CRPS und Migräne: Ein möglicher Zusammenhang

Das komplexe regionale Schmerzsyndrom (CRPS) und Migräne sind zwei unterschiedliche Schmerzerkrankungen, die jedoch möglicherweise durch gemeinsame pathophysiologische Mechanismen verbunden sind. Dieser Artikel beleuchtet den aktuellen Stand der Forschung zu diesem Thema und diskutiert mögliche Implikationen für die Behandlung beider Erkrankungen.

Das komplexe regionale Schmerzsyndrom (CRPS)

Das CRPS, früher auch als Morbus Sudeck oder sympathische Reflexdystrophie bezeichnet, ist eine chronische Schmerzerkrankung, die in der Regel nach einer Verletzung, häufig an Armen oder Beinen, auftritt. Die genauen Ursachen sind noch nicht vollständig geklärt, aber es wird angenommen, dass eine Kombination aus entzündlichen, neurogenen und zentralnervösen Prozessen eine Rolle spielt.

Symptome des CRPS

Die Symptome des CRPS sind vielfältig und können sich im Verlauf der Erkrankung ändern. Typische Anzeichen sind:

  • Schmerzen: Anhaltende, oft brennende oder stechende Schmerzen, die stärker sind als aufgrund der ursprünglichen Verletzung zu erwarten wäre. Die Schmerzintensität kann im Tagesverlauf schwanken.
  • Entzündungszeichen: Schwellungen, Veränderungen der Hautfarbe (rot, blau oder blass) und der Hauttemperatur (warm oder kalt), vermehrte Schweißbildung oder Veränderungen des Nagel- und Haarwachstums.
  • Bewegungseinschränkungen: Reduzierte Beweglichkeit und Kraft im betroffenen Bereich.
  • Sensibilitätsstörungen: Überempfindlichkeit gegenüber Berührungen (Allodynie), Taubheitsgefühle oder das Gefühl, dass der betroffene Körperteil nicht mehr zum eigenen Körper gehört.

Die Diagnosestellung erfolgt überwiegend klinisch, d.h. anhand des Vorhandenseins bestimmter Symptome und nach Ausschluss anderer Erkrankungen. Bildgebende Verfahren wie die Drei-Phasen-Knochenszintigraphie können in der Akutphase hilfreich sein, sind aber nicht zwingend notwendig.

Behandlung des CRPS

Eine ursachenbezogene Therapie des CRPS existiert nicht. Die Behandlung orientiert sich an den vorliegenden Beschwerden und zielt darauf ab, die Schmerzen zu lindern, die Funktion zu verbessern und die Lebensqualität zu erhöhen. Zu den wichtigsten Therapiebausteinen gehören:

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  • Medikamentöse Therapie: Antientzündliche Medikamente (Kortison, Bisphosphonate), Schmerzmittel (entzündungshemmende Schmerzmittel, Ko-Analgetika wie Antidepressiva oder Antiepileptika).
  • Physio- und Ergotherapie: Aktive Übungen zur Verbesserung der Kraft und Beweglichkeit, Spiegeltherapie.
  • Psychologische Betreuung: Schmerzpsychotherapie zur Bewältigung der seelischen Folgen der Erkrankung, Entspannungsverfahren.
  • Weitere Maßnahmen: Hochlagerung, Wärme- oder Kälteanwendungen, leichte Bürstenmassage.

Es ist wichtig zu betonen, dass die Therapie des CRPS einen sehr gut koordinierten Einsatz verschiedener medizinischer, psychologischer und physiotherapeutischer Experten erfordert. Eine individuell angepasste Abfolge der Therapiemaßnahmen ist entscheidend, da eine grundsätzlich richtige Therapie die Symptome verschlimmern kann, wenn sie zum falschen Zeitpunkt einsetzt.

Prognose des CRPS

Das CRPS ist eine langwierige Erkrankung, die viel Geduld erfordert. Die Prognose ist variabel und hängt von verschiedenen Faktoren ab, wie z.B. dem Zeitpunkt der Diagnose und dem Beginn der Behandlung. Bei frühzeitiger Erkennung und adäquater Therapie ist bei über 50% der Patienten mit einer nahezu vollständigen Erholung zu rechnen. Psychischer Stress und verzögerte oder falsche Behandlung können den Krankheitsverlauf jedoch negativ beeinflussen und zu einer Chronifizierung führen.

Migräne: Eine neurologische Kopfschmerzerkrankung

Migräne ist eine primäre Kopfschmerzerkrankung, die durch anfallsartige, meist einseitige Kopfschmerzen gekennzeichnet ist. Die Kopfschmerzen sind oft von Begleitsymptomen wie Übelkeit, Erbrechen, Licht- und Geräuschempfindlichkeit begleitet.

Pathophysiologie der Migräne

Die Pathophysiologie der Migräne ist komplex und noch nicht vollständig verstanden. Es wird angenommen, dass eine veränderte Konnektivität zwischen zentralen sensorischen und limbischen Strukturen im Gehirn eine wichtige Rolle spielt. Auch eine dysfunktionale Verarbeitung von sensorischen Reizen und Schmerzreizen wird diskutiert.

Behandlung der Migräne

Die Behandlung der Migräne umfasst sowohl die Akutbehandlung der Kopfschmerzattacken als auch die Prophylaxe, um die Häufigkeit und Intensität der Anfälle zu reduzieren.

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  • Akutbehandlung: Schmerzmittel (z.B. Ibuprofen, Metamizol), Triptane.
  • Prophylaxe: Medikamentöse Prophylaxe (z.B. Betablocker, Antidepressiva, Antiepileptika), nicht-medikamentöse Maßnahmen (z.B. Entspannungsverfahren, kognitive Verhaltenstherapie).

Gemeinsamkeiten von CRPS und Migräne

Obwohl CRPS und Migräne unterschiedliche Erkrankungen sind, gibt es Hinweise auf mögliche Gemeinsamkeiten in der Pathophysiologie. Studien haben gezeigt, dass bei beiden Erkrankungen Veränderungen im zentralen Nervensystem auftreten, insbesondere in den Bereichen, die für die Schmerzverarbeitung zuständig sind. So zeigen CRPS-Patienten in neurophysiologischen Untersuchungen vielfältige Veränderungen im zentralen Nervensystem (ZNS), wobei besonders die maladaptive Reorganisation im sensomotorischen Kortex mit der Schmerzintensität assoziiert ist. Auch bei Migräne wird eine dysfunktionale Verarbeitungsstörung von sensorischen Reizen diskutiert.

Erhöhte Erregbarkeit des schmerzverarbeitenden Systems

Es gibt Berichte über eine überdurchschnittliche Häufung von Migräne bei CRPS-Patienten, was für eine generell erhöhte Erregbarkeit des schmerzverarbeitenden Systems sprechen könnte. Dies könnte bedeuten, dass Patienten mit CRPS anfälliger für die Entwicklung von Migräne sind oder umgekehrt.

Gemeinsame pathophysiologische Mechanismen

Zusammenfassend lassen sich aus individuellen Studien zur Migräne u. zum CRPS Gemeinsamkeiten peripherer u. zentraler Mechanismen der neurogenen Inflammation, zentralen Sensitivierung u. neuroplastischer Mechanismen in höheren schmerzverarbeitenden Zentren ableiten.

Diese hypothetischen Gemeinsamkeiten sind grundlagenwissenschaftlich u. klinisch hoch relevant, da sich bei Bestätigung gegebenenfalls neuere therapeutische Konzepte jeder der Erkrankungen auf die andere übertragen ließe.

Forschungsansätze und zukünftige Perspektiven

Um den Zusammenhang zwischen CRPS und Migräne besser zu verstehen, sind weitere Forschungsarbeiten erforderlich. Ein vielversprechender Ansatz ist die Untersuchung einer großen CRPS-Gruppe mit Hilfe von Fragebögen, um das Auftreten von Migräne und anderen Begleiterkrankungen zu erfassen. Ziel ist es, 200 CRPS Patienten anonym zu diesen Begleiterkrankungen zu befragen.

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Neue Migränemedikamente für CRPS-Patienten?

Da die патогенетические Mechanismen bei Migräne und CRPS ähnlich sein könnten, könnten neue Migränemedikamente, die auf die zentrale Reizverarbeitung abzielen, möglicherweise auch für CRPS-Patienten hilfreich sein. Da genau dieses gerade Angriffspunkt neuen Migränemedikamente ist wäre das zukünftig vielleicht euch für CRPS-Patienten hilfreich.

Fatigue bei CRPS

Neben Migräne berichten viele CRPS-Patienten auch von außergewöhnlicher Müdigkeit und Abgeschlagenheit (Fatigue). Fatigue ist ein Symptomkomplex, der auch bei anderen Erkrankungen wie Multipler Sklerose oder Tumorerkrankungen auftritt und einen großen Einfluss auf die Lebensqualität hat. Leider gibt es bisher zu CRPS noch keine validen Daten über das Auftreten von Fatigue. Dies wäre aber für ein multimodales Schmerzkonzept von großer Wichtigkeit. Sodass auch dieser Punkt mit Fragebögen abgefragt wird.

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