortikosteroide werden oft in der akuten Phase (Akuttherapie) in hohen Dosierungen verabreicht, um eine möglichst rasche Reduktion der Symptome zu erzielen. Ist eine dauerhafte Erhaltungstherapie notwendig, erfolgt in der Regel eine niedrigere Dosierung. Bei längerfristiger Einnahme (Erhaltungstherapie) von Kortikosteroiden ist das Osteoporose-Risiko deutlich erhöht, daher muss vor Therapiebeginn eine Osteoporose-Prophylaxe gestartet werden.

Immunglobuline (Ig) haben eine gute Wirksamkeit bei entzündlichen Polyneuropathien bewiesen und werden in den Therapieleitlinien für CIDP, GBS und MMN empfohlen. Sie können intravenös (IVIG) oder subkutan (SCIG) verabreicht werden. Bei beiden Zubereitungen sind die Ig die gleichen, sie unterscheiden sich nur durch ihre Zusatzstoffe und die Art, wie sie verabreicht werden. Immunglobuline, auch Antikörper genannt, sind Teil des Immunsystems zur Abwehr körperfremder Stoffe wie Viren und Bakterien. Therapeutische Immunglobuline werden aus Blut- oder Blutplasmaspenden gewonnen und in einem technisch aufwendigen Verfahren aufgereinigt. Immunglobuline wirken bei CIDP, GBS und MMN als Immunmodulatoren, das heißt, sie wirken regulierend und korrigierend auf das aus den Bahnen geratene Immunsystem ein. IVIG werden erfolgreich sowohl in der Akut- als auch der Erhaltungstherapie von Polyneuropathien eingesetzt. In der Akutphase wird eine höhere Dosis als Infusion über 2-4 Tage verabreicht, in der Erhaltung kann die Dosis erniedrigt werden und eine Infusion ist dann nur noch etwa alle 3 Wochen notwendig. Subkutane Immunglobuline haben bei CIDP und MMN eine vergleichbar gute Wirksamkeit wie IVIG in der Erhaltungstherapie gezeigt. Wie werden subkutane Immunglobuline angewendet? Dazu werden die Immunglobuline über eine Kanüle mit Hilfe einer Pumpe in das subkutane (Unterhaut-)Fettgewebe (in der Regel im Bereich des Bauches oder der Oberschenkel) infundiert, von wo sie allmählich in das Blut aufgenommen werden.

Die Plasmapherese wird umgangssprachlich auch Blutwäsche genannt. Sie wird zumeist bei einer akuten Verschlechterung eingesetzt oder wenn Kortikosteroide und Immunglobuline keine Wirkung zeigen. Bei der Plasmapherese wird das Blut abgeleitet und aufgereinigt. Dabei werden die Autoantikörper gegen die Myelinscheiden größtenteils herausgefiltert, aber auch andere Komponenten des Immunsystems. Danach wird die Blutaufbereitung wieder zurückgeführt zusammen mit Blutplasma von menschlichen Spendern. Dieser Prozess dauert mehrere Stunden, ist für den Körper sehr anstrengend und kann nur in einer spezialisierten Klinik durchgeführt werden. Allerdings ist die Wirkung der Plasmapherese nur von kurzer Dauer und muss regelmäßig wiederholt werden.

Weitere Therapieansätze

  • Physiotherapie: Physiotherapeutische und physikalische Maßnahmen sind als langfristige Behandlungen am effektivsten. Lähmungen und Muskelschwund, Gleichgewichtsstörungen und Gangstörungen können mit einer spezifischen Physiotherapie behandelt werden. Diese kann gegebenenfalls um elektrische oder magneto-elektrische Stimulationverfahren ergänzt werden. Um die Symptome einer Polyneuropathie zu lindern, ist regelmäßige Bewegung sehr wichtig.
  • Ergotherapie: Ergotherapeuten können helfen, den Alltag trotz der Einschränkungen durch die Polyneuropathie zu meistern. In der Reha gab es Sensibilitätstraining, Wechselbäder, Reizstrom und Ergotherapie.
  • Neural-Akupunktur: Missempfindungen und Schmerzen können überdies mit einer Neural-Akupunktur behandelt werden.
  • Rehabilitation: Wenn bisherige Behandlungen nicht zur gewünschten Beschwerdefreiheit geführt haben, ist ein Reha-Aufenthalt eine sinnvolle therapeutische Ergänzung.
  • Alternative Therapien: Einige Patienten berichten von positiven Erfahrungen mit alternativen Therapien wie Akupunktur, Homöopathie oder pflanzlichen Mitteln. Die Wirksamkeit dieser Therapien ist jedoch wissenschaftlich nicht ausreichend belegt. Ich habe es jetzt zweimal mit dem Qutenza- Pflaster versucht.(Chilli-Plaster, das um die Fußsohlen geklebt wird.) Informiere dich doch einmal. In der Zwischenzeit habe ich auch mehrere Ganzkörper-Lymphdrainagen in Anspruch genommen. Das tat mir auch gut. Ich nehme Vitamin B1 und B6.

Selbsthilfemaßnahmen

  • Regelmäßige Bewegung: Regelmäßige Bewegung oder Physiotherapie kann helfen, die Muskelkraft und Koordination zu verbessern und Schmerzen zu lindern.
  • Ausgewogene Ernährung: Eine ausgewogene Ernährung und gegebenenfalls die Substitution von Vitaminen können den Körper bei der Regeneration unterstützen.
  • Vermeidung von Alkohol und Nikotin: Bei einer durch Alkohol verursachten Polyneuropathie sollte auf Alkohol verzichtet werden, um eine Verschlimmerung zu verhindern.
  • Fußpflege: Eine sorgfältige Fußpflege ist besonders wichtig, um Verletzungen und Infektionen vorzubeugen. Ich trage sehr häufig die Schuhe mit den runden Sohlen, die leicht federn und dadurch das Gehen erleichtern. Auch für mich ein Dauerthema… Ich laufe auch mit diesen Schuhen mit den runden Sohlen herum, und zwar eigentlich fast ausschließlich. Dazu bei Kälte und Nässe zwei paar sehr dicke Socken.

Prognose

Die Frage, ob eine Heilung der Polyneuropathie möglich ist, lässt sich leider nicht eindeutig beantworten. Sie hängt unter anderem vom Zeitpunkt der Diagnose, der zugrundeliegenden Erkrankung und dem Ausmaß der bereits bestehenden Nervenschädigung ab. Polyneuropathien beeinflussen für gewöhnlich die Lebenserwartung nicht direkt, jedoch kann die Lebensqualität durch Symptome wie Schmerzen, verminderte Mobilität und die damit verbundene erhöhte Sturzgefahr eingeschränkt sein.

Leben mit Polyneuropathie

Viele Betroffene berichten davon, dass sie trotz der Einschränkungen durch die Polyneuropathie ein erfülltes Leben führen können. Wichtig ist, sich aktiv mit der Erkrankung auseinanderzusetzen, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen und Selbsthilfemaßnahmen zu ergreifen.

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